Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 20 (5.6.1936)
- Date
- 1936-06-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2629891-2630637-2630657--5274-2637584- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
«<*ütoye 1tfplAtn4 povoiene rbuUt ftott * t t fifmitifefi «I*. 4iF»41f**Ö V.b.b. ^5^ na Zeitungen vom Verleget versendet Journal expedlt* p&t F6dlte«f . Bratislava: # 's: joni; 1936 תויצ״ו I^ö yI 22, Jahrgang / Nummer 20 Redaktion und Administration: W i 6 n, ri., Mak* gasSO 12 ä, Telephon A-46-0-15;TschechöäiowäkeÜ Bratislava, Postfach. SSI / Erscheint joden Freitag / Redaktionsschlnß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei K5 80, Jugoslawien Dinar 160, das übrige Ausland Sohw. Fr. 14. Einzelnummer Ost. Gr. 40. Zahlungen f, ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. Vm, 4117, Berlin Nr. 122.619. ORGsn für Die imeRessen Des 0RTH0D0Hen juDeniums Jakob Rosenheim: Auf AdlersflUgeln Eine jüdisch-politische Zeitbetrachtung Schwere Wolken bedecken den europäischen Horizont. Zwischen Furcht und Hoffnung schwankt das Emp- Anden aller derer, die in dem Ideal eines auf Rechtsachtung und ״kollektive Sicherheit“ gegründeten Völkerbunds nicht eine Kulisse zur ungenierteren Fortsetzung des alten Spieles um Macht und nationale Selbstvergrößerung, sondern das Heraufdämmern jesajanischer Geschichtsideale in׳ der Welt der Wirklichkeit erblickt hatten. Zunächst hat wieder einmal der auf Tanks und Giftgaise gestützte stärkere Wille triumphiert und die Parole heißt: allgemeine Aufrüstung, die niemand wünscht und der die Völker bei all ihrer scheinbaren Souveränität dennoch als übermächtigstem Zwang unterliegen. Wann kommt der Messias? Das fragt eine bei allem Schein höchster Machtentwieklung in Ohnmacht sich windende hilflose Menschheit. Und in ihrer Mitte fragt es, verzweifelter als je zuvor, jenes kleine, ohnmächtigste, landlose Völkchen, das nicht nur das jesajanische Geschichtsideal, an dem sich die Völkerbunddiplomaten noch immer die Zähne ausbeißen, der Menschheit geschenkt, sondern ihr auch die mächtigste seelische Gegentriebkraft gegen alle uferlose nationale Selbstvergötterung eingesenkt hat: das Christentum. In der unvergleichlichen, aus normalen GescHichtsfaktoren kaum zu erklärenden Not, in der sich heute dais j ü di s c h e!. Volk befindet, vergißt dieses nur allzu leicht, daß sein Bedürfnis nach messlanischer Erlösung letzten Endes nur dem Grad und der Unmittelbarkeit nach verschieden ist von demjenigen, das für alle Völker der Erde — ihnen selbst bewußt oder unbewußt — charakteristisch ist. Es mag sich ein Volk — wie beispielsweise im Augenblick das italienische — vorübergehend berauschen und* betäuben an der rücksichtslosen Selbstbefriedigung des nationalen Wollens und sich dabei glücklieh fühlen bis zur Ekstase; die Ernüchterung kann nicht ausbleiben, sobald der unvermeidliche Zusammenstoß mit ebenso mächtigen feindlichen Willensimpulsen erfolgt oder die Realitäten der wirtschaftlichen Desorganisation der Kulturmenschheit den Sieger unsanft aus nationalen Rauschträumen auf wecken. Wir sind also allesamt unglücklich und in einen Krampf hoffnungslos scheinender Krisenbekämpfung verstrickt — die Völker so gut wie das jüdische Volk. ־ Aber in einem Punkte scheinen wir uns grundlegend zu unterscheiden: Das jüdische Golus in seiner die ganze Erde umspannenden Ausdehnung und der absolute Mangel an einem Fleckchen Erde, auf dem sich unbestritten undungefährdetjüdisch-nationalesLeben entfalten könnte — diese beiden Tatsachen zusammengenommen stempeln den Fall ״Israel“ zu einer schlechthin einzig dastehenden, mit nichts vergleichbaren geschichtlichen Erscheinung, die eben wegen ihrer völligen Analogielosigkeit jede Anwendung a 11 g emeiner geschichtlicher und politischer Maßstäbe auf das jüdische Volk (von aller religiösen Tradition abgesehen) auch unter rein logisch-wissenschaftlichen Gesichtspunkten sinnlos erscheinen läßt. Drängt somit schon die Beobachtung der all gemeinen europäisch-amerikanischen Krise in ihrer Kombination höchster technisch-intellektuellen Vollkommenheit mit ebensolcher politsch-sittlicher Hilfslosigkeit zu der Erkenntnis, daß