Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 23 (1937)
- Issue
- 12 (19.3.1937)
- Date
- 1937-03-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2629891-2630682-2630694--5468-2637813- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ו.«וו»8 JÜDISCHE PRESSE Nr. 12 ilTjS'CHjE C H OS L O WAKE Irene FeltHtelm #1e0 Verlobte Dmrttf Kos^ Bratislava UCUtdstUau Auch ein ״Judenffeund“ —* Ministerpräsident Hodza für den Schabbos — Wir, die Nationen Das Gebot der Stunde. Der * Abgeordnete der slowakischen Volkspartei Sidor hatte wieder einmal eine ausgezeichnete Idee: Er interpellierte im Parlament im Interesse der luden des Landes, indem er die Regierung aufforderte, die jüdische Emigration nach Birobidschan zu forcieren. Zur selben Zeit richtete der Befreier-Präsident Masaryk anläßlich seines Geburtstages mittels Radios eine Botschaft nach Amerika» in der dieser ״große Europäer" unzweideutig jeden Rassenhaß verwirft. Ein ■weiteres bedeutsames Ereignis dieser Woche, welches Herrn Abg. Sidor für seine ferneren ״judenfreundlichen״ Exkursionen sicherlich die Lust nehmen dürfte, ist das Exposee des Ministerpräsidenten Dr. Milan HodZa. Der Ministerpräsident sprach anläßlich einer Vorsprache jüdischer Abgeordneter ausführlich Über die Regelung der Minderheitenprobleme und kam auch schließlich im Zusammenhang mit der geplanten Einführung der allgemeinen Sonntagsruhe im Lande auf jene orthodoxen Juden zu sprechen, die dadurch bedeutend geschädigt wären. Der Ministerpräsident versprach, daß den religiösen Gefühlen im Gesetze Rechnung getragen werden wird. — Diese Einstellung liegt• im Wesen unserer Demokratie, nicht aber das einer überaus lebhaften Phantasie entstammende Projekt des Abgeordneten Sidor. 1 Und wenn Dr. HodZa gegenüber den sich als Vertretet einer jüdischen Minderheit in unserer Republik bezeichnenden jüdischen Abgeordneten die Aeußerung getan hat, daß auch die Rechte und Forderungen der jüdischen Nationalität berücksichtigt werden, so kann diese Zusage wohl zunächst wieder nur für die orthodoxen Juden gelten, die es zwar nie wünschten, als eine Minorität im Staate angesehen zu werden, die aber dem Urtypus des jüdischen Nationaljuden am ehesten gerecht werden. Es wird — wie bisher — ihrem Nationalgute, der von allen zivilisierten Völkern der Erde respektierten Thora, stets Rechnung getragen werden. Das durch die jüdische Presse des Landes seit Wochen bereits geweckte allgemeine Interesse für das Sonn tags r uh egesetiz hat nun eine lebhafte Aktion gezeitigt. Von allen in Betracht kommenden Körperschäften werden die Schritte unternommen, die der günstigen Erledigung dieser Frage dienlich sind. So hat zunächst das orthodoxe Zentralbüro im Sinne eines vom Verwaitungsausschuß vor kurzem gefaßten Beschlusses in Prag beim Handelsminister Najman interveniert — scheinbar nicht ohne Erfolg, wie die oben erwähnte Aeußerung Dr. Hodias beweist. Der Deputation gehörten nebst den Vertretern der orthodoxen Zentralkanzlei auch Abgeordneter Ing. ■Liäka und Landtagsabgeordneter Ludwig Mayer (Bratislava) an. Wir wollen hoffen, daß die Zeichen, die für die Berücksichtigung der glaubenstreuen Juden günstig sind, nicht trügen werden. Wir müssen aber zunächst die orthodoxe Kaufmannschaft auch darauf aufmerksam machen, daß man nicht tatenlos der Entwicklung der Dinge entgegenharren darf und daß es im allgemeinen Interesse wie im Interesse der Kaufmannschaft liegt, geeint und geschlossen vorzugehen. Agudas Jisroel wäre der geeignete Rahmen, in welchem die orthodoxen Kräfte