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Jüdische Presse · 1936-08-07 · 29 (7.8.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
22 (1936)
Issue
29 (7.8.1936)
Date
1936-08-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
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.*trtvln•"!f ׳■^Irtthf (WtVbtcWl HS«SH po*t & t BfatUlave 611. 41ß12*tö*a0 V. b. b. 354 j S3ct emftdei aüDiecHe PRSSSG WIEN. BRATISLAVA X AUüt/Sr 1M* נ< אב ונרצץ 22. Jahrgang / Nummer 29 ßedaktioa and Admialsträtiott: Wien, H, Mala* gasse 12 a, Telephon A-4615־0־; Tscheclioslowakei: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschiaß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 10, Tschechoslowakei KÖ 80, Jugoslawien Dinar ISO, das Übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer bst. Gr. 40. Zahlungen f. ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post• Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93,614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 60.170, Warschau Nr. 190.400, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. vm, 4117, Berlin Nr. 122.610. 0RGnn für Die imeRessen Des 0RTH0D0Hen juDemums Die Kenessio Mediino in Marienbad Wenn auch die üblichen Formalitäten, die nachgerade schon zur Schablone geworden sind, eingehalten wurden, so ist doch das rein Aeußerliche und Konventionelle in Agudas Jisroel überstrahlt von ' einem Glanz, wie er eben nur einer Gemeinschaft von Männern innewohnt, deren Tätigkeit aus den Quellen der jüdischen Vergangenheit ihre Kraft schöpft und deren Zukunftssorge nicht vom Parteigeist erfüllt ist, sondern von der bangen Frage, was mit einer Jugend, was mit einer Gegenwart, was mit einer Menschheit geschehen soll, die sich losgelöst hat von den Quellen der Ewigkeit und sich im Kreis bewegt, ohne einen Ausweg zu finden. Der äußere Rahmen der Kenessio Mechino, Marienbad, ist einfach unübertrefflich. Und diese g־ttvolle Naturschönheit ist nun ausgefüllt von Menschen, die gekommen sind, um dem leidenden Genius der Menschheit Heilung zu bringen, und von einer prachtvollen Jugend, die aus 15 Ländern hier zusammengeströmt ist, um mit jugendlichem Optimismus Gegenwarts- und Zukunftssorgen zu diskutieren und gemeinsam zu bekämpfen. Schon vor Schabbos ist das gewöhnliche Marienbader Bild belebt von den ankommenden Gästen und Delegierten. Das jüdische Zentrum Marienbads, Hotel National und Goldenes Schloß, sind beherrscht vom Getriebe der Kenessio Mechino. Im Tagungsbüro werden alle Ankommenden empfangen und beraten, fleißige Hände bereiten alles vor, um den erfolgreichen Verlauf der Tagung zu gewährleisten. Dienstag vormittag: Alte Freundschaften werden neu aufgefrischt und Freunde von Ost und West, Nord und Süd ,reichen sich nach langer Zeit wieder einmal zu herzlichem Gruß die Hände. Und wie auf einen Befehl erhebt sich Schlag 10 Uhr die Versammlung, als der Gerer Rebbe in gebeugter Haltung, gefolgt von den Mitgliedern des Waad hapoel und des Präsidiums des Zentralrates, im Tagungslokal erscheint. Wiewohl äußerlich sehr gealtert, sieht der Gerer Rebbe, der schon einige Wochen vorher hier geweilt hat, frisch und gesund aus und er steht mit gesenktem Blick der Versammlung gegenüber. Jacob Rosenheim, stürmisch begrüßt, hat sich, seitdem er zum letztenmal in Wien gewesen ist, wenig verändert. Erst bei seinem Referate, das den Höhepunkt der ersten Sitzung bildet, merkt man in der Stimme etwas verhaltene Erregung, י die wohl im Leiden der letzten Jahre begründet ist. Was Rosenheim gesagt hat, wird an andrerer Stelle ausführlicher mitgeteilt, wie er es gesagt hat, das sei dem einheitliehen Urteil der Anwesenden nach in einem Worte festgehalten: prophetisch. Prophetisch die Sprache, prophetisch der Geist, prophetisch der tiefe sittliche Ernst, das zu Tränen rührende religiöse Empfinden und das durch nichts gehemmte Streben, die g-ttliche Wahrheit in ein? irrende Zeit hineinzu- ■x.