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Jüdische Presse · 1936-12-04 · 41 (4.12.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
22 (1936)
Issue
41 (4.12.1936)
Date
1936-12-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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*ftVtitövft povoienö mdit pöet ft t imüMiM äit, 4iJH*tö‘i8 V. b. b. 3QDI8CH6 bin Verleget versendet dl expMiö par t’&Utettf WIEN.BRATISLAVA * 4. DEZEMBER 1936 5' כסלו תרצ״ז ׳ 22. Jahrgang / Numm«t 41 Redaktion lind Administration: Wien, II., Malz•* gasse 12a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementprelse: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kß 80, Jugoslawien Dinar 160, da« übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer Ost. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 120.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 193.316, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. vm, 4117, Berlin Nr. 122.619. QRGßo f0r nie imeRessen pes ORTHODOHen JUDerrrums I '*>. Parschas Waleschew und Chanuka Wieder lesen wir die menschliche, allzu menschliehe Geschichte von Josef und den Brüdern. Wieder entzünden wir kurz darauf die Lichter, die uns in ״dieser Zeit“ an ״jene Tage“ mahnen, da das G-ttiiche über das Menschliche siegte, auf dem Schlachtfeld wie in der Brust seiner Kämpfer. Bestehen bei diesem zeitlichen Nebeneinander auch geistige Zusammenhänge? Fast will es so scheinen. Denn im Talmud (Sab. 22), da, wo von der Bedeutung des Chanukafestes und den Bestimmungen Uber das Chanukalicht die Bede ist, läßt sich Baw Kahana folgendermaßen vernehmen: ״Das Chanukalicht, das höher als zwanzig Ellen angebracht ist, ist für die Erfüllung der religiösen Pflicht ungeeignet.“ Und unmittelbar darauf, als handle es sich um eine Fortsetzung oder Ergänzung des Vorhergesagten, lehrt B. Kahana weiter: blick an die Seele des jungen Josef. Der Schlange, dem Urbild von Verführung und Sünde, hatten sie ihn ausgeliefert, als sie ihn so am Leben erhielten. Ihnen war das Licht entrückt und die ״Better“ (Buben und Jehuda) glaubten den Bruder geborgen, wenn sie ihn atmen ließen — und sei es auch unter Schlangen und Skorpionen oder in den Händen der Sklavenhändler und im Lasterpfuhl Aegyptens. Daß Josef stärker war als alle Gefahren und, wie später in den Tagen der Hasmonäer, das Beine über das Unreine triumphierte, hatte er dem Licht zu danken, das — im übertragenen Sinne — nicht in der verpönten die CUaMtka-fUmmt i erscheint in erweitertem Umfang: am H kommenden Freitag, den 11. Dezember 1936 ■ ״JÜDISCHE PRESSE«« I Hauptgeschäftsstelle ׳ H Entfernung von mehr als zwanzig Ellen schwebte. Er und sie, Josef und die Hasmonäer, hatten den idealen Gütern den Vorrang vor denen des äußeren Lebens gegeben und darum sind ihre Siege ebenso gleicher Art, wie es die Irrtümer der Brüder und jener sind, die ihr Chanukalicht ״höher als zwanzig Ellen anbringen“. Die Kehillo ruft ״Die Grube — in die Josef geworfen wurde — war leer, es war kein Wasser darin, heißt es in der Heiligen Schrift. Wasser enthielt die Grube nicht, doch war sie voll von Schlangen und Skorpionen, die nicht minder eine Lebensgefahr für Josef bedeuteten.“ Worin aber besteht der Zusammenhang zwischen dem Chanukalicht und der Tat der Brüder, welches ist der Einheitsgedanke, der : die haJachische Vorschrift des B. Kahana mit seiner exegetischen Darlegung verbindet? Als in ״jenen Tagen“ die kleine Makkabäerschar in ungleichem Kampfe den Sieg übef die mächtigen Heere des Antiochus davontrug, da entrang sich ein Ruf' der Bewunderung der ganzen heidnischen, Welt. Zum ersten Male seit undenklicher Zeit bewunderten die Völker Israel; denn es hatte schwere Fäuste gezeigt und scharfe Schwerter geführt. Auch heute wird der Sinn jener Geschehnisse von der Welt und von den dem wahren Judentum entfremdeten Juden so aufgefaßt. Auf ihren Festen werden Helden, mutiger Kampf, glorreicher Sieg gefeiert. Die Beteiligten selbst jedoch haben wenig davon geredet. ״Und Du“ — heißt es im Al-Hanissim-Gebet — ״mit Deinem großen Erbarmen standest ihnen bei zur Zeit der Not, strittest ihren Streit, richtetest ihr Becht, rächtest ihre Rache, übergabst die Starken den Händen der Schwachen, die Vielen den Händen der Wenigen... Und Dir hast Du einen großen Namen gemacht...