Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 31 (21.8.1936)
- Date
- 1936-08-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. b. b fttArtflovft r*plAtft6 povoteitÄ fladit post » HHyiifov f fifftÜMftti Äi. 4187841140 3QDI6CH Zeitungen vom Veflfegef vemnÄert Journal e*päl!6 pat P&Üteur •V/..■ J SS» Jahrgang / nummer 31 Redaktion md Administration: Wien, tt>, Malzgasse 12 a, Telephon A46mD45; faeh^dhiöaldwakM: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für GOsterreich S 16, Tschechoslowakei Kß 80, Jugoslawien Dinar 180, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnammer Ost. Gr. 40. Zahlungen f. ״Jüdische Presse", Wien, auf folgende Post-; Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 60.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb; Nr, 40.217, Zürich Nr. VHI, 4117, Berlin Nr. 122.619.; oRGfln für Die imeRessen D69 0RTH0D0Hen JUDentums Regelmäßiger Reitedienst nach Polen! Billig und bequem wie immer. FER1EN-REISEN jeden Sonntag. 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Denn aus der Tiefe der Seele muß die Buße kommen, muß der Wille zur Umkehr aufsteigen. Der menschliche Wille aber ist nach jüdischer Auffassung frei. Darum' entscheidet G-tt nicht seihst über den Augenblick der jüdischen Buße, sondern legt diese Entscheidung in die Hand der obersten jüdischen Richter. Es ist ein Irrtum, zu glauben, daß der Versöh-;nungstag als solcher idi© Kraft habe; die •Sünden zu sühnen, vielmehr müssen nach jüdischer Anschauung die verursachten Schäden ,wieder gutgemacht, worden sein, wenn der Jude .der WöÜ'tat' ".'der' Wergfebüng teiThäftig werden soll. Wer Menschen am Eigentum geschädigt hat, muß den Schaden ersetzen, wer andere gekränkt hat, muß sich mit ihnen aussöhnen, wer die Ehre des Nächsten verletzt hat, muß sie wiederherstellen. Für diese Wiedergutmachung zugefügten Unrechts ist der Monat Elul bestimmt. Dem Juden, der diese Wiederherstellung unterläßt, ׳bringt auch der Versöhnungstag keine Vergehung seiner Sünden. . Die Buchstaben des Monats Elul sind die Anfangshuchstaben der Worte des ׳Satzes aus dem ״Hohen Liede“•:י ״ אני לדודי ודודי ליIch strebe meinem Freunde zu, und mein Freund kommt mir entgegen.“ Wir verstehen diesen Satz im Zusammenhang mit dem Wort, das wir beim Zurückstellen der Thora in die heilige Lade sprechen: ״Führe uns, 0 Herr, zurück zu Dir, und wir wollen umkehren in Buße.Der sündige Mensch bedarf der Hilfe, um zu G-tt zurückzufinden; die Bereitschaft zur Umkehr hat e r zu bekunden, aber die Kraft, sein sündiges ,Tun zu überwinden, kommt ihm von G-tt. Darum beten wir: ״Führe uns zu Dir zurück!“ Ani l’daudi, w’daudi li. Strebe ich G-tt entgegen, dann nähert sich G-tt auch mir, zeige ich die Bereitschaft zur Umkehr, dann läßt G-tt meine guten Vorsätze zur Tat werden. Noch eine andere Deutung sei hier gestattet: Dem Juden, der sich zu seinem Glaubensgenossen hingezogen fühlt, der sich mit ihm aussöhnt und ihn als Freund hetrachtet, kommt auch G-tt als Freund entgegen. So verleugnet sich auch in den Tagen des individuellen Erlebens nicht das jüdische Gemeinschaftsbewußtsein, und die ״versöhnte" Gemeinde aller Juden erscheint als jüdisches Ideal. Wenn wir uns nun im Monat Elul auf uns selbst besinnen und unserem Lebenswandel eine religiösere Note verleihen, wenn wir uns selbst prüfen und unseren Schwächen die Tendenz zu einem g-ttgefälligen Wirken geben, so müssen wir uns auch der Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft bewußt werden. Wie der Angeklagte nach ״Entlastungszeugen“ Ausschau hält, bevor er vor den Gerichtshof tritt, so sammelt im Monat Elul der gläubige Jude ״gute Taten“, die am Tage des Gerichts vor G-ttes Thron Fürsprecher für ihn sein sollen. Zu den guten Werken gehört auch die Pflichterfüllung gegenüber der jüdischen Gemeinschaft. Das ganze Jahr hindurch haben wir in dieser Hinsicht gesündigt, aber das Ende des Jahres wollen wir wenigstens bewußt nach G-ttes Wort und in G-ttes Geist leben, um den Argumenten des Anklägers am ״Tage des Gerichts“ ihre ganze Schwerkraft zu nehmen und ihnen gegenüber auf die im Geiste jüdischer Tradition geleistete Arbeit für die jüdische Gememschaft im Monat Elul hinweisen zu können. Der Schofar-Ton des Monats Elul soll unsere Bereitschaft zur Umkehr wachrufen! ״Wo die reuigen Sünder stehen, dort können die echten Zadikim nicht stehen.