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Jüdische Presse · 1936-07-03 · 24 (3.7.1936) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
22 (1936)
Issue
24 (3.7.1936)
Date
1936-07-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
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V. b. b, Zeitungen tottt Verleger vefuendet Journal exp&Ü6 par l'&titenr N0vtaove pfptetas pwiotffli tiAtm ptm & totetrftfev t Bratisiav* * äe. 4161t-ta-to 0ÜDI8CH6 PRSSS6 WI£N> BRATISLAVA # 3. JULI 1936 י״ג תמוז תרצ״ו 55. Jahrgang / Nummer 94 Redaktion und Administration: Wien, Ü., Malzgasse 12 a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnenientpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kö 80, Jugoslawien Dinar 160, das Übrige Ausland Sehw. Fr. 14. Einzelnummer Ost. Gr. 40. Zahlungen f. ״Jüdische Fresse“, Wien, auf folgende Post* Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. vm, 4117, Berlin Nr. 122.619. orgrd für eie imeRessen Des 0RTH0D0nen JuoenTums Schulschluß Das Schuljahr ist zu Ende! Von allen Beteiligten freudig begrüßt, beginnt jetzt die ganz ״große Pause“ im Unterrichtsbetrieb. Besonders ist es die Schuljugend, die erleichtert auf atmet; sind doch gerade in den letzten Wochenan sie so große Anforderungen gestellt worden! Nun braucht sie keine Prüfungen und Zensuren mehr zu fürchten, sich mit keinen Aufgaben mehr abzuplagen — die Ferien sind eine goldene Zeit! Aber nicht nur die Kinder haben Prüfungen zu bestehen und Aufgaben zu erfüllen. Auch die, denen sie anvertraut sind, sollten jetzt Rückschau halten und sich Rechenschaft über das geben, was im vergangenen Jahr auf dem Gebiete des Erziehungswesens geleistet wurde. Und so mag sich die Wiener Orthod o x i e, als für ein eigenes, altehrwürdiges Schulwerk verantwortlich, ebenfalls diese Gewissensfrage vorlegen.' Sie wird kaum zu einem befriedigenden Resultat gelangen! Bei aller Anerkennung der im Zweifel unterliegen, daß die konfessionelle Schule einen Markstein auf diesem Wege, einen Eckpfeiler dieses Hauses darstellen muß und wird. Es heißt also nicht bloß warten, sondern auch e r warten, nicht bloß Geduld, sondern auch die U e׳b e r z e u g u n g haben, daß in absehbarer Zeit der Einibau der jüdischreligiösen Schule in das staatliche, beziehungsweise städtische E r z i ehungssystem erfolgen wird. Eine solche Schule, die nicht nur mit dem Oeffentlichkeitsrecht, sondern auch •mit dem Recht der Oeffentlichkeit ausgestattet wäre, würde selbstverständlich auf ungleich sichereren und festeren Grundlagen basieren - als bisher. Finanziell und moralisch gestärkt, könnte' sie auch ihren pädagogisehen ״Aktionsradius“ erweitern und ihr bislang fernstehende Kreise erfassen und in ihren Wirkungsbereich einbeziehen, was gleichermaßen im Interesse der religiösen Judenheit wie des r e 1 igi ö s e 11 S t a a t e s läge. Im Gegensatz zur nationalen jüdischen Schule, die, solange Regelmäßiger Reitedientt nach Polen I Billig und bequem wie immer. Nächste Reise 12, Juli 1936. FERIEN- REISEN ab 5. Juli, jeden Sonntag. Auskünfte und Prospekte auch über den Reisedienst nach BULGARIEN, ENOLAND, ITALIEN, JUGOSLWIEN, PALÄSTINA, UNGARN und andere Länder, sowie über alle Autobustouren und Mittelmeerreistn bei DR. S. TOCKER, REISEBÜRO ״IN DIE WEIT“ (W. M. Renner) Wien IX, Lichtensteinstraße 2. Telephon A-14-504 die österreichischen Juden nicht als ethnische Minderheit anerkannt sind — was voraussichtlich nie der Fall sein wird —, eine P ar t e i a ngele genh e it ist, ist die religiöse, d. h. nach den Grundsätzen des' jüdischen Glaubens aufgebaute und geführte Schule ebenso eine Angelegenheit des Staates wie der Orthodoxie selber. Dies ist es, was sie, die Orthodoxie, zu ihren Hoffnungen berechtigt, sie aber auch gleichzeitig