“ Also nicht der heroische Kampf und der ruhmvolle Sieg der Nationalhelden, sondern die g-ttliche Hilfe ist es, die hervorgehoben wird, nicht die blutigen Waffentaten, sondern der ethische und moralische Gehalt der Vorgänge, das, was uns zu G-tt und seiner Allmacht emporblicken lehrt. Auf die Frage ״Was ist Chanuka?“ erzählt der Talmud (Sab. 22) nicht die Kriegsgeschichte der Makkabäer, sondern das Wunder vom Oelkrüglein, weist er nicht auf materielle Momente hin, sondern auf das Symbol der geistigen Erneuerung, feiert er nicht den Erfolg der Waffen, sondern den Triumph der Idee. Wer das Chanukalicht, dieses Sinnbild der siegreichen Idee ■— so lehrt B. Kahana — höher als zwanzig Ellen anbringt, wer es in unsichtbare Höhe rückt, es hoch über den Wolken wohl als fromme Legende gelten läßt, im übrigen aber nur von Heldentaten, Kampfesmut und Waffenzügen spricht, der hat die wahre Bedeutung des Chanukafestes nicht begriffen und seiner Pflicht dem Chanukalicht gegenüber nicht genügt. Wer das heilige Licht ins Unerreichbare verbannt und sich bloß an greifbare Wirkungen hält, wer den G-ttesfunken im fernsten Winkel seiner Seele glimmen läßt und das Leben nur im metallischen Glanz irdischer Werte sieht, wer die Erhaltung des äußeren Daseins über die Pflege des inneren Wesens stellt und in solcher Weise die Hasmonäer wie seine eigene Aufgabe auffaßt — der begeht den gleichen Fehler wie die Brüder Josefs. ״Die Grube war leer, kein Wasser war darin.“ Kurzsichtig wähnten sie ihn außer jeder Gefahr, da sein leibliches Leben nicht bedroht erschien. ״Doch die Grube war voüer Schlangen und Skorpione.“ Tausend Fährnisse umlauerten von diesem Augen¬ Original englische und franz. Stoffe für Damen und Herren Tuchhaus D. TabaK I, SALZGRIES NB 5. Nach einer Tätigkeitsperiode von fünf Jahren ruft der Vorstand der Adas Jisroel Schiffschul seines Mitglieder zu einer General- Versammlung, die Rechenschaft über das in der jüngsten Arbeitsperiode Geleistete entgegennehmen und wohl auch Richtlinien für die״ zukünftige Arbeit beschließen soll. Der Vorstand legt der breiten Oeffentlichkeit. zugleich einen umfassenden^Tat igk e it s b e r ie h t vor, dessen Bedeutung natürlich weit über den Rahmen eines Tätigkeitsberichtes irgend eines Vereines hinausgeht. Ist doch die Adas Jisroel Schiffschul die Kehülo, in der sich jener größte Teü der Wiener orthodoxen Judenheit zusammengefunden hat, der auf dem Boden der zu erstrebenden Selbständigkeit der Orthodoxie steht. Dem Tätigkeitsbericht der Adas Jisroel Schiffschul kommt die Bedeutung einer Programmatischen Proklamation zu, weil — wie in ihm nachdrücklich betont wird — diese kleine orthodoxe Gemeinde zahlreiche segensvoll wirkende Institutionen ins Leben gerufen hat, die allen glaubenstreuen Juden unserer Stadt, ohne Unterschied, dienen und für die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse aller unserer Brüder und Schwestern bestimmt sind. Die Wiener orthodoxe Kehillo, die Adas Jisroel Schiffschul, ist im letzten Abschnitt der vergangenen Periode im Mittelpunkt des allgemeinen jüdischen Interesses gestanden. Die Bestrebungen um die Erlangung der Autonomie sind mit gutem Erfolg geführt und um ein schönes Stück weiter gebracht worden. Wenn diese Autonomiebestrebungen nun eine neue Basis gefunden haben, dann muß die Hoffnung ausgesprochen werden, daß es gelingen wird, in friedfertigem Einvernehmen mit allen Teilen der Wiener jüdischen Bevölkerung den engen und engsten Zusammenschluß aller Jereim herbeizuführen — aller Jereim, die sich um die orthodoxe Gemeinde der Adas Jisroel als zentralen Kern und