Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 42 (11.12.1936)
- Date
- 1936-12-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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flgmtai pmmti ruum jw•» w Vnmrnim m ummm V. &. b. m -H| ^iversitatsbib.,, f •tTniyeyg^*«j, \ . . ... * **• 4 DEZEMBER m6 כ׳ז כסלו תרצ״ז 22. hhtgäng / Nummst 42 Redaktion und Administration: Wi e n* IL, Malzgasse 12a, Telephon A-461*0־Ö; Tschechoslowakei: B r a t i s 1 a v a, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsscliluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kö 80, Jugoslawien Dinar 150, das Übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer bst. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr, D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 193.316, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VHI, 4117, Berlin Nr. 122.619. 0RGnn für Die irrreRessen Des ORTHODOHen JUDermjms Was ist Chanuka t" // ״Was is t Ch an uka?“ fragen unsere Weisen. Als ob sie die Heldengeschichte von Juda Makkabi und seinen Getreuen nicht kannten, von den herrlichen Siegen des jüdischen Häufleins über die mächtigen Syrerheere nichts wüßten! Doch Raschi, der wie kein anderer ihre dunkel-leuchtenden Worte verstand, fügt erklärend hinzu: ״Was bot Anlaß, Chanuka Festesweihe zu geben?“ Die Taten und Siege der Makkabäer kennen wir; was aber ist Besonderes• daran, daß das jüdische Volk es bis ans Ende der Zeiten feiern sollte? Sollte der erfolgreiche Kampf gegen das verhaßte Fremde Anlaß sein zur Einführung uneigener Bräuche und entlehnter Sitten? . Denn fremd ist die Weise in Israel, das Andenken blutiger Siege und auf dem Schlachtfeld errungener Triumphe den Geschlechtern zu vererben und daran noch die Weisung zu knüpfen, daß die jährliche Wiederkehr solcher Tage festlich begangen werde. Ewige Unversöhnlichkeit gegen Ämalek -ist uns geboten, nicht aber zugleich auch, seine Niederlage zu ,fqi|rn. ,Kein, Augenblick, des Gedenkens ist der Er- Qberülig ’ des• Dan,des״dlurcb» J^bosjchu^-.gfiWeiht,,.untL.in keinem Gebet) findet seine Rückgabe durch; Koresch der Heiiükehrer, das Leben des Volkes wie . des .Ein־ zelnen* bis auf Kleinigkeiten genau. Regelte. Unsere ״Gedenktage“ Verherrlichen. die geistige Befreiung Israels (Pessach), die freiwillige Unterwerfung unter den Geist (Schewuoth) und das Leben in diesem Geiste (Sukkoth); nie aber stehen sie im Zeichen der geballten Faust und des geschwungenen!Schwertes. Unsere Gedenktage sind immer'nur Ausdruck der Sehnsucht׳ nach dem Himmel und nie des Strebens zur Erde, haben immer wieder nur die Beziehungen Israels zum Vater und. nie die zum Vaterland zum Inhalt. ״Was ist also dann Chanuka? Was konnte demnach Anlaß bieten, ihm Festesweihe zu geben?“ Auf diese Frage erzählen die Weisen das Wunder vom. Oelkrüglein, das ihnen Symbol war für das Reine inmitten des Unreinen, für das Heilige inmitten des Unheiligen. Daß das Reine und Heilige, so winzig es auch war, dafür ausreichte, seine Aufgabe zu er-, füllen und das Licht — das der Menorah unä das des Judentums — nicht ausgehen zu lassen, das bot Anlaß, den jüdischen Festeszyklus zu bereichern, war Beweggrund, ״Chanuka“ einzuführen. ״Chanuka“ Weihe, Weihe des Hauses und des Lebens, wurde dieses Fest genannt. Denn denen, die es uns gegeben haben, erschienen die damit verbundenen politischen und nationalen Momente minderwichtig. Im, Gebet des Tages sprechen sie von dem Feind, ״der sich erhoben, Deinem Volk Israel Deine Lehre, zu rauben und es Deinen Geboten abspenstig zu machen.“ Keine Rede von dem Gegner, der• ״dem Volk Israel sein Land rauben und seine Freiheit nehmen“ wollte. Und so bestand auch nicht die Notwendigkeit, die Makkabäer mit Heldenglorie: und Heroennimbus zu umgeben, durfte sie das gleiche Gebet als ״Schwache und.