Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 23 (26.6.1936)
- Date
- 1936-06-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ויןovtnovp vvplatne povolene rtadtt post « 0ele*rafov t Brat1«lAT6 äs. 41512-10*20 V. b. b ,«£ כ ,et *ef*ettttvt pdf rfeditottf 0ÜDI8CHG PResse WIEN. BRATISLAVA # 26. JUN! 1936 ר תמוז תרצ״ו 22. Jahrgang f Nummer 23 Redaktion und Administration: Wien, IL, Mategasse 12 &, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kß 80, Jugoslawien Dinar 160, das Übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer Ost. Gr. 40. Zahlungen 1. ״Jüdische Fresse**, Wien, auf folgende Post* Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.068, Budapest Nr. 60.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VUE, 4117, Berlin Nr. 122.619. 0RGRn für 016 imenessen Des 0RTH000Hen juDenTums Abessinien — eine Möglichkeit? ORBIS nach POLEN 1. Als zu Beginn des italienischen Feldzuges A b e ss i n i e n aktuell wurde, wurden es auch seine Juden. Die jüdische Welt, die zum ersten Male durch Feitlovitsch näheres über sie erfahren hatte, bekundete lebhaftes Interesse für Herkunft und Geschichte, Wesen und Kultur der Falaschas. Nun, da das abessinische Problem von der politischen Tagesordnung mehr oder minder' abgesetzt ist und andererseits das Schicksal der weißen Juden vielerorts leider eine so bedrohliche Wendung genommen hat, wäre es vielleicht nicht unangebracht, sich neuerdings mit Abessinien vom jüdischen Standpunkt aus zu befassen. Und zwar nicht mit der wohlwollenden Herablassung wie bisher, sondern vielmehr mit dem besorgten Interesse eines Hilfesuchenden. Denn , hilfesuchend ,sind jetat Hunderttausende und Millionen von Juden, deren Situation innerhalb der europäischen ״Kultur“ unhaltbar geworden ist. Der kalte Pogrom in Deutschland, der blutheiße in Polen, die wirtschaftliche Verdrängung der Juden in verschiedenen anderen Staaten, gefährden ihr Dasein und erschweren ihr Da-Sein. II. Das nur ganz entfernt ähnliche Problem der Ueberbevölkerung hat soeben das souveräne italienische Volk gelöst, indem es —• um ein altes Wort Mussolinis zu gebrauchen — explodierte. Der Zugriff zum, abessinisehen Riesenreich, der ihm 1896 mißglückt war, war jetzt von überraschendem Erfolg begleitet. Mit einem Regelmäßiger Reitedienst nach Polen! Billig und bequem wie immer. Nächste Reise 5. Juli 1936. FERIEN- REISEN ab 5. Juli, jeden Sonntag. Auskünfte und Prospekte auch über den Reisedienst nach BULGARIEN, ENGLAND. ITALIEN. JUGOSLWIEN. PALÄSTINA, UNGARN und andere Länder, sowie Uber alle Autobustou! en und Mittelmeerreistn bei DR. S. TOCKER. REISEBÜRO ״IN DIE WELT** (W. M. Renne!) Wien IX, Lichtensteinstraße 2. Telephon A-14-504 Schlag wurde das italienische Territorium um rund eine Million Quadratkilometer, ein Gebiet so groß wie Deutschland und Frankreich zusammen, auf dem ׳ aber nur ungefähr 13 Millionen Menschen leben, vergrößert. Das Land ist überreich an ungehobenen, ja sogar an unentdeckten Schätzen, die der Ausbeutung harren. Nicht umsonst ‘ sieht darin Italien sein Indien. Das neue Kaiserreich kann viele Millionen Mensehen aufnehmen, weit mehr, als für eine Aus- Wanderung aus Italien in Betracht kommen. Seine wirtschaftliche Erweckung־ und politische Stabilisierung setzen aber eine Massensiedlung von Europäern in größtem Maßstabe voraus. Es muß daher eine großzügig betriebene Immigration von in ihrer Heimat heimatlos gewordenen Juden nur den Interessen des italienischen Staates entgegenkommen, wofür übrigens auch schon eindeutige Erklärungen von maßgebender Stelle vorliegen. Um die vor einiger Zeit mit großer Aufmachung angekündigte Samuel-Marks-Barsted -Aktion zur Verpflanzung von über hunderttausend deutschen Juden ist es merklich still geworden. Nicht, weil es an den finanziellen Mitteln fehlt, sondern weil die praktische Durchführung des Programms auf unüberwindliche Hindernisse stößt. Wie alle ähnlichen Instrumente