Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 32 (4.9.1936)
- Date
- 1936-09-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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vfptffü m f lüiiüwi & E533 V.b.bf f &* •.י. י*; - י Vetleger vetnenJet מ«<1* Zeitohjen Jötlffiai eip€di6 p&t FSditenf WIEN.BRATISLAVA 4. SEPTEMBER 1936 אלול תרצ״ו;r?: 22. Jahrgang / Nummer 32 Redaktion tmd Administration: Wien« II., Mate* g&sse 12 ai Teießhön A*46w045; Tsciiecioslewäkeis Bratislava« Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschlaß: Mittwoch Mittag . IL.,ך...-......... Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16,; Tschechoslowakei Kö 80, Jugoslawien Dinar 160, da« übrige Ausland Schw. Fr» 14» Einzelnummer Ost. Gr. 40. Zahlungen f. ״Jüdische Presse״, Wien, auf folgende Post- > Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.4ÖÖ, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VHI, 4117, Berlin Nr. 122.619. oRGRn für Die irmRessen oes orthodohgc juDemums Das Gebot Im schier trostlosen Düster der jüdischen Gegönwart gibt es nur einen Lichtblick: ErezJisroel, das nie aufgegebene Land der Väter, das sich anschickt, ein Land der Söhne zu werden. Im Dezennium von 1926 bis 1935 hat mehr als ein Drittel der jüdischen Wanderung Palästina zum Ziel gehabt. Besonders waren die letzten Jahre von dem umgekehrten Verhältnis gekennzeichnet, das zwischen der immer bedrohlicher werdenden Verengerung der Daseinsmöglichkeiten ah allen europäischen Zentren jüdischen Lebens und dem ,in ungeahnter Weise gedeihenden Aufbauwerk im Heiligen Lande bestand. Nichts ist also angesichts der momentanen Entwicklung der Dinge in und um Erez Jisroel begreiflicher, als die Konsternierung, die sich jetzt der jüdischen Weltöffentlichkeit bemächtigt. Es ist so gut wie sicher, daß die Einstellung der Einwanderung nach Palästina beschlossen und die Verkündung dieses Beschlusses nur eine Frage von Tagen ist. Es ist eine durch nichts zu erschütternde feststehende Tatsache, daß das mächtige England trotz aller gegenteiligen Versicherungen dem arabischen Terror weicht, ein Vorgehen, nein, Vergehen, von dem es in allen Meeren, die es beherrscht, sich nicht reinwaschen kann. Nicht weil es nicht anders kann, sondern weil es nicht anders mag, handelt England so. Was die Italiener in dem riesig weiten Abessinien, das über einen immerhin organisierten staatlichen und Militärapparat verfügte, zu leisten imstande waren, das hätte auch den Engländern in.dem kleinen, von ihrem Verwal-, tungs- und Polizeisystem gänzlich erfaßten׳ Palästina gegen die-militärisch wertlosen Araberbanden gelingen müssen. Wenn sie gewollt hätten. Sie haben aber nicht gewollt! Sie hätten sonst dem vier Monate andauernden tatsächlichen Zustand des Krieges durch Verhängung des Kriegszustandes ׳Rechnung tragen müssen. Man hätte sonst neben tausend anderen Dingen die Marodeure nicht beruhigen dürfen, das gegen sie verwendete Tränengas sei ungefährlich, woraus jene schlossen, sie könnten getrost in ihrem Terrorwerk fortfahren. Man hätte ihnen sonst nicht durch fortwährendes Augenzwinkern zu verstehen geben dürfen, sie sollten sich durch die — nicht einmal allzu — böse Miene bei ihrem bösen Spiel nicht stören lassen. Den physisch-materiellen Möglichkeiten standen — nach englischer Auffassung — politische Unmöglichkeiten entgegen. Nicht zu seiner Entschuldigung, sondern zur Erklärung sei wieder einmal erwähnt, daß Großbritannien dl.ais größte mohammedan i s c h e Reich der Welt ist. Die Mohammedaner Indiens, 70 Millionen Menschen, auf die sich bekanntermaßen die englische Herrschaft dort stützt, haben ein sehr lebhaftes Interesse für die Vorgänge in Palästina gezeigt. Und die arabischen Staaten, mit denen England Freundschaft um fast jeden Preis halten will — was auch jüngst bei Abschluß des nicht ganz schmerzlosen Vertrages mit Aegypten zutage trat —, haben sogar in die Ereignisse tätig eingegriffen. Emir Abdullah von Transjordanien und sein Premier Ibrahim Pascha Haschern sind ununterbrochen in Verbindung mit Jerusalem gestanden. König Ghasi von Irak hat , den Außenminister Nuri Pascha in besonderer Mission dahin