verpflichtet, dahin tätig zu sein, daß diese Hoffnungen voll und ganz wahr werden. Es gilt, die Aufmerksamkeit der maßgebenden Stellen auf das bestehende — mit schwersten Opfern erhaltene — religiöse Schulwerk zu lenken, damit• es im gegebenen Augenblick trotz bester Absichten nicht übergangen werde. Orbis«-־- Abfahrt jeden Sonntag POLEN und Czernowitz Auskünfte und Anmeldungen: Offizielles Polnisches Reise-: büro ORBIS, Wien I, Kärntnerstraße 41, Telephon R-21-5-78 Rahmen der;Schule vollbrachten Leistungen, die Institution als Ganizes hat nicht den geringsten Fortschritt zu verzeichnen. Das soll kein Vorwurf sein! Die gegenwärtige schwierige Situation würde der Orthodoxie, die bekanntlich im eigenen Wirkungskreis fast alle Agenden einer Gemeinde erledigt, weitere Lasten untragbar machen. Aus entgegengesetzten Gründen, aber ebensowenig ist eine Erhaltung der religiösen Schule durch die Kultusgem'einde zu erwarten. Ihre Machthaber, die kein religiöses Leben führen, können kein Interesse für eine Schule aufbringen, die doch nur eine Vorbereitung für ein religiöses Leben wäre! So bleibt keine andere Hoffnung übrig, als die auf Hilfe von seiten des Staates. Das neue Oesterreich, das unbeirrt die Dollfuß-Straße dahinzieht, deren Ziel ein ständisch gegliedertes, relig i ö s e s Gemeinwesen bildet, wird nicht bloß für eine Religion Verständnis haben, sondern für die Religion schlechthin. Daß diesem Verständnis wieder die Einsicht in die Notwendigkeit der k o nfessionellen Schule entspringt, beweisen — wenn es eines Beweises überhaupt bedarf — das Konkordat und das burgenländische Volks- Schulgesetz, welches gleichzeitig in schlagende ster Weise dartut, daß auch der jüdisch-religiösen Schule ein Platz im zukünftigen Schulwesen Oesterreichs eingeräumt sein wird. Gewiß, es sind erst Etappen auf dem Weg zurückgelegt, es ist erst — um ein anderes Bild des Kanzlers zu variieren — das Fundament des stolzen Hauses gelegt, noch werden die Bausteine;Stück für Stück zusammengetragen. Allein, es kann heute kein Zweifel mehr sein, daß der österreichische Weg unter allen Umständen zu Ende gegangen werden, daß das Haus des neuen Oesterreich erstehen wird -יin kürzerer Zeit als Rom, das bekanntlich auch nicht an e i n e 1p Tage erbaut wurde. Ebenso kann es keinem Auserwähllheil Der uns persönlich unbekannte Autor dieses Artikels gehört nicht zu unserem engen Kreis der Unentwegten, der kompromißlosen Orthodoxen. Daß wir seinen Ausführungen trotzdem Raum gewähren, geschieht, weil ge- ■ rade die Einstellung ,eines, solchen jüdischen Menschen gelegentlich von Interesse ist. Daß wir nicht alle seine hier dargelegten Gedanken teilen, bedarf schließlich keiner besonderen Betonung. Redaktion'. ״Gepriesen seist Du, Herr, daß Du uns gesegnet vor allen Völkern und uns die Thora gegeben hast!“ Dieser Lobspruch, der den Grundsatz und den Inhalt der jüdischen Auserwähltheit festlegt, erhält, aus dem Munde eines um seiner Lebensauffassung willen so süark gedemütigtenj ’ Volkes kommend, etvtjas rühmend Inniges. Jedes Volk, das den Anspruch erhebt, eine Rolle in der Weltgeschichte zu spielen, hat in dem Gedanken! der Auserwähltheit eine Begründung für sein Wirken gesucht, und insofern hat diese Idee nichts Absolutes an sich, sondern ist relativ zu werten. Nicht eine objektive Tatsache, sondern ein subjektives Gefühl wird durch die These der Auserwähltheit ausgedrückt. Diese These enthält gleichzeitig eine verpflichtende Aufgabe, eben die Aufgabe, die sich das betreffende Volk gestellt hat, und es kommt darauf an, welche Folgerungen die Volksgenossen aus dem Gefühl der Auserwähltheit ziehen. Wo solche Konsequenzen als Diffamierung oder gar als Unterdrückung anderer Nationen gezogen werden, da ist der ethische Gehalt