-Wenige“ bezeichnen.: Stark und groß war nur das, wofür und worum sie kämpften und was in dem unversehrten Oelkrüglein sein reales!Sinnbild fand. Darum soll auch nicht der Tag gefeiert werden, der* den unvergleichlichen Sieg über Lysias und sein mehr als siebenfach überlegenes Heer brachte, son* dem jener Tag, an dem das reine Licht und das Licht der Reinheit nach, drei , unseligen Jahren wieder zu , leuchten^ begannen;^ DÄm soilen wir •— wie der , L'wuisch apigj;:—^ diesen^ Tag nicht wie purim, die freudige Erinnerung an unsere leibliche Rettung, mit ״Festmahl und'Frohsinn“ (Esther) begehen', son*f:• dern mit ״Lob- und FeiergeSäng“ (Sabb. 21). Darum sollen wir in der Nacht diele's Tages ein Licht entzünden als Symbol für das Öymbol. Wachsen sollen wir es lassen mehr und mehr, wie gewachsen ist die Macht des Lichtes und des Reinen, Finsternis Und Unreines verdrängend. Wir dürfen nicht Geld zählen, noch anderes profanes Werk bei diesem Licht verrichten. Entweihung ist’s, irdische Werte in diesem Licht zu sehen! ,Auch Nation und Heimat sind Ideale dieser Welt und wie ifi den Tagen Matisjohus, der ״für die Lehre seih/es G'ttes geeifert“ (Makk. 2), ist auch heute Ürid allezeit nur im Schatten des Chanukalichtes ihr!*!atz. Und darum auch ist die Chanukapflicht nicht auf das G'tteshaus allein beschränkt, ־?voran alle Anteil haben. Jedes jüdische Heim soll zum Tempel, jedör jüdische Mensch zum Priester des HasmonäergeiStes werden. Der Kampf, der nicht um Güter der Gemeinschaft ging, nicht um Belange der Nation und des Vaterlandes, sondern um den Einzelnen, um seine Seele, fordert Bekenntnis von jedem Einzelnen. I n T ü r e n,.u n d! Fenster n soll er bekennen: vor den Augen *mfär Ohren der' Welt, daß jgpe^Kampf^ : daß ^seme* Seele» -• ..um die damals' gerungen .wuf^'e,r-jet2t riioht- -verloren- •gegangen, ist. ~ v :; ' ' - :. Das ist Chanuka! Dies ist.•sein Inhalt und so seine Form! ‘ ' Einer Zeit, die ihre Begriffe zu Götzen erhoben, und einem Geschlecht, das im Menschlichen das Maß aller Dinge sieht, war es allerdings Vorbehalten, an Stelle dieses Chanuka, also^des Chan u k-af e s t e s schlechthin, etwas anderes zu setzen :Mak k a b ä e rfeiern. Nicht aus innerer־Verbundenheit mit den Makkabäern, nicht aus sicherem Selbst-Bewußtsein, dem Bewußtsein der eigenen Art und des eigenen Wesens, sind diese Feiern geboren. Denn sie sind, im; Gegenteil, der Ausdruck üfyerkompensierter Minderwertigkeitskomplexe, der krampfhaften Sucht, der nichtjüdischen Umwelt zu demonstrieren: Seht, wir sind nicht anders als ihr!!Seht doch den Heldengreis Mattathia, den kühnen Recken Juda, den Staatsmann Simon! Seht doch die Siege der jüdischen Mannen bei Bethoron, Emmaus und Betsur! Blättert in der Geschichte dieser Tage und ihr werdet finden ... Ja, wir werden finden: ״Die väterlichen Ehren achteten sie für nichts, nur die hellenischen Ehren hielten sie für die schönsten...“ Und angesichts der ״Makkabäerfeiern“, wo die Chanukalichter bloß eine festliche Illumination sind, wo bei trefenem Büfett und mit Schinkenbrötchen in, der Hand derer gedacht wird, die zu den Waffen griffen, weil man sie zum Genuß von!Schweinefleisch zwingen wollte, •wo Tanzpärchen sich als würdige Enkel jener fühlen, die der Fahne folgten, die den Makkabäern ihren Namen gab, angesichts solcher ״Feiern“ tut sich wieder auf die unüberbrückbare Kluft im Judentum, ״in dieser Zeit“ wie ״in jenen Tagen“: auf der einen Seite die wiedererstandenen Hellenisten, die fremden Werten und fremden Formen nachjagen, auf der anderen die, in denen der Weckruf Matisjohus ״Für G'ttes Gesetz und G‘t t e s Bund!“ noch lebendig ist. ״Diese mit. Wagen, jene mit Rössen •— doch wir im Namen unseres: G'ttes!