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Jüdische Presse · 1936-10-30 · 37 (30.10.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
22 (1936)
Issue
37 (30.10.1936)
Date
1936-10-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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VIII, 4117, Berlin Nr. 122.619. oRGsn fob Die mTGRessen Des ORTHOooHen JuoenTums Nach Beendigung des Streiks Von unserem palästinensischen Mortespondenten 2)gc 26• öUtotec c Wieder einmal feierte die Tschechoslowa« kisclie Republik ihren Grü 11 dungstag. Es war dies das achtzehnte Mal. Achtzehn Jahre sind wohl eine kurze Zeit in der Geschichte eines Volkes und daher unter gewöhnlichen Verhältnissen nicht von so hoher Bedeutung, daß sie besonderen Anlaß zur Freude und Feier geben würden. Hier liegt es aber anders. Gerede diese noch .hinge Vergangenheit unserer Republik erfüllt den treuen tschechoslowakischen Bürger mit stolzer Freude. Es ergreift ihn das erhebende Bewußtsein, daß es seinem jungen Staate in dieser kurzen Zeit gelungen ist, sich auf ein ungemein hohes staatspolitisches Niveau zu erheben, wie ei. das staatsgesellschaftliche Leben unserer Republik zeigt. Inmitten schwerer politischer Stürme in der europäischen Vöikerwelt steht unsere Republik festgegründet und unerschütterlicher denn je da. Es ist dies in erster Reihe den Prinzipien des demokratischen Rechtes, nach denen unser Staat geführt wird, und dem Geiste der humanen Gerechtigkeit, der in ihm herrscht, zu danken, aber auch der Weisheit und genialen Umsicht seiner politischen Lenker., Die Juden der Tschechoslowakischen Republik stehen selbstverständlich in dcii ersteh Reihen der Feiernden. Sind sie es ja, die inmitten aller Entrechtung und Zurückdrängimg der Juden in den amliegenden Nachbarländern, hier wie auf einer Insel des Friedens und der Buhe leben, in voller Freiheitihre bürgerlichen Rechte in wirtschaftlicher, geistiger und religiöser Beziehung genießen. Die tschechoslowakisehe Verfassung ist von der Erkenntnis getragen, daß nur die freie Entwicklung und Entfaltung aller Schichten der Bevölkerung, ohne Unterschied der Nationalität und Konfession, zur friedlichen Konsolt• dierung und zum Nutzen des Staatsganzen beitragen kann. Die zwei großen Männer von internationalem Ansehen, die als die Gründer der Tschechoslowakischen Republik im Bewußtsein und in der Geschichte des tschechoslowakischen Volkes für immer in treuem Angedenken leben werden: Befreier-Präsident Masar y k und Präsident Benes, die gleichsam als ,Symhole der demokratischen Gesinnung und der Toleranz, die keinen Unterschied zwischen Bürger und Bürger kennt, an der höchsten Spitze unseres Staates stehen, sind auch für die Zukunft die Bürgen für die volle bürgerliche Gleichberechtigung der Juden in unserem Lande, Mögo die Tschechoslowakische Republik als Musterbild der demokratischen Freiheit blühen und gedeihen! Der Segen G-ttes erhalte sie! ,S. W. Regelmäßiger ReMenst nach Polen! Billig und bequem wie immer. Nächste Reisen: 8. u. 21 X(., Auskünfte und Prospekte auch über den Reisedien6t nach BUL- GARIEV, ENGLAND, ITALIEN JUGOSLAWIEN. PALÄSTINA. UNGARN und andere Länder, sowie über alle Autobustou! en und Mittelmeerreisin bei DR. S. TPCKER, REISEBÜRO ״IN DIE WELT*, (W. M. Rennei) Wien IX, Lichtensieinstraße 2. Telephon A-14-504 Original englische und!ranz. Stoffe für Damen und Herren Tuchhous D. Tnbak!