Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 39 (20.11.1936)
- Date
- 1936-11-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V.b.h Zeitungen vom Vefteger versendet Journal expMlß par P&litenf Hruvtttov« vflplatnÄ povoien« rtadit pa*t * htp^ t fimtfaiavt äi. 41812-ttl-jMi 3QDI9CH8־ rn6596 WIEN. BRATISLAVA SO. NOVEMBER 1936 ו׳ כסלו תרצ״ז 22. Jahrgang / Nummer 3P Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschlaß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Rä 80, Jugoslawien Dinar 150, das Übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zählungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 193.316, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. vm, 4117, Berlin Nr. 122.619. ORGfln für 016 irvreRessen Des orthodohgo juüenTums Dr. Nathan Birnbaum: Scheuklappenpraxis Nac71 dem in unserer vorigen Ausgabe veröffentlichten Artikel des Herrn Dr. Isaac Breuer — der ganz gewiß auch auf mancher agudistis'chen Seite eine Ablehnung erfahren wird, jedenfalls aber größte Beachtung verdient —, bringen wir heute einen Aufsatz aus der Feder eines anderen großen Aguda-Führers, Dr. Nathan Birnbaum, der auch nicht in allen Ausführungen unseren ungeteilten Beifall finden kann. Die knappe zeitliche Aufeinanderfolge der beiden Artikel — stehen sie nicht auch im Widerspruch zueinander? — erscheint uns bezeichnend. Haben doch sowohl Dr. Nathan Birnbaum wie Dr. isaac Breuer sich nicht zuletzt durch ihre stets revolutionierenden Ideen Weltruf erworben. - Furchtbar die Geschehnisse in Erez Jisroel. Noch furchtbarer die Entwicklung, die in ihrem Gefolge im Schicksale .Erez Jisroels eingesetzt hat. Am furchtbarsten die Unfähigkeit des jüdischen Volkes, sich volle Rechenschaft darüber zu geben, wo es mit seinen Hoffnungen und Notwendigkeiten hält und sich sohin einen Weg ins Freie zu bahnen. Himmelhoch ragte schon der immerfort sich erhöhende Turm der Illusionen. Da kam der erste Stoß. Nun wuchs der Turm nicht mehr, doch wankte er zunächst noch kaum. Bis weitere Stöße stets dichter und drohen- . der folgten. Da begann er zu wanken und in sich zusammenzusinken. Und was von ihm noch da ist, ist eine Ruine, die man sich und anderen noch gern als den hohen Turm von einstmals einreden möchte. Sicherlich haben vom zionistischen Standpunkte die Revisionisten Recht, wenn sie den von den übrigen Zionisten schon früher allmählich ausgebildeten Standpunkt eines׳ doppelt-nationalen Palästina nicht-mehr als Zionistmus ansehen. Sicherlich kann ein doppelt-nationales! Palästina nie ein Judenstaat werden — und um den ging es ja von alleih Anfang an — und sich damit begnügen, heißt von der Linie des Zionismus abweichen. Dafür aber bedeutete es ein anerkennenswertes Aufgeben eines Teiles der Illusionen auf Grund einer frühen, zumindest teilweisen, Erkenntnis der Wirklichkeit. Nur daß diejenigen, die sich mit solchem Minus zufrieden geben, heute in ihrem tiefsten Inneren schon nicht mehr sicher sein können, ob sich nicht auch ihre gemäßigten Erwartungen als Illusionen herausstellen werden. Natürlich soll a.us dieser Feststellung des Debakels der Illusionen nicht die Notwendigkeit einer Abkehr von der Erez-Jisroel-Arbeit gefolgert werden. Gewiß besteht vielmehr die Pflicht und die