der Auserwähltheit — objektiv gesehen — so gering, daß auch,• das subjektive Gefühl, auserwählt zu sein, einer Revision bedarf. Denn darauf kommt es bei aller Subjektivität des Gefühls von der Auserwähltheit letzten Endes doch an, daß die diesem Gefühl zugrunde liegende Aufgabe nach einem׳ objektiven ethischen Maßstab meßbar ist. Wenn also das jüdische Volk sich vor allen Völkern als ״gesegnet“ empfindet, so stellt es gleichzeitig die Idee des Judentums zur Diskussion, eine Idee, die als G-tteskindschaft aller Menschen und als Gedanke eines allgemeinen Weltfriedens zu kennzeichnen ist. Der Geist, d;er sich in der jüdischen theokratischen Verfassung, den zehn Geboten, ausdrückt, dieser Geist echten Menschentums hat die Tendenz, allumfassend die Gedankengänge der gesamten Menschheit zu umspannen. Auf den von Moses geprägten Satz: ״Liebe Deinen STEYD SO pÄÄenNeudeggar-Fahrschulen m I fc ■ 11 Wir Wien VIII.Tel. B-46-5-7? und Inwrsderf.N.-Oe Abholung vom Hause! Nächsten wie Dich selbst!“ gründet sich die Aufgabe Israels der Menschheit gegenüber und seine subjektiv empfundene Auserwähltheit. Dieser Satz stellt eine Synthese dar zwischen krassem Egoismus (liebe nur dich selbst!) und ungesundem Altruismus (liebe nur deinen Nächsten!). Diese Synthese war notwendig, um im Rahmen der menschlichen Natur Selbstsucht und Eigennutz wirks a m zu bekämpfen. Erst diese Lösung des Problems der Einstellung zum Nebenmenschen gab dem Menschen einen Maßstab für sein Handeln, der, ohne seiner psychischen Verfassung zu widersprechen, ein beträchtliches ethisches Niveau voraussetzt. Ein Volk, das sich in diesem hohen Sinne auserwählt, fühlt, wird weit entfernt davon bleiben, seine Auserwähltheit zur Vergewaltigung anderer Nationen zu mißbrauchen. Es werden den Juden, heute die primitivsten Menschenrechte vorenthalten. Es lastet ein ״evdger Fluch“ auf dem jüdischen Menschen, der von einer Katastrophe zur anderen getrieben und in einer grausigen Wandertragödie von Land zu Land gehetzt wird. Und da findet sich kaum jemand, der seine anklagende Stimme erhebt und auf den Adel eines Volkes hinweist, das schon in uralter Zeit die Rücksicht auf den Menschen — einschließlich des ״Fremdlings, der in ' seinen Toren weilt“ — in den Mittelpunkt seiner Gesetzgebung gestellt hat. Dieses Gesetz hat bis heute bindende Kraft für die gesamte Judenheit der Welt, und wenn sich auch viele einzelne von diesem Gesetze losgelöst haben, den Geist, der ihm zugrunde liegt, trägt jeder Jude als Stimme des Blutes in seinem Herzen; denn die Lossage gilt ja nicht dem Inhalte des Gesetzes, sondern den ״Formen“, die unsere Weisen als ״Zaun der Lehre“ um dasselbe gewoben haben (leider läßt sich auch das nicht immer behaupten. — Red,),. Aber auch diese Formen haben für uns Juden einen bleibenden Wert, weil sie die durch die Jahrtausende geheiligte Tradition darstellen, auf der unsere Volkskultur sich weiter entwickeln kann. Form und Inhalt des jüdischen Religionsgesetzes müssen einander entsprechen, und der Inhalt läßt sich nur in der ihm gemäßen Form erhalten. Wenn auch manche Form scheinbar nicht im Einklänge mit der Gedanken- und Gefühlswelt des sogenannten modernen Menschen steht, doch ist nicht nur der beinhaltete Geist ewig und von unabänderlicher Gültigkeit, sondern gerade auch die Formen haben die Judenheit als Gemeinschaft in die Gegenwart hinübergerettet. Heute ist es als Folge der staatlichen Un- Verbindlichkeit des jüdischen Volksgesetzes so weit ge- PERÜCKEN OthmarSchiff Renette Modelle in Erstklassig in Material und Ausführung, tadelloser Sitz, zu günstigsten Preisen erhältlich bei Wien lv Kärntnerrkng 6 Telephon U43-0־-t6 N u r k 8 T i e Z c i t, solange der Vo rrat re IchH

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