Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 6 (7.2.1936)
- Date
- 1936-02-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1 '***ttäi!tovinovft vyplatftfe povolenfe liadlt post & tolcfTftfov * Bratlslave 6». 41612-m20־ V.b.b •> Jflf. *etiävt;dl teuf SODIGCHe״ PRGGGG WIEN * BRATISLAVA * FEBRUAR 1936 י״ד שבט תרצ״ו Redaktion und Administration: Wien, n., Malzgasse 12 a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kd 80, Jugoslawien Dinar 150, da« übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen f. ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. vm, 4117, Berlin Nr. 122.619. ORGfln für Die mTGRessen Des 0RTH0D0xen juDervrums Vor lästigen Verfärbungen schützt ODOL-Zahnpasta Ihre Zähne. 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Da die Jüdischnationalen erklärten, auf der Anstellung ihres Parteiführers Dr. Löwenherz zu bestehen und sie unter allen Umständen vollziehen zu wollen, haben die unionistischen Kultusvorstehier ihre Mandate zurückgelegt. Diese Niederlegung der Mandate hat zur Folge, daß die Zahl der Mitglieder des Kultus- Vorstandes auf siebzehn, also unter die Hälfte des statutarischen Standes von 36, gesunken ist, was unabsehbare Weiterungen nach ' sich ziehen kann. Die ״Union österreichischer Juden“ hat den Wiener Tageszeitungen ein Kommunique über den Rücktritt ihrer Mandatare zugehen lassen, den die ״Re ichspost“ mit folgendem Kommentar veröffentlicht: ״Durch die Mandatsniederlegung ist die Zahl der Mitglieder des Kultusvorstandes (36) auf 17 gesunken, nachdem 8 Mitglieder bereits früher ausgeschieden wurden. In den Kreisen der Judenschaft wird die Auflösung1,des Vorstandes, der nur mehr aus 17 Zionisten besteht, sowie die Be- Stellung eines Regierungskommis• särs, der für die EnTtf e r n u 11 g d e r Parte i- > politik aus der dem Religiösen dienenden Kultusgemeinde zu sorgen hätte, für u n u mg.ä n g 1 i c 11 gehalten.“ Was kein vernünftiger Mensch für möglich gehalten hat, ist!banale Wirklichkeit geworden. Der Präsident der Wiener Kultusgemeinde hat trotz aller Warnungen und trotzdem die weitere Entwicklung klar vorgezeichnet war, es für gut befunden, der Opposition den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Wenn irgend etwas die Situation in. der Wiener jüdischen Gemeinde: grell beleuchten konnte, so war es dieser Vorstoß der Jüdischnationalen gegen Vernunft, Tradition und Reinlichkeitsgefühl. Wer, im jüdischen Leben Wiens stehend, in der letzten Zeit hinzuhorchen Gelegenheit hatte, konnte deutlich hören, daß selbst in jüdischnationalen Kreisen die Unzufriedenheit gegen diese Justamentpoliti'k maßlos gestiegen war. Der gerade Sinn der jüdischen Bevölkerung kann und will es nicht begreifen, daß das Geltungs- und Existenzbedürfnis eines einzigen Menschen um so viel höher steht, als das Gesamtwohl einer Gemeinschaft, die auf eine ein Jahrhundert alte Tradition zurückblickt. ,Wenn es vor kurzem noch so’ ausgesehen hat, als ob Vernunft und bessere Einsicht obsiegen wollten, so haben die Herren der jüdischnationalen Partei durch ihr frivoles Spiel nunmehr diese Illusion gründlieh und dauernd zerstört. Der Kultusvorstand ist zu ein&r Rumpfkörperschaft zusammengeschrumpft, zu einem rein jüdischnationalen Parteiinstrument. Es liegt auf der Hand, daß fortan die Entscheidung über die weitere Ent- Wicklung nicht mehr in jüdischen Händen liegt. Mit einem Starrsinn und einer Anmaßung, wie sie nur bei unseren Wiener Jüdischnationalen zu finden sind, haben die Herren die Gemeinde geradewegs bis an den Abgrund geführt. Nicht einmal der leiseste Versuch