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Jüdische Presse · 1937-02-25 · 9 (25.2.1937) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
23 (1937)
Issue
9 (25.2.1937)
Date
1937-02-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
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Wir wünschen unseren Lesern und Freunden שמחת פורים »rssÄra.־«» v.b. b '*rerÄisss 3QDI8CH6 PR6SS6 בה WIEN. BRATISLAVA SS. FEBRUAR 1937 י״ד אדר תרצ״ז 23. Jahrgang / Nummer 9 Redaktion und Administration: Wien, II., Malzg. 12a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava,: Republikplatz 37, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kö 80, Jugoslawien Dinar 150, da« übrige Ausland SchW. Fr. 14. Einzelnummer bst. Gr. 40.׳ Zahlungen für ,,Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post* Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 193.316, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, Berlin Nr. 122.619; für ״Jüdische Presse“, Bratislava: Prag Nr. 53.386. oRGfln für Die irvreRessen Des 0RTH0D0Hen juöervrums Der Schlaf . , , ״In dieser Nacht floh den König der Schlaf.“ Nicht der Juden wegen, über deren Häuptern das Henkerbeil schwebte! Nein, das war es bestimmt nicht! König Achaschwerosch war großzügig im Schenken und Geben. Die Feierlichkeiten, die er veranstaltete, dauerten gewöhnlich ein halbes Jahr und zu den Festen, die er gab, .war das ganze Volk der Hauptstadt geladen. Seine Freünde überhäufte er mit Gunstbezeugungen und Beweisen grenzenlosen Wohlwollens. Und so hatte es ihn nicht viel Ueberwindung gekostet, seinem Liebling und Favoriten Haman, als dieser ihn darum bat, das Leben hunderttausender Juden zur Verfügung zu stellen. Nun dachte er nicht einmal mehr daran! Die Juden jammerten, Mordechai ging in Sack und Asche, einher, die Königin fastete und weinte und betete — doch das war es nicht, was den König nicht schlafen ließ•... Und doch ״floh in dieser Nacht den König der Schlaf“. Der König aber wollte schlafen! Warum sollte er es auch nicht? Wußte er doch das Schicksal des Reiches in guten Händen! Waren doch das Wohl und das Glück seiner Bürger gesichert! Die persischen Beamten waren treu Und zuverlässig, , unbestechlich ■ undunparteiisch; sie kannten in ihrem pienste keine persön-; liehe Neigung oder Abneigung, kein Sentim-nt oder Ressentiment, sondern nur ihre Pflicht und die Gerechtigkeit. Keine der zahlreichen, Nationen und Religionsgemeinschaften, die die 127 Provinzen des Weltreiches bevölkerten, hatte eine Zurück- Setzung zu befürchten. Denn allen־ gehörte die gleiche Liebe des Landeavaters. Streng wachten die Satrapen und die. unteren Behörden darüber, daß sich keine Schranken . des Mißtrauens oder gar des Hasses zwischen den in bunter Vielfalt vertretenen Rassen und Glaubensbekenntnissen aufrichteten. Hart wurden die Hetzer b estraf t, die Zwietracht säen wollten. Jeder wurde nach V e r d i׳ e n s t behandelt und konnte die höchsten Stellen und Ehren erreichen. Und wenn der treue Haman die Vernichtung der Juden forderte, so hatte er gute und gewichtige Grühd'e hiefür angegeben, wie daß ,,sie des Königs Gesetze mißachten und daß es nicht lohnt, sie zu belassen“. Wenn ein Haman wachte, dann durfte der König ruhig schlafen. Und doch ,,floh in dieser Nacht den Köhig der Schlaf“. Und aus purer Langeweü'e ließ er sich die Reichs- Chronik bringen, um zum Zeitvertreib wahllos darin zu blättern... ' - Aber! auch ein anderer König konnte nicht schlafen. Denn ״es schläft und schlummert nicht der Hüter Israels“. Auch/Er blätterte in der Chronik, in der Chronik Seines Reiches׳, in deren ersten Kapiteln verzeichnet sind der B u n d, den Er mit dem Ersten, der Ihn erkannt, geschlossen, und die Verheißung, daß . Abrahams Samen nicht schwinden wird von der Erde. Und darum zeigte der müde König — wie er meinte, willkürlich —. auf eine bestimmte Stelle. . ' Und der Sklave las: ״Es geschah, daß die Kämmerer des Königs, Bigtan •und Teresch, dem König Achaschwerosch zürnten . und Hand an sein Leben legen wollten.