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Jüdische Presse · 1936-05-01 · 16 (1.5.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
22 (1936)
Issue
16 (1.5.1936)
Date
1936-05-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Hidlt (kMt i V. b. b. Jöntnal e*p6dlÄpa*Fäfife«t 354 ^iFGrsi ־* VMM*, ü / Mummet 16 Redaktion üfld Administration! Wien, H(i Mal* .<־׳■ gasse 12 a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach SSI / Erscheint jeden Freitag / Kedaktionsschltiß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise*. Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kö 80, Jugoslawien Binar 160, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen f. ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.068, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. Vm, 4117, Berlin Nr. 122.619. oRGfin für Die imeRessen Des 0RTH0D0Hen juDemums Zum 1. Mai in Erez Jisroel Zwei Jahre sind: es her, daß Oesterreich seine neue Verfassung erhalten hat. Es hat sie erhalten ״im Namen G-11es, des Allmächtigen, von dem alles Recht ausgeht“. Und darum waren alle Bef ürchtungen, die vor dem 1. Mai 1934 das österreichische Judentum beunruhigten, unbegründet. Denn was im Namen G-ttes, von dem alles Recht ausgeht, verkündet wird, kann nicht Unrecht und, Unbill beinhalten. Und so spricht denn auch die Verfassung wiederholt den Grundsatz der G1 e i c h h eit all e r B u ndesbürger v o r dem Ge setz aus und sichert ihnen ohne Unterschied der Rasse, Sprache oder Religion den Genuß der bür ge r 1 i c h e n und p ö l i tische n Rechte. All e n, die guten Willens sind, wird mit gutem Willen entgegengekommen, a l l e, die sich als Glieder der österreichischen Gemein- Schaft betrachten und danach handeln, sollen auch als solche betrachtet und behandelt werden. Denn zu einer wahren Gemeinschaft, einer Familie im we-it er en Sinne, sollte das*Volk Oestefreichs J nach dem Willen seines Erneuerers, des verewigten: Kanzlers Doll f u ß,• werden, dem nach eigenen Worten das unvergeßliche Bild seiner Jugendtage, das schlichte, traute Heim des Bauern, als ersehntes Z ukunfstsideal für den ganzen Staat vorschwebte; ' . '? Darum auch hat das österreichische Judentum' die neue Verfassung so f r e u d i g begrüß t. Darum hat besonders sein glaubenstreuer Teil in ihr, die sich auf G-tt beruft, die Anbahnung einer neue n, segensreichen Epoche gesehen, in der im Zeichen der Religion alle, die auf diesem herrlichen Stück Erde atmen, Wohlstand und' Glück entgegengeführt werden. Wenn auch nicht alles, so ist vieles doch verwirklicht, was die Verfassung fordert. Der ständisehe Ged an k e hat in der Bevölkerung Wurzel gefaßt und ebenso beginnt ,das mit1 frommer Hand ausgestreute religiöse S a a t g u t edle Früchte zu bringen. Die U n.g u n s t der Z e i t jedoch hat uns Juden als den verwundbarsten Teil des österreichischen Volkskörpers besonders hart getroffen. Brüske* Stimmen werden gegen uns laut und da und dort zeigt man in ungerechtem Mißmut auf uns. Diese und jene untergeordnete Stelle setzt sich über die hehren Prinzipien der Verfassung hinweg und verletzt oft das jüdische Rechts- und Ehrgefühl. Allein, sich durch diese Erscheinungen irremachen lassen, hieße Wesentliches Verhängnisvoll verkennen. Denn der Umstand, daß die Mai-Verfassung reinen und lauteren Männern anvertraut ist, daß sie von gerechten und idealen Menschen gehandhabt wird, bietet Gewähr genug, daß jene unliebsamen Erscheinungen eben E rscheinun gen bleiben, o hn e D a ue r und Wir k 1 i c h k ei t, Ir r 1 ich t e r auf dem Wege zum erhabenen Ziel, das die Verfassung gesteckt, zu dem Oesterreichs Regierung uns a 11 e führt und das wir erreichen werden mit Hilfe und Beistand G-ttes, in dessen Namen Oesterreich diesen Weg beschritten hat. r ,'J. ■; ’ ־ E. G. Die blutigen Ereignisse! im Heiligen Lande haben im Judentum der ganzen Wölt stärk9ten Nachhall gefunden. Die Not der Zeit laßt das gehetzte und verfolgte Volk mit heißerer Sehnsucht und gespannterer Aufmerksamkeit seine Blicke auf das La n d d e r V e r h ei ß u 11 g, richten — verheißen von G-tt, der Geschichte und neuerdings der Gemeinschaft der Nationen. Feierlichst hat England die Verpflichtung übernommen, eine jüdische Heimstätte in Palästina zu errichten. Und die letzten Wochen und Monate haben gezeigt, daß das englische Volk auch gar nicht gesonnen ist, sich um diese Verpflichtung zu drücken. Das ״Volk der Bibel“ hat anläßlich der Debatte über den geplanten Legislative Council ih Parlament und Presse zum Ausdruck gebracht, daß es seine Versprechungen sehr ernst. nimmt. Gewiß, die Entwicklung der weltpolitischen Lage, die England in schärfstem Gegensatz zu Italien sieht —ein Gegensatz, der gerade im Mittel m e e r zur Entladung kommen kann —, hat es mit sich gebracht, daß , die englische Regierungspolitik auf die F r e u n d sc hä ft > -der durch einen starken. Einigkeitswillen an Bedeutung; gewinnenden ־Araber Wert legen zu müssen glaubt. Die c h a u v i n i s 11 s c h e n Kreise der; Araber ihrerseits haben nun die Zeichen der Zeit im Sinne der erwiesener-: maßen mit deutschem Geld und nationalsozia-, listischer Propagandävbetriebenen Hetze verstanden; sie haben die Kundgebungen der offiziellen Freündschaftsbestrebungen als Bla11-Wohlwollen ausgelegt — und zu, ihren berüchtigten Messern gegriffen. , ' ־־.V־;j : ׳.■)־.■. •. ::. Hoffentlich werden aber: nun diese unsagbar traurigen ־Vorkommnisse die Mandataxinacht eines besseren belehren. HoHentUi^^i^de1!^^"ifir^^eni^l^'׳zdfgeih was von dem . h a 1 b z i v i l is i e r't e n arabischen Element zu! erwarten ״ist, daß übertriebe.nes, Entgegenkommen und nachsichtige Milde hier nicht am Platze seien, und andererseits werden., sie sie, die Mandatsmacht, erkennen lassen, daß gerade eine »t.arke,- yoip, Gefühl ,der D a;n kb a rjtei t durchdrungene jüdische Bevölkerung ip Palästina im Interesse Englands liegt. Erst jüngst ist von dem berufenen Munde des ehe- ׳ vpaligen Kolonienministers A m e t y die ungeheure Bedeutung dieses Landes als Luf.tver ke.hr s Zentrum für das ganze britische Imperium nicht nur in bezug auf den Schutz des Suezkanals und des östlichen Mittelmeeres, sondern־ auch für die Verbindung ־mit Indien und dem Osten hervorgehoben, ist die *Wichtigkeit Haif as als Erdöl- und Flottenbasis betont und daran die Ermahnung geknüpft worden, die verantwortlichen englischen Stellen möchten keinerlei Schritte unternehmen, die die erfolgreiche Verwirklichung der Politik der jüdischen Heimstätte, an die England durch das Ma n da t gebunden wäre, verh in de r n würden. Wenn nun auch die Tatsache der gewaltigen St eigerujig des englischen Exports nach Palästina, ,der ja zu drei Vierteln vom jüdischen Teil der Bevölkerung auf genommen wird, und der Umstand, daß dessen Aufbauarbeit eine in der Welt einzig dastehende Finanzsituation im Gefolge hat, hinzukommen und all dem die jüngsten Exzesse der Araher gegenübergestellt werden, so kann — alle ideellen Momente aus dem Spiel gelassen! — der sich doch auf Unsere Büros, befinden sich ab 1. Mai 1936: II, Im Werd Nr. 6 Agudai-Jisroel-Ländetorganisation Keren Hathora für Oesterreich Palästina - Zentrale der Agudas Jisroel Verband der Sabbathffreunde ״Schomre Schabbos“ Schulverein f!Beth Jakob“ Telephon A. 46.0-15 unverändert: ** **** ** ihren Vorteil bestimmt verstehenden englischen Kolonial- Politik die Entscheidung kaum schwer fallen. Und vielleicht werden die Schreckenstage von Jaffa auch noch eine andere wohltätige Wirkung haben. Vielleicht werden sie dem jüdischen Nationalismus die