Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 38 (6.11.1936)
- Date
- 1936-11-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Königliche Kommission mag sich anschicken, ins Land zu kommen, um die letzten Gründe seines Unglücks zu studieren, die offenbar jedermann kennt, mit Ausnahme der — Mandatsregierung. Wollten die Araber nicht endgültig darauf verzichten, die Majorität im Lande zu sein, mußten sie die furchtbare Kraftanstrengung machen, die dieser Streik für sie bedeutete. Es war die höchste Zeit. Nur noch wenige Jahre, und ihre Majorität wäre unwiederbringlich an die-Juden״übergegangen. War der-Zweck•des Streiks, die Weltaufmerksamkeit auf die Tatsache des völlig erwachten arabischen Nationalismus zulenken, der entschlossen ist, sich keineswegs von den . Juden ,in eine Minoritätsstellung drängen zu lassen, so hat der Streik nicht ohne Erfolg geendet, mag auch die öffentlich erklärte Streikparole schließlich fallen gelassen worden sein. Es ist dem jüdischen Volk nicht gelungen, in Palästina die Majorität noch vor der Selbstbesinnung des arabischen Nationalismus zu erwerben. Dies ist eine Tatsache, mit der das jüdische Volk sich abfInden muß. Ueber die Schuldfrage mögen sich die Gelehrten streiten. Bleibt die Königliche Kommissioir selbst Jahre im Lande, wird sie nichts anderes feststellen können, als ihr jedes Kind schon heute sagen kann: Das Land stöhnt unter dem Gegensatz zwischen dem. arabischen Nationalismus und dem Anspruch des jüdischen Volkes auf Errichtung seines Nationalheims. Gibt es einen Ausgleich? 1. Die Geschichte kennt keinen Vorgang, daß ein - waches Volk ohne ausrottende Gewalt sich auf seinem eigenen Boden von einem anderen Volk in eine Minorität hätte umwandeln lassen. Der wiederholt geäußerte Gedanke, dem arabischen Volk in Palästina etwa durch den Völkerbund garantieren zu lassen, es werde auch als künftige Minorität niemals von den Juden majorisiert werden, wird dem arabischen Nationalismus schwerlich Genüge tun. Dieses ״niemals“ ist keine Tatsache, sondern ein — Versprechen. Ein politisches Versprechen. Im Wörterbuch der Politik ist aber das Stichwort ״niemals“ nicht zu finden. Daß die Araber heute noch in Palästina die Mehrheit bilden, ist eine Tatsache. Diese Tatsache* gegen einen politischen Wechsel auf die Ewigkeit einzutauschen, wäre nicht gerade ein Zeichen politischer Reife. 2. Ohne Vorbild in der Geschichte ist aber auch die jüdische Situation. An dem historisch auch heute noch, trotz zweitausendjähriger Zerstreuung, völlig lebendigen Zusammenhang des jüdischen Volkes mit dem Heiligen Lande kann schlechterdings nicht gezweifelt werden; Die Möglichkeit der Gründung eines umfassenden Volksdaseins ist für das jüdische Volk nur im Heiligen Lande gegeben. Ueberall sonst auf der Welt befindet sich das jüdische Volk nach der von der Geschichte wundersam bestätigten Weissagung der Thora, stets nur ״auf der Durchreise*‘, stets nur im Lande seiner Gegner. Stärker als zu irgendeiner Zeit in der Vergangenheit macht sieh heute diese Gegnerschaft fühlbar. Auf Alijah und Bodenerwerb kann das jüdische Volk nicht verzichten. Alijah und Bodenerwerb sind nach den Gesetzen der Thora heilige Pflicht. Ein wirkliches Volksdasein ist ohne sie undenkbar. Beide aber führen, wenn unverkümmert fortgesetzt, zur jüdigehen Majorität*im Heiligen Land. S. Auch die Kantonisierung ist kein geeigneter Ausweg. Sie bedeutet im jetzigen Stadium entweder eine verschieierte Verkümmerung von Alijah ׳ ׳und Bodenervverb oder den verschleierten Verlust der arabischen Majoritäts- Regelmäßiger RßlSßtllßnSt jUICll POlßll! Billig und bequem wie immer. Nächste Reisen: 8, u, 21■ XI., Auskünfte' unü Prospekte auch über den Reisedienst nach BUL- GARIEV, ENGLANG, ITALIEN, JUGOSLAWIEN, PALÄSTINA,. UNGARN