Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 23 (1937)
- Issue
- 3 (15.1.1937)
- Date
- 1937-01-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Novinove v^platnß povölcnfe riadit post a \f l telegrafov v Bratislave ßls. 41572-111-20 - V * D* Zeitungen von! Verleger versendet Journal expedte par l’&iitew* ndnifiCHfi uu u 19 v n v Wien . sjm nsu va > jänner 1?& 0 מדצץs# 1ג 23. Jahr gang Nummer 3 Redaktion und Administration: Wien, 11,, MalÄg. 12a, Telephon A-46*015־; Tschpehoslowakei: Bratislava, Republikplatz 37, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschi tiß i Mittwoch Mittag Abonnementpreise : Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kö 86, Jugoslawien Dinar 166, da» übrige Ausland Sehw. Fr. 14. Einzelnummer 68t. Gr. 46. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post* Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 193.316, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, Berlin Nr. 122.619. ORGnn pür Die imeRessen Des 0RTH0D0Hen juoertTums L_ . r ״Id! habe verstodkt gemadit sein Herz'' ״Gehe hin zu Pharao, denn Ich habe verstockt ge-, macht sein Herz und das Herz seiner Knechte, damit Ich tue diese meine Wunderzeichen in seiner Mitte. Und auf daß du erzählest vor den Ohren deines Sohnes und Sohnessohnes, was ich gewirkt an den Mizrajim und meine Wunderzeichen, die ich getan unter ihnen, und ihr nun wisset, daß ich bin G-tt.“ Der Mensch spricht nicht jede wunderbare Erscheinung als Wunder an. Ueber die tausend täglichen Wunder der Natur staunt er nicht, die endlose Fülle der unfaßbaren Rätsel seines eigenen Lebens erscheinen ihm nicht sonderbar. Seltsam findet der Mensch nur, was selten ist, Wunder gibt es nur, wenn er sich wundert. Unsere so kluge,׳ überkluge Zeit glaubt nicht an Wunder. Warum aber sollte nur das möglich sein, was sich ständig wiederholt? Das Jahrhundert, das geistig und technisch die Schwere der Materie überwunden, das mit seinem Denken in abstrakte Welten drang und mit seinen Erfindungen den Aether bezwang, lächelt über Wunder. Und doch: gerade in unserer Zeit und gerade mit den Augen der Zeit betrachtet, vollziehen sich Wunder par excellence. Oder ist es vielleicht kein ״Wunder“, wenn das Geschlecht, das die kühnsten Träume der Menschheit wahrgemacht hat, gleichzeitig noch dort steht, wo sie, die Menschheit, in ihren Uranfängen, in den Tagen Kains und Abels stand? Ist es kein ״Wunder“, wenn die Menschen, in dem gleichen Maße, in dem sie durch die technischen Errungenschaften einander äußerlich miherrücken, sich innerlich voneinander entfernen? Und sind diese ״Wunder“ nicht zugleich auch ״Zeichen“ dafür, daß alle Kultur und alle Zivilisation nicht die letzte Erfüllung bedeuten? Unsere Zeit glaubt nicht an Wunder.;,Heutzutage“, wo man die letzten Geheimnisse des Alls abgelauscht oder ertüftelt zu haben vermeint, wo die rationelle Vernunft triumphiert und nur das als wirklich gilt, was erklärlich ist, sind ״Wunder“ bloß Märchen für Kinder und Narren. Und doch: gerade heute und gerade vom׳ Heute aus gesehen, erleben wir Wunder sondergleichen. Oder ist es vielleicht kein ״Wunder“, wenn das Volk der ״Dichter und Denker“ sich eine Weltanschauung und eine Daseinsform zimmert, die, würde sie nicht so tieftraurig sein, zum Schreien lächerlich wäre? Ist es kein ״Wunder“, wenn 65 Millionen Menschen von panischer