“ : Achaschwerosch horchte auf. In diesem Augenbljck schienen ihm die Grundfesten des persischen Ordnungsstaates zu wanken. Es waren nur ausgesuchte, erprobte Männer, die zum unmittelbaren Dienst beim König zugelassen wurden. Und dennbeh befanden sich Meuchelmörder darunter. Wie war jetzt Gewähr geböten, daß die übrigen Beamten, die nicht des Königs des Königs geheiligte Person ziu• warten hatten, sondern denen der Meine, hilflose Bürger auf Gedeih ,und Verderb ausgeliefert War, ihre Pflicht erfüllen? Wie mochte es wohl in den fernen Provinzen des Reiches um Recht und Ordnung bestellt sein? Und1 mit Schrecken erkante Achaschwerosch: Es war etwas faul im Staate Persien!, | ״Und wer war es, der mich damals gerettet?“ fragte der König. t . ״Mordechai, der Jehudi, der stets im Tore sitzt.“ . Also nicht einer, der ־berufen׳ war, über des Königs Leben zu wachen und es zu beschützen, und nicht einmal einer, der im Lande bodenständig und verwurzelt war, ׳sondern einer, der ״imTo re sitzt“, ein Dahergelaufener; und ein J e h ui d' i dazu, ein Angehöriger des׳ Volkes also, ' das nach Haman nur Schädling der menschlichen Gesellschaft sein sollte! ״Und was ist an Ehre und Ruhm dem Mordechai dafür zuteil geworden?“ forschte der , König weiter. ״Gar nichts!“ war die Antwort. Nun' war kein Gedanke mehr an Schlafen. Da stimmte ja gar ,.manches niföt! ';Da;,war ja vieles, in; falschem Licht gestanden! , Und das System schien jetzt nicht mehr so unfehlbar und Irren und1 Verkennen und Selbsttäuschung waren nicht־, nur Eigenschaften gewöhnlicher Menschen, sondern auch der Könige. ״Und der König sprach: ,Wer ist im Hofe?‘. Haman aber war. gekommen in den Hof des königlichen Palastes, Um dem König zu künden, daß Mordechai gehängt werden solle ah den Galgen, den er ihm errichtet. Und da sagten des Königs Diener: ,Haman ist es, der im Hofe steht.‘ Da befahl der König, daß er hereinkomme.“ Er 'kam ihm gerade recht, dieser Haman, der ihm als die Verkörperung des ganzen Systems erschien, der der erste und nächste Träger des Ver* trauens war, auf dem bisher die Ordnung, geruht hatte, und das nun so; schwer erschüttert war. Und alsügleich ״fragte der König ihn, was mit einem Manne zu geschehen habe, dem der König Ehre erweisen wollte. Da dachte Hamän in seinem Herzen :• Wer, wenn nicht ich, sollte es denn sein׳, den der König ehren wollte? Und so sprach Haman zum König: ,Dem־ Manne, dem der König Ehre will erweisen, soll man königliche K1 e i* d e r bringen, die der König' pflegt zu tragen, und ,das Roß, auf dem der König; geritten, als ihm die Herrscherkrone aufgesetzt wurde. Und es werde gegeben Kleid und Roß in die,’Hand eines der Fürsten d'es Königs, daß er den Mann ankleide, dem der König will Ehre erweisen, und ihn herumfüihre auf dem Rosse in den Straßen der Stadt•; und vor ihm her werde ausgerufen: Dieses geschieht dem Manne, dem der. König will Ehre erweisen!