> salzgries nr 5. Der halbjährige Streik der Araber ist beendet, ohne daß auch nur eine der drei vielgenannten arabischen Forderungen erfüllt worden wäre: Einstellung der Alijah, Verbot des Bodenverkaufs an Juden und national-arabische Regierung in Palästina. Die Sache beim richtigen Namen genannt, bedeutet der Streikabbruch eine Niederlage der Araber, eine Niederlage auf der ganzen Linie. Der ״Streik“, der faktisch gar kein richtiger Streik war — im Geheimen haben zahllose Araber gearbeitet —, dieser Streik also mit all seinen blutigen Begleiterscheinungen wäre schon vor einem Monat oder sechs Wochen beendet worden, wenn man nur dem Obersten Arabischen Rat die Möglichkeit gegeben hätte, die Angelegenheit ״in Ehren“ zu liquidieren und mit einem wirksamen Knalleffekt, wenn auch ohne greifbare Resultate, abzuschließen. Haben doch die arabischen ׳Führer einsehen müssen, daß sie sich mit ihren phantastischen Forderungen und blutigen Handlungen vergaloppiert hatten. Auch ihre Freunde, die sich in nicht geringer Anzahl in der Palästina-Regierung und im Londoner Kolonienministerium befinden, haben dies erkannt. Sie alle mußten wissen, daß England, wenn auch nicht der Juden, so doch seines Prestiges wegen, der Entwicklung der Dinge nicht tatenlos zusehen konnte. Und noch eines: Die, dtejden. ganzen ״Aufstand* des arabischen Volkes“ inszeniert haben, die Eff en dis, die auch . den Obersten Arabischen’ Ausschuß beherrschen, haben unter den furchtbaren Ereignissen der vergangenen sechs Monate nicht im geringsten gelitten. Gelitten haben die arabischen Kaufleute, die ihre Geschäfte geschlossen halten mußten., gelitten haben die arabischen Arbeiter, die ihre Beschäftigung verloren, gelitten haben die Fellachen, die ihre landwirtschaftlichen Produkte nicht absetzen konnten. Nun war der Augenblick gekommen, wo auch die Effendis den Beweis ihres ״nationalen Gefühls“ zu liefern und ein Opfer für die Sache des arabischen Volkes zu bringen hatten. Die Orangenernte steht vor der Tür; die allgemeine Streikparole befolgend, hätten sie die reifen Orangen an den Bäumen verfaulen lassen müssen. Nichts liegt aber einem Effendi ferner, als ein unrentables Geschäft. Und so mußte noch rasch vor der Ernte der Streik sein Ende gefunden haben. Nicht den Erbsen der Fellachen ist — wie ein Witzwort durchs Land geht — der Abbruch des Streiks zu verdanken, sondern den Orangen der Effendis. Man hat in den letzten vier Wochen krampfhaft nach einem Ausweg aus der Enge gesucht und einen solchen Ausweg in dem gemeinsamen Eingreifen der arabischen Könige und Emire gefunden. Es besteht kein Zweifel darüber, daß die englische Regierung ihre Zustimmung zu dem bekannten Manifest der arabischen Herrscher gegeben hat. In informierten Kreisen will man sogar wissen, daß den größten Anteil an seinem Zustandekommen nicht Kolonienminister Ormsby-Gore, sondern Außenminister Eden hat, der in Genf manches unangenehme Wort hören mußte. Es ist klar, daß der Aufruf der Könige, der, außer der Aufforderung zum Streikabbruch und einem Kompliment an England, nur nichtssagende Worte enthält, von der britischen Regierung zensuriert wurde — von ebenderselben Regierung, die bis dahin als Volksfeind Nr. 1 hingestellt worden ist. Die Massen des arabischen Volkes durchschauen diese Komödie; pie wissen, daß ihre Führer sie belogen und betrogen haben, sie wissen, daß dem Stoß, der gegen den Jischuw geführt wurde, die ihm zugedachte Wirkung gefehlt hat und daß die Grundlagen der palästinensischen Wirtschaft unerschüttert sind. Soeben veröffentlicht das Finanzdepartement der Palästina-Regierung statistische Ziffern über die Gebarung im Monat Juli. Danach haben die Eingänge 419.142 Pfund, die Ausgaben 330.352 Pfund betragen, was einen Ueberschuß von rund 80.000 Pfund in einem Monat bedeutet. Und in was für einem Monat! Im vierten Monat eines Streiks, an dem sich zwei Drittel der Landesbevölkerung beteiligt haben. Im vierten Monat eines beispiellosen Terrors und einer einzig dastehenden Schreckensherrschaft. Diese