hier metaphysische Kräfte am Werke sind, die unser logisches Verstehen übersteigen, so fordert das Schicksal des jüdischen Volkes vertausendfacht zu dieser Erkenntnis heraus. Der zionistische Einfall, das tausendjährige Juden- Problem durch die Patentlösung einer auf diplomatischen Kunststücken aufgebauten ״öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte“ aus der Welt zu schaffen, bedeutete — wenn man ihn ernst nahm und nicht bloß als ein Vehikel in der Hand verborgener Geschichtskräfte ansah — geradezu eine Veiteimpelung der unergründlichen Tiefe des von G-tt geleiteten jüdischen Nationalgeschickes. Der logische Irrtum, auf dem, der Herzische Einfall auf gebaut war •— ״das Land ohne Volk für das Volk ohne Land“ — war nur der äußere Ausdruck für den in der Tiefe wirkenden viel verhängnisvolleren geschichtsphilosophischen Irrtum, es könne wirklich gelingen, die Einzigartigkeit des jüdischen׳ Geschichtsganges durch politische Mittel zu normalisieren, den Weltgeist zur Ordnung zu rufen und durch Etablierung eines europäisierten Wald- und Wiesen- Völkchens in Palästina der Judennot ein Ende zu machen. Wohlgemerkt: ,;werin man ihn ernst nahm“, den zionistischen Einfall, wie ן es die Zionisten zumeist taten und tun mußten, wollten sie in den Massen ausreichenden Enthusiasmus zur Aufbringung materieller Mittel und opferfreudiger persönlicher Pionierarbeit wecken. Die originale jüdische Geschichtsbetrachtung — das sei in Parenthese bemerkt -rdurfte und brauchte den Einfall, insofern er das Judenproblem lösen wollte, aber ri i c h t ernst zu nehmen. Warum sie es nicht durfte, ist bereits gesagt. Sie brauchte es aber auch nicht, weil für sie, auch ohne den sündhaften Glauben an eine palästinensische Normalisierung des jüdischen Volkes, die Gelegenheit zum Aufbau jüdischen Lebens in Erez Israel, wie sie die Balfour-Erklärung schuf, den Weckr u f z ur h ö chs t e n P f 1 i c h t e r f ülTuhg, zur Verwirklichung uralten g-ttlichen Geheißes darstellte, ganz einerlei, welche weltgeschich111eben Konsequenzen sich aus dieser wunderbaren ׳Auferstehung einer Mi z wa- Tat aus tausendjährigem Schläfe ergeben würden. Die absolute Einzigkeit des jüdischen Volksgesohickes, der jüdischen Geschichte!,:ist, wie wir glauben; durch die Erlebnisse, •des ietzte1^Jährfttnfts; auch deiri verknöchertsten1 Rationalisten wieder einmal mit untiberhörbarer Vehemenz eingehämmert worden, und der scheinbare Siegeszug des Normalisierüngsprozesses in und um ״Palästina“ bildet keine Gegeninstanz mehr. Auch iri Erez Jisrael existiert kein n o r m a 1 e s jüdisches Volk und die Metaphysik braucht sich darum auch dort nicht beschämt vor Politik, Diplomatie und Keren Kajemeth in das Bes hamidrasch und an die Kosel Maarowi zu flüchten. Sehen wir uns heute in der Kulturwelt um, so existiert kein Fleckchen Erde, auf dem die Söhne des jüdisehen Volkes ihr Haupt in Ruhe niederlegen könnten. Mindestens unterirdisch grollen schon die Donner der Entrechtung, der drohenden Judenfeindshaft, soweit nicht bereits über der Erde, im hellen Lichte der Tagespolitik, wirtschaftliche Auspowerung, Boykott und offene Verfolgungsgesten den Lebenspuspruch des jüdischen Volkes auf dem Territorium der souveränen Nationen rundweg bestreiten. In Palästina aber zeigen sich in dem arabischen Nationalismus durchaus nur dieselben politischen Naturgesetze, die überall in der Welt wirksam sind, und die,. wenn und solange nur diese Naturgesetze gelten, den An- Spruch des jüdischen Volkes auf eine gesicherte nationale Heimstätte in dieser Zeit wogenden Kampfes zwischen Machtpolitik und Völkerfrieden zum Tode verurteilen. Zwischen Himmel und Erde schwebt das jüdische Volk — man gönnt ihm kein Plätzchen auf dieser Erde, und die Geschichte zwingt ihm den Flug zur Höhe auf, hinan zu den Adlersflügeln Oesterreich und die deutschen Flüchtlinge. In einer Meldung des ״Frager Tagblattes“ wurde mitgeteilt, daß der Hochkommissär für die deutschen Flüchtlinge,!Sir ׳Nein Malcolm, für den Monat Juli d.. J. eine Regierungskonferenz nach Genf einberufen hat, die sich mit den Fragen der Behandlung der deutschen Flüchtlinge befassen soll, und daß bereits fünfzehn dem Völkerbund angehörende Staaten die Teilnahme an dieser Konferenz zugesagt haben, nur Oesterreich habe abgesagt, obwohl es an Deutschland grenze. Auf eine Anfrage beim Bundeskanzleramt, wie es um diese Angelegenheit in Wirklichkeit steht, erhielt der Wiener JTA.