‘ “ *; Darauf also will er. hinaus!;— dachte Achasch-r werosch. Des Königs Mantel und Roß und die, Huldi-: gung der Fürsten sind sein׳ Ziel! Gewiß waren alle seine Ratschläge von gleich lauteren Absichten diktiert. Und wohl nicht zuletzt auch die Geschäftig-, keit, mit der er das Reich ,von der Last der J u den befreien wollte. "*■‘/:י.".: ■־״׳״;"־ ■־־'ץ■ ״Und da sprach der König zu Haman: ,So eüe und nimm denn Kleid und Roß, wie du gesagt ,hast, und verfahre also mit M o r d e c h a i, d e m J eh udi, der,* im Tore sitzt; unterlasse nicht das Geringste von allem, was du) vorgeschlagen!‘“ . ׳■• Und so geschah es! Und ״den Jehudim ward Licht und Freude und Wonne und Herrlichkeit“ in jener Nacht, da der König keinen Schlaf finden konnte.' Denn auch der König der Könige ״schläft und schluminert nicht“, wenn es gilt, Israel zu hüten. Und das mag uns jüdischen Zeitgenossen des da und dort wiedererstandenen Haman in manch schlaf- Dr. Pinchasi Kohn 70 שליטא Jahre alt Einer unserer markantesten Führer, Dr. ׳ Pinchas Kohn, tritt in die Reihe der Alten. Wer dieses Mannes Güte, seinen scharfen Verstand, seine unbegrenzte Ausdauer seit Dezennien am Werke sieht, der : hat nur einen Wunsch: ihn noch Jahrzehnte für den Kl a׳li׳ arbeiten zu sehen. Die Jahre, die ich in Wien zusammen mit ihm arbeitete (die große Arbeit war sein Teil), waren für mich eine t Wonne. Er hat in Wien eine schöne Aguda gezimmert, die m. Gt. H. große Erfolge erzielen konnte.:;•? In jungen Jahren auf die Jeschiwo gekommen, hat _ er sich dort ein großes Maß von Thora wissen angeeignet und zeitlebens nur im Sinne der Thora, für die Thora, Awoda und Gemilas öhasodim gewirkt, j Als die Aguda gegründet wurde und man nach einem Führer Umschau hielt, fand man Rabbiner Doktor . Pinchas Kohn , dafür am geeignetsten. Und die Wahl hat sich bewährt. Unsere Jugendgruppe, die in der ganzen Welt als Muster jüdischer Jugend gilt,.ist in Wien der einzige Punkt, wo Juden aus allen Ländern, die in Wien wohnen, miteinander in brüderlicher Zu- , sammenaibeit ohne Neid, ohne landsmannschaftliche Unstimmigkeiten wirken. Dies ist' die Folge der absoluten Ergebenheit und Anhänglichkeit an Dr. Pinchas Kohn. Unsere Ruß 1 and hilf e, die seit 15 Jahren jedes Jahr tausende Brüder in Rußland vor dem Zugrundegehen bewahrt, ist ausschließlich Dr. Köhns Gründung. Den Geist der Aguda hat Dr. Kohn der ׳ Wiener Judenschaft in Artikeln, Sitzungen und Vorträgen eingehämimert. Daß wir ein Beth-Jakob- L eh r e r i n ne n i n s t i t u t haben und eine Beth-Jakob-Schule, daß wir etwas für Keren Hathora > und für Keren H aj is chuw leisten, .ist sein Werk. Daß er dabei für jüdische Interessen'und Aguda- Angelegenheiten der ganzen Welt eifrig und zielbewußt mitgearbeitet hat, daß. seine Arbeit weitsichtig, gründlich und geistig hervorragend ist, ist in Kreisen der;Aguda bekannt. W ündvwann *nah ihn mp, gibt es kein Hindernis für ihn, zu erscheinen. Reisen, plage, Arbeit• sind sein Element. Seine Tätigkeit in Polen war geradezu überwältigend. Er hat dort dreieinhalb/ Motionen Juden mit ihren zahlreichen Rabbinern und Rabbeim organisiert,, so daß sie heute ein imposantes Gebilde darstellen. )K Pr, Kohn, dessen Leben von Klaülarbeit mit Erfolg erfüllt ist, dessen scharfer Geist, persönliche Liebenswürdigkeit jeden, der ihn kennt, zu seinem Verehrer machen, möge noch viele Jahre zur Freude ■ seiner Familie, zum Stolz und' zur Stütze des religiösen Judentums uns erhalten bleiben, Wplf Pappenheim; Der eben erschienene informiert. Sie. über unsere neiieii Modelle und günstigen Preise

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