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Jüdische Presse · 1936-11-06 · 38 (6.11.1936) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
22 (1936)
Issue
38 (6.11.1936)
Date
1936-11-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nf. 38 lt»BOBS flffint VÖJ8 WOilM’ *11Wo cli € Der Vorsitzende des Rdbbinerkollegiums def Amsterdamer Aschkenasischen Gemeinde, Rabbi Lode* wijk Hartog 8 arlouis, wurde vom Synagogenrat ein* stimmig zum öberrabbiner non Amsterdam, als Nachfolger des vor zwei Jahren verstorbenen Ober* Rabbiners A. 8. Onderwijzer, gewählt. Am Jahrestag der Befreiung 8 alonikis von türkischer Herrschaft, weilte dort König Georg II. und empfing u. a. auch den Vorsiteenden der Salonikier Jüdischen Gemeindef M, K at■ e nib. Der König ließ sich über die Lage der ’Salonikier Juden berichten und bat Katenio, diesen seine Grüße zu übermitteln. Die Pariser Zeitung ״Droit de Vivre״ druckt aus der Zeitung ,ABGfe in Sevilla den Text einer kürzlieh vom Nationalistenführer General Queipo de Llano im Sender Sevilla gehaltenen Ansprache ab, die von antisemitischen Beschuldigungen strotzt. ln W arsch au verstarb, 118 Jahre alt, Frau Henie Stahl. Sie wurde nachweislich 1818 geboren. Sie war bis zum letzten Augenblick bei Voller Besinnung. Im Dorfe V in o g ru d verstarb, 105 Jahre alt, HerSch Anger. Es wird von ihm erzählt, daß er nie in seinem Leben krank gewesen war. \ In einer Rede erklärte Goebbels, man habe ihm gesägt, daß die Juden wieder frecher würden; das werde man nicht so hinnehmen, sondern die Regierung des Dritten Reiches werde neue und strengere Judengesetze einführen. Der polnische TJ nt er rieht 8 ministe r 3 wientoslawski veröffentlicht eins Erklärung, in welcher er auf das schärfste die letzten antijüdisehen Ausschreitungen an den Warschauer und Lemberger Hochschulen verurteilt. Aus Paraguay eintreffende Nachrichten lassen die Lage der in dieses Land eingewanderten Juden als sehr düster erscheinen. Die Regierung besteht darauf, daßr die Einwanderer, aus der Hauptstadt tief in das Innere des Landes geschafft werden. Etwa 100 jüdisehen Einwanderern droht unmittelbare Lande sver- Weisung. Der englische Verkehrsminister, Höre Belisha, ist in den Rang eines Kabinettsministers erhoben worden. Er ist der einzige Jude, der gegenwärtig dem englischen Kabinett angehört. Königin Wilhelmine von H oll an d er- -nannte den jüdischen Rechtsgelehrten Dr, H. H. Boas, seit 20 Jahren Richter am Amsterdamer Distriktsgericht, zum Oberste n Richter am Amsterdamer Benifungsgericht. Königin Wilhelmine und Kronprinzessin Juliane spendeten beträchtliche Summen für die Jüdische Wohlfahrtsgesellschaft in Rotterdamdie in diesen Tagen das 25jährige Jubiläum ihres Bestandes begeht. Der italienische Unterrichtsmini־• ster Devecchi hat das Ersuchen des Verbandes jüdischer Gemeinden Italiens, auf eigene Kosten Textbücher für jüdische Schulen herzustellen, abschlägig beschieden. Seit Beginn des faschistischen Regimes wurden solche Gesuche jederzeit anstandslos bewilligt. Die Palästina-Regierung hat den Streit um den Bür ge rmeisterposten in T el- Aviv — die bürgerlichen Parteien wollten den mit 8 gegen ‘7 Stimmen des Städtrates zum Bürgermeister gewählten Kandidaten der Histadruth, Mosche Chelouche, nicht an- ■erkennen —inder Weise entschieden, daß sie den bisherigen Vizebürgermeister Israel Rokach, der als Kandidat der Bürgerlichen in der Minderheit geblieben war, zum Bürgermeister von T el - Av iv ernannt hat. Die Entscheidung der Regierung