Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 10 (6.3.1936)
- Date
- 1936-03-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 lüMSCÄE PRESSE Nr. 10 welche die schulerhaltenden Gemeinden der Notwendig* keit enthob, eu solch drastischen Maßregeln greifen zu Mein Verantwortungsgefühl, welches mir die Feder in die Hand drückt, um die orthodoxjüdische Öeffentlichkeit auf diese Neuerscheinung im hierländischen jüdischen Leben aufmerksam zu machen und so eine Stellungnahme der Orthodoxie — gleichviel ob pro oder kontra — zu provozieren, das gleiche Verantwortungsgefühl macht es mir zur unabweisbaren Pflicht, über das Fazit zu referieren, das eine objektive und genaue Beobachtung des bisherigen Werdeganges des jungen Verbandes meiner- <seits erbracht hat. Meine ernsten, auf im praktischen Leben gesammelten Erfahrungen basierenden Bedenken gegen das Zusammengehen mit Jüdischnationalen wurden — wozu aus meinem Herzen eine Mördergrube machen? — auch durch die programmatischen Erklärungen des Verbandes, vollständig unpolitisch Sein zu wollen, nicht ernstlich zerstreut. Allzu oft habe ich, wie bereits bemerkt, die traurige Erfahrung machen müssen, daß Zionisten selbst dort ihren Zionismus hineintragen wollen, wo er gar nicht am Platz ist, öder ein solcher Versuch sogar gegen zu Recht bestehende Abmachungen verstößt. Das Vertrauen zu dem Verbände der jüdisehen Lehrer begann erst dann in meinem Herzen Wurzel zu schlagen, als ich an die Spitze desselben Herrn Schuldirektor Isidor Schwarz, Preäov, gestellt sah. Ich wußte damals wohl noch nicht, ob es ihm gelingen würde, den zionistischen Einfluß zurückzudrängen, respektive in seine eigene Sphäre zu bannen. Davon jedoch war ich von Beginn an unerschütterlich (überzeugt, daß Herr Schwarz den Lehrerverband nur zum Zwecke der Förderung alttraditionellen Geistes ins Dasein rufen wollte. ״Kronika“, welche in ihrer ersten Nummer über den Versuch eines Teiles der Lehrerschaft, den Verband zur Alblegung eines jüdisch nationalen Glaubensbekenntnisses zu bewegen, zu berichten weiß, brachte mir aber auch vollständige Gewißheit darüber, daß die unter Führung des Herrn Schuldirektors Schwarz stehende Vereinsleitung sich unter keinen Umständen von der Richtung abdrängen lassen will, die sie als einzig richtig und den wahren Interessen des Judentums dienend, erkannt hat. Daß sie diese Absicht aber auch konsequent durchzusetzen imstande sei, dazu ist das ernste Wollen! der Orthodoxie notwendig, sich durch P a t r 0 n isierung d*fes Lehrerverbandes und weitestgehende Unterstützung desselben die Hegemonie in ihm zu sichern. Ein von der Orthodoxie getragener und von Schuldirektor Schwarz geleiteter Lehrerverband wird und kann nie vergessen, seine orthodoxen Mitglieder an ihre Pflicht zu gemahnen, ihre Schüler im Geiste von ישראל סבא zu erziehen. Aus der Preßburger Jeschiwah Seit einem Jahrhundert bildet die Stadt Preßburg das Thorazentrum des Westens. Hunderte und aber Hunderte Talmudgrößen haben hier an dieser ,,Hohen Jeschiwah" ihre .Ausbildung gefunden, um dann das jüdische Volk in den Ländern seiner Zerstreuung weiter zu belehren und zu führen.. Tausende Schüler dieser ,,Hochburg der Thora“ haben hier an diesen geheiligten Stätten unter Leitung der Weltgrößen der Sofersehen Familie eine Richtschnur für ihr ganzes Leben erhalten. Wissendurstige labten sich an dieser Quelle der Thora, sie schöpften aus diesem Born, um weiter zu lehren und zu lernen. Auch in diesem Semester kamen 160 junge Mensehen. Menschen, die sich aller außenweltlichen Dinge freiwillig entledigen, um für die Thora zu