“ Dieses : Wort des Psäl- . -misten kennzeichnet den Unterschied im der Auf־! «fassung der Chanükägeschehnisse. Und ״wenn wir der. Frage där Weisen: ״Was ist; Chanuka?“ einen aktuellen Ton geben und mit ihnen׳ fragen: ״Was ist Chanuka heute?“ — so werden wir erkennen: Eine Sch■ ei düng ■der Geister ist es! Und damit gewinnt auch der andere Sinn des Wortes ״Chanuka“: Bedeutung: Chanuka von Chinuch abgeleitet, kann; auch Erziehung heißen. Die Erziehung des Volkes zu ״Wagen und Rossen“ oder —zu G‘tt, das ist der Unterschied zwischen den ewigen Parteien im Judentum. Ueber den Ausgang solchen Meinungsstreits be7 lehrt uns nicht nur die Chanukageschichte, sondern auch die göttliche Verheißung, die da lautet: ״Nicht mit Heeresmacht und nicht mit Gewalt mit Meinem Geist . . sondern E. G. Go I u s 11 sc hmoe P In den vorigen Artikeln i haben wir uns mit der Lage der Juden in den selbständigen und halbselbständigen arabischen Ländern hefaßt. Nun wollen wir uns den Kolonial- und Mandatsgebieten.europäischer Mächte mit vorwiegend arabischer Bevölkerung und den dortigen jüdischen Minderheiten zuwenden. Auch in diesen Ländern ist die Situation der Juden keine beneidenswerte, obwohLjsie hier dem Gesetz nach gleichberechtigt mit dein übrigen Einwohnern oder ihnen gegenüber sogar privilegiert sind, indem sie .— und zwar in den französischen Kolonien — zum Unterschied von jenen das Stä|itsbUrgerrecht des Mutterlandes besitzen. Der gute Willf und die aufrichtigen Bemühungen der Regierungen reichen nicht aus, um sie vor der haßerfüllten, ebenso sinnlosen wie gewalttätigen Wut der Araber zu schützen. In SYRIEN, das bisher französisches Mandatsgebiet war und' nun gleich dem‘ Irak unabhängig wird — unter gleichzeitigem Abschluß eines Vertrages mit Frankreich, das die diplomatische Vertretung und den militärischen Schutz der neuen Republik übernimmt —, hatten die Juden bis jetzt keinen Anlaß, sich wohlzufühlen. Seit Beginn der französischen Herrschaft hat es hier mehrere gefährliche Aufstände gegeben, die tausende Todesopfer gefordert haben. Es versteht sich von selbst, daß dabei für die Juden nichts Gutes herausgekommen ist.״Wie s|?h überhaupt ihre Lage aus den politlsefien Ver|1äUniä^ ׳|es ,Lanües erklärt. Die ״Bevölkerung Syrien#:tdio yor^cüiedenen Nationen und:Re1igiohen ah|^h0rt|p^si<^: i» nichts einig als in dem — oft in blutiger Weise zum Ausdruck gebrachten — Streben, das als Fremdjoch empfundene französische Regime abzuschütteln. Die Juden aber haben nicht das geringste Interesse, dies zu wollen, haben durchaus kein Bedürfnis, den immerhin vorhandenen Schutz durch die Mandatarmacht gegen die ״syrische Freiheit" einzutauschen. Darum wurden sie auch mit scheelen Augen angesehen, wurden sie nicht nur als besondere nationale, sondern auch als eigene politische Gruppe• be׳־ trachtet üncl isoliert. . Die ohnehin schwierige. Lage wurde noch durch die jüngst vorgenommene Neuordnung in Syrien wesentlich kompliziert. In Befolgung des Prinzips ״Teile, und herrsche!“ hat Frankreich das Mandatsgebiet in mehrere Staaten geteilt. Es sind1 dies: Libanon, Haie b (mit dem autonomen Gebiet der allwitischen Bevölkerung der Ansariehberge), Damaskus und Hauran, der von Drusen, einem wilden,' fanatischen Stamm mit einer׳ sonderbaren Religion, bewohnt wird. Die soeben verkündete Unabhängigkeit bestätigt den Zustand der Trennung Libanons vom übrigen Syrien und gibt ihm den Stempel einer dauernden Form. Damit wollen sich aber die syrisehen Nationalisten nicht: abfinden; um so weniger, als Libanon ein reiches und durch seine Lage an• der Küste *) Siehe ״JUdiscH^ P|§»| Original englische und franz. Stoffe D. für Damen und Herren I, SALZGRIES NR 6* "יי י "gwNgff־ Ensltoisige ie^ke1yn^pinp.ÄAusfahrung nur $ 70, «Mi h' ir Wien l,Kärntnerring6 Telephon 1116־0־43־ Kurze Zeit, solange cier