entsandt, und der mit allem Argwohn Englands beobachtete I b n Saud hat den Besuch. seines Sohnes Faisal angekündigt. England glaubte nun, keinen anderen Weg einschlagen zu können, als nachzugeben. Nachgeben auf Kosten der Juden, indem den sengenden und mordenden Arabern neben anderen Konzessionen die vorläufige Einstellung der Einwanderung versprochen wird. Vorläufig, das heißt, für die Dauer der Arbeiten der Königlichen Kommission, womit wir vor genau der gleichen Situation stehen wie 1930, als der ״Experte“ Simpson zur Erstattung eines Gutachtens nach Palästina beordert wurde. Sein Bericht war dann bekanntlich von dem berüchtigten MacDonald-Passfieldsehen Weißbuch begleitet, das aus dem Provisorium so etwas wie ein Definitivum machen wollte. So wie damals, wird sich auch jetzt in aller Welt ein Proteststurm erheben. Zweifellos mit noch mehr Berechtigung als damals, die schon durch die seinerzeitigen Erfahrungen allein gegeben erscheint. Das weiß auch die englische Regierung. Und dennoch wird sie sich nicht davon abhalten lassen, die Suspendierung der Immigration auszusprechen, die sie eben als im Staatsinteresse ■י'■■ 1 der Stunde gelegen erachtet. Das soßten die politischen Führer des Judentums bedenken! Trotz der einer solchen Verfügung innewohnende:! Ungerechtigkeit, trotz der grausamen Enttäuschung^ die sie für zahllose in ihrer Golusheimat heimatlose J&den bedeuten muß, trotz des Schlages, der damit gegen^ das jüdische Selbstbewußtsein überhaupt geführt wird. Es, kann nicht Aufgabe der jüdisehen Politik sein, mit dem Kopf durch die Wand zu rennen, sich in einem Kampf gegen Unabänderliches aufzureiben, über das man den Blick für weit größere drohende Gefahren verlöre. . Denn eine weit größere' Gefahr, gegen die die zeitweilige Einstellung der Einwanderung nur ein geringes Uebel wäre, drolit tatsächlich: die Gefahr einer Neuaufla |e des Weißbuches v 0 n 10 ®9־! , Mr. Simpson war nur ein ״Experte“. Ein Sachverständiger für Bodenauswertungs- und Wasserversorgüngsmöglichkeiten. Die ״Royal Commission“ ist'iliem Namen wie ihrem Aufgabenkr'ßis •nach weit vornehmer. Sie wird auch die politische Seite des Palastina-Problems zu beurteilen haben. Die Englän-־ der sind aber״ was die Politik im Osten betrifft, besonders empfindlich. Die Herfen von, der Kommission, lauter ehrenwerte Männer, entstammen zur Hälfte dem indi- ׳ sehen Verwaltungsdienst. Indische Beamte sind nun aber gewohnt, mit der Bedeutung der Mohammedaner zu rechnen. Aus dem Unterbewußtsein heraus könnten sie, um das ihnen anvertraute Interesse, Englands ־ zu wahren, das der Moslems ver treten.-Hinzu-hemmt, daß die veränderteweltpolitische Konstellation, die" England schon manche Verlegenheit bereitet hat, an den heiklen Punkten . des Reiches unbedingte Ruhe und Stabilität erfordert, und als weiterer Faktor die unverkennbar pro-arabische Stirnmüng, die augenblicklich in maßgebenden englischen Kreisen herrscht. Wenn es einmal so weit wäre, wird es kaum verschlagen, daß gerade der gegenwärtige Premier Baldwin seinerzeit in einem offenen Brief in den ״Times“ ׳ seinen Vorgänger MacDonald wegen des Weißbuches angriff und für die restlose Einhaltung der Baifour-Deklaration eintrat. Die Engländer sind eben keine verschämten Politiker! Und darum werden es auch die Juden nicht sein dürfen. Ihre Führer werden in den nächsten Wochen und Monaten, ebensowenig aus prinzipiellen und idealen Motiven wie aus Gründen der Popularität und des Prestiges, ihre Kraft in nutzlosem Kampf um Verhältnismäßig minderwichtige und nebensächliche Dinge verzetteln dürfen, wo es bald um Lebensfragen des jüdischen Volkes gehen wird. Diesen gebührt vollste Aufmerksamkeit, sie heischen gebieterisch den Einsatz aller Energien und Mittel. Und noch eines wird man von ihnen, den jüdischen Führern, verlangen müssen: ein Opfer, das Weizmann schon einmal in einer Stunde richtiger Erkenntnis gebracht hat, als er auf dem 17. Zionistenkongreß zu Basel von dem Traum eines ״Judenstaates“ Abschied M₪a₪₪₪₪₪₪a₪₪m₪₪₪₪₪m₪₪₪₪₪m₪₪₪a Die ״Jüdische Presse“ ist vorige Woche wegen technischer Schwierigkeiten nicht er* schienen. Wir bitten unsere geehrten Leser