Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 23 (1937)
- Issue
- 2 (8.1.1937)
- Date
- 1937-01-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nf. 2 JÜDISCHE PRESSE Husiatyner Rebbe lbgereist Öer Husiatpief Rebbe, Größfäbbtfier Israel Friedftianii, Über desseä bevorstehende Üebersiedlüng, nach firez Jisroel die ״Jüdische Presse“ vor einigen Wochen berichten konnte, ist am Dienstag abends von Wien abgereist Ztt? Verabschiedung hatten sieh neben den Mitgliedern der großrabbinischen Familie eine mehrere Hunderte zählende Schar von Chassidim und Freunden des Rabbi am Bahnhof eingefunden. Mekor Chajint, II., Große Schiffgasse 1 ' Schabbos, 11 Uhr, Rabb. S. BaumgaTten: Sidrohvortrag. :S 0 n n t a g, V45 ühr,‘ Dr, Artur Bonner: Samson. Raphael Hirsch, sein. Leben und Wirken. AgUdas-JisroebMädchengrappe. Am Schabbos Parschas Woero spricht Herr Doktor S. L e mb e r g e r um halb 11 Uhr vormittags im Rest'aurant ״Wienea". Nowosielicaer Raw צ״ל? Anläßlich des Hinscheidens seines Vereinsrabbiners Mayer Gottesmann 's. Z. 1. veranstaltete der Bethausvorstand des Vereines ״Ansche Das Wuzedek" am Sonntag eine Tfauerandacht, au der sämtliche Mitglieder sowie Delegierte aahireieher Bethausvereine und mehrere prominente Rabbiner erschienen waren,'' Nachdem der Obmann des BethauseS, Herr Pinkas "Beiden, in ergreifen■־־ den Worten die besonderen Vorzüge desr Dahingeschiedenen gewürdigt hatte, hielt Herr Rabbiner ÖersChöü Häger, ein Schwager des Nif tat*, den Resped. Rührend schilderte er die ,Tragweite dieses großen Verlustes. Hach weiteren GedehkWorten des Obmannstellvertreters, Herrn Feldschuh, trüg Herr öberkantor Samuel Roth das ״Köl Mole Rächamim" vor. Krakauer Schreib-Kalender für das Jahr 1937. Worüber gibt er uns Aufschluß? Üeber mehr als 76.000 Fragen! Wollen wir irgend etwas erfahren, was etwa von Post, Telegraph, Radio oder Eisenbahn handelt, was einem Privat- oder Geschäftsmann in einer Steuerfrage oder im sozialen Versicherungswesen Zweifel bereitet, welche allgemeine oder Gerichtsgebühren gelten — dies alles ist im ״Krakauer" höchst genau und gut übersehbar zusammOngestellt. Üeber den berufsständisehen Aufbau und die neuen Körperschaften und Organe wie auch über Berufsausbildung und Berufswahl wird verläßlich und verständlich Auskunft erteilt. Mit• der I Stadt Wien, ihrer Verwaltung, ihren Straßen und Sehens- Würdigkeiten beschäftigt sich ein eigener Teil dieses Nachschlagebuches. (Preis S 3.65.) LOWAK TSCH Landeskonferenz des Misrachi in Presov. Kürzlich hat in : preäov die Vitt. LandeskoüfefCnz des ׳Misräehi ih der Tschechoslowakei stattgefunden. Die Konferenz stand. im Zeichen eines schweren Konflikts zwischen den Bne Akiba und den alten Misrachisten. Der revisionistische Flügel des Misrachi erhob schwere Beschuldigungen gegen die Hachscharoth und Moschawoth des Misrachi, indem er auf vielfache Religionsgesetzverletzungen und auf die marxistische Einstellung vieler Chäluzim hinwies. Besonders fiel die Rede des Hlohovecer Oberrabbiners Schwarte auf, der in schärfster Weise die Orthodoxie, den Glauben an eine Galuthmission des jüdischen Volkes, die Erez-Jisroel- Arbeit der Agudas Jisroel sowie die’ Chinuch-Methode der Orthodoxie und die jiddische Sprache unbegründet tadelte. Aus Michalovce. Am vergangenen Sonntag fand hier unter großer Beteiligung die Neuwahl der Leitung der orthodoxen Kultusgemeinde statt. Wie nun verlautet, haben sowohl die in den Vorstand als auch die in die Repräsentanz ge.