jüdischer Volkswohlfahrt fand bis nun auch dieses keine Möglichkeit, zu wirken, eine Möglichkeit, die sich dafür jetzt so reichlich in Abessinien bietet und die nicht ungenützt bleiben sollte. III. Eine derartige Abessinien-Aktion müßte und dürfte beileibe kein Konkurrenzunternehmen des Aufbauwerkes im Heiligen Lande werden. Im Gegenteil: beide Aktionen könnten parallel gehen, Hand in Hand arbeiten und sich gegenseitig ergänzen. Eine unter der Patronanz Italiens vor sich gehende Massenarisiedlung von Juden würde auch gewisse araölsehe Kreise ernüchtern, die von dieser Großmacht Schützenhilfe unter dem Titel der Verteidigung der arabischen nationalen Interessen erwarten. Daß im übrigen durch eine Abessinien-Aktion der Aufbau des Heiligen Landes keinesfalls benachteiligt werden dürfte, brauchen wir, deren grundsätzlich positive, dem jüdischen Religionsgesetz entspringende Ein- Stellung zu Erez Jisroel bekannt ist, nicht erst zu betonen. Wäre doch Abessinien nur als Linderung der sozialen Not tausender Brüder und Schwestern für jüdische Besiedlung in Erwägung zu ziehen. An den maßgebenden jüdischen Organisat i o n e n liegt es nun* zu prüfen, ob dieser Weg aus der Enge gangbar ist, ob diese Gasse aus der beängstigenden jüdischen Not führt. Daß sich dabei die Geschichte einen ihrer beliebten Witze leisten würde, indem sie die abendländische Judenheit, die sich einst bemüßigt fühlte, den Falaschas das Heil zu bringen, ihr eigenes Heil nun im Lande eben dieser Falaschas suchen ließe, wäre wohl in Kauf zu nehmen. Die jüdischen Führer haben das Wort! * Die ״Frankfurter Zeitung“ meldet aus Rom, daß in Rom unter dem Vorsitz des Ministers für die Kolonien und unter Beteiligung von Vertretern des Verbandes der Abfahrt jeden Sonntag Und CZGfnOWitZ Auskünfte und Anmeldungen: Offizielles Polnisches Reisebüro ORBIS, Wien I, Kärntnerstraße 41, Telephon R-21-5-78 israelitischen Gemeinden Italiens eine Sitzung stattgefunden habe, in der die Lage der in Abessinien g־eb!orenem 0 d)e r einjgewandertenl Jusden besprochen wurde. Es sei beschlossen worden, daß die Vereinigung der israelitischen Gemeinden Italiens Vertretungen nach Addis Abeba und Diredaua schicken und dort jüdische Gemeinden begründen solle. Die Delegation soll auch die Aufgabe haben, mit den nördlich vom Tanasee ansässigen Falaschas Be- Ziehungen aufzunehmen, um dort für Seelsorge und Einrichtung von Schulen Sorge zu tragen. Die'Lage im Heiligen Lande Die Situation in Palästina hat eine weitere V e rschärfung erfahren. Nachdem es einige Tage lang den Anschein hatte, daß die arabischen Terroristengruppen etwas ermüdeten uöd . an Munitionsmangel zu leiden beginnen, rafften sie sich gegen das Wochenende zu k o n z e nt rischen Angriffen auf englische Polizei und Militär an verschiedenen Stellen des Landes auf. Hand in Hand damit gingen Angriffe der Pogromisten auf jüdische Pflanzungen und jüdische Institutionen in den Städten, wobei wiederum einige Juden ihr Leben lassen mußten. Nach einer vom Kolonienminister bekanntgegebenen Statistik beträgt die Zahl der Angriffe mit Feuerwaffen täglich zehn bis fünfzehn. In den zwei letzten Wochen gab es durchschnittlich täglich etwa acht Ueberfälle auf Bahnen und Straßen, fünf bis zehn Sprengstoffanschläge und fünf bis zehn Angriffe auf das Telephon- und Telegraphennetz. Nach den jüngsten Meldungen kam es zwischen englischen Truppen und arabischen Aufständischen bei Nablus und bei T u 1 k a r e m zu so schweren Kämpfen, wie sie sich seit Beginn der Feindseligkeiten nicht mehr ereignet haben. Bei Nablus wurde stundenlang, bei Tulkarem einen ganzen Tag hindurch erbittert gekämpft. Weitere Regierungsmaßnahmen Die Mandatsregierung hat neue sc h,a r f e Maßnahmen angekündigt. Eine Verordnung sieht für unbefugten Besitz von Waffen, Bomben und Explosivstoffen mindestens fünf Jahre Gefängnis vor. Bei schweren Fällen kann auch lebenslängliche Gefängnisstrafe verhängt werden. Ferner soll von jetzt an das Werfen von Bomben mit• dem Tode oder mit lebenslänglichem Gefängnis bestraft werden, auch wenn keine Mensehen bei dem Anschlag zu Tode kamen. Die jüdische Bevölkerung jedoch erhofft sich — wie unser M.