Zahlen sprechen eine beredte Sprache; sie sagen der Welt, dem jüdischen Jischuw und auch den Arabern, wer das auf bau ende Element im Lande ist, von!wem dessen Wirtschaft lebt und w,er die stärkeren Nerven gezeigt hat. Unter dem Zwang der Umstände hat der Jischuw eine Reihe von Positionen errungen, an die er in den kühnsten Träumen kaum gedacht. Die hervorragendste, darunter ist der Hafen von Tel-Aviv. Die Araber, die ein kurzes Gedächtnis haben, hoffen, daß es auch die Juden haben, und erwarten, daß die jüdischen Exporteure und Importeure in den Jaffaer Hafen zurückkehren werden. Auch die Regierung würde dies gerne sehen. Die Behörden beginnen bereits dem ״jüdischen Hafen“ Schwierigkeiten zu machen und seine Entwicklung zu hemmen. Allein, die jüdischen Wirtschaftskreise lassen nicht locker. Einen Tag nach Wiedereröffnung des Jaffaer- Hafens hat in Tel-Aviv zum erstenmal ein holländisches Schiff eine Ladung Grape Fruit aufgenommen. Insgesamt haben seit der Eröffnung des Hafens bereits 67 Schiffe dort angelegt. In einer Sitzung der Handelskammer von Tel-Aviv, in der die. bedeutendsten Firmen vertreten. waren, ist einstimmig beschlossen worden, den Jaffaer Hafen zu boykottieren. Man könne nicht — heißt es in der Resolution — das Wirtschaftsleben der Juden von dem Wohlwollen der arabischen Schiffer abhängig machen, die nach Belieben die Arbeit niederlegen. Die ökonomische Ent- Wicklung des Landes dürfe nicht von der Laune der Jaffaer. Hafenarbeiter diktiert werden. Der Hafen von' Tel-Aviv müsse dem־־ von Jaffa e b e n b ü r 11 g werden, ohne daß diesem etwas genommen werde., ׳ Eine weitere Errungenschaft der letzten Monate war die restlose Ersetzung der arabischen Arbeiter durch jüdische in den Kolonien. In Sichron Jakob, Petach T'ikwah und. zahlreichen anderen Siedlungen haben die jüdischen Pardessim-Besitzer an Stelle der streikenden Araber massenhaft Juden eingestellt. Wie werden sich die jüdischen Landwirte' jetzt verhalten? Werden sie, bloß um einen Piaster zu ersparen, denen, die sechs Monate lang auf sie geschossen und ihr Hab und Gut zerstört haben, Arbeit ,geben? An- Zeichen für derartige Charakterlosigkeit haben sich hereits in Rechowoth und ׳Ness Zione gezeigt. Gewiß sind es bloß einzelne Fälle. Der Jischuw wird aber dafür zu' sorgen haben, daß sie nicht zu einer allgemeinen Erscheinung werden. Die Unruhen haben auch tausende jüdische Familien in der Landwirtschaft Erwerb finden lassen. Eigener Gemüsebau, , eigene Hühnerzucht und Milchwirtschaft haben den Jischuw auf Tiicst ש? יט״א «w׳f» In schlichter Zurückgezogenheit hat das ehrwürdige geistige Oberhaupt der Wiener Orthodoxie, Herr Oberrabbiner S, Fürst, am 7. Cheschwan d. J., seinen 80. Geburtstag gefeiert. So sehr der Jubilar es vermeiden wollte, aus diesem Anlaß in den Mittelpunkt des Interesses und von Feierlichkeiten gerückt zu werden, ließ es sich doch der engere Kreis. seiner Freunde und Anhänger nicht nehmen, ihm die herzlichsten Glückwünsche und die Versicherung der größten Hochschätzung und Ergebenheit der Mitglieder seiner Gemeinde zum Ausdruck zu bringen. Auch uns ist es auf־־ richtiges Bedürfnis, dem ehrwürdigen Herrn Oberrabbiner vom ganzen Herzen zu gratu־־ iieren. Möge ihm der Allmächtige die Kraft geben, uns noch viele, viele Jahre עד סאה ועשיים שגה in voller Gesundheit und Wohlergehen ent* gegenzuführen dem ביאת נואל צדק בב״א♦ Wir behalten uns eine ausführliche Wür־־ digung der Persönlichkeit des Jubilars vor. Redaktion ״Jüdische Presse“, günstiges Herbstangebot der Firma Erstklassige Perücken in prima Ausführung nur S 70! Wien I, Kärntnerring 6 Telephon (1-43-0-16 Kurze Zeit, solange der Vorrat reicht

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