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Jüdische Presse · 1936-03-13 · 11 (13.3.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
22 (1936)
Issue
11 (13.3.1936)
Date
1936-03-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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fSlmmmi vypiatne p0vde»6 mdit pst » Iklstffcü# t Hm. mnmt6 V. b, b. Zeitungen vom Vtftepf *ersendct Journal expMie pat l’Miteur 30DI8CH6" PR6SS6 WlSN* BRATISLAVA IJ. MARZ WM *ס ■אדו תרצץ 22* Jahrgang / Nummer 11 Redaktloii und Administration: Wien, H., Malz* gasse 12 a, Telephon A*46*0*i5; Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschlnß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kö 80, Jugoslawien Dinar ISO, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer Öst. Gr. 40. Zahlungen f. ״Jüdische Fresse“, Wien, auf folgende Post* Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 60.170, Warschau Nr. 100.400, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VHI, 4117, Berlin Nr. 122.619. 0RGfln pür Die mTGRessen Des orthodohgo juDenTums f ♦ ♦ ♦ Bis ins Herz des Herzens getroffen, steht das thoratreue Judentum am Grabe des Rogatschower G a, o 11 s. Z. I. Nun hat die verheerende Axt des stummen Hauers auch diese ragendste Zeder unseres, ach, so gelichteten Libanon gefällt. Wie ein schauriger Wind fuhr es durch den Wald, daß ihre Schwestern bin ins Mark erzitterten, und aus düsteren Wolken träufelten bittere Tränen herab. Nun liegt sie da, diese gewaltigste Zeder des Libanon, zu deren himmelstrebender Höhe wir gestern noch den Blick nicht zu heben wagten. Jetzt senken wir ihn in imaussprechlicher Trauer zu ihr; die fast beklemmende Bewunderung ihrer Riesenhaftigkeit ist dem bedrückenden Schmerz tun ihren Fall gewichen. Wenn wir es auch nie gewagt haben, die Größe ״Rabbi Josche Dünaburgers“ erfassen zu wollen, so ist doch das Weh um seinen Heimgang übermächtig stark in uns. Wenn wir auchnie gewußt, was wir an ihm besaßen, so ahnen wir doch jetzt, was war mit ihm verloren. Es wäre ein zu kühnes Unterfangen, der Bedeutung des Verblichenen gerecht werden zu wollen. Es muß schon eine hervorragende Erscheinung des jüdischen Geisteslebens sein, die von sich behaupten darf, daß sie seine Persönlichkeit zu würdigen verstehe. Keine der üblichen Bezeichnungen eines ,־,Charif“, ״Boki“ oder ״Amkan“ charakterisiert auch nur entfernt die Einzigartigkeit des Rogatschower Gaon und selbst die Verbindung aller dieser Ehrentitel stellt einen untauglichen Versuch dazu dar. Denn der wunderbar. feine Kopf mit dem wirren Haar, der krausen Stirn und den unvergeßlichen Feueräugen repräsentierte ein ״Originalge’nie“ in des Wortes äußerstem Sinne, einen Sonder fall, der seinesgleichen in den letzten Jahrhunderten vergeblich sucht. Er hat die Kraft und den Mut gehabt, sich selbständig und freizumachen von der unermeßliehen Arbeit und den zahllosen Erkenntnissen all derer, die seit Raschi und Rambam bis auf seine Tage gewirkt haben, und mit einem Sprung über sie hinweg sich als 'ein um tausend Jahre verspäteter ״Kadmon“ in eine Reihe mit den zeitlich und geistig Ersten׳ der Thora- Wissenschaft zu stellen. Rabbi. Josche Dünaburger s. Z. 1. hat das Majim schel Thauro nicht aus den seit jener Zeit gebauten Röhren und Leitungen geschlürft; er hat es unmittelbar aus den Quellen geschöpft, ein wahres Majim Chajim, kristallklar, rein und — eiskalt. Jawohl, so eiskalt, daß es den allerwenigsten nur genießbar war. Der großen׳ Menge der Lernenden war sein Schaffen unzugänglich und es ist nur Autoren, wie R. Menachem Z e m b a, R. Mayer Don- Plozki, R. Nachum Weidenfeld und R. Meier S c h a p i r a s. Z. 1. zu danken, wenn die Jünger der Thora des ihnen im Rogatschower Gaon beschiedenen Geschenkes teilhaftig werden konnten. Waren׳ die ersten Teile des ״Zofnas Paneach" noch ziemlich verständlich, so bieten die weiteren dem Durchschnittskönner durch ihre Kürze, Schärfe, Tiefe und die Voraus- Setzung umfassenden Wissens, unüberwindliche Schwierigkeiten. Eingeweihten