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Jüdische Presse · 1937-01-29 · 5 (29.1.1937) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
23 (1937)
Issue
5 (29.1.1937)
Date
1937-01-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Nourtftote povoienfe «adit post a tetegr&fov v Bfatislave ela. 41612-IH-26 V. b. b 3QDI8CH6 PRSfifiE rnvvvv Geltungen vom Verleger versendet Journal exp&dlfe par 1’Odltenr WIEN.BRATISLAVA S9. JÄNNER 193? י״ז עבט תרצ״ז S3. Jahrgang / Nummer S Redaktion und Administration: Wien, II., Mal2g. 12a, Telephon A0-15*46־; Tschechoslowakei: Bratislava! Republikplatz 3?, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Re 80, Jugoslawien Binar 180, das übrige Ausland Schw. Fr« 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 103.316, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. V1X1, 4117, Berlin Nr. 122.619; für ״Jüdische Presse“, Bratislava: Prag Nr. 53.386. oRGnn für Die inteRessen Des 0RTH0D0Hen juoenTums Gegen die Seelenvergiftung Dr. fsaac Breuer s Halten wir unsere Waffen rein! Das kostbarste Gut eines Volkes ist seine Jugend. Geht sie die Wege, die dem Volk vorgezeichnet sind und die seine Interessen erheischen, dann ist der Bestand des Volkes gsichert. Gilt das im allgemeinen für alle Völker und Nationen der Erde, so spielt beim jüdischen Volk die Jugend auch noch deswegen eine große Rolle, weil das jüdische Volk eine g־ttliche Lehre und Tradition fortzupflanzen hat, die von Generation zu Generation bis in jene uns geweissagten Tage zu tragen ist, da G־tt sein Volk erlösen und in das Land der Väter heimführen wird. Unter diesem Gesichtswinkel betrachtet, erscheinen die Mühen nur allzu natürlich, die die großen Köpfe aller Zeiten sich um die Erziehung der Jugend gegeben haben. Die Jugend zu;aufrichtigem G-ttvertrauen und zu: der von unserem Glauben vorgezeichneten Lebensführung zu erziehen, war und bleibt höchste Aufgabe jedes jüdischer״. Menschen und insbesondere jener, die zu Jugenderziehern berufen worden sind. Doch nicht alle scheinen das zu verstehen. Und zu denen, die es nicht verstehen, zählt auch Herr I. Weingarten in Warschau, der Verfasser eines äußerlich recht ansprechenden hebräischen Lehrbuches, das sich bei , einer kritischen Prüfung als gefährliches Gift für die glaubenstreue jüdische Jugend entpuppt. Denn Gift für die jüdische Kinderseele ist das Arbeitslied von Ch. N. Bialik, welches in brutal g-ttesleugnerischer Weise die Arbeit als solche zu einem Götzen erhebt, dem allein der Mensch Dank schuldet. Gift ist beispielsweise auch der in dem!erwähnten Lehrbuch in dem ׳Kapitel Chanuka ׳abgedruckte Segensspruch über die Chanukakerzen, der in diesem Buch wie folgt lautet: ברוך אתה ד־ אלקינו שציונו להדליק נר של חנוכה. Hier etvas zu viel, dort etwas zu wenig. Beide herausgegriffenen Stellen weisen nur eine Parallele auf: das Bestreben, den Glauben an die Allmacht G-ttes zu untergraben. Wir hätten es nicht für wichtig gefunden, uns mit diesem Buch zu beschäftigen, würde nicht ein ׳Zufall uns davon überzeugt haben, daß diesem Buch eine bedauerlich große Verbreitung beschieden war und daß es in Wien nicht nur in den hebräischen Sprach- und Bibelschulen, deren Areligiosität eine weithin bekannte Tatsache ist, als Lehrbuch benützt wird, sondern