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Jüdische Presse · 1936-03-06 · 10 (6.3.1936) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
22 (1936)
Issue
10 (6.3.1936)
Date
1936-03-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ftövttove *ypiatne povoiene rtadit post & t BmtiilAV« äs. 4l8t8־m20־ V.b. b 354 ÜnivepQ versenavt Yrntent כה WIEN •BRATISLAVA V 6. MÄRZ 1936 '*י״ב אדר תרצ״ו '״ i 22. Jahrgansf / Nummer 10 prgsse Redaktion and Administration: Wien, n., Mategasse 12 a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kö 80, Jugoslawien Dinar ISO, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen f. ״Jüdische Fresse**, Wien, auf folgende Fostspärkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 120.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII. 4117, Berlin Nr. 122.619. oRGnn für Die mTenessen Des 0RTH0D0Hen juDemums Abwehr Wieder rollen wir unsere alte M e g i 11 a auf, um daraus die alte und ewig neue Geschichte von der Gefahr, in der Jisroel sich befand und aus der es G־tt errettete, zu lesen, um den stets aktuellen Bericht aus längst vergangenen Tagen entgegenzunehmen, in dem sich wie in kaum einem anderen das jüdische Schicksal spiegelt. Mit der gespannten Anteil•• nähme des Betroffenen erlebt das jüdische Volk immer wieder das wunderbare Erlebnis seiner Ahnen mit. Denn ״die Tage des Purim werden nicht schwinden aus der Mitte der Jehudim und ihr Andenken wird nicht ausgelöscht werden bei ihren Nachkommen“, sagt die heilige: Urkunde selbst. Die Tradition aber, die Hamans Stammbaum bis auf A m a 1 e k zurückzu־ führen weiß, sieht in diesem Haman-Amelek. ein Symbol des sich forterbenden■.'Judenhasses, der n i e eine begründete: Reaktion auf erlittene Kränkung oder Unbill ist, sondern immer aus niedrigsten Instinkten nur fließt und den der Psalmist mit folgenden Worten kennzeichnet: ״Mehr als Haare auf meinem Haupte sind die, die mich grundlos hassen, mächtig sind die, die mich aufreiben‘Wollen, meine lügenhaften Feinde; was'ich' nicht entwendet, soll ich ersetzen!“ ( ׳ Darum gilt Purim nicht dem G e denken allein, sondern, in gleichem Maße auch dem B e denken. Besonders verlangt danach unsere Zeit, die wie keine andere zuvor als böse Wiederholung der damaligen erscheint. Denn bis auf Einzelheiten genau läßt sich diese traurige Analogie feststellen. Wie in den Tagen Hamans hat sich ein Mann aus kleinen Verhältnissen zu der höchsten Stelle eines großen Reiches emporgeschwungen. Wie in den Tagen Achaschwerosch’ war es ein altes, schwaches Staatsoberhaupt, das ihm die Macht auslieferte, die er zu einem unerbittlichen Vernichtungskrieg gegen das Judentum benützt.‘ Schon gar nicht davon zu reden, daß dabei Hamans zehntausend Zentner Silber, ebenso wie seine Argumente, die eigentlichen Waffen bilden. Das ״zerstreute und verteilte Volk“ von damals wird heute ״i n t e rn a t i o n ä 1 e s, überstaatliches Judentum“ genannt; ״ihre Gesetze sind anders als' die jedes Volk e s“, wird mit ״Untermenschentum und Rassenun'terschied" ausgedrückt; für das ״die Gesetze des Königs befolgen sie nicht“ dient der Hinweis auf eine ״jüdische Weltverschwörung und die ,Protok 0.1 l*e de'r Weisen von Z io n‘“, wie ״es ist für den König n u t z 1 o s, sie zu lassen“ mit ״Unproduktivität des raffenden Juda“ übersetzt wird. Daß auch