“ Dr. E. H. Die überragende Bedeutung der in Marienbad abgehaltenen Kenessio Meichino der Agudas J i s r 0 e 1, die schon an ihrem umfassenden Arbeits- Programm erkennbar war, ■wuchs im Laufe der Tagung über ihren Rahmen hinaus. Mit eruptiver Gewalt!brachen sich die Probleme der Zeit ihren Weg in die Debatte, weil alle, die 'gekommen waren, mit gepreßtem Herzen aufhorchten, wie die Führer der Weltorthodoxie, die Repräsentanten der Thora, die Sachwalter des ewig unwandelbaren wahrhaften Judentums zu den Zeitfragen Stellung nehmen und ob sie das erlösende Wort finden, auf das die große jüdische Welt wartet. Schon die Eröffnungssitzung brachte die Antwort, auf die alle gewartet haben. Denn nur so kann der begeisterte Widerhall gewertet werden, den die Ausführungen des Vorsitzenden des Zentralrates, Oberräbbiner Arön L e w i n, Rzeszow, fanden, die darin gipfelten, daß der einzige Weg zur Lösung aller aktuellen Probleme der ״Ruf nach Innen“ ist. Jacob Rose nh e i m vervollkommnet© diesen kurzen Ruf, indem er die Mission des jüdischen Volkes meisterhaft zeichnete. und; in logischen Ausführungen. bewies, daß di^Wirren der Zeit ihren einzigen^ erkläHichen Grund darin fänden,*” daß die Völker, statt sich als Werkzeuge des g-ttlichen Willens zu fühlen, Anbeter ihrer Macht geworden sind. So bewegen sie sich zwischen ihren Aufgaben und ihrem Geltungstrieb in einem unlöslichen Zirkel, in welchem das jüdische Volk die Aufgabe hat, den Ausweg zu weisen. ■ \ Es war wie ein Hauch von Elul -Stimmung, der die Atmosphäre durchwehte, und es ist nunmehr unsere Aufgabe, diese Stimmung nicht abklingen zu lassen. Der Ruf zur Rückkehr muß und wird — soll irgendwie das jüdische Problem ohne Katastrophe gelöst werden — alle erfassen. * Auch wir Juden in Oesterreich, die wir unsere eigenen Probleme haben, sind bei dem reichen Arbeitsprogramm der Kenessio Mechino auf unsere Rechnung gekommen. Schon in seinem offiziellen Berieht wies der Waad hapoel auf die Bestrebungen deu österreichischen Orthodoxie nach Anerkennung der selbständigen orthodoxen Gemeinde in Wien hin und begrüßte diese Be- Strebungen namens der Weltorthodoxie, die vorbehaltlos hinter den österreichischen Kämpfern steht. Zu einer mächtigen Kundgebung für die österreichisehe Orthodoxie und besonders für deren kampfesfrohe und״ siegessichere Jugend gestaltete sich aber das Referat des Sprechers der Jugend, Meier Schwarzmann, Warschau, der unter stürmischem Applaus der Vollversammlung in seinem Bericht das vorbildliche Streben der Wiener Orthodoxie nach Selbständigkeit unterstrich. Dankbar gedachte der Referent der österreichischen Regierungs־ und sonstigen Behörden, die aus ihrer eigenen religiösen Ein- Stellung heraus diesem Streben ihre Sympathien leihen. Die Dinge lägen in der ganzen Welt so, daß dem Kampf der österreichischen Orthodoxie die Zu- Stimmung aller orthodoxen Juden der Welt, gleichwie der Religiösen aller Konfessionen, gehören. Für uns, die wir von allem Anfänge an unsere bescheidenen Kräfte in den Dienst der selbständigen Orthodoxie gestellt haben, war die Kundgebung der Kenessio Menchino doppelt erhebend und doppelt wertvoll, weil sie uns gezeigt hat, daß die!berufenen Männer des religiösen Judentums hinter uns stehen. Ihr besonderes