unerschütterlichem Bollwerk der Orthodoxie gruppieren würden. Diesem Ziel zuzustreben wird wohl eine der vornehmsten Aufgaben des neu zu wählenden Vor- Standes der Adas Jisroel sein. Dem Ziel nämlich, jene zu erfassen, die nach ihrer inneren religiösen Ein- Stellung und Lebensführung zu uns gehören, dennoch aber bis heute nicht organisatorisch erfaßt werden konnten. So geht die große Schar der Mitglieder der Adas Jisroel Schiffschul der Generalversammlung mit der Hoffnung entgegen, daß es gelingen möge, das große Werk zu festigen, es in seiner Tiefe und seiner Breite auszubauen. Möge es auch gelingen, das Werk der Befriedigung zu einem glücklichen Abschluß zu bringen und unser Ideal verwirklicht zu sehen, sich auf dem Boden ־der heiligen Ueberlieferung frei und unabhängig in tiefer G-ttergebenheit ausr leben zu können. Diesem und nur diesem Ideal diente und dient das Streben nach einer selbständigen orthodoxen Gemeinde, das unverändert fortbestehen bleibt. ׳ * In dem Tätigkeitsbericht der Adas-Jisroel-Schiffschul für die Jahre 1931 bis 1935 heißt es u. a.: Rabbinat, Tho1^örüerung,\ _____ _____ __ religiöse ]Erziehung und Bildung. Unser Rabbinat versieht die gesamte. Haurooh nicht nur für die Mitglieder der Adas Jisroel und deren Kreis, sondern auch für die Massender Wiener Judenschaft, insoweit sie zur unveränderten Thoraüberlieferung stehen; die Haurooh des Rabbinats der Adas Jisroel wird auch weit hinaus in aller Welt von allen thoratreuen Juden ständig in Anspruch genommen ■und genießt überall unbedingte Autorität. An der Spitze des Rabbinats steht seit nahezu vierzig Jahren אדמויר הה*ג מוהריר ישעי' פירסט שליט*א• Die große Arbeitslast helfen die Mitglieder des• Rabbinats tragen. Noch ehe unser R. Josef Baumgarten s. Z. 1. seine• Augen schloß, waren wir in der Lage,, seinen Sohn R. Salomon Baumgarten als Dajan zu bestellen und in ihm unserem Rabbi einen eifrigen und würdigen Mitarbeiter zu geben. Möge es ihm vergönnt sein, unter der Führung unseres teuren Rabbi an seiner Seite, im Sinne und Geiste seines verewigten Vaters erfolgreich zu wirken, zum Wohle und Ruhme unserer Kehillah. Der Vorstand ist sich der Notwendigkeit wohl bewußt, daß für die vollständige Bewältigung der vielfachen, umfangreichen und hochbedeutenden Aufgaben, die unserem Rabbi obliegen, die weitere Heranziehung einer ganz hervorragenden Arbeitskraft erwünscht wäre. Die geeignete Persönlichkeit dazu muß gesucht und gefuriden werden und die erforderlichen Mittel hiefür müssen bereitgestellt sein. Das wird der Vorstand im Auge behalten müssen. Der Pflege des Thorastudiums dient unser Beth-Hamidrasch Thora Ez Chaim, das ein Teil, ein lebenswichtiges Organ unserer Kehilla ist. Dort wird vom Tagesanbruch bis in die tiefe Nacht ständig von Einzelpersonen aind in Gruppen gelernt. Dankbar haben wir die Gründung der Chewra MekorChajim begrüßt. Die verschiedenen . Schiurim. erfreuen sich eines: zahlreichen Besuches. Der religiösen Erziehung und Bildung der Kinder — der wichtigsten Aufgabe einer jüdischen Kehilla .-דwurde selbstverständlich die größte Aufmerksamkeit •und Sorgfalt gewidmet. In der JesodHathora, der ältesten und größten Schule dieser Art in Wien, haben wir eine Musteranstalt, die seit Jahren die besteh Erfolge erzielt. Der Vorstand der Jesod Hathora ist gewissenhaft bestrebt, allen berechtigten Wünschen nach Tunlichkeit entgegenzukommen und die Anstalt auszubauen und zu erweitern, damit das Lehrziel immer höher werden kann. Die Jesod Hathora erhält eine Schule mit 5 Klassen für •Knaben mit je 10 wöchentlichen, 3 Klassen für Knaben mit je 15 wöchentlichen Unterrichtsstunden und 2 Klassen mit ganztägigem Unterricht, zusammen 180 Unterrichtsstunden in der Woche. Die Mädchen- Günstiges Herbstangebot der Firma Othmar Schiff Erstklassige Perücken in prima Ausführung nur S 70•’ Wien I, Kärntnerring 6 Telephon 0-43-016־ Kurze Zeit, solange der Vorrat reicht

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