organisatorisch zusammengefaßt werden könnten und sollten. Judendebatte im Parlament. Die seit einiger Zeit von der ״Slowakischen Volkspartei" in ihrer Presse betriebene Judenhetze fand vergangene Woche endlich ihren Weg auch in das tschechoslowakische Parlament. Ein Abgeordneter dieser Partei, namens Sidor, hat in verblendetem Haß das Wagnis vollbracht, das demokratische Ansehen unseres Parlaments vor aller Welt mit einem Makel zu behaften, indem er zum ersten Male seit Bestehen unserer Republik die sogenannte ״Judenfrage“ im Rahmen dieser gesetzgebenden Körperschaft in einem allen demokratischen Prinzipien hohnsprechenden Sinne aufwarf. Abgeordneter Sidor sagte in seiner an den Außenminister Dr. Krofta gerichteten Interpellation: ״Von 1922 bis 1934 haben 102.000 Slowaken das Land verlassen, indes die Zahl der Juden in der Slowakei und Karpathorußland immer mehr zunimmt. Die ungarische Regierung hat seinerzeit die Ansiedlung von Juden in der heutigen Slowakei gefördert. Damals sind sie kleine Händler gewesen, heute aber beherrschen sie das ganze Wirtschaftsleben." Sidor forderte schließlich den Außenminister und die Regierung auf, , ״sie mögen die jüdische Bevölkerung allmählich in das autonome jüdische Gebiet in der Sowjetunion, nach Birobidschan, überführen. Die Sowjetunion würde der Tschechoslowakei bei der Aufnahme der jüdischen Bevölkerung sicher sehr entgegenkommen, denn es handelt sich ohnehin überwiegend um Anhänger des Kommunismus", Der Außenminister Krofta fand es für richtig, auf diese Interpellation bloß mit einigen knappen und amtsmäßig trockenen Worten eines anderweitig mit wichtigeren Dingen beschäftigten Trägers der äußeren Staatsgeschäfte zu antworten. Er bemerkte, er könne diese Frage nur so weit beantworten, als sie in sein Ressort falle. Das Außenministerium befasse sich eingehend mit der geeigneten Unterbringung jüdischer Emigranten ip Palästina und habe mit Rücksicht auf die große Zahl tschechoslowakischer Palästina- Emigranten ein Konsulat in Jerusalem errichtet, das gemeinsam mit der Gesandtschaft in London die Aus- Wanderung tschechoslowakischer Juden nach Palästina unterstütze. Das undemokratische Intermezzo in den stets von demokratischem Geiste getragenen Pariamentsdebatten fand seinen Abschluß mit folgender anerkennenswerten Aeußerung des Abgeordneten Dr, Mareä; . ״Die antisemitischen Töne in der Rede des Hlinka-Abgeordneten Sidor sind im tschechosiowakisehen Parlament vollkommen fremd. Das tschechoslowakische Volk wird niemals einen Teil der Bewohner- Schaft der Republik anders behandeln als die übrige Bevölkerung»״ Im Vertrauen auf den humanen Geist des tschechoslowakischen Volkes erlichten wir die obskure Interpellation des Herrn Sidor als eine Unbedeutende Episode in der Geschichte des tschechoslowakischen Parlaments. Die Geschichte des tschechoslowakischen Volkes stand seit dem mutigen Auftreten Hus’ bis zur Gründung unserer Republik im Zeichen des Kampfes für Menschenrechte, Freiheit und Gerechtigkeit. Auf dem Grunde dieses von humanen Motiven getragenen Kampfes erhob sich das Staatsgebäude unserer Tschechoslowakischen Republik unter den Meisterhänden genialer Staatsmänner unter Führung des Humanisten Th. G. Masaryk. Eine gegen einen bestimmten Bevölkerungsteil gerichtete Verletzung der humanen Menschenrechte würde daher einem schädigenden Eingriff in die Grundlagen des Staates gleichkommen. Daher brauchen uns auch die bündigen Worte des Herrn Außenministers nicht weiter zu beschäftigen.!Sie bedeuten eine ressortmäßig sachliche