Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1936-05-08 · 17 (8.5.1936) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
22 (1936)
Issue
17 (8.5.1936)
Date
1936-05-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2629891-2630637-2630654--5255-2637562
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

10 entity mentions

' * ‘ t ftmtiiüt• äk 41ß*».1n.j» V. b. b. Jottfftdi eipMlö" {Htf P6dlt<m? WIEN.BRATISLAVA 8. MAI1936 0*ז אייר תרצ״ו ' 33. Jahrgang / Nummer 1? DDCfifiC rnwwww Redaktion und Administrationi Wien» HM Main« gasße 12 a, Telephon A-4&-0-15; Tscheeiioslowakeit Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschlnß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise! Ganzjährig*, für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kö 80, Jugoslawien Dinar 160, das übrige Ausland Sehw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen f. ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post■* sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.068, Budapest Nr. 60.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. Vm, 4117, Berlin Nr. 122.619. oRGRn für Die imeRessen aes 0RTH0D0Hen juoenTums DieLage im Heiligen Lande Die Lage in PaläsS|pa ist infolge des arabisehen Generalstreiks unverändert gespannt. Die arabischen Zeittfngen berichten, daß aus verschiedenen Teilen des ‘ Ländes arabische Deleg a t i o n e n in •Jerusalem eingetroffen sind, um sich vom arabischen ״Nationalen Komitee“ Ins truktionen für weiteres Verhallten zu holen. In Jerusalem Und Haifa sowie in den arabischen Städten kam es1 vielfach zu Zusammenstoßen zwischen der Polizei und demo'nstrierenden Arabern,' die Verletzte auf beiden Seiten forderten. Die arabischen Brandstiftungen und Anschläge gegen jüdischen Besitz an einigen ׳Punkten des jüdischen Kolonisationsgebietes setzten sich fort. Die jüdischen!Familien, die in den gemischten jüdisch-arabischen Vierteln von Jerusalem wohnen, wurden von der Polizei auf gef ordert, ihre W 0 hnungen zu räumen und! sich nach der Jeschiwa Ez Chajim zu begeben. Der Stadtteil ist von der Polizei abgeriegelt worden und wird, ebenso wie die Jeschiwa, scharf1 bewacht. Auch die Juden in dem Musrara-Viertel verließen aus Furcht vort ,antijüdischen Ausschreitungen ihre Wohnhäuser und siedelten in die neuen jüdischen Viertel der Stadt über. •׳..׳£ Die Unruhen haben1 ׳ sich auch auf Haifa ausgedehnt. In den Stadtviertel^, in denen Araber und Juden gemischt leben, haben fdie Juden ihre Geschäfte ׳un d F abr ik e n g;e schljos s en. In Haifa wurden vier Bomben׳ zur ,Expipsion;.gepicht, drei Araber wurden als U Scbüidigei1 in;:Raft,;,Zwei■ arabische Kaufleute *in^Haifa, die trotz der ׳ Strerkpärole ihre Geschäfte Offenhielten, wurden von •arabischen Streikposten durch Messerstiche verwundet. Lag b’Omer — das Schülerlest Sonntag, den 18. Ijar, am 33. Omier-Tag, fällt ein; Lichtstrahl in das Düster der •Sefiroh-Tage. Das Schülerfest soll uns an die Schülerschar des großen Rabbi Akiba erinnern. Die Blüte dieser Jugend blieb am Schlachtfelde: im Kampfe um die Unabhängigkeit des jüdischen Landes.' Ob es richtig war, den Kampf mit Waffen gegen das übermächtige Rom zu wagen, war schon damals eine heiß umstrittene Frage. Es ist auch nicht unsere Sache, heute zu diesem historischen Problem Stellung zu nehmen. Der innere Kern des großen