einer aufrichtigen Verständigung, die ja vermutlich jetzt leichter denn je erreichbar gewesen wäre, weil alle Parteien diese Entwicklung gerne vermieden hätten, wurde unternommen. Wir, die wir aus rein religiösen Motiven diese Gemeinde schon seit jeher und in erhöhtem Maße seit der Machtergreifung durch die Jüdischnationalen ablehnen, wir haben diese Gemeinde für die Massen der religiös indifferenten Juden bejaht, weil wir kein besseres Instrument für sie gesehen haben. Von diesem Standpunkt aus gesehen, berührt uns die Tragik der Gemeinde aufs tiefste. Auch wir hätten diese Gemeinde, die den religiös Uninteressierten immerhin das Wenige, was sie vom Judentum verlangen, geboten hat, lieber in Händen von aufrechten Männern gesehen, die sich ihrer Pflicht der Gesamtheit gegenüber bewußt sind. Jetzt aber, da die Vertreter der nichtjüdischnationalen Wiener Juden die einzige, wenn auch schwere Konsequenz gezogen haben, stehen wir in voller Sympathie zu diesen Kämpfern um die Ehre der jüdischen Gemeinschaft, die es mit ihrem Verantwortlichkeitsgefühl nicht vereinbaren können, untätig zu- Zusehen, wie Korruption und Machtmiß־ brauch zum System erhoben werden. Wie immer auch die Dinge sich weiter gestalten werden, eines steht fest: Noch nie und nirgends in der Geschichte der jüdisehen Gemeinden hat eine'Partei es gewagt, so skrupellos über die Wünsche und Beschwerden der großen Mehrheit der jüdischen Bevölkerung der Stadt hinwegzugehen, wie die Wiener Zionisten es getan haben. Nur eine — im wörtlichen Sinne — von G־tt und der g-ttlichen Lehre ganz verlassene Gemeinschaft konnte sich so in den Augen der gesamten jüdischen und nichtjüdischen Welt bloßstellen. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Kennessioh s.chelo leschem Schomajim, eine Versammlung, in der kein g־tt.licher Funke glimmt, die hier ihrer wohlverdienten Auflösung entgegentreibt. Und ob nun diese Auflösung aus sich selbst heraus, oder durch behördliches Eingreifen geschehen wird, sie wird und muß kommen, weil nur sie den Reinigungsprozeß einleiten kann, der nunmehr beginnen muß, damit endlich das schändliche Spiel mit jüdischer Ehre und jüdischem Ruf ein Ende findet und der Begriff einer jüdischen Gemeinde unlöslich verbunden bleibt mit der in unserer religiösen Lebensauffassung unerschütterlich verankerten sittlichen und moralischen jüdischen Idee, die jeden Partei- und persönlichen Egoismus ausschließt. Minister a. D. Czermak über die Orthodoxie Tm Rahmen einer Diskussion, die im Anschluß an die Pflichtvorlesung ״Ueber weltanschauliche und staatsbürgerliche Erziehung der Jugend“ am Montag, den 27. v. M., an der Wiener Universität stattgefunden hat, sprach auch Minister a. D. Czermak über das Juden- Problem, wobei er u. a. ausführte, (laß die Orthodoxie als wertvollster Teil des Judentums zu respektieren sei und auch bei der bevorstehenden Regelung der Judenfrage besondere Berücksichtigung Anden sollte und werde. Wir freuen uns gleichermaßen über die Aufmerksamkeit, die von der maßgebenden Umwelt gerade dem, stillsten und bescheidensten Element der Judenheit geschenkt wird, wie über die angekündigte günstige׳ Erledigung der als gerecht erkannten Bestrebungen der Orthodoxie, die nun hoffentlich nicht mehr lange auf sich warten lassen wird. I 25 i di© gut©! weltbekannt© p J A א R E! ^lillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillr Telephon U'43-0’16 Othmar Schiff-Perücke nur Wien I, Kärntnerring 6 4JI1|||||||||||||IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII1% 1 25 I 1 JAHRE! I 232323230248235323235353535353