Feststellung, daß das tschechosiowakisehe Außenamt keinesfalls einer normalen jüdischen Aus- Wanderung nach dem freien Willen der Juden durch Vernachlässigung seiner Pflichten gegenüber den jüdischen Emigranten hindernd im Wege steht. Wir können jedoch nicht umhin, die böswillige Verleumdung des Herrn Sidor auf das entschiedenste zurückzuweisen, daß etwa die Juden der Slowakei zu ihrem überwiegenden Teil Anhänger des Kommunismus wären. Es kann wohl nicht geleugnet werden, daß auch heute noch Juden an der Führung des russischen Kommunismus teilnehmen, wie es auch leider einzelne jüdische kommunistische Agenten und Anhänger des Kommunismus gibt. Sie alle haben mit dem Judentum im engeren und eigentlichen Sinne nichts gemein. Ihre einzige Beziehung zum Judentum ist ihre jüdische Geburt. Das Weltjudentum ist für diese einzelnen, von ihm abgefallenen Individuen nicht verantwortlich, ebenso wie auch sonst keine menschliche Gemeinschaft für Verschulden einzelner ihrer Glieder verantwortlich gemacht werden kann. S. Weiß. Imposante Sara-Schenirer-Trauerfeier in Bratislava. Am vergangenen Dienstag, den 25. Adar, hielt die Beth-Jakob-Fortbildungsschule in Bratislava die Abschlußfeier des ersten Semesters ab, in welchem Rahmen׳ auch eine Gedenkfeier für die ׳Begründerin und Leiterin des Beth-Jakob-Schulwesens Sara Schenirer s. A. stattfand. Dozentin Frl. Eva Landsberg schilderte in einer inhaltsreichen Rede die Bedeutung dieser wahren Mutter des gesetzestreuen Judentums und ihre ungeheuer großen Leistungen für die Erhaltung und Verbreitung des Thoragedankens. in der jüdischen Frauenwelt. Frl. Landsberg kam dann auf die von ihr im vergangenen Semester geleitete, neugegründete B,-J.-Fortbildungsschule für die Slowakei zu sprechen und gab ihrer Zufriedenheit mit der besonderen Aufnahmsfähigkeit und dem ernsten Eifer der Schülerinnen Ausdruck. Es folgten vier schöne und von besonderer Gründlichkeit zeugende Ansprachen von ׳Schülermiien über verschiedene Themen des während des abgeschlossenen Semesters aufgenommenen Stoffes. Bei der vorgenommenen Prüfung der Schülerinnen ,haben sich alle Teilnehmerinnen an diesem, ersten Kurs durch das gründliche Beherrschen des ganzen Lehrstoffes und die fließende Wiedergabe des Gelernten ausgezeichnet. Das nächste Semester der Beth-Jakob-Fortbildungsschule beginnt s. G. w. Anfang Ijar. Im Sommersemester werden keine neuen Schülerinnen aufgenommen werden; können, der zweite Kurs wird vielmehr erst ■mit dem Wintersemester beginnen. Personalnachrlchten Kroäöienkoer Raw ^1צ״ Ein Gaon im Lernen, ein Held in G-ttesfurcht, ein Heroe als Menschenfreund, ist mit dem Kroäöienkoer Raw s. Z. 1. dahingeschieden׳. Wer das Vergnügen hatte, ihn näher zu kennen, wem das Glück zuteil wurde, mit ihm — wenn auch nur kurze Zeit — in Verkehr zu stehen, der!weiß es, daß in ihm das Ideal eines jüdischen Mensehen verkörpert war. Mit einem wunderbaren gaonischen Scharfsinn begnadet, von einer besonderen Herzensgute, die keine Schranken kannte, beseelt, hat er das beste Exempel jüdischer Vollkommenheit dargestellt. Wie strahlte sein Antlitz voller Freude und Wonne, wenn er die Früchte seines eifrigen Lernens und Forschens in der Thora seinen Zuhörern auseinanderlegte. Wie strahlte er voller Freundlichkeit und. Edelmut., wenn er die Gelegenheit hätte, Fremde zu bewillkommnen. Mit welcher Willigkeit und Bereitschaft hat er das Herz der Gedrückten und Leidenden zu erquicken! gestrebt. חנצב• ה Moses Epstein ן״ל Vergangene Woche verschied in Bratislava der seit einigen! Jahren hier