-G.-P.-Korrespondent mitteilt — nach den Erfahrungen der letzten Wochen von den behördlichen Maßnahmen nicht viel und erhebt immer wieder die Forderung nach einem Selbstschutz, dem die Regierung aber nach wie vor ihre Zustimmung versagt. Begreifliche Mißstimmung unter den Juden erregt die strenge Handhabung des Waffengesetzes ihnen gegenüber, wodurch jede Verteidigung ungemein erschwert, ja unmöglich gemacht wird. Es klingt wie Hohn, wenn man hört, daß der Araber, der den englischen Polizei- Offizier H. Sigris erschossen hat, einen ordentlichen Waffenpaß besaß. Große Erbitterung hat die S chändung des Safeder jüdischen Friedhofes hervorgerufen. Frevlerhände haben sich an den Gräbern des Propheten Hoschea ben Beeri, des Tanai Rabbi Pinchas ben Jair, des Ri-Hakodosch und des Rabbi Josef Karo vergriffen. Die Leitung der Agudas Jisroel hat einen scharfen Protest an den Hochkommissär gerichtet, in dem besonderer Schutz für die jüdischen Heiligtümer und Grab- Stätten verlangt wird. In der Erkenntnis, daß auf manschliehe Hilfe nur wenig Verlaß ist und daß einzig und allein von G-tt die wahre Rettung kommen kann, hat das aschkenasisahe Obe׳rrabbi]nat in Jerusalem djen 25. Siwan als besonderen, -Geb e ts t ag erklärt; in.״ allen Bethäusern wurden Slichos und Thilllm gesagt. Auch wurde für die Dauer der Unruhen das tägliche Sagen von Owinu Malkenu und Thillim angeordnet• Erklärungen des Kolonienministers Einen Lichtblick in der düsteren ׳Situation ׳bot die Palästina-Debatte im englischen Unterhaus, in der widerspruchslos die!Sympathie zum jüdischen Aufbauwerk zum Ausdruck kam und Minister Ormsby- Gore u. a. den Juden Palästinas seine Anerkennung dafür aussprach, daß sie trotz äußerster Provokationen und trotz aller Angriffe eine höchst lobenswerte Zurückhaltung gezeigt hätten. Lassen! Sie mich — fuhr Minister Ormsby-Gore fort — nochmals erklären, daß die Regierung Sr. Majestät sich durch Gewalt nicht b eeinflussen ließ und nicht beeinflussen! lassen!wird. Sobald die Ordnung wieder hergestellt ist, jedoch nicht früher, wird Seiner Majestät empfohlen werden, eine Kgl. Kommission einzusetzen׳, die nach Palästina gehen soll, um dort eine äußerst umfassende und eingehende Untersuchung über die Gründe der Unruhen und die Beschwerden durchzuführen, die von Arabern oder Juden zu ihrer Kenntnis gebracht werden. Die Kgl. Kornmission wird eine wirklich unparteiische und! autoritative Körperschaft sein; ich kann die Versicherung geben, daß jegliche dieser Kommission vorgelegte Beschwerde untersucht werden wird. Auf eine Zwischenfrage von Miß Ellen Wilkinson erklärte der Minister, er glaube, die Kommission werde durchwegs aus Christen bestehen, die in England׳ ansässig sind. Ebenso wie die Rede des Ministers ließen! auch die Ausführungen der Parlamentarier, die in der Debatte das Wort ergriffen!, — vor allen die des Ministerpräsidenten des englischen Kriegskabinetts Lloyd George, während dessen Amtszeit die Balfour-Deklaration verkündet wurde —, keinen Zweifel zurück, daß Regierung und öffentliche Meinung Englands unerschüttert an den' Verpflichtungen festhalten, die die Mandatarmacht für Palästina übernommen hat. Die arabische Delegation 'im Colonial Office Wiewohl kürzlich bekanntgegeben wurde, daß die jetzt zwecks Bearbeitung der englischen öffentlichen Meinung in London weilende inoffizielle arabische Delegation von den offiziellen Stellen nicht empfangen werden wird, hat dennoch der ständige Unterstaatssekretär im Kolonienministerium Montag, den 22, Juni, die arabischen STEYR 50 Abholung vom Hause! SektloJenNeudegger-Fahrschuten Wien VIII. Tel. B-46-5-72 und Inzersdorf, N.-Oe. 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