hat großes Aufsehen hervorgerufen. Der bisherige G,e,n.e r alst a ats anw alt von Palästina, H. H. Trüsted, ist als Nachfolger von Sir Michael MacDonnell zum Obersten Richter Pa lästinas ernannt worden; zum Oberstaatsanwalt an Stelle Trusteds wurde Staatsanwalt Fitzgerald ernannt. Die Londoner Diözesankonf er eng der englischen Hochkirche hat einstimmig eine Resolution .gegen die ״unchristlichen Bestrebungen“, Antisemitismus im Londoner East End zu erregen, gefaßt. Der ״S türm er“ bringt ein Bild des früheren Wiener Rabbiners, jetzigen Oberrabbiners von Zürich, Dr. Zwi Taube s, und behauptet, daß Dr. Taubes ein Nachkomme des Baäl-Schem sei. Der ״Stürmer“ warnt die Schweiz vor ihm, da er zu den ״Emissären des Welt- Judentums“ gehören soll. Die amtliche Polnische Telegraphen- Agentur (PAT) verbreitet eine Erklärung des Mini- ■st erpr äsidenten General Skladkow ski, die eine überaus scharfe Warnung an die Arrangeure und die Mitwirkenden an den andauernden blutigen antijüdischen Ausschreitungen an den Warschauer Hochschulen enthält. Der Ministerpräsident ist entschlos- ■sen, diesen Hochschulexzessen ein Ende zu setzen und dabei nicht nur gegen die direkten Teilnehmer der Ausschreitungen, sondern auch gegen ihre Inspiratoren mit der größten Strenge vozugehen, Wie vorauszusehen war, hat die Mandatskommission de s V öl ke r b un des, die am Dienstag, 87. Oktober, unter dem Vorsitz von Pierre Orts (Belgienj in ihre 30. Session trat, beschlossen, eine Ent- Schließung über den P alästin a-B eri cht der britischen Mandatarmacht zu verschieben, bis die ■nach Palästina gehende Kgl. Kommission ihren Bericht über die letzten Unruhen fertig gestellt hat. Belgische Zeitungen melden, daß äer Rexistenführer Ldon De grelle am 27. September in Berlin geweilt hat, um Instruktionen einzuholen. Wie der ,Matin“-Korrespondent meldet, gab Dr, Goebbels Degrelle die folgende Anweisung: Trachten Sie die Menge zu faszinieren und schildern 8ie ihr in den schwärzesten Farben die Gefahr des jüdischen Bolschewismus, Das Professorenkollegium des Karolinisohen Instituts zu Stockholm hat am 29. Oktober beschlossen, den Nobelpreis für Physiologie und Medizin für das Jahr 1986 gemeinsam an die beiden Professoren Qtto .L<Q,ewi m Graz und Sir ffenry Hollett Dale in London zu vergeben, und zwar wegen ihrer Entdeckungen auf ■dem Gebiet der chemisehm lleberführmg der Nerven- ■Wirkung. Prof, Dr. Otto Loewi ist Jude, Ä, Grün, XI״ Taborstraße 8 b, Telephon R-42-3-66, Atelier für leine Herrengarderobe. '::Ä׳• "'■■ff« "צערעם" פערבירגט ריינעצן aapc אדם קאל,אם*ניםםען. דיא קאגןאם״ניפםען ווערדען בייא ד^ר נעארג שיכט א. ג אדפמיג נעפרעמסט אוגר דיא ערצייגונג שטעחט ביז צור פערפאקונג דעם פעו** טיגען פעטטעם אונטער פערזאנליכעאויפזיכט דעם הרב מוה״ר דוד ד,»לסדין שודגעדואהן רעם הרב הגאון מראדאמישלע זצ״ל אדם קאשייצע זאוויא איינעם צודיטען יודישען געלעהרטען אדם דער סלאוואקיא. פערזעהען מיט הכשר.(אטטעסט) דעם הרב הדרג מוהי׳ר שמחה פראנקיל אבד״קק סקאודן חופקי׳ק פאתורזע שליט״א, צערעם קאן דאהער פא; יעדעם שטרענגגלדביגען אהנע בעדענקען צור צובערייטונג דער שפיחען פערווענדעט ווערדען ב״ה "אמעגא" איזט איינע פפלאנצענמאר־ נארינע, דיא אדם אעלען אהנע יעדע צומישונג ער־ צייגט ודרד. דיא ערצייגונג שטעהט ביז. צוך פערפא־ קונג דערפערטיגען פפלאד \ צענמארגארינע אונטער פערזאנליכע אויפזיכט רעם הרב מוה״ר דוד היילפרין שודנערזאהן דעם הרב' הגאון מראדאמישלע זצ״ל אדם קאשיצע זאוויא איינעם צודיטען יודישען• געלעהרטען אדם דער סלאוואקיא. פעחעהן מיט הכשר (אטטעסט) דעם הרב הה״ג מוה״ר שמחה' פראנלןיל'י־ אבד״קק י סקאודן; חופלו״ק פאדגורזע שליט״א. אמענא־פפלאנצענמארגארינער,אןדאהערפאןיעדעם שטרענגגלדביגען צור צובערייטונג דער שפייזען פערווענדעט וועררען.!SCHICHT TIK UND תז9םםםם0ו Eine Selbstkritik Vor kurzem erschien, in einer Bratislavaer jüdischen Zeitung• ein Artikel aus der^Eeder des Herrn-Dr.