Erkenntnis bringen, daß das Herausstellen und Ueberbetonen seiner selbst, das Sich-Erschöpfen in rein menschliehen Gefühlswerten und das Bauen auf rein menschliche Machtfaktoren ,nur den Weg zum ersehnten Ziel verrammeln und daß es jüdischer und überdies auch politisch klüger wäre, dem Heiligen Lande ein heiliges Volk zu geben. Und vielleicht werden auch die Araber angesichts solcher Tendenzen und Ideale zur Einsicht gelangen, daß ihr wahrer Vorteil anstatt in haßerfülltem Morden ln liebevollem Mittun zu suchen sei. Vielleicht werden auch sie vom Geist der G-ttlichkeit, der über einem solchen Werke ruhen würde, erfaßt — und schmie- .den, wie der Prophet verheißen, ihre gefürchteten M e s s e r . in segenbringende Sicheln um — zii gemeinsamer Arbeit und friedlichem Nebeneinanderleben avu f heiligem, gl ttck lichem Bod en. Wie bereits gemeldet,; ist ■ die Ruhe in ]Palästina ie nd giill t i g wieder hergeistel 11. Dennoch Ist die Lage infolge des arabischen General-• s t r e i k s weiterhin gespannt. Das arabische Geschäftsleben niht zum großen Teil. Auch die AUtobesitzer und Chauffeure befolgen die Streikparole und haben . den La nd es -Autostreik au'sgerüfen. Ebenso ist' die MI.h schlossen. : Die Führer der arabischen Part eien haben beschlossen, außerordentliche Maßnahmen zu einer konsequenten Durchführung des Streiks zu treffen. Die Führer konstituierten sich' zu einem nationalen Ausschuß und wählten ein Komitee von fünfzehn. Persönlichkeiten, dem die Vertretung der arabischen Forderungen übertragen wurde. Dem Komitee gehören auch der Großmufti von Jerusalem, Haj Amin el Husseini, und der Bürgermeister von Jerusalem, Dr. Khaldi, an. Dieses Komiteee beschloß upter Vorsitz des Großmufti, zunächst folgende arabische Forderungen zu formulieren, von denen nicht abgegangen werden soll: 1. Sofort ig e E in st e 11 un g 4׳er jüdischen Elinwanjlejrung; 2• Ve'rbjot des Bodenverkaufs an Juden; 3. Schaffung einer nationalen arabischen Regierung. Wie der M.-G.-P.-Korrespondent der ״Jüdischen Presse" berichtet, hat der Aguda-Führer Rabbi Blau beim High Commissioner Vorgesprächen und. ihn auf. die akuten Gefahren aufmerksam gemacht, die bei der durch den Streik bedingten Untätigkeit der arabischen Ladenbesitzer und Handwerker bestehen. Die hebräische Presse weist darauf hin, daß nirgendwo Juden als Angreifer Aufträgen, daß auch während der arabischen Angriffe, die so viele jüdische Opfer erforderten, kein Araber durch Juden getötet worden sei, daß vielmehr amtlichfestgestellt wurde, daß die zwei Araber, die am Sonntag während des Marsches arabischer Banden auf Tel-Aviv den Tod fanden, durch den englischen Polizeihauptmann Riggs vom Kriminaluntersuchungsdepar^ement in Notwehr erschossen wurden. Ebenso hat der Mord an zwei Arabern, der axn Freitag in der Nähe der Kolonie Kfar Saba stattfand, und ,der den Agitationsstoff für die Unruhen in Jaffa lieferte, eine sensationelle Aufklärung gefunden. Es hat sich herausgestellt, ־ daß der angebliche Araber ein jüdischer Einwanderer aus Aegypten ist und 'Mordechai Almani heißt. Alraani wurde mit dem anderen arabischen Opfer des Doppelmordes auf dem mohammedanischen Friedhof in Jaffa begraben. . Die Zahl der jüdischen Toten hat sich durch den Tod einiger Verletzter auf zweiundzwanzig erhöht, Laut Müttdilung der Stadtverwaltung von Tel- Aviv befinden sich jetzt in Tel-Aviv 9509 jüdische Flüchtlinge aus Jaffa. Die Regierung hat dem Tel-Aiver Magistrat 625 Pfund für die Jaffa-Flüchtlinge zur Verfügung gestellt und eine Besteuerung der Tel-AViver Bevölkerung zugunsten der Jaffaer und Hebroner Flüchtlinge angeordnet, wobei die' Regierung ihrerseits für jeden Hebron-Flüchtling 30 Mils und die Jerusalemer Jüdische iUe, vomeelm! 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