ansässige, aus Mukaöevo stammende jüdische Kaufmann Moses E p s t ein im 47. Lebensjahre. Epstein, der sich wegen seines schliqhten׳ Charakters größter Wertschätzung i erfreute, hinterläßt eine gramgebeugte Witwe mit elf unversorgten, zum Großteil kleinen Kindern. Der Verblichene wurde am Mittwoch unter großer Beteiligung zur Kwüroh gebracht. Se, Ehrwürden Herr Oberrabbiner Schreiber schilderte in rührenden! Worten den Niftar und die Tragik seines Todes. Dr. Samuel Hajdu s- A. Nach kurzem Leiden verschied in S e n i c a am Ere!w R. Ch. Nisson im Alter von 54 Jahren Dr. Samuel Hajdu, der langjährige, verdienstvolle Vizepräses der jüdischen Gemeinde, Wegen des Nisson wurden keine Hespedim gehalten. Trotzdem versammelte sich eine außergewöhnlich große Menschenschar aus der ganzen Umgebung, um dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Am gleichen Tage wie Dr. Hajdu wurde auch die langjährige Kassierin des Frauenvereines von Senica, Frau Amalie S c h önm a n n, zu Grabe getragen.; Ein köstliches Getränk J3 ־ i מ d d i e W e i n e von HIRSCH LIPSCHUTZ [ WIEN II, ROTEN STERN G AS SB 9 Bertha Holpern Dr. SalomonÄnfeld Tochter des Herrn Marcus Halpern Cluj London Verlobte Juwelen, Uhren, Gold- und SUberwaren, Ins- IJftttfiiv fllNüllMMil besondere ®בלי קוד, Sederschüssel, Menoras, nDlIlZ wUFllliny Leuchterund Besteckein großer Auswahl, auch Gelegeuhe>t8käufe. stets vorrätig 11( TaborttfüBe 14 [ Die besten Hochzeiten and Festlichkeiten arrangiert billig und elegant HAGEL, mm II, Proterstr,33 Unter Aufsicht des Babbinats der Adas-Jisroel-Sghiffschul I Residenz-Atelier für moderne Photographie f, Fleischmarkt 1,Tel. R-29-2-80 1 Bild und 4 Karten von S 15.— Selbstgepreßte Weine in vorzüglicher Qualität, Schweizer Käse, Kondensmilch, Schokolade, Gurken, Marmeladen, Himbeersaft, Wacholder, Liköre, sämtliche Spezereiwaren כשר של פסח DAVID STEINHOF, II., HAIDGASSE 5. ORTHODOXE in anerkannt prima Qualität liefert en gros, en dötail MAZZESBÄCK EREI מצו STERN G A L A N T A Gemeinden und Wiederverkäufer Rabatt Bad Grörenbers (Tschechlsch-Schleslen) F. Grünbaums streng כשר Kuranstalt und Pension, modern eingerichtet, Zimmer mit fließendem Kalt- und Warmwasser. — Ganzjährig geöffnet. Telephon Nr. 9. Sämtliche Prießnitzkuren im Hause. Rechtzeitige Anmeldungen zu Pessach erbeten! פארנעהשער וויטווער מיט קינדערן, ת*ח ויו־׳ש, זעהר ׳שענעם איינקאממען, וובט שידוך הנון, עלטערעם מעדבען אדער קינדערלאזע פרוי, אנטרא: מיט סאללער אדרעטבע אונטער .הערצענסניטעי אן: Zsidö Ujsäg, Budapest, Eötvös u. 26. Tag Nissan 1 s :cd S דף יוסי משנה יומית Kalendarium מנחות י ננעים משנה פרק Freitag 7 19 סו ש ח , Samstag 8 20 טח ■י " ם׳ צו, שבת הגדול Sonnlag 9 21 מט א ט Montag 10 22 •נ ב . מ 1 Dienstag 11 23 נא :נ; » Mittwoch 12 24 נב א .י Donnerst. 18 25 נ: כ " ליל בדיקת חמץ; Freitag 14 26 נד ,ג ' י־ מ ,ערב פסה Samstag 15 27 נה . ד " יום א׳ דססח י (סוף זמן קדוש לכנה <ניםן; Donnerstag,, den..25f März \ ' י Gebetzeiten פ' צו WIEN BIUTISUYA Uhrj Min. Uhr i Min. 4 1 50 4 j 55 8! 10 8; 10 טוף ,p קריאת ׳שמע של שחרית ..... 6 j 00 5 j 50 ׳כשבת:!מנחה בעש*ק . ... “7 | 00 7 1 15 9! 30 9 I 30 3! 30 4 I 00 ö i 50 6 i 4ü מעייב.במוצש*ק . 6 I 15 6 j 15 .7בחול,; .®חיית י•. 6 j 15 0 i 20 Eigentümer, Herausgeber und Verleger: David Türkl (für eine Arbeitsgemeinschaft), verantwortlicher Redakteur: Karl Richter., beide Wien, II., Malzgasse 12a; verantwortlicher Redakteur für die Tschechoslowakei; Siegfried Frommer, Bratislava, Zocbfasse 22/XIV/II, — Druck: Druckerei* und Verlags-A.-G. Ig. Steinmann, Wien, IX״ Universitätsstraße 6/5!