Gedankens Rabbi Akibas hat aber bis zum heutigen Tage seine Geltung bewahrt. Unser Kampf um Bestand, dieser Kampf um Aufstieg, wird noch heute vom Geist ■unserer Schülerschaft entschieden. Gelingt es uns, viele Schüler zu erstellen, die den gesunden religiösen Geist in sich tragen,׳ so werden wir uns unter allen Umständen behaupten. Hundert junge Menschen — so haben ■wir ,in der großen Konferenz der Wiener Bethausvereine am vergangenen Sonntag vernommen — hat die Wiener Judenschaft den verschiedenen höheren Thoralehranstalten anvertraut, um sie zumindest einige Jahre dem ausschließlichen Thorastudium zu weihen. Diese Hundertschaft ist eine Kerntruppe, welche die jüdische Sache sicher erfolgreich vertreten wird. Diese Hundertschaft hat aber schon heute einen wunderbaren Sieg errungen. Alle jüdischen Riehtungen und Gruppen Wiens haben ׳ sichl 'feinträöhtigi ,zu-; . sammengefunden, um die * materiellen Mittel, die nötig «^^d^.-berätzustell.envV^^.. -4׳ ׳־ Die sieghafte Kraft der Thora hat sich hier über alle Hemmungen und Hindernisse himveg durchgesetzt. Woher kamen diese Jungen? Wo hat das herrliehe Erziehunigswerk begonnen, das solche Erfolge erzielen konnte? Diese!Hundertschaft der Elite-Garde der Thora rekrutiert sich fast vollzählig aus der Schülerschaft der Volks- und Hauptschule der Talmud-Thora. Dieser große Erziehungserfolg lenkt die Aufmerksamkeit der jüdischen Oeffentlichkeit in einem , Augenblick auf diese altbewährte Schule, da die jüdische Schulfrage in Wien vor einem tief einschneidenden, Wendepunkt steht; Lange Jahrzehnte hindurch lebte man in tiefer Abneigung gegen die konfessionelle Schule; man war derart fest überzeugt von der allein seligmachenden Wirkung der ■Simultan-Schule, daß es einen harten Kampf der Aufklärung und der Beeinflussung gekostet hat, selbst tiefreligiöse Eltern zu bewegen, ihre Kinder einer ihrer innersten Gesinnung entsprechenden •Schule anzuvertrauen. Nun sind viele Hunderte Eltern bereits sehend und wissend geworden. Sie sehen die Früchte, welche an der religiösen jüdischen Schule reifen, und sie wissen, daß ' nur an einer solchen Schule die religiöse Erziehung ihrer Kinder gedeihen kann. Aber nicht nur für diese tiefreligiösen Kreise ist eine Schule wie die Talmud-Thora-Volks- und Hauptschule von lebenswichtiger Bedeutung; sie dient der Gesamtheit .der Wiener Judenschaft, In dieser furchtbaren Zeit der politischen und Wirtschaft* liehen Not gibt es für uns alle nur eine Zufluchtsstätte: unser Vätererbe, unsere Religion. Es wird noch viel Arbeit an Aufklärung und an Werbung kosten, bis die religiöse Schule in den Mittelpunkt des allgemeinen jüdisehen Interesses gerückt sein wird. Bis dieses Ziel erreicht wird, haben wir religiöse Juden eine große Aufgäbe um diese religiöse Schule. Wir müssen durch treue Anhängerschaft an diese Schule den geistigen Boden für eine allgemeine, umfassende, reli- . giöse Erziehung der Jugend vorbereiten. So gewinnt das alte historische Schülerfest einen neuen Sinn. Auch heute noch entscheidet unseren Sieg unsere Schülerschaft. Bringen wir unsere Kinder, Knaben und Mädchen, geschlossen in die religiöse S c h u 1 e und gelingt es uns, auch in abseits stehenden Kreisen aus der Reihe der Schwankenden und Unschlüssigen noch welche dazuzugewinnen, so ist die religiöse Sache günstig entschieden. ' Das ■Schülerfest im