-B, To■ raaschoff, eines aktiven Misrachisten, mit der Ueber- Schrift ,,Weltverband jüdischer Frauen für ein religiöses Erez Jisroel — und die Wizo“. Der Artikel greift in anerkennenswerter Offenheit den ,,Weltverband zionistischer Frauen“ heftig an. Wir möchten aus den Ausführungen dieses Artikels 'hier einiges registrieren, um vor allem das Gewissen derjenigen orthodoxen Frauen wieder einmal ,aufzurütteln, ,, die in oberflächlicherr Gedankenlosigkeit' Sammelaktionen der Wizo unterstützen oder gar, dieser als Mitglieder angehören, indem wir sie auf die von einem Zionisten gegen diesen Verband erhobenen Anklagen aufmerksam machen. Dr. Tomaschoff schreibt u. a.: ״... Auch die Institutionen der Wizö;׳ insbesondere die in Erez Israel, scheinen diesem areligiösen Geiste erlegen zu sein. Die Mädchen der Wizo wurden bisher in der Gola in den Hachscharoth des ״Hechaluz" für Erez Israel vorbereitet. Der ״Hechaluz“ ist bekanntlieh zu einem überwiegenden Teile aus areligiösen, sozialistisch eingestellten Gruppen zusammengesetzt oder aus solchen, die der eben bezeichneten Ideenwelt nicht gar zu fern stehen,,. wie ׳״Haschomer hazair“, ״Poale Zion", ״Techeleth lawan“ usw.... ES gilt auch in den Augen der Wizo der areligiöse ״Hechaluz" als die legale organisatorische Zusammenfassung der Chaluzim. Der religiöse, misrachistisohe (selbst der .misrachistische! Red.) Ghaluz wird als eine besondere Formation angesehen, der den offiziellen zionistischen Körperschaften gegenüber nicht die natürlichen Rechte hat! ... Mit dieser Mentalität in den Hachscharöth aüsgestattet, kamen die Wizo-Mädchen auch nach Erez Israel. Die Farmen der Wizo in Erez Israel werden naürlich mit der Moazoth hapoaloth der linksgerichteten Arbeiterorganisation (! Red.) verwaltet. Die Mädchen bekommen somit ihre geistige Nahrung von dieser Arbeiterschaft, mit der sie organisatorisch verbunden sind. ... Die Arbeiterorganisation!würde es sich nicht gefallen lassen, daß die mit ihr organisatorisch verbundenen Wizo-Mädchen auch nur beeinflußt werden, irgendwelche ׳jüdische Traditionen zu pflegen, die auch einen religiösen Charakter tragen.. . . ‘ So geht es in dem Artikel lieblich weiter. Wir haben diesen Ausführungen nur den Spruch unserer Weisen hinzuzufügen.: ״ אוי לה לעיסה שנחחומזזמעיד עליהWehe dem Teig, über den der Bäcker selbst sich verwerflich ausspricht!“ V a t e r s gebracht werden. Eine Grausamkeit, fügen die Herren Gelehrten hinzu; die man nicht. einmal dem Tiere gegenüber anwendet,, da doch nach Vorschrift das Kalb mindestens sieben Tage bei der Mutter bleiben muß. Ein Beweis, so folgern die Herren, wie ungleich humaner die Thora selbst als ihre rabbinischen Ausleger in .den späteren Zeiten sei. Man kann' in wissenschaftliche Auseinander- Setzungen über solche Auslassungen und insbesondere über das, was sich hinter diesen Auslassungen verbirgt, nicht eingehen. Nach talmudischem Gesetz ist eine auf- ׳,klärende' Antwort an‘ einen ahnungslosen, nichtjüdischeri Kritiker eher angebracht als an einen jüdischen, von dem angenommen wird, daß er die Wahrheit kennt und bewußt gegen sie verstößt. In diesem Falle soll aber lediglieh die erschreckende Ignoranz von Männern angeprangert werden, die sich Lehrer in Israel nennen und die auch , einen gewissen Einfl,uß huf«. die , Jugend ausüben; eine Ignoranz, die zur Quelle von f alschen Ang aben, zur Verächtlichmachung des jüdischen Schrift־ tums in den Augen seiner eigenen Bekenner wird. Es haben sich auch richtige Sachverständige gefunden, die im ״Haarez“ die Herren Ame-Haarez auf die wiederholt in Talmud, Maimonides und Schulchan Arucü fixierten halachischen Stellen hinweisen, wonach bei Ehe- Scheidung die Kinder bis zum-Alter von sechs Jahren ■stets im Schutze der Mutter bleiben. Erst wenn die Söhne ein höheres Alter erreicht haben, hat der Vater Anspruch auf diese. Die Töchter aber bleiben i m m e r, im Besitz und im Schutze der Mutter. Angesichts solcher- Verdrehungen aus Unwissenheit erhält unsere Aufgabe, für gute Schulen und gesetzeskundige wie thoratreue Lehrer in Palästina zu sorgen, noch eine gesteigerte Bedeutung und Dringlichkeit. ft Haarez'* und Ame-Haarez Wir lesen im ״Israelit“: Daß aus Unkenntnis des jüdischen Schrifttums schiefe Urteile übsr Juden und Judentum entstehen, sind wir seit Jahrhunderten gewöhnt. Es schmerzt aber doppelt, wenn! Juden selbst, zumal in Erez lsrael, wo den Hebraisten die Quellen ja nicht verschlossen sind, statt sich •in die Quellen zu vertiefen, falsche Behauptungen auf stellen, uro. das jüdische Gesetz herabzu würdigen. , So wurden vor kurzem iro ״Haarez“ Vorträge ver* öffentließt, die die bekannten Kulturzionisten Eisenstadt und Alkuschi über das jüdische Ehegesetz gehalten haben. Unter anderem, wird behauptet, d^ß nach jüdisehem Gesetz bei einer Ehescheidung nach Vorschrift der Religion d e r I# u 11 er mit Gewalt die K i n d e r, auch im zartesten Alter, sogar' schon unroitteibur nach der Geburt, abgehororoen und־ in den Besitz des Juden in Kurdistan Wie die J. T. A. vor kurzem meldete, hat sich im Zusammenhang mit der arabischen antijüdischen Agitation im Irak auch die Lage der Juden in dem dem Irak nunmehr angegliederten Kurdistan, im Norden des Irak, erheblich verschlechtert. Dr, Walter Fische 1 vom Orientalischen Institut der Hebräischen Universität in Jerusalem, der eben eine Studienreise durch einige mittelasiatische Länder beendet hat, gab nun Vertretern der Presse folgende Aufschlüsse über die Juden in Kurdistan: Während in Syrien etwa 30,000 Juden leben, gibt es im Irak mit Kurdistan 115,000, in Iran (Persien) 60,000, in Afghanistan 6000 Juden. Die Juden in Syrien, im südliehen Mesopotamien (Irak) und einigen anderen Teilen des Irak sprechen einen jüdisch-arabischen Dialekt, d. h. ein besonders stilisiertes Arabisch mit vielen hebräischen Ausdrücken: die Juden im nördlichen Mesopotamien (Kurdistan) aramäisch; die Juden in Persien und Afghanistan ein mit hebräischen Elementen durchsetztes Persisch. Dr, Fisebel reiste im Frühjahr 1936 von Jerusalem nach Damaskus, über die Oase Rutba nach Bagdad, von ״/ dort ins kurdistanische Bergland, nach Persien und über Haröadan und Teheran bis nach Meschheg an der persiseb-afghaniseben Grenze, In der Nähe von Teheran besuchte er einen alten jüdischen Friedhof, von dem die Sage geht, daß er unterirdisch mit Jerusalem verbunden ■ sei; in Haroadan die angeblichen Gräber von Mordechai und Esther, bei Isfahan das vermeintliche Grab von Sara bat Aschen der Enkelin -Jaakobs; auf irakischem Geltet > die Gräber von Jecheskel, Esra, Nachuro und Jena. Hur■« distan ist eine äußerst reizvolle Gebirgsgegend־ Jüdischer Gemeinden gibt es in Mossul, Kirkuk, Erbü undeinigen anderen Städten,

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