Angst vor einer halben Million Wehrloser erfaßt sind und sich mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln gegen diese zu schützen suchen? Und sind diese ״Wunder“ letzten Endes nicht durch das weit größere Wunder der jüdischen Existenz bedingt? Sind sie nicht, wie immer in Zeiten der jüdischen Selbst Vergessenheit, wenn der Bestand des jüdischen Volkes sie erforderte, eingetreten? Wie in Mizrajim, so im eigenen Lande, wie in Persien und Spanien, so auch jetzt in Deutschland? In. diesem Sinne wollen wir auch die Worte des Ewigen verstehen, aus unserer Zeit heraus und dabei auch für unsere Zeit verstehen! ״Gehe hin zu Pharao, denn ICH habe verstockt gemacht sein Herz und das Herz. seiner Knechte, damit ICH tue diese meine Wunderzeichen in seiner Mitte“ — weil Israel in seiner Mitte ist, wie geschrieben steht: ״G-tt kam, sich ein Volk aus der Mitte eines Volkes zu nehmen, durch Versuchungen, Zeichen und Wunder.“ Und all dies, ״auf daß du erzählest vor den Ohren deines Sohnes und Sohnessohnes, was ICH gewirkt au den Mizrajim, und meine Wunderzeichen, die ICH• getan, und ihr nun wisset, daß ICH bin — G-tt“. Sinnvoll und trostreich schließt sich daran die Verheißung der Haftora, die da lautet: ״Du aber fürchte dich nicht, mein Knecht Jaakow! Verzage nicht, Jisroel... ICH züchtige dich :zu deiner Besserung wohl, aber richte völlig zugrunde dich n i c h. t.“ Zur Wehr und Lehr Von Samuel Reiner,. Presov. כשר כשר RESTAURANT UND SELCHWAREN Unter Aufsicht der Adas jisroel (Schiffschul) TU A T, X Tj X ■R SCHIFF AMTSGASSE 10 (Ec)(e praiu-Hochedlinger-Qjisse) Wgwm₪mm₪₪₪₪₪₪* Telephon A• 4M-32 Selchwaren aus der Fabrik I. EISEN. Bier- und Weinausschank. 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Es würde aber zu weit führen, wenn man den Versuch machen wollte, alle! das Judentum beleidigenden Artikel und Notizen, welche in der slowakischen Presse das Licht der Oeffentlichkeit erblickten, einzeln auf ihr richtiges Maß zurückzuführen. Es dürfte für das uns gesteckte Ziel vollauf genügen, wenn wir uns darauf beschränken, eine Artikelserie, die in jüngster Zeit im Preis over. ״Saris" erschienen ist, zum Ausgangspunkt unserer Ausführungen zu machen. Denn erstens muß ״Saris" im!Hinblick auf seine bedeutenden Mitarbeiter eine überaus Seriöse Wochenschrift .genannt •und als solche unter allen Umständen weitestgehend beachtet werden. Zweitens aber sind in den in Rede stehenden Artikeln des ״Saris" fast alle An- und Vorwürfe enthalten, die man bislang gegen das hierländische Judentum — zum Teil bona fide, größtenteils aber mala fide :— erhoben hat, so daß eine! wirkungsvolle Polemik mit ״Saris" einer erfolgreichen^Abweisung aller .in. den übrigen slowakischen Blättern' erschienenen Angriffe־ voll-' kommen gleichkommt. E3 muß zunächst die keineswegs bloß aus jüdisehen Rücksichten betrübende Feststellung gemacht werden, daß die Verallgemeinerungssucht, welche für die Vergehen einzelner Juden, wenn sie auch nur sporadisch Vorkommen, die jüdische Gesamtheit verantwortlich ' macht und von jüdischen Nationalfehlem auch dort spricht, wo es sich zweifelsohne bloß um Fehler einzelner jüdischer Individuen handelt, aus ihrer Urheimat, dem Dritten Reich,, auch in unserer Republik — dem Staate T. G. Masaryks und Edvard׳ Benes׳ — Eingang gefunden hat. Denn wie anders wäre es möglieh, daß ״Saris“ — der, wie bereits bemerkt, in dieser Hinsicht sich in großer Gesellschaft befindet — in seiner allerdings vollberechtigten Entrüstung über das schwere Verbrechen der Bestechung, welches fünf oder sechs der jüdischen Konfession angehörende Hölzhändler begangen haben sollen, sich berechtigt fühlen dürfte, von ״Schichten“ zu sprechen, ״die die Welt ohne Gewissen und ohne Scham genießen“ usw. usw.? Wie anders könnte ״Saris" schreiben: ״Derartige Korruptionsfälle können im Kriegsfall eine Gefährdung unserer Selbständigkeit bedeuten, weil diejenigen, die die angeklagten Beamten bestochern haben, ein Element ohne Nationalismus und ohne Liebe zum Nächsten bilden,, dessen G-tt und Alles auf der Welt sein Geld und seine Tasche ist“? Oder: ״Dieses Element der Bestecher hat sich noch immer nicht in die Richtung zur demokratischen Republik umorientiert.“ ״Diesen und ähnlichen . Umstürzlern anständiger Unternehmungen gebührt die allergrößte Strafe, jedenfalls eine größere als denjenigen, welche die Bestechungen angenommen haben“ usw. usw. Damit wir uns nun nicht der Selbsttäuschung hingeben, daß dieser Pauschalangriff bloß auf den winzigen Kreis der jüdischen Schwellenlieferanten gemünzt wäre, veröffentlicht ״Saris“ in der darauffolgenden Nummer einen mit einer redaktionellen Vorbemerkung versehenen geharnischten Artikel, aus dem mit vollster Klarheit hervorgeht, daß der vorhergegangene Angriff genau! so wie die schweren Anschuldigungen׳, die ״Saris“ in Nummer 47 seiner Folgen erhebt, gegen die aus Polen stammenden Juden der Ost Slowakei und P. K. R. — die, wie ״Saris“ ausdrücklich bemerkt, die Majorität der in den genannten Landstrichen wohnenden Juden darstellen sollen —, also gegen das Gros der ostslowakischen und karpathorussischen Judenheit gerichtet ist. Wir möchten nicht allzulange bei der. ׳Behandlung des himmelschreienden Unrechts verweilen, welches einer qualitativ wie quantitativ nicht unbedeutenden Menschengruppe angetan wird, indem man ihr die Fehler ankreidet, die einige aus ihrer Mitte begangen .haben. Wir wollen vielmehr, um dieses an uns begangene Unrecht ins rechte Ucht. zu rücken, an die Herren vom ״Saris“ in.׳ aller Kürze und vollster Eindeutigkeit bloß , folgende Frage :richten: Würden sie nicht, natürlich mit vollstem Recht und — was ebenso natürlich ist — unter ungeteiltem Sukkurs der hierländischen Judenheit, auf brausen und Zeter und Mordio schreien, wenn jemand sagen wir ln dem Lande, wo Tschechen und Juden gleichmäßig geliebt werden, den traurigen Mut aufbringen wollte, ein abfälliges Urteil über den Charakter der tschechoslowakischen Staatsbeamtenschaft oder über den der tschechoslowakischen Nation zu fällen, weil einige höhere Staatsbeamte, die in Brno adf der Anklagebank saßen, in ehr- und pflichtvergessener Weise Bestechungen annahmen? Sollte und müßte nun, was dem einen recht ist, nicht auch dem anderen! billig sein? Besonders bezeichnend für die Leichtfertigkeit und Oberflächlichkeit, mit der man die jüdische Ehre verunglimpft, ist das eingangs gebrachte Zitat aus ״Saris“, welches die jüdischen Schwellenlieferanten als die eigentliehen Hauptschuldigen und die von ihnen bestochenen Ingenieure quasi als Verführte, den Verführungskünsten erlegene Opfer hinstellt. * Urteile doch jeder, der noch logisch denken!kann, wer in höherem Maße zu verdammen׳ ist: der einfache, einer höheren Bildung jedenfalls bare Kaufmann, ־welcher iiicht bloß für die von ihm ungeheure Opfer heischende Gegenwart, sondern auch — da ihm diese Sörge von keiner Pensionsanstalt abgenommen wird '!für Oie dunkel vor ihm liegende Zukunft zu sorgen hat, wenn dieser, von Erwerb- und Habsucht geleitet, den ihm -gegenübertretenden-״Partner .