Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 35 (16.10.1936)
- Date
- 1936-10-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Kultusgemeinde ist die Körperschaft, der auf Grund des Gesetzes vom Jahre 1890, die Regelung der Rechts- Verhältnisse der Israeliten betreffend, jeder Jude, der im Gebiet der Gemeinde Wien seinen'ordentlichen Wohnsitz hat, angehören muß. Dieser Zwangsgemeinschaft ist vom Gesetz die ausschließliche Aufgabe zugewiesen, für die religiösen Bedürfnisse ihrer Mitglieder zu sorgen. Die derzeitige Leitung der Kultusgemeinde ist der Rest eines Kultusvorstandes, dessen Amtsperiode im Februar des heurigen Jahres den bekannten Vorfällen zufolgo vorzeitig abgeschlossen wurde. Die Stellung der Glaubens treuen zu der Kultusgemeinde ist durch den langwierigen Kampf um ihre Selbständigkeit hinlänglich gekennzeichnet. Der Standpunkt der an der Kultusgemeinde interessierten Parteien wird während des Wahlkampfes häufig und deutlich genug zum Ausdruck kommen. Für uns ist der Parteienaufmarsch nur deshalb interessant, weil sich darin das innere Bild. der Wiener Judenschaft spiegelt. Die herrschende j ü d is c h n a.t i o n a 1 e Partei, die in nicht weniger als acht verschiedene Gruppen zerfällt, wird diesmal mit einer E i n h e i t s 1 i s t e auf den Plan treten,.-die' der Erfolg der -unermüdlichem Vermittler tätigkeit des Präsidenten Dr. Friedmann ist. Ueber diese Verhandlungen, die die Oeffentlichkeit lange und viel beschäftigt haben, ist nur so viel durchgesickert, daß über die prinzipiellen Unterschiede viel leichter hinwegzukommen war, als über die Frage der Mandatsverteilung und Wahlfondsbeiträge. Es scheint, daß bei manchen dieser unterschiedlichen jüdischnationalen Gruppen auf das Prinzip und auf das Programm verzichtet wird, wenn ein Mandat mehr zu erlangen. oder bei der Wahlkasse etwas zu ersparen ist. So haben die Radikalen samt Allgemeinen Zionisten A und deren feindliche Brüder Sign0 B sich mit der sonst heftig bekämpfenden Judenstaatspartei und sogar mit der ehrlich gehaßten Neuzionistischen Organisation für die-Wahlzeit friedlich zusammengetan. Konsequenterweise erstrecken sich die Einigungsbestrebungen auch auf alle übrigen jüdischnationalen Gruppen, die teils — wie die ״Unabhängigen“ um Dr. Landau —■ in der gemeinsamen Liste Unterkunft fanden, teils — wie Misrachi und Adolf-Stand-Klub — in wohlwollende Neutralität gedrängt wurden. Ebenso ist auch mit dem linksorientierten Binjan Haaretz — Arbeitendes Palästina ein Wahlübereinkommen getroffen worden. Mit Ausnahme des genannten Misrachi, der der Religion immerhin noch einige Bedeutung im jüdischen RegelmüBiger RelSedM nOCll P01ßll! Billig und bequem wie immer. Nächste Reise: 27. September. Auskünfte und Prospekte auch über den Reisedieri&t nach BUL- GARIEM, ENGLAND, ITALIEN JUGOSLAWIEN, PALÄSTINA, UNGARN und andere Länder, sowie über alle Autobustouien und Mittelmeerreist n bei DR. S. TOCKER, REISEBÜRO ״IN DIE WELT*, (W, M, Rennet) Wien IX, Lichtensieinstraße 2. Telephon A-I4-5q4 Original englische und franz. Stoffe fü Tuchhaus 0. Tabak für Damen und Herren SALZGRIES NR 5. S T F D fl Perfektionen Neudegger-Fahrschulen 19■ I ■ m Rrrr Wien VIII. Tel. B-46-5-72 und Inrersdorf, N.-0e. Abholung vom Hanse! Leben beimißt, sind alle anderen Parteien religiös i ndifferent, weshalb deren Kampf um die religiöse Interessenvertretung eines grotesken Beigeschmacks nicht entbehrt. Schon gar nicht von dem Anachronismus zu sprechen, der darin liegt, im heutigen Oesterreich Wahlen nach Parteilisten durchzuführeü. Den Jüdischnationalen kteht diesmal einzig und allein die Union österreichischer Juden gegenüber. Ihr Ziel ist es vor allein, die ״Kultus"gemeinde davor zu bewahren, daß sie zu einer Volksgemeinde wird, in der sie, die Union, einen Staat im Staate sehen würde, in dem der Primat nicht der Religion, sondern der Politik zufiele. Von dieser Seite wird auch darauf hingewiesen, wie sehr die Kultusgemeinde schon heute zum Tummelplatz jüdischnationaler ׳Aspirationen geworden ist, was am. deutlichsten aus der Berufung ehrenamtlicher Funktionäre zu besoldeten Beamten hervorgeht. Wie man also sieht, geht es in diesem Kampf um Grundsätzliches, ja, um Lebensfragen der Wiener Judenheit. Der 8. November ist: [ ein Schicksalstag ersten Ranges, der von jedem einzelnen ^Wähler höchstes xVerantwortungsbewußtsein und Kljallgewissen fordert. בשי e 11 e 1■ ö ff« 1111 g כשי REST.AURANT u ח d --SELCH WAREN Unter Aufsicht der Adas Jisroel (Schiffschul) TTfcA Yj A K A׳If‘ SCHIFFAMTSGASSE 10 **•^**^••M1 ג (Ecke Franz-Hochedlinger-Gässe) Telephon: A-48-1-32 Selchwaren aus der •Fabrik |. EISEN. Bieru. Weinausschank Lokalitäten für alle Festlichkeiten. Der Herausgeber der ״Jüdischen Presse“, Herr David Tür kl, ist von einem schweren Schicksalsschlag getroffen worden. Sein allgemein verehrter Vater, Herr Samuel Türkl s. Z. 1., ist ihm entrissen worden. Redaktion und Administration unseres Blattes rufen ihm ein tiefgefühltes המקום ינחם אותך zn* Vorliegende Nummer wird auf Grund; einer E n t- Scheidung des Rabbinats von den Mitarbeitern in verringertem Umfang herausgegeben. m t Erzeugt nach den von der W. y. d. Zahnärzte Wiens approbierten Rezepten und unter ständiger Kontrolle der zahnärztlichen und pharmakognostischen Institute der Universität in Wien. In den langen Winternächten■ M ■ Woher rührt die verstärkte Leuchtkraft der winterlichen Sternbilder? Von dem in den Winternächten entzündeten Licht der Thora. Jmre Noam. Die Festtage sind verrauscht. Die ״Tage des Ernstes“ und die ״Tage der Freude“ sind dahin. Wir haben unsere weißen und schwarzen Festeskleider abgelegt; im unfeierlichen Arbeitsgewand gehen wir in den lärmenden Alltag hinaus, zu wetten und zu wagen, zu kämpfen und zu jagen. Nur verhältnismäßig wenigen ist es vergönnt, etwas von der Weihe des Tischri in das übrige Jahr hinüberzuretten. In den Jeschiwos, diesen Tempeln der Thora, strömen sie jetzt zusammen, die Priester der Thora, um da das ewige Licht der Thora zu hüten und zu pflegen. Hier sind die wunderbaren Laute des Püpul und der Halacha zu Hause, ist die heilige Sprache der Gemoro und der Poskim Mutterspräche. Allein derer, die sich ihrer bedienen, sind wenige. Den vielen anderen draußen im Leben ist sie fast oder ganz fremd. Mit der ehrfürchtigen Scheu vor allem Unbekannten stehen sie der Thora gegenüber, dem Grundelement des Judentums, von dem es ausgeht und zu dem es zurückführt, das sein Ursprung und seine Mündung ist. Auch in aufklärerischen Kreisen hat man diesen Mangel schwer empfunden. Und es war eine ״Errungenschaft“ des vorigen Jahrhunderts, ihm durch Schaffung einer ״j ü d i s p h e n Wissen- Schaft“ ״abzuhelfen“, Mit der breiten Masse hat1 aber diese ״Wissenschaft“ nie Fühlung gehabt wie einst das Thorastudium. Daß ״das Leben nicht für eine Wissenschaft gewonnen“ werden kann, wenn diese nicht das Leben zu gewinnen vermag, das ist die Erkenntnis, die die verschiedenen Rabbinerseminarien, gelehrten Vereinigungen und Zeitschriften überall ge* reift haben. Und wenn diese Art von Wissenschaft auch heute noch, trotz kolossaler Prestigeeinbuße, in jüdischen Zentren des Westens ihr Unwesen treiben kann, so ist dies eine von einer dem Volke entfremdeten Schicht künstlich erhaltene Bewegung. Auf das Leben ist sie nicht imstande, Einfluß zu üben, weil sie sich nicht mit dem Leben auseinandersetzt. ״Auf, welchem Acker der Flachs gewachsen, aus welchem das Leintuch“ irgend eines hervorragenden Mannes' ״gewebt, welches Schaf die Wolle getragen, aus welehern das Bahrtuch verfertigt und in welchem Jahre, die Amme der Spinnerin geboren, die den Faden zu beiden gesponnen — das, meistens nicht mehr als das, waren die großen Fragen, aus deren Lösung sich die ,Wissenschaft des Judentums‘ bislang ihre Lorbeeren gepflückt...“ ״Wer in aller Welt, von allen lebenden Richtungen der wirklichen, wahrhaftigen Judenheit hätte mit dieser Wissenschaft etwas zu tun? Welche lebendige Partei der zerklüfteten Judenheit sollte diese Wissenschaft zur Begleiterin durchs Leben und zur Erzieherin und' Bildnerin ihrer Jugend bei sich heimisch machen?“ Was Samson Raphael Hirsch da im Cheschwan 5622 (Oktober 1861), also vor genau fünfundsiebzig Jahren, über die ״Wissenschaft des Judentums“ schrieb, das gilt in noch höherem Maße für die Gegenwart, Hat man zum Beipiel bei den lauten Achthundert־ jahrfeiern zu Ehren des Rambam dem andächtigen Publikum mehr geboten als die Schilderung der äußeren Lebensverhältnisse und Schicksale dieses unsterblichen Meisters oder, wenn es hoch ging, eine Betrachtung über seiiie — oft völlig mißdeuteten — philosophischen Schriften?Hat man nicht geradezu sein Lebenswerk ״Ja d H a c ha s a k a“ unterschlagen? Und wenn man es aufzählte, ist dem Volke Günstiges Herbstangebot Perücken in prima Ausführung nur S 70 Wien I, Kärntnerring Telephon ü-43-0-16 Seit, solange 4er Vorrat reidi