Gewicht , aber lag darin, daß der. Referent aus dem Zentrum des jüdischen Lebens des Ostens stammte, wo bis vor kurzem wirklich noch! kein Bedürfnis und auch keine Notwendigkeit nach Selbständigkeit der Orthodoxie bestand. So ebnet sich trotz aller Widerstände die Wahrheit ihre Bahn und wir wollen ihr willige Wegbereiter sein, bis eines Tages jüdisch sein — glaubenstreu heißen wird, bei uns wie überall in der Welt. * Weit über die Reihen der Agudas Jisroel hinaus wird die in Marienbad abgehaltene Kenessio Mechino als ganzer Erfolg angesehen. Die Beteiligung an dieser der Oeffentlichkeit nipht zugänglichen Konferenz war eine verhältnismäßig grpße. Wiewohl nur Mitglieder des Zentralrates, des .Rabbinischen Rates, der Exekutive und Vertreter der einzelnen aLandes- und Jugendorganisationen Zutritt hatten, zählte “man an die 150 Delegierte aus, 18 Ländern, darunter auch drei prominente Herren der ungarischen Orthodoxie. Eine Reihe von Thorägrößen, die den genannten agüdistischen Körperschaften angehören, waren gekommen. Man sah u. a. den Gerer, Sochatschower, •־ Sadagoraer, -Wisohni|?:er^Rabbi^u^a.•״־ Von dengeladenen Oberrabbinern der Slowakei haben die ehrw. Herren Oberrabbiner Schreiber-Bratislava, Umgär-Niträ ׳und, Frey- Surany Begrüßungsschreiben an die Konferenz gerichtet und ihr Fernbleiben entschuldigt. Während sich nun Zeitungen aller Schattierungen; über diese Agudo-Tagung lobend aussprechen, fabriziert der ״Marienbader Berichterstatter" der Mjunkatscher ״Jüdischen Zeitung“ einen lügenhaften Artikel über die Kenessio Mechino, um der Agudas Jisroel, wie er glaubt, einen Stoß zu versetzen. Er weiß zu berichten, daß ״die wichtigsten Rabbonim der Slowakei ihr Erscheinen verweigert hätten“, daß -Ungarn überhaupt keinen Anteil genommen habe und daß nur 60 bis 70 Delegierte, ״meist aus Polen aus dem Kreise der Chassidim des Gerer' Rebbe“ gekommen «wären. Wie verlogen diese tendenziösen Berichte sind, beweist schon der letzte Satz. Gerade aus Polen׳ waren der Paßschwierigkeiten zuliebe nur wenige Herren gekommen׳.. Bei der Eröffnungssitzung — von einer anderen׳ Sitzung kann doch der ״Berichterstatter" nicht sprechen, da zu denselben nur agudistische Presseleute Zutritt und auch die tausende Kurgäste keinen Einlaß hatten — hat sich trotz der Vormittagsstunde und der hohen Entreegebühr eine nach vielen Hunderten zählende Menge eingefunden, während die ebenfalls der Oeffentlichkeit zugängliche Schlußsitzung am Donnerstag abend in dem bis zum letzten Plätzchen gefüllten großen Saal des Marienbader Kurhauses das Interesse der Kurgäste Marienbada besonders bezeugte. Daß;,die Aguda in den letzten Monaten einen׳ ,Sessel‘ beim Tisch der Jewish Agency verlangt hätte“, muß auch der agudistische Delegierte erst vom ״Marienbader Berichterstatter“ des genannten Blattes erfahren. Dieser weiß sogar zu berichten, daß sich unter den Rabbinen, die sich beteiligt haben, ״besauchoni uberauschom“ der Reformrabbiner von Marienbad befand. Diese an sich nicht überraschende Extratour der Munkatscher ״Jüdischen Zeitung“ hätte es wohl kaum verdient, daß wir uns mit ihr befassen. Wir tun es nur, um damit die Frage an jene der Agudas Jisroel noch fern-׳ stehenden Persönlichkeiten zu verbinden, die, sagen wir, aus Furcht vor dem ״Munkatscher“ ein offenes Bekenntnis zur Aguda-Idee nicht abzulegen wagen: Wie lange noch? Wie lange noch soll die jüdische Jugend dem nationalen und internationalen Zionismus preisgegeben sein, ohne sie der segensreichen Wirkungen einer Welt- Organisation der g־ttbewußten Orthodoxie, an deren Spitze alle religiösen Autoritäten unserer Zeit stehen, teilhafig werden zu lassen? VEN0XI0L-GAS gegen Wanzen samt Brut Alleln-DuroMUhrung nur durch ״LA GENERALE WIEN I, HEGEIGASSE 9. 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