leider auch in Talmud Thoras, denen jüdische Kinder in dem guten Glauben anvertraut worden sind, daß sie, die Kinder, dort zu gläubigen jüdischen Menschen erzogen werden. Wir müssen hoffen, daß diese Zeilen genügen werden, um die zuständigen Instanzen zu den nötigen Maßnahmen zu veranlassen. Die ״ thoratreuen Juden Wiens müssen fordern, daß dieses Buch unverzüglich aus dem Unterrichtsbetrieb entfernt und der Vernichtung zügefiihrt werde. Die thoratreuen Juden Wiens können und werden nicht dulden, daß die jüdischen Kinder in solch getarnter Form dem Moloch der G-ttesieugnung preisgegeben werden. Ein kluges Wort eines großen jüdischen Forschers lautete: ״Jede Generation arbeitet für die nächste. Fragst du den Vater, für wen er sich opfert, er wird dir ant- Worten: für mein Kind. Und dieses Kind wird später wieder für sein Kind sich opfern... Wir möchten nun doch gerne das Kind sehen, für das letzten Endes die ganze Menschheit gearbeitet haben sollte.“ Es liegt ein tiefer Sinn in diesen Worten. Der jüdische Mensch ist stolz darauf, wenn sein Kind an Wissen und Glauben und ,irdischem Besitztum ihn übertrifft. Jüdische Menschen wollen in ihren Nachkommen das ergänzt und vervollständigt sehen, was ihnen zu leisten nicht vergönnt und möglich war. ׳Es ist und bleibt also die große Aufgabe des jüdischen Menschen: die Arbeit am Kinde1, auf daß es einstmals den Zenith der Erkenntnis G-ttes durch sein Leben und Wirken erreiche. Dieses Streben wollen und dürfen wir nicht durchkreuzen lassen. Wir halten an ihm fest! Juwelen, Uhren, Q014- und bilberwaren, ins- Mf|«1|41y fllffMlf Hllll besondere »פלי קוד, Sedersphttssel, Menoras, 11111114 WlUIMIIiy ״Leuchter und Bestecke In großer Auswahl, auch Gelegenheitskäufe, stets vorrätig Ü» TabOfliraße w Die Aufmerksamkeit der jüdischen Welt ist heute auf die Königliche Kommission ^gerichtet, die über die weitere Entwicklung des Nationalheims ihr Votum aussprechen soll. Wenn auch die von der Aguda vertretene Weltorthodoxie allen Grund hat, mit der Aufnahme zufrieden zu sein, die die Kommission den Wortführern der Thora und den Forderungen der Thora bereitet hat, so erfüllt gleichwohl auch die Weltorthodoxie die schwere Sorge um di-e Ausführung des Mandats, dessen vielfach unpräzise Fassung von der Kommission ausgelegt und dessen erhebliche Lücken von der Kommission ausgefüllt werden sollen. Auslegung und Ausfüllung des Mandats fallen durchaus in die Kompetenz der Kommission, und es hat leider nicht den Anschein, daß beides im Geist des Wohlwollens und unbedingter Objektivität geschehen werde. Die dunklen Wolken, die sich über dem Nationalheim zusammenballten, können der Weltorthodoxie, bei allem Schmerz und bei aller wachsenden Sorge, Ueber.- raschung nicht bereiten. Von Anbeginn wußten wir das Nationalheim, verunreinigt durch 1Sabbatentweihung und geistigenז Kindermord, in schwerster Gefahr. Der G-tt des Landes ist derselbe wie vor Jahrtausenden. Er duldet auf die Dauer die HÖhnung der Thora im Lande der Th-ora nicht. Die dunklen. Wolkene mahnen das jüdische-wolk4 zur U m k e h r u n d Rückkehr. Sie mahnen die• Weltorthodoxie vor allem, ihre letzten Kräfte aufzubieten, um das Nationalheim der Thora zu gewinnen und zu erhalten. Sie mahnen die berufenen Vertreter der