und andere Länder, sowie über alle Autobustom en und Mitteimeerreis» n bei DR. S. TOCKER. REISEBÜRO ״IN DIE WEIT“ (W, M. Renne!) Wien IX, L'Chtensteinstraße 2, Telephon A-14-504 Original englische und!ranz. Stoffe " für Damen und Herren Tuctihflus D. Tnbok 1, sAuzGRu!8 nr 5. Stellung. Sie verkennt auch das innere Lebensgesetz eines in Entwicklung begriffenen Volksdaseins. Wachstumshemmung ist Wachstumslähmung. Einem Lebenswesen die Grenzen seiner Wachstumsmöglichkeit von vornherein vorschreiben, heißt das Lebenswesen verzwergen. Das politische Palästina ist klein genug. Die Schweiz ist kein Vorbild. Dort hat keine Wachstumsmechanik ihre täppische Hand angelegt, sondern politische Klugheit geschichtlich gewordene Wachstumsreife allenthalben anerkannt. 4. Also unlösbar? Also Gewalt nach der einen oder der anderen Seite? Gewalt nach beiden Seiten? a) Vom rein palästinensischen Standort gesehen, ist das Problem in der Tat unlösbar. Weder die Araber werden auf solchem Standort darauf verzichten, Majorltät zu bleiben, noch die Juden, Majorität zu werden. Auch die Königliche Kommission wird daran nichts ändern. b) Aber das Problem darf eben nicht vom rein palästinensischen Standort aus behandelt werden. Seine Lösungsmöglichkeit liegt nicht in der Zergliederung seiner Merkmale, die immer wieder nur auf das Gesetz des Widerspruchs zurückführt, sondern in der richtigen Art der Betrachtung. Geht man nämlich vom rein paiästinensischen Standort aus, so gelangt man fast unwillkürlich zu der Annahme, daß dem Anspruch des jüdischen Volkes als Eindringling der Anspruch ׳des Palästina bereits innehabenden Volkes, eben des arabischen Volkes, gegenüberstehe, dessen Nationalismus inl Palästina seine territoriale Fixierung, habe. .Diese .Annahme bedeutet letzten Endes, daß es eine palästinensische Nation gebe, mit der gegenwärtig die jüdische Nation sich auseinanderzusetzen habe. Unter solchem Aspekt ist das Problem allerdings unlösbar. c) Aber eine palästinensiche Nation gibt es nicht, so wenig es, seit vielen Jahrhunderten, einen palästinensisehen Staat gab. Nicht auf eine palästinensische Nation stößt das jüdische Volk, sondern auf die arabische Nation, zu der sich die siebenhunderttausend Menschen in Pa- Iästina rechnen. Der in Palästina erwachte Nationalismus macht an den :Grenzen Palästinas nicht halt. Ob Panarabismus oder Anschluß an irgendeinen der vorhandenen arabischen Staaten: ein spezifisch palästinensischer Nationalismus existiert nicht, , . d) Wenn freilich Palästina ein selbständiger Staat werden soll, erhebt sich sofort die Frage, ob dieser Staat ein arabischer oder ein jüdischer zu י sein hat, und der arabische Nationalismus wird schwerlich sich davon überzeugen lassen, daß Palästina als selbständiger Staat kein jüdischer zu sein brauche, selbst wenn die Juden die ausgesprochene Majorität bilden werden., Umgekehrt ist gerade die Vorstellung’ Palästinas als eines selbständigen Staates in höchstem Maße geeignet, einen palästinensisehen Nationalismus unter den in Palästina wohnenden Arabern allererst zu entwickeln und damit das Problem endgültig unlösbar zu machen. e) Die Lösbarkeit des Problems liegt im Anschluß, Palästinas an einen der vorhandenen arabischen Staaten. Wird dieser Anschluß klar und deutlich als das unverrückbare politisehe Ziel des Völkerbundes als treuhänderischen Inhabers der palästinensischen Souveränität ausgesprochen, hat also künftighin die Mandatsregierung nicht nur die Errichtung des jüdischen Nationalheims in Palästina, sondern auch den Anschluß Palästinas an einen der - vorhandenen! arabisehen Staaten vorzubereiten, so bleiben die Juden , innerhalb des kommenden Gesamtstaates eine Minorität, ob sie gleich im palästinensischen Teilstück dieses Gesamt- Staates die Majorität