leben, Mensehen, die den heroischen Daseinskampf einfach dadurch lösen, daß sie sich in die unergründlichen Worte G-ttes . vertiefen. Sie bilden die Säule des zukünftigen Thora- Volkes. Diese jungeh Menschen sind gekommen, um den Worten des Leiters dieser Jeschiwo, des Preßburger Etaws אדמויר הרהיג עקיבא שליטיא zu lauschen, seine Lehren sich anzueignen und in ihre Herzen zu pflanzen. Was die Schüler dieser Jeschiwo an Fleiß und Lerneifer aufzubringen vermögen, konnte man bei dem am Rosch Chödesch Adar stattgefundenen G r o ß v e rhören des ״Schiur-Tofel“ durch den Vortragenden, Herrn Rabbiner Samuel ■Schreiber, klar sehen. Die vollkommen geformten Antworten auf die scharfsinnigsten Jl. dm MMwiis זצ״ל ein stiitee Kämpfec dee 6ctUad&xi& Vor drei Jahren wurde die jüdische geistige Welt mit einem, in jeder Hinsicht wertvollen und interessanten Werk beschenkt. R, Dow L ö b 1 o v i t s s. Z. 1., Oberrabbiner in Kiskörös (Ungarn), reichte uns einen kleinen Bruchteil seiner mehr als drei Jahrzehnte langen Thora- Wirksamkeit in seinem Werke ״Dibuwe Chen“ dar und das vorzügliche Werk lenkte die allgemeine Aufmerksamkeit auf einen stillen, bescheidenen, aber große Erfolge aufweisenden Mann. Ein stiller Kämpfer war R. Dow Löblovits s. Z. 1., der um die Idee der Orthodoxie einen großen, siegreichen Kampf in seiner Gemeinde führte. . Kiskörös hatte sich nach dem Kongreß der orthodoxen Organisation in Ungarn nicht ungeschlossen, war aber'im inneren Wesen stets orthodox, da doch an der Kehillo-Spitze hervorragende Rabbonim, wie R. Chajim Feigelsberg und R; Meschulem Rubinstein s. Z. 1., standen. R. Dow Löblovits kam zur Einsicht, daß oft die äußere Form das wahre Kennzeichen des inneren Wesens ist, und er führte daher einen unermüdlichen, unerschrockenen Kampf auch um den Titel ״orthodox“. — Es war ein schwerer Kampf. Seinerzeit war in Ungarn die Irrlehre der Unifikation vorherrschend und es erschwerte seine Bemühungen auch der Umstand, daß seine Gemeinde in Wahrheit ״orthodox“ und strengreligiöser Richtung war. Doch dem Kampf war glücklicherweise Erfolg beschieden. ׳Kiskörös ist eine jener orthodoxen Gemeinden, auf die man als mustergültig hinweisen kann. Sie hat eine Jeschiwo, Talmud-Thora, Chewra-Schass und Schule, in Fragen des Prüfers verhetzten das anwesende Publikum in Staunen. Eine .Woche darauf fand unter Teilnahme des ehrw. Rähhinats, der Vertretung der Kultusgemeinde und verschiedener Körperschaften sowie vieler Baale Batim das Großverhör des Hauptschiur statt. Das umfangreiche Pensum, sieben große und schwere Sugjos, Wurde in die* s«m Wintersemester mit allen Kommentaren aufs gründliebste durchgenommen und vom Großteil der Schüler mit einer verblüffenden Fertigkeit beherrscht. In dieser Schiur*Stube konzentrierte sich an diesem Tage die ganze jüdische Weit, beginnend vom sihaitischem G*tteswort, über den Talmud Bawli und Jeruschalmi, mit all den Großen des Ostens und des Westens. Bei jedem Semester* abschluß gelangt der Prüfungstag zu Ehren unserer alt* ehrwürdigen Stadt, aber auch zu Ehren des jüdischen Volkes, dem man sagen kann: Lo aimon Jisroel! Aber unsere prächtige Jeschiwo sorgt nicht nur für das geistige Wohl der Hörer, sondern auch für ihr körperliches. Die Menesaleitung ist bestrebt, ihren Schützlingen das Beste vom Besten zu geben. Jedoch die Auswirkungen der ungünstigen Wirtschaftslage haben auch vor den Türen dieser Jeschiwo nicht halt gemacht. Tief in das Wesen der Wirtschaftsabteilung dieser Hohen Schule hat sich der Wurm der Krise eingeschlichen. Jeder.Tude, der weiß, Was er der Thora schuldet, soll und wird seiner Verpflichtung nachkommen. Aus Anlaß des Semesterabschlusses veranstaltete die Jeschiwo-Leitung im Rahmen der wöchentlichen Melavo demalko eine imposante Abschiedsfeier, bei welcher Herr Rabbiner Samuel Schreiber herzliche Ahschiedsworte an die Talmidim richtete. 