- wählten Mitglieder die Annahme ihrer Aemter verweigert. Der Neuwahl war allgemein größere Bedeutung beigemessen, worden, dla die neue Leitung die ^ufgabe haben wird, die Rabbonus- und Däjonus-Frage'zU rögeln. Juwelen, Uhren, Geld» und Silberwareny insbesondere כלי קודש, Sederachüssel,־ Menoras, Leuchterund Bestecke in großer Auswahl, auch Gelegenheitskäufe, stets vorrätig II, TaborsfräBe 14 Was uns noftäte! Zwei Jahre sind seit der letzten. Tagung der slowakischen Agudas-Jisroel-Landesorganisation• verflossen׳. Diese Tagung stand im Zeichen mehr oder weniger guter Reden, in welchen die Idee der Agudas Jisroel gepriesen wurde. Merkwürdigerweise schließt das!Protokoll dieser Tagung mit den Worten: ,.,Beschlüsse wurden! nicht gefaßt.“ Die eimzigeni positiven Leistungen der Tagung waren: die Genehmigung der neuen Landesorganisations- Statuten und die Wahl eines Vorstandes und Ausschusses, welcher inzwischen wegen gewisser Meinungsverschiedenhei ten demissionierte. An seiner Steile hat sich ein neues Präsidium konstituiert, dlem es anerkennenswerterweise gelungen ist, schon manche praktische Arbeit zu leisten. Sonst verlief die Tagung resultatlos. Dieser Tatbestand charakterisiert die slowakische orthodoxe Oeffenitlichkeit in ihrer Beziehung, zur Agudas Jisroel, da er zeigt, daß auch die Delegierten oder, vielleicht besser: Versammelten, ohne vorgefaßte Initiative zur Tagung kamen. Sie kamen nicht,, wie dies bei anderen Konferenzen!der Fall ist,!um mitzuteüen, sondern um zu hören. Sie hatten sich vorher ganz wenig Gedanken über Fragen und Probleme, über Bestrebungen und) Ziele der Agudas Jisroel gemacht. Sie brachten keine Anregungen und Vorschläge mit. Uebrigens müssen wir noch zu unserem •Bedauern feststellen, daß es von einer Ortsgruppen- Organisation in unserem Lande de facto nur einen Vorstand׳ Und einen Ausschuß gibt. Funktionierende Ortsgruppen existieren, fast in keinem Orte der Slowakei. Was an Agudas Jisroel in unserem Lande leibt und lebt, ist bloß die Jugendorganisation mit ihren regelrechten Jugendgruppen, Dieser Zustand׳ veranlaßt uns zum Nachdenken. Woran liegt eigentlich dieses Desinteressement und diese Indolenz unseres Baal e-Bat im-Publik ums in bezug auf Agudas Jisroel? Wir glauben, die Wurzel dieses Uebels in der Tatsache zu ,finden, daß das geistige Interesse und! die Sorge des thoratreuen jüdischen Baal Habajis von der Erfüllung seiner täglichen Mizwos und darüber hinaus von seinen Pflichten örtlichen׳ Thora- •und־ Gemeindeinstitutionen gegenüber in einem Maße in Anspruch ׳genommen ist, daß sie den weltumspannenden Klall-Angelegenheiten des thoratreuen jüdischen Volkes nur wenig oder überhaupt nicht Raum in seinem Herzen und Hirn lassen. Dem wäre aber durch eine tüchtige und fleißige Propaganda abzuhelfen, die ■unsere biederen Baale Batim aus ihrer lokalen Enge herausheben und sie begeistern würde, nach Maßgabe ihres materiellen und geistigen Könnens an der Verwirklichung der heiligen ׳und unermeßlich segensreichen Idee der Zusammenfassung aller thoratreuen Kräfte durch Organisierung allen gesetzestreuen Juden der Welt mitzuwirken. Wir sind der bescheidenen Ansicht, daß׳ gerade unser slowakisches orthodoxes Publikum, das ein Teil jener gesetzestreuen Volksgruppe ist, die die erste jüdischorthodoxe Organisation