heurigen Jahre soll den kräftigen Auftakt zu dieser religiösen Aufbauarbeit bilden, dann wird das Schülerfest das Fest einer zukunftfrohen, in unserem alten jüdischen Glauben verwurzelten, jüdisehen Jugend sein. Sehr unruhig war es in Haifa am 1. Mai.' Als die Araber die Moschee verließen, veranstalteten sie eine Demonstration. Die Polizeiposten, > die die Demonstration überwachten oder sie zur Auflösung bringen - wollten, wurden von den Demonstranten mit Steinen beworfen. Die Polizei gab eine Salve ab und jagte dann die Demonstrariten mit Gummiknüppeln auseinander. Ein Araber wurde getötet, zahlreiche andere verletzt. In Jaffa wurde am Donnerstag das Gerücht verbreitet, die Juden hätten Anstalten getroffen, die Moschee anzuzünden. Sofort sammelte sich eine erregte Menge an. Die Polizei mußte wiederholt eingreifen, um ernstere Zwischenfälle zu verhüten. In -Chedera und verschiedenen anderen Orten, besonders des E m e k, wurden Brände gelegt. ■ . Beim Distriktskommissär in Haifa erschien eine Ab- Ordnung jüdischer Kolonisten und forderte Schutz gegen Brandstifter und Waldfrevler. Der Distriktskommissar erklärte, er sei nicht imstande, gegenwärtig einen besonderen Wachdienst für die jüdischen Felder und Wälder zu organisieren, er habe aber den ,arabischen Dörfern Kollektivstrafen für den Fall angedroht, daß die Brandstiftungen fprtgesetzt werden. , Die Militärbehörden• in. Jerusalem haben angeordnet, ' daß die j ü d i s c h e Polizei von Tel-Aviv außerhalb der Stadtgrenzen nicht tätig sein solle. Die Forderung jüdischer Wirtschaftskreise nach dem Bau eines Hafens in Tel-Aviv findet in der palästinensischen Oeffentlichkeit lebhaften Widerhall. Der ganze Jischuw steht einmütig hinter dieser Forderung,' zu der die Regierung sich bisher noch nicht offiziell geäußert hat. Inzwischen gehen die Bemühungen weiter, den Verkehr aus dem Hafen von Jaffa über Haifa zu leiten. Die Agudas Jisroel in Jerusalem reichte einen formellen Protest gegen den Bürgermeister D r. K h a 1 d i ein, dessen R ü c k t r i 11 gefordert wird, weil er seine ־Parteilichkeit durch Zugehörigkeit zum Streikkomitee beweist. Der Oberste Arabische Nationale Ausschuß erklärte dem High Commissioner, daß die Araber solange den Streik fortsetzen und Verhandlungen mit ihm ablehnen werden, als nicht die jüdische ■Einwanderung verboten wird, . Offiziell wird bekanntgegeben, daß in der Nacht auf Montag der Ausnahmez u s tand’nunmehr auch für die Außenbezirke von Jaffa und Tel-Aviv aufgehoben worden sei. In diesen Bezirken sei die Ruhe, gesichert. Dennoch muß gesagt werden, daß die G e s a m tläge am Montag und Dienstag kaum eine Aenderung erfahren hat. Im arabischen •S t r ei k ist ein sich ablösendes Auf- und Abebben zu verzeichnen. Die Sabotageakte dauern fort. Der aus Deutschland stammende 38jährige jüdische Arzt Dr. Karl F e 1 d'b e r g, der am Freitag lebensgefährlieh verletzt wurde, als Araber das Auto, in dem er saß, mit Steinen bombardierten, ist am Sonntag seinen Verletzungen erlegen. Zum ersten Male seit Beginn der Unruhen versammelten sich am vergangenen Freitag abends und Samstag morgens wiederum Juden an der Klagemau er, um die übliche Andacht abzuhalten.Sie wurden weder dort, noch im arabischen Viertel, das sie passieren mußten, belästigt. Der von den arabischen Parteien gemeinsam gebildete Nationale Ausschuß hat sich an die arabischen Herrscher mit der Bitte gewandt, die Forderungen der palästinensischen Araber bei der englischen Regierung ORBIS Billige Reisen nach POLEN Abfahrt am 24. Mai 193S und Czernowitz Auskünfte und Anmeldungen: Polnisches Reisebüro ORBIS, Wien I, Kärntnerstr. 