bilden werden. Daß eine durchaus selbstbewußte und stolze Nation auf einem wenig bevölkerten und wenig entwickelten Teilstück seines Gesamtterritoriums Glieder einer anderen Nation auf nahm und mit weitgehenden Sonderrechten versah, ist in der Geschichte keine Ausnahmeerscheinung. Würden diese Sonderrechte zudem noch die Majorisierung der in Palästina wohnenden Araber, trotz jüdischer Majorität, ausschließen, so würde eine solche, durch Tatsachen gestützte Ordnung auch den letzten Stachel zu entfernen geeignet sein, f) Das Recht des jüdischen Volkes, innerhalb des arabischen Gesamtstaates sein Nationalheim zu errichten und zu unterhalten, wäire unter die Garantie des Völkerbundes und unter den exekutiven Schutz der Mandatar-* macht zu stellen. Garantie und Schutz brauchten nicht stärker und schwächer zu sein, als sie es unter׳ den gegenwärtigen Verhältnissen sind, ZAHNPASTA Erzeugt nach den von der Yf. V. d. Zahnärzte , Wiens approbierten Rezepten, und unter ständiger Kontrolle der zahnärztlichen und pharmakognostischen Institute der Universität in Wien. g) Die vorgeschlagene Regelung mutet Arabern wie Juden. Verzichte zu. Sie sind aber nicht untragbar. Die arabische Nation wird sich damit abfinden müssen, daß Palästina eine Art G o s c h e n innerhalb des arabischen Gesamtstaates werde. Sie hat aber dafür die Gewißheit, daß Palästina ihr erhalten bleibt, und sie braucht selbst in Palästina nicht das niederdrückende Gefühl einer Minorität zu haben, da sie selbst in Palästina durch seinen Anschluß an den arabischen* Gesamtstaat staatsrechtliche Majorität bleibt und vor allem keine Sorge zu haben braucht, daß ihr die siebenhunderttaüsend Nationalgenossen verlorengehen. Von den wirtschaftlichen Vorteilen, die dem Gesamtstaat vom jüdischen Nationair heim in Palästina zufließen könnten, soll in diesem Zusammenhang nicht gesprochen werden. Das jüdische Volk wird auf gewaltsame Errichtung des jüdischen Staates in Palästina, ganz im Sinne der Gesetze der Thora, endgültig zu verzichten haben, und zwar nicht durch Worte, sondern durch Schaffung von unwiderruflichen F a kt e n. Diese Fakten werden das arabische Mißtrauen endgültig beseitigen. Die Türe zur Freundschaft wäre geöffnet. Das jüdische Volk hätte sich damit abzufinden, daß es innerhalb des arabischen Gesamtstaates eine Minorität bilde, zufrieden, daß es im Rahmen dieses Gesamtstaates auf dem Boden der Väter ein nationales Volksdasein im vollen Sinne des Wortes pflegen könne. h) Bis zur Erreichung des Doppelzieles der neuen Völkerbundspolitik mit Bezug auf Palästina wäre die Mandatsverewaltung natürlich aufrechtzuerhalten. Sowohl in Palästina wie auch im arabischen Anschlußstaat müssen die Dinge erst zur Reife kommen. Aber die Reife könnte in Frieden und wachsender Freundschaft von beiden Völkern einträchtig gefördert werden. 5. Ganz außer Betracht bleiben die etwaigen besonderen Ziele, die England in Palästina, verfolgen könnte. Hierüber Mutmaßungen anzustellen, ist müßig. Wären Juden und Araber einig, hätte man schnell genug Klarheit. Weise wäre es von beiden Völkern, setzten sie sich am runden Tisch zusammen. Aber mit leeren Händen kann und soll man sich nicht zusammensetzen; Die Quadratur des Kreises wird auch am runden Tisch nicht gefunden. Die Zeit für konstruktive Vorschläge ist gekommen• Täglich Spezialitäten Selchfeisch mit Ritschet,׳ Schotet, Pfefferkarpfen, Würste mit Gulyassaft usw.—Menü von S 2.— aufwärts ״' ׳ HAGEL, Wien II, Praterstr. 33 Unter Aufsicht des Rabbinats der Adas-Jisroel-Schiffschul Residenz-Atelier für moderne Photographie I, Fleischmarkt 1, Tel. R-29-2-80 Günstiges Herbstangebot der Firma Erstklassige Perücken in prUna Ausführung nur $ 70.־ Wien I, Kärntnerring 6 Telephon U-43-0-16 Kurze Zeit, solange der Vorrat reicht