der Welt — den Verband orthodoxer Gemeinden mit einer führenden׳ zentralen!!Stelle;—י geschaffen hat,, vernünftigen Argumenten zugänglich ist, mit denen ihnen der einfache Gedanke der Organisierung sämtlicher Jereim der, Welt, die an׳ der Erhaltung der, g-ttliehen schriftlichen und mündlichen Thora Interesse haben, beigebracht werden könnte. Es wäre nicht schwer, ihnen die einfache Tatsache eindringlich darzulegen, daß ein organisiertes Zusammengehen aller viel größere praktische Erfolge zeitigen kann als das vereinzelte Streben von Einzelgemeinschaften , und geson- , deuten Gruppen. > Bei der Kenessioh Mechino in׳ Marienbad wurde beschlossen, für eine großzügige ägudistische Propaganda zu sorgen durch Entsendung, guter Propagandaredner nach allen in Betracht kommenden Ländern. Es wäre zu wünsehen,.daß mit dieser Propaganda-Arbeit baldigst begonnen, und daß auch unser, der slowakischen Orthodoxie, hiebei gedacht ׳werde. Sind wir ja nicht-die letzten unter den gesetzestreuen Landesgruppen, von denen vermöge ihrer jüdischen ^Eigenwerte der Agudas-Jisroel-Bewegung Bereicherupgzufließen würde, : ־ Jeder Tag bedeutet ein Versäumnis! י v׳. S. Weiß, Produktive Hilfsmaßnahmen Herr Herman Lövy in Novd Zamky befaßt sich in x einer ausführlichen Zusendung an die ״Jüdische Presse" mit der sozialen Not unserer Brüder und Schwestern, in Podk, Rus; die durchgreifend zu lindern bis heute nicht gelungen ist. Die Maßnahmen, die bisher von Gemeinden, K<?rpeyAchaUen und Einzelpersonen getroffen worden sind, darunter auch die sogenannte Abfertlgungsr kassa, haben es nicht vermocht, der Verelendung breiter Massen, und der .Hand in Hand mit ihr gehenden Demoralisierung Einhalt: zu gebieten. - ./:< Herr Herman LÖyy kommt zu dem Schluß,, daß p r 0 d u.k t i v e Hilfe geboten werden muß, die er sich in der Schaffung neuer V e r d i e n s t m ö g 1 i c h* keiten vorstellt. Insbesondere wären es nach Meinung des genannten Autors die vielen staatlichen Waldungen in POdk. Rus, die den Aufbau einer verzweigten Holzindustrie ermöglichen würden. Die e!rforderliehen großen Kapitalien sollen durch Sammlungen in der ganzen Welt aufgebracht werden. , In Podk. Rus, so schreibt Herr Lövy, haben sich schon einige Gemeinden bereit erklärt, sich diesen Plan zu eigen zu machen und an seiner Ausführung mitzuwirken. Die orthodoxe jüdische Gemeinde Sevluä und Herr B. Lebovits in Kralovo n. T. haben die Führung der Aktion in die Hände genommen. . Die ,Bydzower Israeliten und ihr Ende Soeben erschien, im 8. Jahrgang das Jahrbuch der Gesellschaf t für Geschichte der Juden Inder Tschechosl o w akischen Republik. Es enthält die Schilderung einer der vielen tragischen Episoden aus der Geschichte der Juden Böhmens. Jaroslav P r o k e ä, der Vorstand des Archivs des Ministeriums des Innern in, Prag, berichtet über das Ghetto in Neu-Byd20w und die sogenannte Sekte der ״By d2o we r Is rae- 1 it e n“. Da war im 18. ׳ Jahrhundert eine religiöse Sekte kleiner Hirten und Arbeiter in der Byd20wer Gegend ausgeforscht worden, welche eine seltsame Hinneigung zur Bibel an den Tag legte. Man nannte sie die Byd20wer ״Israeliten“ oder die BydSower ״Abrahamiten". Es kam zu einem großen Prozeß, der sehr viel Aufsehen erregte und in welchen auch drei BydZower Juden hineingezerrt wurden, da einige der verhafteten Religionsschwärmer ausgesagt haben sollen, daßKsie von den Juden zu