ist es bekannt, daß dieses Werk in der bisherigen׳ Form nur einen Torso darstellt und daß sowohl davon, als auch von anderen zahllosen W e r k e n Manuskripte von unschätzbarem Wert existieren. Diese Eingeweihten wissen aber auch, daß ungeahnte Möglichkeiten durch den Tod des Gaon zunichte geworden sind, daß tausend Geheimnisse, die nur er allein lüften, und aber tausend Zusammenhänge, die nur er allein entdecken konnte, nunmehr ungeklärt bleiben werden. Denn er war das, was keiner besser als er selbst gekennzeichnet hat; ein ״Zofnas Paneach“, ein — Entdecker! Wie ein Forscher historischen Boden durchwühlt und durchgräbt, so bearbeitete er den Boden der Thora. Er fand da Verbindungen, Uebereinstimmungen und Analogien und ״entdeckte“ so unter den teuern Altertümern edelste Kleinodien, die bisher dem Auge der Suchenden entgangen waren. Wie ein Taucher stieg er auf den Grund des Jam ha‘Talmud hinab, durchleuchtete die Tiefen, prüfte die Materie und — ״entdeckte“ kostbarste Perlen und brachte sie ans Lieht der Welt. Und so ״entdeckte“ .er auch eine neue Seite des Pi 1 pu 1. Er gab dessen sachlicher Logik, der mathematischen Präzision und haarscharfen. Schlußfolgerung den philosophischen Unterbau, und סף א י נ נו. schlug auf diese Weise oft genug kühne, aber unerschütterlich feste Brücken zwischen ׳ kasuistischen׳ Problemen und dem ״More“. Eine Denkart, die wohl auch gewissermaßen Rabbi Josef Engel s. Z. 1. eigen war, bei dem sie aber ihrem inneren Gehalt wie der äußeren Form nach unvergleichlich populärer und volkstümlicher war. Eben dieser Umstand, daß Rabbi Josche Düneburger nicht die Fähigkeit besaß, sich'zum Alltagsg e i s t herabz u la s s e n, nahm seinem Wirken die Durchschlagskraft, ließ ihn dein weiten Kreis der Lernenden einen Fremden bleiben. Er hat keine J e< s e h iwos geführt, wenig Teschnwos erteilt und sich überhaupt von der praktischen Handhabung der Wissenschaft ferngehalten. In der H a 1 o c h o wollte er, wie trotz gegenteiliger Behauptungen feststeht, die Ansichten und Erkenntnisse der Achronim respektiert wissen, überließ aber — in höheren Sphären gefangen gehalten — ihre zweckmäßige Anwendung anderen. Wie sein Schaffen, war auch sein Leben der heutigen Zeit und den heutigen Menschen entrückt. Still und geräuschlos, jeden Lärm meidend, hat er es nie versucht, in der Oeffentlichkeit eine Rolle zu spielen. Sein Dasein war ein einziger, kaum unterbrochener Schiur, so in Alltag vom ewigen Wort G-ttes erfüllt. Er hat keine Sichus Chilun gekannt, keiner seiner Gedanken' hat sich vom Zentrum seiner Persönlichkeit, der Thauro, entfernt und selten noch hat das *תודח ה׳ תמימה. für jemand so gegölten, wie für ihn. Die furchtbaren Qualen seines' Leidens konnte nichts als Diwre Thauro lindem; augenscheinlich hatte es sich an ihm erfüllt: •בי הם היינו ואורך ימינו*. Im Gegensatz zu den meisten seiner Landsleute hat der Rogatschower Gaon den׳ Chassidismus b e j a! h t. Entsprachen doch dessen Tendenzen seinem Wesen und seiner seelischen Anlage. Stets war innere Freude in ihm, war er von einem heiteren Temperament belebt. Grenzenlose Menschenliebe, herzlichste Fr eundlichkeijt und opferbereite Wohltätigkeit waren bei ihm Natur. Ein treuer Freund und Helfer aller Armen und Leidenden, nahm er sich besonders verlassener Waisenkinder und not• dürftiger Brautpaare an. .1 , Seine Stellung zur Agudas Jisroel geht aus einem Schreiben an die polnische Lahdesorganisation hervor, worin er Ausstreuungen von gewisser Seite zurückweist und si9h mit allen Gedaule Hathauro in der Agudas Jisroel einig erklärt.; <!,..