Notwendigkeit, die jüdische Position im Lande unserer Ahnen zu erhalten und womöglich auszubauen. Gewiß muß weiter mit Nachdruck aber auch mit einer Klugheit, die sich vor Verranntheiten hütet, für die Möglichkeit gekämpft werden, Juden in namhafter Zahl und unter günstigen Entwicklungsbedingungen in Erez Jisroel unterzubringen. Allein, es ist gefährlich, sich in die alten Illusionen zu verbeißen, zu glauben oder sich zu dem Glauben aufzuputschen, daß Erez Jisroel der einzige Punkt ist, an dem, jetzt noch mehr als früher, die ganze jüdische Energie einzusetzen ist; Und mehr als gefährlich, eine aus Verstocktheit geborene Sünde ist es, nicht sehen zu wollen, daß, selbst wenn ein Teil der palästinensischen Illusionen Wirklichkeit werden könnte, doch noch viele Millionen von gepeinigten, mit ihrer wirtschaftlichen und seelischen Existenz dicht vor dem Abgrund stehenden Juden, im Stiche gelassen, geopfert, jenseits aller Rettung, Lösung und Erlösung bleiben. Und daß für diese anderwärts, und zwar in nach jeder Richtung befriedigender Weise Platz geschafft werden׳ muß. Leider bricht sich diese Forderung nur sehr schwer Bahn. Man starrt wie gebannt auf den einen Punkt Palästina. Unbekümmert um den Einsturz von Illusionen im eigenen Inneren, will man nicht zugeben, daß es in Hinsicht auf Siedlung doch noch auch etwas anderes zum zeitlichen und ewigen Heile des jüdischen Volkes zu tun gibt, und zwar sofort, ohne Aufschub zu tun gibt. Große Versammlungen tagen — zionistische, getarnt zionistische, misrachistische, agudistische — diesem Muß gilt kein einziges Wort, obwohl schon so manche der Versammelten daran denken mögen. Bezeichnend: Ein bekannter zionistischer Schriftsteiler, M. Y. ben Gawriel, hat an dieses Muß nicht nur gedacht, sondern sich sogar zu ihm, wie er sagt, aus tiefster zionistischer Ueberzeugung bekannt. Aber wie? ״Zeitlich begrenzt" muß die entsprechende Bewegung sein, ein ״Ersatz", ״Vorstufe für Palästina", ״ohne zeitraubende seelische Vorbereitung", ״ohne irgendwelche Verpflichtung", ״ohne Sentimentwert", ״ohne geistig konstruktive Aufgabe". Das heißt doch nichts anderes, als den Gedanken diffamieren, kaum daß man ihn ausgesprochen und sozusagen anempfohlen hat. Territorien suchen und besiedeln — unbedingt. Aber es muß ohne1 innere Anteilnähme, ohne jede höhere Legitimierung, ohne Begeisterung geschehen, es muß wie ein unerquickliches Geschäft kühl erledigt werden. Wenn sich nun gegen diesen merkwürdigen Totengräber seiner; eigenen Forderung ein anderer zionistischer Schriftsteller, der sich wie der erste einen ״alten Zionisten" nennt. Dr. Lichtenstein in Tel- Aviv, wendet, der sich voll And ganz für die Idee der Großsiedlung auf geeigneten •Territorien auch außerhalb Palästinas ausspricht und verlangt, daß an die dahin zielende Aktion mit demselben Verantwortlichkeitsgefühl, derselben Hingebung und derselben Gründlichkeit wie an die palästinensische Arbeit herangetreten werde, so ist das sehr erfreulich. Aber bekanntlich macht eine Schwalbe keinen Sommer. Die ungeheure Mehrzahl der Zionisten verhält sich noch, immer gegen die Forderung von Siedlungen außerhalb. Palästinas; ganz so wie in den letzten Jahrzehnten. Sie sabotiert 3i& und denkt vorläufig noch .länge nicht