diesem ״Irrglauben'“ verführt worden seien, In einer überaus fein geführten Darlegung zeigt Prokeü, wie gering die Wahrscheinlichkeit war, daß die Juden an diesem Religionsvergehen der BydSower ״Israeliten“ wirklich schuld waren, und er weist an der Hand der aüfgefundenen Protokolle auch nach, wie gering ihre Belastung war. Trotzdem wurde Rabbi Mendl aus Neu- Bydfcow, auf den man erst viel später im Laufe der Untersuchung verfiel, am 7. März. 1750 in Prag hingerichtet; er wurde auf einem Scheiterhaufen an einen Pfahl angeschmiedet und verbrannt.!Auch die Hauptführer der Sekte wurden in barbarischer Weise hingerichtet. Deutsche Nazi-Literatur über Frankreich nach der Tschechoslowakei geschmuggelt Die Staatspolizei hat festgestellt, daß in letzter Zeit nationalsozialistische Propagahdaliteratur für die Sudetendeutschen Gebiete aus dem nichtdeutschen Ausland, insbesondere aus Frankreich, eintrifft.• Auf diesem Wege wollen die Nazi die Aufmerksamkeit der Behörden, die die aus Deutschland kommenden!Sendungen sehr genau überprüfen, hinters Licht führen. Aus diesem Grunde wurde angeordnet, auch die. aus Frankreich kommenden Postsendungen nach den sudetendeutschen Gebieten einer genauen Kontrolle zu unterziehen. Jahrzeitfeier hach K. Mosche Katz s. Z. 1. Anläßlich des 10. Jahrzeittages nach Rabbi Mosche K a t z s. Z. 1., dem gewesenen Nitraer Raw, veranstaltete die Nitraer Agudas-Jisröel-Jugendgruppe am 12. Tewes einen Sijum Haschas, bei dem eine Gedenktafel im Heime der Jugendgruppe angebracht wurde. . Aus . diesem Anlasle: hielt' über Einladung der Jugendgrüpp'e Se. Ehrw.: Herr Oberräbbiner A. Weiß- Senica am ׳Schäbbosnächmittag im. dichtgefüllten' Saale der Agüda in ׳ Anwesenheit: des hiesigen Raws und einer großen Anzahl angesehener Baale Batim eine großangelegte, Rede, in der er , die Ziele und Aufgaben der Aguda an Hand herrlicher Diwre Thora zeichnete. t . . Moze Schabbos fand die eigentliche Gedenkfeier statt, bei der sich fast die ganze Gemeinde eingefunderi hat, Namens der Aguda-Jugendgruppe begrüßte Präses A, Rosenthal die Erschienenen, worauf Se, Ehrw.. Herr Oberrabbiner $, D. Ungar einen tiefsinnigen Hadron! hielt. In schönen Mussar-Worten spornte er die Jugend an, .den , Idealen der -großen Zaddikim, die die Fahne der Agudas Jisroel in unserem Lande entrollt haben, Treue zu bewahren. und .ihnen auch im Herzen eine Gedenktafel zu setzen. Die Agudas Jisroel — sagte der Redner ,— ist heute die einzige Organisation, die die auf tauchenden jüdischen Zeit- Probleme vom Gesichtspunkte der Thora betrachtet und sie nur im Einvernehmen Ipit ihr einer Lösung zuführt. Sie ist es daher, die der Jugend in dem rasenden Strom des Zeitgeistes Halt-und Stärkung bietet. Der Senicer Raw schilderte nun in einer schönen Ansprache die markanten Züge der gefeierten Gedolim und'di© gewaltigen: Leistungen der verewigten Meister, Es sprachen dann noch Herr Rabbiner Vorhand, Herr Ch- Weiß für die Jugend- und Herr Ph; Sta?k, für die Ortsgruppe der Agudas Jisroel. : ..'v; Eigentümer, Herausgeber und Verleger: David Türkl (für eine Arbeitsgemeinschaft), verantwortlicher Redakteur: ,Karl Richter, beide Wien, II., Malzgasse 12a,•für die Tschechoslowakei: Siegfried Frommer, Bratislava, Zochgasse 22׳/XIV/II. -י Druck; Druckerei- und Verlags-A.-a. Ig. Steinmann, Wien, IX״ XJniversU&tsstraÄe 6/8. 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