Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 23 (1937)
- Issue
- 13 (26.3.1937)
- Date
- 1937-03-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Wir wunsdien unseren Leiern und Freunden שמחת ירט Novinove vtfplat«6 pottrtene rtadit post a tefegräfov v Bfatlsiave 619. 41572-111-20 V. b. b Zeitungen vom Verleger versendet Journal expediö par rediteur 30DI8CHG PB6SS6 WIBN* BRATISLAVA U. MÄRZ 1m ערנפסוז תרצ״ז 23, Jahrgang / Nummer 13 Redaktion und Administration: Wien, II., Mal2g. 12a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Republikplatz 37, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschiaß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kd 80, Jugoslawien Dinar 160, das übrige Ansland Schw. Fr. 14. Einzelnummer Ost. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr, 126.068, Budapest Nr. 60.170, Warschau Nr. 193.316, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, Berlin Nr. 122.619; für ״Jüdische Presse“, Bratislava: Prag Nr. 53.386. ORGnn für Die imeRessen oes ORTHODonen juDentums Frühling und Freiheit Das Lied vom Frühling haben die Dichter aller Zeiten und Völker in allen Tönen und Variationen gesungen und es will immer noch nicht verstummen, so oft des Lenzes Zauberfinger den Blütenschoß der Erde erschließt. Wie es keimt und knospet und blüht, wo kurz vorher noch Erstarrung und -Totenstille geherrscht! Tausenderlei geheimnisvolle Kräfte sprengen den Schoß der Erde, ein neues ״Werde!“ geht durch die Natur. Freudig atmet alles auf, nach bangen, trüben Tagen; Lebenslust und Wonne erfüllen des Menschen Herz, als sei ihm die Erlösung gekommen von aller Not und Pein, als wolle sich die Welt in ein Paradies verwandeln. einer g־ttlichen Wuriderwaltung nimmt. Der gläubige Jude jedoch dankt G־tt alltäglich על פיך שבכל יום עמנו, für die Wunder, die j e d e n Tag mit ihm geschehen. Denn er weiß, daß ununterbrochen Wunder mit uns und um uns sich ereignen, daß alle s, was menschlicher Verstand nicht zu erfassen vermag —- und ist es trotz aller naturwissenschaftlichen ״Hypothesen“ und ״Theorien“ letzten Endes nicht alles? ׳—, G־ttes Wille und Werk ist! Wohlan denn: auch die Befreiung aus Aegypten, dem בית עבדים dem Lande, wo die|Knechtschaft ״zu Hause“ war, dem Reijche des vollendet- Die gute Zahnpasta! Reinigt restlos. 1 Schont den 1 yaknschmelfr In solcher Zeit begehen wir unser P e s s a c hfest, das Fest, das unsere Thora in unmittelbare Beziehung setzt zur gegenwärtigen Jahreszeit: היום אחם יוצאים בחדש האביב׳ heute seid ihr ausgezogen, im Monat der Aehrenreif e!“ Ein Frühlings fest ist Pessach, im Monat des Blühens und Reifens feiern wir den Tag der Erinner.ung an unser erstes Auftreten als freies, selbständiges Volk in der Weltgeschichte. Hochbedeutsam muß uns dieser Hinweis auf die sich erneuernde Natur erscheinen; denn nicht ohne Grund mag die Heilige Schrift den geschichtlichen Akt von Jezias Mizrajim in Zusammenhang bringen mit dem natürliehen Vorgang, den wir heute und alljährlich um uns gewahren! In der Tat, es könnte für die ewig denkwürdige Erlösungsgeschichte kein trefflicheres Milieu gefunden werden als die in unzähligen Formen und Wesen neu auf lebende Natur, keine Szenerie würde passender den großen Akt umrahmen als die vom Winterschlaf erwachende Erde. Natur und Geschichte treten uns hier.vereint entgegen, von der gleichen Kraft bewegt, von demselben Geist durchweht und getragen. חיום אתם .