-?.--- . -- --. ---•V״-- tragen. ׳׳!So war die Eröffnungssitzung ein verheißungsvoller Auftakt zu der großen diesjährigen Tagung der Agudas Jisroel. Wollte G־tt, daß die Worte unserer Führer in den Herzen unserer Brüder Widerhall fänden. Zur Zeit, da diese Zeilen geschrieben werden, ist die Tagung noch nicht beendet. Eines kann aber heute schon gesagt werden: Es ist eine A r b e i t s tagung im besten Sinne des Wortes, von der sich die orthodoxe Judenhedt der ganzen Welt Erfolg und segenbringende Leistungen erwartet. Die Eröffnungssitzung Für Dienstag, 10 Uhr vormittags, war die 1 öffentliche Eröffnungssitzung angesagt worden und schon um 9 Uhr begann der Zustrom der Delegierten und Gäste. Mehr als 100 Delegierte aus 14. Ländern sind nach Marienbad gekommen. Alle beseelt vom Glauben an die Idee der Agudas Jisroel, der Thora-Idee, alle mit dem Willen, in gemeinsamer Beratung Wege für die Weiterentwicklung der Organisation zu suchen, eine Lösung für die brennenden Fragen der orthodoxen Judenheit zu finden. Und am Dienstag vormittag hatten sich alle in Marienbad im Hotel Continental eingefunden. Der große Saal prangte im Blattschmuck, den die Gemeinde- Verwaltung beigestellt hatte. Unter der Führung des Gerrer Rebbe betrat das Präsidium den Saal, in vorderster Reihe Präsident Jacob Rosen heim, Vorsitzender des Zentralrates Oberrabbiner Aron L e w i n ־ Rzeszow, Großrabbiner A. J. Friedmann, Großrabbiner M. Friedmann, Rabbiner Jonathan Horowicz, Rabbiner J. M. Lewin, Rabbiner Wolf S. Jacobson, Dr. Salomon E h r m a n n. Neben ihnen nahmen die erschienenen Mitglieder des Rabbinischen Rates und die Mitglieder des G. A. Platz. Im Saale selbst hatten zahlreiche Vertreter der großen jüdischen Zeitungen der ganzen Welt und als Vertreter der Gemeindeverwaltung Herr Ing. Doberauer, als Vertreter der Bezirks- und Polizeibehörde Herr Ing. Ve.öera und, für die Israelitische Kultusgemeinde Marienbad Herr Rabbiner Diamant und Obmann Doktor Kohn-Schanzer Platz genommen. Die übrigen Reihen füllten die Mitglieder des Zentralrates und die Delegierten, So begann die öffentliche Eröffnungssitzung mit einer Ansprache des Vorsitzenden des Zentralrates, Ober- STEYR 50 Abholung vom Hause! KekÄnNeudegger-Fahrschulen Wien VIII. Tel. 8-465-72־ und Inzersdorf, N.0־e. rabbiner Aron L e w i n, der vorerst alle Erschienenen begrüßte. In einem meisterhaften Referat setzte er sich dann mit der gegenwärtigen Lage des jüdisehen Volkes auseinander. Das jüdische Volk hat allenthalben gegen schwere Bedrückung und Not anzukämpfen. Ueberall werden die Juden verfolgt und die ganze Welt erscheint wie ein Meer von Haß, in welchem das jüdische Volk ertränkt werden soll. Ganz verschieden sind die Formen des Antisemitismus. Auf der einen Seite stehen Diffamierung und Einschränkung der persönlichen Freiheit, auf der anderen Seite werden den Juden alle wirtschaftlichen Existenzmoglichkeiten geraubt. Andere wieder haben ihr Schwert gegen den jüdischen Glauben erhoben. Das jüdische Volk, das der Welt Kultur, Glauben und menschliehe Ethik geschenkt hat, hatte seine Dichter und Forscher, seine Könige und Fürsten, seine Historiker und Führer schon zu einer Zeit, in der alle anderen Völker der Erde noch in Dunkelheit und Barbarentum lebten. Welche Böswilligkeit und Frivolität gehören dazu, das jüdische Volk zu einer minderwertigen Rasse zu stempeln? Doch es täuschen sich alle die Feinde, die das jüdische Volk vernichten zu können glauben. Das jüdische Volk, dessen Geschichte eine ewige Kette märtyrerischer Standhaftigkeit aufweist, fürchtet nicht, es wird allen Anfeindungen widerstehen. Oberrabbiner Lewin kam nun auf die Lage in Erez Jisroel zu sprechen und widmete den 50 jüdisehen Gefallenen der Unruhen Worte des Gedenk e n s, die von den Anwesenden stehend angehört wurden. ״Erez Jisroel war und bleibt jüdisch!