41, Telephon R-21-5-78, ÖSTERREICH. VERKpHRSBÜRO, I, FHedrichstraße7, Telephon B-27-500, und I, Graben 20, Tel. U-29-0-25 .,zu unterstützen. Nun meldet die arabische Presse, daß der Im an des J e m e n nach Jerüsälem״״mitgeteilt״'hat, daß er sich an König Eduard von England zugunsten der arabischen Sache gewandt habe.; > Am Freitag empfing der High Commissioner Sir Arthur Wauchope den Emir A׳ b d u 1 Iah v. 0 n T ran sj o r d a n i e n. Es heißt, daß der Empfang mit der jetzigen Lage in Palästina zusammenhängt. Aus.Amman,- der Hauptstadt. von Transjordanien; wird gemeldet, daß die englischen Behörden in Amman einer Delegation des. palästinensisch-arabischen Nationalen Ausschusses das Betreten ' der Stadt verboten haben, weil im Zusammenhang mit demonstrativen Empfangsvorbereitungen Ruhestörungen *zu befürchten wären. Emir• Abdullah traf sich mit den Mitgliedern der Delegation außerhalb der Stadt. ־ ' ־ •.; . V•;’:;;;■ Im Verlaufe der letzten Tage sind wiederum 500 jüdische Einwanderer und Touristen im Hafen von Haifa gelandet. Die Regierung stellte in Jerusalem 17 jüdische und 19 ,.arabische Polizisten neu ein. ׳ Eine Abordnung des arabischen Stammes im Tiberias-Distrikt unter Führung des Direktors der Arabisehen Bank in Tiberias, .׳ eines Sohnes des Mufti von Tiberias, und anderer arabischer Notabein besuchte die jüdische Kolonie Migdal bei Tiberias und ents chuld i g t e sich in aller Form bei den Kolonisten wegen1 des Ueberfalls von Stammesangehörigen auf die Kolonie, bei ,dem vier jüdische Arbeiter verletzt wurden, Der Ueberfall erfolgte bekanntlich, als Agitatoren das Gerücht verbreiteten, die Juden von Migdal hätten zwei arabische Kinder umgebracht. Die Kinder hatten sich später bei ihren Eltern epgefunden. Die Araber erklärten, sie wollen von nun an mit ihren jüdischen Nachbarn in Frieden leben und arabischen Hetzern keinen Glauben mehr schenken. י י Die Levantemesse eröffnet Die Eröffnung der Levantemesse in Tel-Aviv fand programmgemäß am Donnerstag, den 30. April, statt. Am Eingang in das Messegelände wehten die Fahnen der ausstellenden Nationen. Die Wege zum Messegelände ■waren von einer großen Menschenmenge umsäumt, die die Auffahrt der offiziellen Persönlichkeiten und der zahlreiechen Messegäste' verfolgte. Die Anfahrtsstraßen sowie > das Messegelände selbst waren durch Polizei, gesichert. Noch am Vormittag w#ren drei Wpgen motorisierter Polizei von Jerusalem beordert worden, um den Sicherheitsdienst auf den zum Messegelände führenden Wegen zu versehen. Viele Führer des Jischuw waren bei der Eröffnung zugegen. Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope und mehrere höhere Beamte der Administration waren ebenfalls anwesend. Der Bürgermeister von Tel-Aviv, Meir D i z e n g o f f, sprach Worte der Begrüßung an die ver- Netiette! Modelle in Erstklassig in Material und Ausführung, tadelloser Sitz, zu günstigsten Preisen erhältlich bei Wien l» Kärntnerrkig 6 Telephon U-43-0-16 N u r k u r z e Zeit, solange der Vo rra t re ichtl;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.