יוצאים בחדש האביב. Es war ein Lenzes monat, da ihr auszoget! Das bleibe euch stets lebendig im Bewußtsein! Wie hat man doch versucht, den wunderreichen Auszug aus Aegypten seines wahren Charakters zu entkleiden! Eine ihre Grenzen verkennende Naturwissenschaft unternimmt es im Bunde mit der radikalen Bibelkritik, das, was uns נסים sind, hochaufgesteckte ״G-tteszeichen“, zu natürlichen Vorgangen im menschlichen und völkergeschichtlichen Leben zu degradieren. Den Vertretern dieser Anschauung gilt es als Beleidigung des menschlichen Verstandes, den Wunder glauben festzuhalten, der besonders reichlich in der gesamten Pessach feier zur Geltung kommt. Dieser jenseits des Vernünftigen nichts begreifen könnenden und darum nichts anerkennen wollenden Vernunft hält nun die Thora die Tatsache entgegen:!היום אתם' יוצאים בחדש האבלב Das Wunder, das alljährlich um diese Zeit vor unseren und aller Augen sich vollzieht, daß aus dem Staubte vielgesta.ltiges Leben erblüht, es ist der überzeugendste Wahrheitsbeweis für die נסים, welche den Auszug aus Aegypten begleiteten. Gesetzt den Fall, die Erneuerung der Natur würde in unabsehbaren Zeitperioden je vor sich gehen, man würde kaum glauben, daß unter dem Schnee und Eis solch revolutionäre Kräfte schlummern; wie der Frühling sie freimacht! Nur die Regelmäßigkeit der Erscheinung ist es, die keinen Zweifel daran zuläßt, ist es aber auch, die ihr vielfach den Charakter Die Jahre gleichen einander und folgen einander, ohne uns eine Besserung zu bringen. Die Dage der Judenheit auf dem ganzen Erdenrund ist ärger als je. Die von gewisser Seite genährte allgemeine Neigung, den sehr gering gewordenen Wohlstand der Juden zum Besten Anderer zu erschüttern, ist zur Epidemie geworden. Die ungeheuerlichsten Anstrengungen 'der jüdischen Geber, die Not nicht ohne Hilfe lassen können, weiten sich zu einer Ausdehnungaus, die geradezu die ganze jüdische Existenz in Frage stellt. Unser Pessachf^st, die Erinnerung an unsere Befreiung von Sklaverei, an unsere Erhebung durch das Erlebnis am Sinai; dasrütts die höchste Ethik, die die Menschheit besitzt, gegeben hat, erweckt wohl immer wieder in uns die Hoffnung, daß das Pessachfest der Auftakt zur endgültigen Erlösung Israels werde. Aber wir selbst müssen auch das Nötige dazu tun. Unsere geistige Befreiung, unser Sich-unter-die־Herrschaft־G-ttes- Stellen, sind die Vorbedingungen für unsere Erlösung. Es hat beinahe den Anschein, als würde man auch in Kreisen, die ׳ dem religiösen Judentum ganz fernstehen, hie und da zur Einsicht gekommen sein, daß die Mission des Judentums eine höhere ist als die der anderen Völkeir, daß die Kinder Abrahams, Jizchoks und Jaakows dazu geschaffen sind, an der Spitze der Menschheit als G-ttes Diener zu marschieren. Es macht sich in immer weiteren jüdischen Kreisen eine Bewegung geltend, den Kindern eine Ahnung vom Wesen des Judentums beizubringen, die Häuser jüdischer zu gestalten. Wenn wir auch allen Sinn für Kultur haben, so ist die Erkenntnis, daß die Hauptaufgabe der Juden G-ttes- und Menschendienst ist, weiter vorgedrungen. Möge das Pessachfest von vielen Glaubensgenossen, die es nicht mehr kannten, wieder gefeiert werden als Anlaß zum Dienste G-ttes und zum Dienst an