-Vertreter folgende offizielle Mitteilung: Der Generalsekretär des Völkerbundes hat die Bundesregierung eingeladen, sich an einer Regierurigskonferenz zu beteiligen, die am 2. Juli d. J. auf Grund eines Beschlusses des Völkerbundrates vom 24, Jänner 1936 in Genf zusammentreten soll. Das Außenamt hat Franzbranntwein erfrischt angenehm seines G -11 e s, die es einst emporhoben aus seinem Golus und in die Nähe erdentrückter Unendlichkeit hinauftrugen: .ואשא אתכם על כנפי נשרים ואביא אחכם אלי Dieses Wohnen ״auf Adlersflügeln“ — auch wenn sich die jüdischen Heimstätten scheinbar auf festem irdischem Boden erheben — setzt aber die ganze erzieherische Disziplin eines vom ersten bis zum letzten Atemzug durch G-ttes Thora gestalteten ,Einzel- und Gesamtheitslebens voraus. Nur der Geist absoluter Hingabe an G-tt und seiri Wort, wie er aus, einem solchen Leben ,in die. Seele strömt und in einem solchen Leben sieh verwirklicht, kann die Existenz des jüdischen ,Volkes, verbürgen, die durch alle Quacksalbereien aus der Hexenküche des .polfc tischen Rationalismus rettungslos gefährdet wird. Die gültigen und wirklichkeitsnahen ,Normen , einer jüdischen Politik im echten Sinne des, Wortes bleiben unerkannt, solange die hier aufgezeigte E i n z i g k e i t des jüdischen ,Volkes und seines Geschickes nicht in ,Rechnung gestellt, sondern frisoh-frei-f töhlfch das '"Scheriia der »llgemeinen Tagespolitik auf , die jüdischen Probleme ,angewandt wird. , r , , Das gilt beispielsweise für die Idee des ״Jüdisehen Weltkongresses“, der letzten Endes dazu bestimmt ist, den gedanklichen Normälisierungsprozeß (das heißt sub specie aeterni: Verfälschungsprozeß), den der zionistische Nationalismus begonnen und um Erez Jisroel konzentriert hat, hun ü be r die ganze Diaspora aus zu dehnen. Man will eine legitime, von allen Juden bevollmächtigte jüdische Regierung, die im Namen des jüdischen Volkes spricht und handelt und damit die Souveränität der jüdir sehen Nation an die Stelle der sinnlich nicht wahrnehmbaren Souveränität G-ttes und seiner Thora setzt. Denn das Aeußerste, das sich die Matadore des Weltkongreßgedankens an ״Konzessionen“ zugunsten der Thora leisten dürfen, ist ja — das Totschweigen der Thora, ist die Leugnung der ־־ כנפי נשריםExistenz des jüdischen Volkes. Niemals aber kann eine solche Umkehrung des offenbaren Sinnes der weltgeschichtlichen Entwicklung zum Heile führen. Der Strahlenglanz höchster nationaler Weihe, wie er eine gewühlte Repräsentanz der jüdischen Nation um? geben würde, darf nicht von thoralosen Instanzen usur־; piert und die geschichtliche Einzigkeit der G-tt es na tion vom Sinai nicht um das Linsengericht erträumter politischer Vorteile verkauft werden. diese Einladung Anfang Mai dieses Jahres dahin beantwortet, daß die Bundesregierung zwar nicht beabsichtige, sich bei dieser Konferenz vertreten zu lassen, da die dort zu behandelnden Fragen — namentlich auch wegen der verhältnismäßig geringen Zahl solcher in Oesterreich sich aufhaltenden Flüchtlinge — nicht wesentlich österreichische Interessen berühren. Gleichzeitig wurde aber betont, daß die Bundesregierung die auf, österreichischem Gebiet befindlichen Flüchtlinge der verschiedensten Kategoriej! stets entgegenkommend und nach den Grundsätzen der Menschlichkeit behgndelt und sich bemüht hat, im Rahmen des Möglichen ihrer schwierigen Lage Rechnung zu tragen. Nichtsdestoweniger werde die österreichische Regierung die Arbeiten der Konferenz mit besonderem Interesse verfolgen und ersuche dah®r, über deren Verlauf und über die Ergebnisse der Beratungen unterrichtet zu werden. STEYR50 Abholung vom Hause! Perfektionen Neudegger-Fahrschulen Wien VIII, Tel, ß-40-5-73 und Inzersdorf, N.-0e, PERÜCKEN OthmarSchiff Neueste Modelle in Erstklassig in Material und Ausführung, tadelloser Sitz, zu günstigsten Preisen erhältlich bei Wien I, Kärntnerring 6 Telephon u-43.0-16 N u r kurze Z e i r, solange derVorrat reichc!