10 Jahre Agudas Jisroel ״B4t־Mädchengruppe in Bratislava Zehn Jahre sind es her, daß sich die junge Generation unserer Stadt zusammenschloß, um eine Agudas- .Tisroel-״B“-Mädchengruppe zu gründen. Die Gründerinnen haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Töchter Jisroels auf ihre einstmalige Höhe zu bringen. Ein Blick auf das verflossene Jahrzehnt beweist nun, daß sie dank der umsichtigen, unermüdlichen Führung der Leiterinnen ihr erstrebtes Ziel erreichten. Es ist ihnen gelungen, jeden Schabhos vormittags die Mitglieder zu versammeln und sie den Weg der Tradition zu leiten. Ein rührender Anblick ist es, mit welcher Begeisterung die jungen Mädchen den Dinim-, Siddur-, Tefilo- und Moralvorträgen lauschen. Sie sind sich dessen bewußt, daß sie es sind, die die Zierde des Judentums und ein Ideal der Menschheit sein sollen. Auch auf dem Gebiete der Wohltätigkeit leistete die ״B"-Mädchengruppe nach Möglichkeit. Und schließlich wurde auch für das körperliche Wohl gesorgt; es wurden Ausflüge und Spaziergänge veranstaltet und dabei die Mitglieder zur Erkennung und Lobpreisung der gh^bchen Pracht in der Schöpfung seiner herrlichen Natur herangezogen. Jetzt, beim Vorlesen der Megilla, soll der Inhalt derselben ein Appell zur weiteren Arbeit sein. Denn nicht nur. weil die Frauen unter dem Druck Hamans ebenso mitgequält wurden, wie die Männer, ist das weibliehe Geschlecht zu Mikro-JVfegillo verpflichtet, sondern, weil es eine Frau, Esther hämalko, war, die die Sendbotin der g-ttlichen Hilfe geworden ist. Daher wollen wir arbeiten, arbeiten mit solch einem Eifer, mit solcher Freude und mit solchem Idealismus, daß es wieder die Frauen und Mädchen werden sollen, in deren Verdienst Jisroel erlöst wird. . Malka Neuhaus. Das Kalifat in Prag Zu der in der vorwöchigen Ausgabe der ״Jüdischen Presse“ veröffentlichten Zuschrift, die sich mit dem ״Obersten Rat der israelitischen Kul- .tusgemeinde-Verbände in der ö. S. R.“ beschäftigte, wird uns aus* Prag mitgeteilt, daß der ״Oberste Rat“ sich redlich Mühe gibt, die vorhandenen Uebelstände auf dem Gebiete der Rabbinerbestellungen zu beseitigen und daß diese . Be- Strebungen auch schon in vielen Fällen von Erfolg begleitet waren. > l Täglich Spezialitäten Selchfleisch mit Ritschet, Scholet, Pfefferkarpfen, Würste mit Gulyassaft usw.— Menü von S 2.— aufwärts NAGEL, Wien II, Praterstr. 33 I welchen Institutionen R. Dow Löblovits s. Z. 1. eine hervorragende Bene-Thora-Qeneration erzog. Was aber über alles hervorragt, ist, daß R. Dow Löblovits in seiner Gemeinde einen Geist einheimisch machte, der das harmonische Zusammenwirken aller Mitglieder und den ungestörten Frieden in der Gemeinde sicherte. Unsere Gemeinden, besonders die imgeteilten, bestehen aus heterogenen Elementen. Es bedarf daher besonderen himmlischen!Beistandes, um Leute extremer Auffassung und Parteien verschiedener Nuancen zum friedlichen Zusammenarbeiten vereinigen zu können. Diese besondere Kunst war der hervorragendste Charakterzug des R. Dow Löblovits s. Z. 1, Seine Bescheidenheit, sein nobles Benehmen entwaffneten jeden und die um ihn sich gruppierenden verschiedenen gegnerisch gesinnten Leute standen wortgetreu ״entwaffnet“ einander gegenüber: nur den Argumenten und der gegenseitigen Ueberzeugung. kam eine Rolle zu im Kehilloh- Leben. Er konnte