׳besticht —-.״ oder der akade- "misch gebildete, eine mit reichlichem Einkommen und Pensionsberechtigung verbundene hohe gesellschaftliche Stellung einnehmende Staatsbeamte, der Bestechungsgelder annimmt, wenn nicht gar fordert? Schauen wir einmal den Anklagen, die gegen die hierländischen polnischen Juden׳ hier und dort erhoben werden und die in der erwähnten Artikelserie des ״Saris“ ihren reichlichen' Niederschlag gefunden haben, ehrlich und mutig in die Augen: Wir stellen angeblich eine Schichte dar, die keinen anderen G-tt hat als das Geld. Darauf wäre ganz kurz zu antworten: Gerade , im Osten und im fernsten Ostzipfel unserer Republik domiziliert dasjenige jüdische Element, welches ■um keine Schätze der Welt seinen Sabbath durch irgend welche Geschäftstätigkeit entweihen möchte. Vielleicht könnte uns der Artikelschreiber des• ״Saris“ sagen, welchem G-tt die ״polnischen Juden“ mit diesen ihren Feiertagen zu dienen vermeinen? Doch nicht etwa dem Gelde und dem Geldsack, dem sie an diesen Tagen hartnäckig den Gehorsam verweigern! Weiter: Uns fehlt• der Sinn für Nächstenliebe. Es wäre dem Herrn _ Artikel- Schreiber aufs dringendste zu empfehlen, die Mitgliederlisten der Wohltätigkeitsvereine ־und alle Kollekten, die zugunsten׳ Armer ohne Unterschied der Konfession! veranstaltet werden, einer genauen Prüfung zu unterziehen. Es ist ganz gewiß, daß er nicht nur in bezug auf das, autbchthone oder auf die eingewanderten polnischen« Juden, sondern sogar — horrible dictu — hinsichtlich der Nächstenliebe der Schwellenlieferanten seine Ueber-, raschungen erleben würde. Ebenso wird der Gewährsmann des ,,Saris“ seine schlechte Meinung hinsichtlich der Erfüllung der Steuerpflich't durch die eingewanderten Juden einer gründlichen Revision unterziehen! müssen, wenn er sich zuständigen Ortes darüber wird belehren! lassen, wer von der Bevölkerung nicht nur die größten! Steuern vorgeschrieben bekommt, sondern sie auch getreulich leistet. Schließlich der heikelste Vorwurf, den ״Saris“ dem. Judentum des Ostens zu machen für gut gefunden hat. Es ist die Art und Weise der Erfüllung seiner Wehrpflicht, welche die Artikel des ״Saris“ zum Gegenstand einer vernichtenden Kritik machen. Und zwar: 1. wäre es ein Element, das überhaupt nicht weiß,׳ daß es Militärdienst zu leisten verpflichtet ist; 2. bekunden die aus dem Osten der Slowakei dienenden polnischjüdischen Soldaten Indolenz; 3, im Mittelpunkt des vor Jahren aufgedeckten Militärbefreiungsschwindels standen Juden polnischer Abstammung, Darauf wäre zu erwidern: Ad 1• Wer sich die Mühe nicht nehmen will, sich von der Heeresleitung aufklären zu lassen, daß die Juden im Osten, was die Zahl־ ihrer bei den verschiedenen‘ Truppenkörpern dienenden Söhne betrifft, prozentuell der nichtjüdischen Bevölke- ■ rqng absolut nicht nachstehen, möge einmal •während der Günstiges Angebot Erstklassige Perücken in״prima. Ausführung nur S Wien I, Kärntnerring 6 Telephon 11-43-0-16 Zeit, solange der Vorrat reielii ■ ijoj 1