hiefür um Nachsicht. Die nächste Ausgabe erscheint als Rösch־ Haschonoh־Nummer am Mittwoch, Erew Rosch Haschonoh, den 16. September d. J., mit reichem Inhalt und den Neujahrs wünsch־ inseraten. Redaktionsschluß für die Rosch?Haschonoh־־ Ausgabe ist am Montag, den 14. September, mittags, in Bratislava am Sonntag, den 13. September. Die Hauptgeschäftsstelle. Zu den hohen Feiertagen ראש השנה nach polen billigst und bequem mit D-Zug. Numerierte Sitze. Sichern Sie sich rechtzeitig einen guten Platz. Auskünfte Dr. S. Tocker, Reisebüro ״In die Welt. (W. M. Renner), Wien, IX., Liechtensteinstraße 2 (beim Schottenring). Telephon A 14-504. . VEN0XI0L-GAS Allein-Durchführung nur durch ״LA GENERALE״ WIEN I, HEGELGASSE 9. Telephon R-22-4-86, R-26-7-35 Original englische und franz. Stoffe für Damen und Herren Tuchhaus D. Tahaft I, SALZGRIES NR . 5 nahm, einen Abschied, der gleichzeitig einer von seiner ,Würde als Präsident der Zionistischen Weltorganisation .und übrigens, wie man weiß, nicht für lange Dauer war. ־ Das Spiel mit dem Gedanken an einen ״Judenstaat“ ist im geschlossenen Kreis begeisterungsfähiger Idealisten gewiß ein holdes Spiel; in der großen Politik aber ist es ein Spiel mit dem Feuer. Jeder halbwegs real denkende Mensch konnte■ es sich mit Leichtigkeit ausrechnen, daß dieses Feuer bei Annäherung, der jüdischen Bevoikefüngszähi an die 50 Prozent den einstigen arabischen Herdbrand in einen Brandherd verwandeln werde. Was bedeuten im Zeitalter des überspahn1 ten Nationalismus Wohlstand, Kultur und Fortschritt, die die Juden den Arabern tatsächlich gebracht haben, wenn dies mit dem Zukunftsbild eines ״Judenstaates“ verbunden ist? Dabei ist dieses־ Zukunftsbild Privateigentum einer weltpolitisch völlig bedeutungslosen Gruppe. Nicht hur die Mandatarmacht will davon nichts wissen; auch der Völkerbund lehnt das Gerede um einen Judenstaat als undiskutabel ab. In einer von der zionistisehen Presse mehr oder minder übergangenen Ehtscheidüng der Mandatskommission wird eine dies betreffende arabische Beschwerde als gegenstandslos bezeichnet. Ein offizieller endgültiger Verzicht auf die Verwirklichung der Erfindung eines zweifellos phantasievollen und warmfühlenden Schriftstellers könnte unter Umständen das Mißtrauen der Araber beschwichtigen. Jedenfalls aber würde dadurch den Engländern eine judenfreundliche Stellungnahme erleichtert werden, wie ein allen politischen Aspirationen entsagendes K 01 o n isations- und Aufbauwerk, dessen Ziel und Zweck lediglich die Schaffung einer ״Heimstätte“ wäre, der ungeteilten Sympathien der zivilisierten Welt überhaupt sicher sein würde. Emanuel Geldwerth. Das polnische Inferno Die antisemitischen Exzesse in Polen dauern ununterbrochen an. In Wilna wurde der Führer der dortigen Aguda, Szub, von Huligans überfallen und mißhandelt. Im Dorfe P1 a w a bei Stryj wurde Abraham Tamsol, während er mit seiner Familie bei Tisch saß, durch drei Schüsse, die Huligans durch das Fenster abgaben, getötet. In Lodz wurde der 21jährige Jude Meir Glück von Huligans so schwer mißhandelt, daß er sterbend in das Hospital gebracht wurde. Im Dorfe Raczince, Kreis Zaleszczyki, Ostgaiizien, wurden der jüdische Krämer Leib Kami], seine Frau und seine beiden Kinder durch nachts eingedrungene Banditen bestialisch ermordet. Im Dorfe Tulsk, Ostgalizien, wurde das jüdische Ehepaar Jona und Channa Diamand von Huligans buchstäblich abgeschlachtet und dann verbrannt. Unter der Führung von Oberst Koc hat sich eine regierungstreue Organisation, ״Sluzba Narodowa“ (Nationaler Dienst), gebildet, die in ihrem Programm antisemitische Losungen enthält. In Lodz, einem der Hauptzentren des Judenhasses in Polen, ist nach dem Muster der Harand-Bewegung in Oesterreich eine christliche Bewegung gegen den Judenhaß entstanden, die von Studenten,, Arbeitern und Geistlichen getragen wird. Die Bewegung gibt ein Wochenblatt heraus, das den Titel ״Der freie Mensch“ führt. Zu den hohen Feiertagen nur die gute Othmar Schiff ■Parucka Erstklassig in Material und Ausführung, tadelloser Sitz, stets lagernd Wien I, Kärntnerring 6 Telephon U-43-0-16 F ü r d u r e h r e i s e n d e Damen sofort erhältlich