daran, die klugen• Worte ihres Gesinnungsgenossen zu beherzigen; die da lauten: ״Die Wiederbesiedlung der alten ־Heimat ist eine große und bewünderungswürdige Sache, aber man verkleinert sie nicht, wenn man wahrheitsgemäß feststellt, daß das jüdische Volk inzwisehen größer geworden ist als dieses kleine Land." Die Zionisten wenden gern ein, daß die für ein so großes Werk nötige Begeisterung nicht da sein kann, sobald es nicht uni das Sehnsuchtsland unserer Geschichte geht. Und bedächtigere Vertreter der Orthodoxie entschuldigen deren Umfall zur palästinensischen Ausschließlichkeit damit, daß man der Jugend eine idealistisch praktische Beschäftigung habe geben müssen. Beide Argumente sind recht fragwürdig. Denn wie lange ist es überhaupt her, daß diejenigen jüdischen Volkselemente, die heute einen großen Teil der zionistischen Partei bilden, auch nicht die geringste seelische Verbindung mit Erez Jisroel hatten, auch nicht die geringste geschichtsgewordene Sehnsucht darnach empfanden. Und sofern heute Sehnsucht vorhanden ist, — gilt sie denn wirklich diesem bestimmten Lande und nicht vielmehr, was ja an sich ein Plus ist, der nationalen und individuellen.Freiheit, welche die Sehnsüchtigen nach'ihrem parteigemäßen politischen Glauben auch heute noch eben nur in Palästina zu erreichen hoffen? Hinwiederum, was die Orthodoxen betrifft — schlagen sie sich nicht selbst ins Gesicht, wenn sie sagen oder merken lassen, daß sie ihre Jugend mit Regelmäßiger RßlSßtÜßllSt MCll POlßll! Billig und bequem wie immer. Nächste Reise: 21. XI., Auskünfte und Prospekte auch über den Reisedienst nach BUL- GAR1EN, ENQLAND, ITALIEN. JUGOSLAWIEN, PALÄSTINA, UNGARN und andere Länder, sowie über alle Autobustouien und Mittelmeerreistn bei DR. S. TOCKER, REISEBÜRO ״IN DIE WEIT** (W. M. Renner) Wien IX, Lichtensteinstraße 2. Telephon A-14-504 Original Englische und franz. Stoffe für Damen und Herren Tuchhuus D. Tobak I, SALZGRIES NR 5. einem erborgten praktischen Ideal beschäftigen müssen, um sie bei der Stange zu halten? Fühlen sie nicht, daß sie bei dieser Taktik nicht dauernd gewinnen, sondern eines Tages bettelarm dastehen werden, — viel ärmer, als sie früher gewesen sind? Haben sie vergessen, daß ihr höchstes Ideal nur in dem Streben nach g-ttesvolkswürdigem Dasein bestehen kann, und merken sie nicht, daß sie endgültigen Erfolg nur dann haben können, wenn• ihre Alten und ihre Jungen Eifer, Begeisterung, Hingebung in allererster Linie für die Erreichung eines solchen. Ideals aufbrihgen? Ist ihnen noch immer nicht klar geworden, daß eine Jugend, der dieses Ideal nicht genügt, um sich daran zur Tat zu entflammen, zu nichts nütze ist? Können sie denn wirklich ganz und gar nicht einsehen, daß ihre Praxis nur von ihrem höchsten Ideal bestimmt, nur ihm angemessen, ijur großzügig und. umfassend, keine Scheuklappenpraxis sein darf, — ganz unbeschadet ihrer Treue zu Erez Jisroel, ihrer Sehnsucht nach dem Heiligen Lande, ihrer zu leistenden Arbeit für es und in ihm? Müssen sie denn ihren alten Fehler, alle Initiative anderen zu überlassen — wie sich das ja gerade auch in bezug auf Palästina so drastisch zeigte — immer wieder wiederholen? Nun ist die größere Aufgabe, das Betreten des neueren, breiteren 'Weges fällig — müssen sie denn׳ unbedingt wieder nicht den Mut haben, die jüdische Welt zu dieser größeren Aufgabe aufzurufen? Sie seien zu schwach dazu? Als ob diese Schwäche zu einem sehr großen Teile nicht gerade von einem Mangel an Initiative und Mut herkäme? , Ungeheuerlich groß ist jetzt das jüdische Elend, das äußere sowohl als das innere. Das äußere verbietet die Selbstbeschränkung auf Palästina, verweist das jüdisehe Volk auf eine vollständige Aenderung seiner Domizile, seiner Wohnweise und seiner Berufe, ruft zur Berufsumschichtung im allerweitesten Ausmaße, zur Agrarsiedlung im großen Maßstabe auf Gebieten, wo seine Massen ihr Leben unangefochten leben können. Und nach denselben Umschwüngen schreit das innere Elend als nach unumgänglichen Hilfen auf dem Wege zu religiöser und sittlicher Läuterung. Werden diese Schreie endlich einmal nicht mehr überhört werden? Oder muß unser Volk unbedingt in sein völliges Verderben rennen? Golus Jischmoel Die Entwicklung der Dinge im Heiligen I dem aus dem Wahabiten-Sultanat Nedschd רסיססיס״וסזרמב! 11m<1 TitnL JI/1 A 114«mAMlrnniwiL/tSi■ ' nkrtw 1r»n* ./Ino TJTarionVioo iirifl A ciro V1 Lande und im Irak haben die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit und insbesondere der Juden auf die arabischen Länder gelenkt, die sonst außerhalb ־ des Interessenkreises des europäischen Zeitungspublikums liegen. Die jüdisehe Verbundenheit und noch mehr der durch die erwähnten Vorgänge direkt tangierte Aufbau in Erez Jisroel zwingen zu erhöhter Beobachtung der Ereignisse in diesem schon lange nicht mehr abgelegenen Teil der Welt. Hunderttausend Juden leben im Irak, dem Zweistromlande Mesopotamien, von wo einst, in grauen Vortagen, die assyrischen und babylonischen Eroberer die Reiche Israels und Juda bedrängten und vernichteten. Rund hunterttausend Juden gibt es in Syrien, mehr als sechzigtausend im Jemen, nahezu achzigtausend in Aegypten und ungefähr dreißigtausend in Lybien. Fast dreihunderttausend unserer Glaubensbrüder wohnen in den französischen Protektoratsländern Nordafrikas und schließlich weitere izwanzigtausend ,in Spanisch-Marokko.; In Transjordanien hingegen befanden sich vor den Unruhen in Palästina eine Handvoll Juden, deren Zahl seither gewiß nicht zugenommen hat. In S a u d i e n, I durch Eroberung des Hedschas und Asirs hervorgegangenen Reich Ibn Sauds, und im Innern der arabischen!Halbinsel gibt es anscheinend überhaupt keine Juden. Die legendären Juden von Chaiber kommen hiebei nicht in Betracht, da sie ja, falls ihre. Existenz auf Wirklichkeit beruht, ein unabhängiges Staatswesen bilden. Insgesamt leben also rund siebenhunderttausend Juden unter Arabern, davon eine Viertelmillion unter selbständiger arabischer Herrschaft, Die ״JÜDISCHE PRESSE“ mußte leider vorige Woche aus inner-organisatorischen Gründen ausfallen. Indem wir unsere verehrten Leser um Nachsicht hiefür bitten» können wir gleichzeitig versichern, daß die Schwierigkeiten der letzten Zeit vor ihrer vollkommenen Beseitigung stehen. Arbeitsgemeinschaft ״Jüdische Presse*' aarotiM» HertiiiangiHHit Otlima■• Cfllifff Wien I. Kümtnerrin« 6 _*״«üü Willi ■ICH JVIIII1 Telephon u-43-0-16 Erstklassige Perücken in prima Ausführung nur S 70«־־״ Kurze Zeit, solange der Vorrat reicht