das jüdische Volk das Seinige dazu beigetragen hat, daß diese Tragödie als eine Reprise erscheint, macht sie um so erschütternder. Denn, wenn unsere Weisen den persischen Juden Uebertretung der religiösen Vorschriften vorwerfen und ihnen so — im höheren, g-ttlichen Sinne — Schuld beimessen, muß da nicht die Kata- Strophe, die das moderne Judentum betroffen hat, als eine Strafe dafür angesehen werden, daß es sich zu noch ,Schlimmerem als einer unrituellen Tafel gedrängt, hat? Muß aber nach all dem das Purimfest neben seiner Bedeutung als einer Erinnerung an die Hamans Vergangenheit nicht auch die einer Lehre für die Gegenwart haben, auf daß wir rückwärts blickend vorwärts schauen und aus den Erfahrungen der Vorväter Nutzen ziehen? Die A e h nlichkeit der Situati 0 n e n heischt gebieterisch, den bewährten Ausweg zu suchen, die erprobte Stellung zu beziehen — dem Beispiel zu folgen, das am ersten Purim gegeben wurde. Gewiß, Abwehrmaßnahmen und Verteidigung‘3־ krieg gegen den Antisemitismus sind׳ an sich menschlieh begreiflich und auch berechtigt; ebenso gewiß sind wir unseren n i c h t j ü d i s c h e n Freunden von Herzen dankbar, die dadurch, daß sie unsere Ehre retten, die Ehre ihres Volkes und Glaubens retten. Allein, noch gewisser ist’s, daß Boykott, Proteste und Pressefeldzüge Nadelstiche gegen einen Elefanten sind. Und am gewissesten ist es — so unsachlich und unzeitgemäß es zu erwägen auch scheinen mag — daß diese Kampfart von einem Mordechai abgelehnt worden wäre. ״Sack und Asche, ein großes, bitteres Geschrei und Fasten“ führte er als Waffen, die Hoffnung,^ Befreiung und‘ Rettung wird den Jehudim erstehen“, als Schild. Der O r g artisa.tion aber, die er für den Tag der Gefahr anordnete, gab er als Leitsatz: להקהל ולעמוד על נפשם׳• sich zu sammeln und auf ihrem Wesen zu bestehen und ihre Eigentümlichkeit zu wahr e n, aus der Selbstbesinnung Kraft zu schöpfen und aus der^ Pflege wahrhaft jüdischen Geistes Stärke zu gewinnen, im Judentum Schutz zu suchen und in der Thora das Lebenselixier zu finden. Und diese Maßnahme׳ hat sich in den Tagen Mordechais wie allezeit bewährt, diese Art von Widerstand wurde gegen Haman wie gegen seine zahllosen Nachfolger erprobt. Man denke nur an das Mittelalter — und besonders denke man dort daran, wo es in seiner ganzen düsteren Furchtbarkeit wieder erstanden ist —, an die jahrhundertelange Leidense p o c h e, wo tierische, durch keinerlei Rechtsbegriffe und Humanitätsempfinden gemilderte Grausamkeit herrschte, und frage sich einmal, ob da eine E r h a 1tung des Judentums möglich gewesen wäre, ohne eben diese Sammlung ־und das Bestehen auf der Eigentümlichkeit, ohnejdie: innere Geschlossenheit und das Festhalten am ererbten Gut — ohne die Erkenntnis des ersten Purim! Denn der Purim war es, der dem jüdischen Volk die größte Erkenntnis seiner Geschichte, die Ergänzung zur sinaitischen Offenbarung brachte. •״ — •קימו וקבלו היהודיםes e r f ü 111 e n und ü b e r n a hmen die Jehudim“, wollen unsere Weisen dahin verstanden wissen, daß sie, die Jehudim, nun, am Purim, ״erfüllten“, was sie schon längst ״übernommen“ hatten: die Thora, die ihnen wohl einst gegeben worden war, die sie aber nicht erworben hatten, um sie zu besitzen. Damals, im gewaltigsten Augenblick seit der Schöpfung, als der Himmel die Erde küßte, als die