unseren armen Glaubensgenossen, für die eine bessere Existenz zu schaffen, unsere wichtigste Aufgabe sein muß. Die vielen tausende Juden, die in Ost und West, in Süd und Nord, gedrückt, gepeinigt und verfolgt werden, mögen sie im beginnenden neuen Jahre endlich ein ruhiges, sorgloses, wenn auch — wie wir Juden es gewöhnt sind — mit Plage verbundenes Heim finden, in dem sie sich, ihre Familien und ihre notbehafteten Nebenmenschen zu einer menschenwürdigen Existenz führen können. Wotß pjtftfieftUeiin sten Kastengeistes, die Erlösung vom. p'haraonischen Joch muß unter höherer Einwirkung sich vollzogen haben. Sie war ein נב wie das Sprengen der Erdenrinde durch die Keimkraft. Nie und nimmer hätte Israel die Sklavenkette eigenmächtig gesprengt, אלו לא הוציא הקב׳ה את אבותינו ממצרים, wenn G -11 unsere Väter nicht aus Aegypten geführt. Wie hinter den Naturgesetzen, deren Weben tinä Schaffen wir wiederum bewundernd wahrnehmen, so steht hinter dem Erlösungswunder G-ttes Allmacht allein. היום אתם יוצאים בחרש האביב, heute seid ihr ausgezogen, im Monat der " Aehrenreife! Unser Frühiingsfest ist aber auch זמן חרותנו, die Zeit unserer Freiheit, ja, das bildet sogar seine Grundbedeutung. Denn frei verließ Israel das Land, dessen Boden von seinem Schweiß und Blut und seinen Tränen getränkt war. Freiheit! Ein stolzes, erhabenes und heiliges Wort! An dem Klange dieses Wortes haben sich zahllose Menschen berauscht; als die mächtigste Fanfare riß es ganze Völker zu stolzen Taten hin, erschütterte Reiche und stürzte Throne. Kein Begriff ist aber auch so zweideutig, so vielem Mißverständnis und Mißbrauch ausgesetzt gewesen wie der der Freiheit, Die Freiheit ist ein Licht, sie kann aber auch eine Brandfackel sein. Sie kann leuchten und zünden. ״Freiheit ruft die Vernunft, Frei׳־ heit die wilde Begierde.“ Die Revolutionen aller Zeiten beweisen, wie zweischneidig dieses Schwert ist, das in den meisten Fällen auch den zerfleischt־, der es geschwungen. Wie ganz anders nimmt sich der Freiheitsbegriff aus, der sich in unserer Pessachfeier verkörpert! Wir hören nichts von blindwütenden Parteien, nichts von Gewalt und Schreckensherrschaft der sich Befreienden. Ein unschuldig leidendes Volk harrt in der Nacht des g-ttlichen Rufes und folgt dann diesem in die Freiheit, in seine Freiheit. Jawohl, in s e i n e, in eine eigentümliche Freiheit. Andere Nationen führten große Freiheitskämpfe auf der heimischen Scholle und für die heimische Scholle. Israel aber hat kein Land; sein erster Schritt in die Freiheit führt in die Wüste; dort wül es die Thora empfangen, in der Wildnis das Sittengesetz, in der Einöde das Heil der Menschheit entgegennehmen. G-ttes Dienst anzutreten, das war das Ziel und die Krönung unserer Freiheit! Und diese Freiheit besteht auch heute noch, obwohl das jüdische Volk seit jener Erlösung oft genug nationale Freiheit, Vaterland und Menschenrechte eingebüßt hat. Und darum ist auch das Fest dieser Freiheit nach nahezu viertausend Jahren unverjährt und unverjä'hibar! Mit Inbrunst und Freude feiern wir es, mit Dank und Jubel; denn die Freiheit, die uns damals, im Frühling der Natur und unseres Volkes, zuteil geworden* ist ewig und herrlich und sieghaft wie der Frühling selbst. ״ Othmar-Schiff-Per ücke _Wien!,Kärntner ring 6 Telephon U-43’0-16 י Stets Neuerungen am Lager!