“ rief der Redner unter starkem Beifall aus, ״und keine irdische Macht wird die Judenheit daran hindern können, für das jüdische Land zu kämpfen, es auf- und auszubauen.“ Doch von der Tribüne der Kenessio Mechino muß auch der Ruf nach innen, der Ruf an die Brüder, die sich vom G-ttesglauben abgekehrt haben, der Ruf zur Rückkehr zur Thora und Ueberlieferung, ergehen. Mit offenen Armen will die Aguda alle die empfangen, die mit ihr zur Erkenntnis kommen, daß die Thora Ausgangspunkt der tausendjährigen sorgenvollen, aber ruhmreichen und heldenmütigen Vergangenheit des jüdischen Volkes war und daß nur sie uns auch in Zukunft zu erhalten vermag. Regelmäßiger Reitedientt nach Polen! Billig und bequem wie immer. FER1EN-REISEN jeden Sonntag. Auskünfte und Prospekte auch über den Reisedienst nach BUL- GARIEM, ENGLAND, ITALIEN, JUGOSLAWIEN, PALÄSTINA. UNGARN und andere Länder, sowie über alle Autobustouren und Mittelmeerreistn bei DR. S. TOCKER, REISEBÜRO ״IN DIE WELT“ (W. M. Renner) Wien IX, Lichtensteinstraße 2. Telephon A-14-504 Die Begrüßungen Der beifällig aufgenommenen Eröffnungsansprache folgten Begrüßungsworte des Gerrer Rebben, der der Tagung seinen Segen gab und ihren Beratungen Erfolg wünschte. Nach weiteren Begrüßungsansprachen des Sochatschower Rebber—der ־Großrabbiner ׳ Abraham Jakob Friedman und M. Friedmanmi (Sadagora)^ und des Moschitzer Rebbe begrüßte Oberrabbiner *Eckstein (Sered) die Tagung im Namen der tschechoslowakischen Landesorganisation der Agudas Jisroel. Oberrabbiner Eckstein verdolmetschte dem Präsidenten der Republik Dr. Edvard B e n e § und dem Präsidenten-Befreier Prof essor T. G. Masarylt den Ausdruck der Dankbarkeit für ihr mutiges Eintreten für die Interessen י des jüdischen Volkes und die loyale Behandlung der jüdischen Bürger des Landes. Herr Rabbiner Jonathan Horowicz überbrachte in einer hebräischen Ansprache die Grüße der Agudas Jisroel des Heiligen Landes und des Waad Hoir Hoaschkenasi. Namens der 4000 im Heiligen Lande lebenden tschechoslowakischen jüdischen Staatsbürger entbot er dem Präsidenten Beneä und seinem Vorgänger Präsidenten M a s a r y k die Versicherung ihrer Treue und dem tschechoslowakischen Generalkonsul in Palästina deren Dank und Anerkennung. Als letzter unter den Begrüßungsrednern erhielt Herr Ing. Doberauer das Wort, der der Tagung namens des Marienbader Stadtrates und Bürgermeisters viel Erfolg wünschte und auf die zuvorkommende Behändlung der jüdischen Kurgäste durch die Bäderverwaltung hinwies. Jacob Rosenhehl■ spricht Unter tosendem Beifall hielt nun Präsident Jaqob Rosenheim sein angekündigtes Referat. Ausgehend .von der Bedeutung des Festes des 15. Aw, warf der Redner einen!Blick auf die heutige Weltläge. Die Menschheit, alle Völker, stehen an einer Zeitenwende. Generationen wechseln im Laufe der Geschichte, eine neue Jugend übernimmt die Führung. Und wir? Stehen nicht wir alle an einer Zeitenwende?. Die Menschheit sucht den Frieden und kann ihn nicht finden. Die Staatsmänner fühlen ihre Ohnmacht, ohne sich helfen zu können. Und einzig aus dem Grunde, weil ihnen ein beherrschendes Einheitsprinzip fehlt, weil sie sich nicht um die Friedensidee G-ttes sammeln können. Dem jüdischen Volk hat G-tt aufgetragen, inmitten der Völker, die ihrer eigenen Souveränität frönen, für die Souveränität G-ttes zu kämpfen. Dieser Aufgabe wegen hat das jüdische Volk, das wegen der Diskrepanz zwischen Pflicht und Leistung sein Land verlassen mußte, ein VEN0XI0L-GAS Allein-Durchführung nur durch ״LA GENERALE“ WIEN I, HB6EL0ASSE 9. Telephon R-22.4-86, R-26.7״^ Neueste Modelle in PEROCKEN Othmar Schiff Erstklassig in Material und Ausführung, tadelloser Sitz, stets lagernd Wien I, Kärntnerrlng 6 Telephon U-43-0-16 Für durchreisende Damen sofort erhältlich

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