ganze Natur ihre gewohnten Geleise verließ, Blitze zuckten, Donner grollten, die Erde bebte und die Gebirge wankten, was hätte da das von drückendstem Sklavenlos eben befreite Völkchen anderes tun können, als der ג Stimme: G-ttes: ״Ich bin G־tt, dein G-tt, der dich aus'dem Lande Mizrajim ge- נפלה עטרת ראשינו דבינו הגאון הקדוש רבן של כל ישראל מרן יוסף דאזק זצוק״ל מדווינסק, יצאה נשמתו כקדושה וטהרה ביום ה׳ בבוקר בשעה7.304 Während unsere heutige Ausgabe bereits im Druck liegt, ereilt uns die niederschmet* ternde Hiobsbotschaft von der Petiroh des Rogatschower Gaon s. Z. 1., der am Donnerstag früh im Alter von 76 Jahren nach einem an sich gut verlaufenen operativen Eins griff, in einem Wiener Sanatorium seine reine Seele aushauchte. In diesem Augenblick tiefster Erschütterung finden wir keine Worte, ״ die Schwere des Verlustes für das ganze jüdische Volk auszudrücken. Den Versuch einer Wür־־ digung der Persönlichkeit des Verblichenen lassen wir in unserer nächsten Nummer folgen. Die Dispositionen über die Lewajoh sind bis zur Stunde noch nicht getroffen. Mög־־ licherweise wird eine Ueberführung nach War־ schau erfolgen. .יכל, בית ישראל.יבכו, אף. השריפה, אשר שרף ה־ — תנצב־ה, •führt“, überwältigt seine: Bereitwilligkeit’ auszudrücken? Es hat sie ausgesprochen, aber es hat sie zitternd ausgesprochen: *׳ויהדר כל העם אשר במחנה Es war sozusagen eine erzwungene Freiwil- 1 i g k e i t: freiwillig in der Form, in Wirklichkeit jedoch erzwungen. Mehr als tausend Jahre, in denen Jisroel zwischen Reue und Abfall geschwankt, hat) es •gedauert, ־ bis diese erzwungene Freiwilligkeit in eine volle sich wandelte, bis die äußere Hinnahme zu innerer Hingabe sich gestaltete. Und dieses Ereignis vollzog sich eben in den Tagen des Achaschwerosch, als das jüdische Volk damals erfuhr, daß es trotz Protektion und Emanzipation ein wehrloses Opfer listiger Ministerränke und unberechenbarer Königslaune war, als es damals erkannte, was allein ihmuH ort und Hilfe bieten, Schütz und Rett u n g gewähren könnte. Darum haben, wie der Talmud berichtet, die 48״ Propheten und 7 Prophetinnen, die in Jisroel weissagten, nichts von dem, was in der Thora geschrieben steht, gemindert und nichts dazu hinzugefügt, bloß das Lesen der Megilla“. Der einzige Zusatz zur Thora, den sie sich erlaubten — eben das Lesen der Megilla —, soll Zeu gen schaf t für sie, die Thora, ablegen, wie Purim — nach einem anderen Ausspruch der Weisen — ״auch wenn dereinst alle Feste aufhören sollten, bleiben wird“, um Zeugen־ sc haftfürJisroel abzulegen. In diesem Sinne sollten wir — besonders in Zeiten der Not — die Megilla lesen und Purim be;- gehen; um das unerschütterliche Bewußtsein zu erlangen, daß es oberstes Gebot der Stunde ist, das, was wir einst ü b e r n o m men, dann erfüllt und später vernachlässigt haben, jetzt neuerdings und vollends mit unserem Leben untrennbar zu verflechten. Damit• der jeweilige und also auch der gegenwärtige Purim wie der erste!ende: ליהודים היתד. אורה ושמחה, וששון ויקר — כן תהיה לגו,,, .e. g י ■ Neueste Modelle in Erstklassig in Material und Ausführung, tadelloser Sitz, zu günstigsten ,׳. ־׳ , ,, \ .. / Preisen erhältlich bei Othmar Schiff Wien l, Kärntnerring 6 Telephon U-43.0-16 N K r k u r z e Z e I t, solange der Vorrat reicht!

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