Thora vor allem, dem Volke die Lehren und Forderungen der Thora mit doppeltem Eifer und gesteigerter Unerschrockenheit vor Augen zu halten und ihnen ein makelloses Vorbild ehrlicher und konsequenter Thoratreue zu geben. Die Autorität, der imperative Charakter der Thora ist im Nationalheim schwer erschüttert, die Völksüberzeugung von der absoluten Sachlichkeit und Willensreinheit der berufenen Vertreter der Thora bedenklich ins Wanken geraten. Wehe denen, die selbst die noch vorhandenen Reste in solcher Zeit ihresteils untergraben. H. * Vor etwa 15 Jahren erschien im Nationalheim ein von fast allen rabbinischen Autoritäten Unterzeichneter Aufruf, der sich gegen die unter Leitung des Waad Leumi stehende jüdische Landesorganisation ״K eneaseth Jisrael“ wandte und den freiwilligen Beitritt zu dieser Organisation wegen des bei ihr geltenden Frauenwählrechts, wegen ihres .thorawidrigen Erziehuiigswerks, wegen ihrer thorauntreuen Vorsteher, überhaupt wegen ihrer Weigerung, sich eindeutig unter die Herrschaft der Thora zu stellen, als den Gesetzen der Thora widersprechend verbot. Dieser Aufruf trug auch die Unterschrift d£s Rabbiners P. Z. Frank, eines anerkannten Gelehrten des Talmud, eines anerkannten Meisters der Handhabung des Gesetzes. Frank war Mitglied des unter Vorsitz des Oberrabbiners Kuk stehenden Gerichtshofes; Gleichwohl trat er, mit Billigung des Oberrabbiners Kuk, der Kenesseth Jisrael, entsprechend seiner eigenen halachischen Ent- Scheidung, nicht bei. Aus guten Gründen lehnte es auch Oberrabbiner Kuk Zeit seines Lebens ab, die ihm unterstellte Schechitah, die alte Schechitah Jerüscholajims aus den Tagen vor der Mandatsherrschaft, Kenesseth Jisrael einzugliedern. Als Oberrabbiner Kuk starb, erachtete der Waad Leumi, dessen starke Seite die Pietät nicht ist, die Zeit für gekommen, die Schechita, wie es übrigens der geltem den Verfassung von Kenesseth Jisrael entspricht, unter eigene Verwaltungsobhut zu nehmen. Frank erstrebte das Oberrabbinat von Jerüscholajim. Der Waad Leumi zeigte sich abgeneigt. Die Freunde Franks ״krönten“ ihn einstweilen in mehr oder wieniger feierlicher Sitzung zum Oberrabbiner. Aber es war keine echte Krone, Frank wandte sich gegen die Schechita des Waad Leumi. Er verbot jedem Jehudi namens 4er Thora, Fleisch von dieser Schechita zu benützen. Da? war die Zeit, da Jeruscholajim mit dreifacher Schechita beglückt war: die Schechita der unabhängigen Gemeinde, die Schechita Franks und die Schechita des W׳aa4 Leumi. Es war 4ie Zeit, da der Boden des Heiligen Landes vom Blute der Erschlagenen dampfte und Brand und Aufruhr allerorts wogten. j Frank verhandelte mit Vertretern der unabhängigen Gemeinde. Freilich auch mit dem Waad Leumi. Mir selber erklärte er, so wahr es־ heute Tag sei, sei er dem Waad Leumi nicht beigetreten. Und es war damals Tag. Einem Entwurf, den ich ihm vorlegte, der sich mit aller Schärfe gegen Kenesseth Jisrael in ihrer heutigen Verfassung wandte, und der ihn und seinen Kreis endgültig mit der unabhängigen Gemeinde verbinden sollte, erklärte er seine volle Zustimmung. Die Verhandlungen zogen sich alsdann freilich auf unserer Seite in die Länge, wurden wohl auch auf unserer Seite nicht ohne Störung' (Kol Jisrael!) geführt. Frank schloß Frieden mit dem Waad