יוסף איננו Dies läßt uns einen Ausspruch der Weisen, den wir sonst kaum begreifen, erleben: das Hinscheiden der Zaddikim ist furchtbar wie die י ו Zerstörung des Heiligtums! Der Dwinsker Raw war kein ״Streitwagen und Reiter Israels“, als den Elischa seinen entschwindenden Meister Elijahu beklagte. Er war kein Führer und Vorkämpfer. Dennoch bedeutet sein Verlust weit mehr als den Verlust eines lüivergleichlichen Geistesheroen, des Godaul lia'Dor. Daß das wunderbare Himmelslicht ursprünglicher jüdischer Wissenschaft, dessen Träger das jüdische Volk noch, immer mit dem legendären Nimbus überirdischer Gestälten umgab, noch einmal und vielleicht sogar zum letzten Male in unserer Zeit aufleuchtete und jetzt vor unseren Augen erlosch, ist — von. den politischen Schicksalsschlägen abgesehen — das erschütterndste, niederschmetterndste Erlehnis unserer Tage. Seine Bitternis könnte nur dann ein wenig gemildert werden, wenn die dazu Berufenen —- dem Monde gleich, der nach dem Untergang der Sonne von ihr seinen Schein empfängt — imLichte des großen Verblichenen, dessen blendende Fülle unser Blick ja nicht ertragen konnte, erstrahlten, wenn die Gedaule Jisroel sich in den Dienst der Aufgabe stellten, die Hinterlassenschaft des Rogatschower Gaon zum Gemeingut aller Thorabeflissenen zii machen, damit der in diesem Falle schönste Trost 118ח zuteil werde:!,.עוד יוסף הי An äußerem Erleben ist die Biographie des Rogatschower Gaon recht, arm. Er war ln Dwinsk .(Dünabürg) als Sohn eines Talmid Chochom geboren. Schon mit sieben Jahren erregte er die Bewunderung des Sluzker Raw, R. Josche Bär s. Z. 1., bei dem er auch von da an die weitere Ausbildung genoß. Als Dreizehnjähriger stand Rabbi Josche Dünaburger in brieflichem Kontakt mit den bedeutendsten Autoritäten der Zeit, die ihn als ebenbürtig betrachteten. Im Alter von 15 Jahren kam er als Schwiegersohn in ein wohlhabendes W a rschauer Haus, das bald das Zentrum der dortigen Lomdim wurde. Als Einunddreißigjähriger.wurde er Raw s e i n e r V a t e r s t a d t. Sein einziges bisher ersclüenenes Zusammenhängendes Werk, der ״Zofnas Peneach“, ein Kommentar zum Rambam, hat ungeheures Aufsehen in dem allerdings kleinen Kreis der ihn Erfassenden erregt. Seitdem hat die rabbinische Welt dem Autor gegenüber auch nur das Gefühl grenzenloser Verehrung gekannt. In den letzten Jahren hat ein schweres Leiden den Gaon heimgesucht, von dem er in Wien Heilung suchte. Einer an sich wohl günstig verlaufenen Operation war der geschwächte Körper nicht mehr gewachsen, der nun einer hinzugetretenen Herzschwäche erlag. Der Verblichene hinterläßt eine Witwe und zwei 1 Töchter, deren eine die Gattin eines bedeutenden Raws in 'Moskau ist. e. g. * Wie ein Lauffeuer verbreitete sich am Donnerstag,, früh in Wien die Hiobsbotschaft, die alsbald über den, Draht in die ganze Welt hinausging. Ein enger Kreis von Verehrern, dem Vertreter der Ädas-Jisrael-'Gemeinde (Schiffschul) beigeordnet waren, hatte die Nacht über im Sanatorium. Auersperg gewacht, da am Abend schon besorgniserregende Nachrichten über den Kräfteverfall bekannt waren. Donnerstag Mittag wurde die irdische Hülle des heim- _ gegangenen Gaon in die Räume der Jugend gruppe der Agudas Jisroel überführt. Der große Vortragssaal verwandelte sich zum Trauerhaus und die Masse . der'Wiener glaubenstreuen Juden in eine einzige Trauergemeinde, deren jugendliche Elite Tag und Nacht Schmiroh hielt. Während der ganzen .Zeit, .in der der ' Oraun im Saale der Jugendgruppe aufgebahrt war, wurde von ungezählten Menschen Mischnajos gelernt. , Am frühen Nachmittag langten bereits die ersten : Kundgebungen aus der jüdischen Welt, insbesondere aus Polen und Lettland, ein. Im Einvernehmen mit der Gemeinde Dünaburg (Dwinsk), wo der Verewigte jahrzehntelang wirkte, wurde die Ueberführung"für Mozze Schabb o s festgesetzt. Eine unübersehbare Menschenmenge wartete da trotz strömenden Regens lange vor der anr gesetzten Zeit vor dem Hause der Aguda-Jugendgruppe, um dem Fürsten der Thora die letzte Ehre zu erweisen. Inzwischen wurden in der S c h i f f s c h u 1 die Vorbereitungen für die eigentliche Trauerfeier getroffen.' Neueste Modelle in PERÜCKEN OthmarSchiff Erstklassig in Material und Ausführung, tadelloser Sitz, zu günstigsten Preisen erhältlich bei Wien l, Kärntnerring 6 Teteptien 1$יי0ינ4«י!ו Nur kurze Zeit, solange d e r Vo r r a t reicht!

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