jedem die Wahrheit mit solcher Liebe sagen, daß diese niemandem wehtat, und so hatte der Friede ungestörten Bestand, ohne daß die Gerechtigkeit zu leiden hatte: חסד ואמת נפגשו צדק ושלים נשקן, Rabbi Dow Löblovits?. Z. 1. hatte sich zu der erstrebten persönlichen Haschlomoh in solchem Grade emporgerungen, wie es nur von den Größten und Hervorragendsten erreicht werden kann. Wenn des Menschen irdischer Beruf die Vervollkommnung ist und mit deren Erreichen das menschliche Lehen seine» Abschluß finden muß, so hat er die. Haschlomoh zeitlich zu früh erreicht. Allzufrüh, im Alter von 69 Jahren, ist er abberufen wor« den. Es fühlt das in erster Reihe seine verwaiste Kehilloh, aber auch die Gesamtorthodoxie empfindet den herben Schmerz des Hinscheidens ihres stillen Kämpfers« Isaac P a n e t h, Rabbiner in Kunszentmiklös. — Die J i s ü w- E t e'z *J i S <§ 1 *Ö hg ä ä 1* sation der BudapeSter aut. orth. Isr. Kultusgemeinde veröffentlicht einen Aufruf, dem wir folgendes ent* nehmen: Die ungarische Orthodoxie hat sich für den Jischuw stets in hervorragender Weise betätigt. Bereits, der Chasam Sofer s. Z. l. hat wirksame Tekonos in dieser Richtung geschaffen und später hat der Oberrabbiner der Gemeinde, R. Koppel Reich, stets diese Verpflichtung hervorgehoben. Heute verlangt die Lage im Heiligen Lande, die in religiöser Hinsicht immer beunruhigendere Symptome aufweist, wie auch die schwere Lage des Groß* teils der Juden, eine intensivere und vielseitige Betätigung. Die im Heiligen Lande lebenden frommen Juden führen einen schweren Kampf für die Verwirklichung ihrer religiösen ideale. Wenn wir nicht wollen, daß Erez Jisroel zur Beute der Irreligiosität, des Minus und Api* korsus werde, sondern tatsächlich das Heilige Land bleibt, so sind wir verpflichtet, unsere gleichgerichteten Brüder nicht nur aktiv zu unterstützen, sondern wir müssen auch, bestrebt sein, ihre Reihen durch erprobte neue religiöse Elemente zu stärken — wie dies Oberrabbiner Sonnenfeld s. Z. 1. und jetzt Oberrabbiner Duschinsky uns zur Pflicht gemacht haben. llonka Schwartz Alexander Schweid Velka Torona Verlobte KoSice Statt Karten. Zu der 11 ,אי׳ה בשטויט ייז אדר חרציו לפיק. März 1936 um 1.30 Uhr nachmittags im Restaurant Weldler Pistany stattfindenden Trauung unserer lieben Kinder הבחור׳.החתן׳ דוב נ״י עם הכלה הבתולה החשובה מרת חוה תרד׳ beehren wir uns. Sie herzlichst einzuladen. MOSES FREI UND FRAU, Bratislava. SALOMON DEUTSCH UND FRAU, Hamburg. 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Mädchen für Haushalt und zu Kindern gesucht. Offerten unter ״Orthodox Bratislava“ an die Bratislavaer Administration dieses Blattes erbeten. Tag Adar 1 März 1 דף יומי יומית משנה Kalendarium כלי סנהדרין משנה פיק | Freitag 12 6 נט ו ט Samstag 13 7 D ז " פ׳ תצוה, ש׳ זכור Sonntag 14 8 טא ח " סורים Montag 15 9 סב א י שושן פורים Dienstag 16 to 0נ ב ,, Mittwoch 17 U - סד ג " Oonnerst. 18 12 פה ד "׳ Freilag 19 18 פו ה » iamsfaa 20 H פז ו » כי תשא. ם׳ פרה ז סוף זמן קדוש לבנה <אד0 Mozze.Schabbos, denv>7, März פ׳ תצוד! Gebetzeiten B1ATt$LAVA WIEN Uhr Min. Uhr Min. 5 20 5 20 הנחת חפלין בשעת הדחק . , , . 8 25 8 30 . , סוף זמן קריאת שמע של שהרית . 5 35 ־5 4ü בשבת: קהלת שבח (מנחה בעש׳ק) 7 15 6 45 9 30 9 30 שתריח . .. 3 30 3 30 6 25 6 (־3 מערי3 כמשיק. 6 00 6 15 בחול: שהריח ü 05 5 45 6 Lü 6 00 12 00 M 30 , , פורים ‘ מנחה , , ,; . , Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Dayid Türkl (für ein» Arbeitsgemeinschaft), verantwortlicher Redakteur: Karl Richter, beide Wien, II., Malzgasse 12 a. ״י Drück: Druckerei- und Verjags-A.-G, lg. Steinmann, Wien, IX.. Universitätsstraße 6/8,