Leumi. Mit der Kandidatur des Rabbiners Herzog schien er sich abfinden zu können. Die ״Krone'׳ . legte er wieder ab. Frank führte seine Schechita dem Waad Leumi zu. Nun darf wieder jeder Jehudi namens der Thora die Schechita des Waad Leumi benützen. Nun gibt es in Jeruscholajim wiederum nur eine zweifache Schechita. Frank trat dem Waad Leumi bei. Gemeinsam mit Herrn Ben Zwi, gemeinsam mit Herrn Dr. Katzenelson trat er als Vertreter des Waad Leumi — auch damals war es Tag! — vor die Königliche Kommission; Vor ihr aber erklärte er unter anderem: ״Die jüdische Religion ist nach Grundlage und Wesen eine einzige und einheitliche Religion... und es gibt im Judentum keine religiösen Gruppen, die in bezug auf das eigentliche religiöse Leben eine Sonderstellung einnehmen... Nicht der geringste prinzipiell-rengiöse Unterschied besteht zwischen Kenesseth Jisrael und der von ihr getrennten Agudath Jisrael. Wenn es einen Unter-, schied zwischen ihnen gibt, so besteht er in dem Maß von Geduld, das ihnen zu eigen ist.“ Vor ihr aber erklärte er weiter: ״Die Bedeutung von Kenesseth Jisrael und die Bedeutung des palästinensischen Oberrabbinats besteht darin, daß sie es dem jüdischen Volke in Erez Jisroal ermöglichen, sein Innenleben autonom zu ordnen. Eine ihrer wesentlichen Bestrebungen gilt der Stärkung der einigenden Elemente... Die geordneten Gemeinden und die bei ihnen bestehenden Gerichtshöfe bilden die Urzellen des kommenden Nationalheims. Wie das Nationalheim eins und einheitlich ist, so lassen sich auch seine Urzellen nicht getrennt und zersplittert vorstellen, dergestalt, daß jedes Grüppchen, 4as etwa in bezug auf Rabbinat oder sonstige Einzelheiten eine Sonderanschauung hat, sich eine eigene Gemeinde oder einen eigenen Gerichtshof : bilden könnte.“ . Und Frauenwahlrecht? Und thorawidrige Schulen? ■־־׳•• Und thora-entfremdete Vorsteher? Und grundsätzliche: Weigerung, die Herrschaft der Thora anzuerkennen? Und die Erklärung vor 15 Jahren im Namen der Thora? Und die Erklärung vor einem halben Jahr im Namen der Thora? Und die Erklärung vor mir? Und das eigene Fernbleiben von Kenesseth Jisrael bis zur Schwelle der Königlichen Kommission? Es ist wirklich eine der härtesten Proben der — Geduld. in. Ueber die -ungeheuerliche Erklärung des Waad Leumi vor der Königlichen Kommission, die Herr Rabbiner Frank voll und ganz deckt, braucht den Lesern dieser Zeitschrift gegenüber ganz gewiß kein Wort verloren zu werden. Die Bagatellisierung der Thora, die Bagatellisierung des abgrundtiefen Gegensatzes zwischen Thoratreue und Thoraverrat, zwischen Gemeinde der Thora und Gemeinde, die mit der Thora allenfalls — Geduld hat, tritt in dieser Erklärung so klar hervor, die Preisgabe von Gemeinden der Thora zugunsten des kommenden Nationalheims wird in ihr so deutlich ausgesprochen, 4aß es sich nicht lohnt, eine eingehendere Kritik an diesem wahrlich nicht von Frank verfaßten Machwerk zu üben. Was uns aber wohl interessieren, was uns mit tiefstem Schmerz über den Jammer und den Bruch unserer Günstiges Angebot Cf■!*■(f. Wien I, Kärntnerring 6 Firma \#|||IflCH «91111111 Telephon 11-4316־0־ Erstklassige Perücken in prima Ausführung nur $?Q״— Kurze Zeit, solange der Vorrat reicht

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