Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 4 (24.1.1936)
- Date
- 1936-01-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V. b, b, Zeitungen vom Vetlcgei versendvi Journal expMie par l’dditeur flovinov* vyplaine povoienä n&uit pan * ntdffftfot t Brat1»1av« fit«. 4i<m*m-20 3QDI8CH6 IUI«££« rnvSSC בה WIEN. BRATISLAVA * S4. JÄNNER 1936 כ״ט טבת תרצ״ו 22. Jahrgang / Nummer 4 Redaktion nnd Administration: Wien, tt, Malz* gasse 12a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei KO 80, Jugoslawien Dinar 160, das Übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer bst. Gr. 40. Zahlungen f. ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.068, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr, 40.217, Zürich Nr. vm, 4117, Berlin Nr. 122.619. 0RGnn pur Die imeRessen Des 0RTH0D0Hen juoenTums Wenn Raucher der Ver~ färbung der Zähne vorbeugen wollen, dann hilft nur die regelmäßige, tägliehe Pflege mit ODO L-Zahnpasta. Kleine Tube S —.90 Große Tube S 1.40 Franzbranntwein zu Massagen und Einreibungen des Körpers Vom Wesen des jüdischen Nationalismus Von Saul Maus Der landläufige Begriff des Nationalismus paßt auf das jüdisphe Volk nicht, weil es seinem Charakter nach universalistisch ist. Aber ebenso wenig läßt sich der landläufige Begriff des Universalismus zur treffenden Charakterisierung seines Wesens anwenden, denn im Judentum ist Universalismus und Nationalismus wie Geist, mit. Leib verbunden. Ehen dieser völklich gebundene Universalismus ist der eigenartige jüdische Nationalismus, wie er durch die Jahrhunderte hindurch als Glaube und innerste Berufung im Volke lebt und seinen reinsten Ausdruck im M o s c h i a g l a u b e n hat. In diesem jüdischen Nationalismus entfaltet sich .keine Naturkraft, und infolgedessen hat er nicht den Charakter einer elementaren Bewegung von Massen und ist nicht rebellisch. In ihm herrscht nicht das Abstraktum eines fertigen politischen Planes, der ihm zugrunde läge und zur Ausführung gelangen sollte. Er hat nicht zum Ziel, einen jüdischen Staat nach einem geschichtlichen Vorbilde zu restaurieren. Jedoch nimmt Zion und Jerusalem die Mitte in seinen konkreten Vorstellungen ein. In ihm ringt kein Eigenwille, und deshalb ist er nicht imperialistisch. Seine erste Be- Sonderheit besteht darin, daß er immer Zukunftgerichtet ist. Infolgedessen altert er nicht und wirkt belebend und befruchtend. Er ist das gerade Gegenteil aller reaktionären Bestrebungen. Der jüdische Nationalismus beruht nach wie vor auf der Aufrechterhaltung des Bundes zwischen G-tt und dem Volke. Dies allein ist die Voraussetzung und Sicherheit für die Erfüllung der Verheißung und für die Verwirk- Hebung des jüdischen Glaubens. * Das jüdische Volk ist Uber den rassebiologischen Nationalismus der Stammesordnung und über den! politischen Nationalismus der Staatsordnung als zeitbedingte Stufen seiner Entwicklung hinaus und in den eigenartigen geistig bestimmten Nationalismus der Exilzeit hineingekommen, der das eigentlich Bleibende und Unveränderliehe seines Wesens darstellt und ihm von Anfang an zugrunde liegt. Ob es Abraham oder Moses, die Propheten oder die jüdischen Weisen waren, alle sprachen von demselben• G-tt, nach dessen Gesetzen wir leben müssen, wenn wir als Juden bestehen wollen. Dieser Geist ist der Urgrund des jüdischen Volkes, und der Nationalismus, der aus ihm hervorgeht, ist nicht zeitbedingt und hat keine Entwicklung. Seine Verwirklichung kann für den Juden nirgendwo anders, als in der Erfüllung der Gesetze G-tt es liegen׳. Die Errichtung der Gemeinschaff, als der sichtbaren Form dieser Verwirklichung ist von der Entwicklung der nichtjüdischen Umwelt abhängig* Diese unsere Abhängigkeit macht unser G o 1 u s aus, insofern sie uns hindert, im Geiste G-ttes als freie Volksgemeinschaft zu leben. Zugleich aber liegt in Hu• unsere Berufung, da wir durch sie zum Mittler zwischen G-tt und der Welt werden. Der jüdische Nationalismus besteht so in einem geistigen Vorgang, der sich wie die Befruchtung der Pflanzen außerhalb der Organismen abspielt und durch Vermittlung des außerhalb wirkenden Lichtes Wachstum und Entwicklung herbeiführt. Das Geheimnis jeder Befruchtung liegt darin, daß das Lebewesen, Pflanze oder Tier, den Kreislauf seiner Säfte im eigenen Organismus unterbricht, -um von außen neues Leben zu empfangen. So laufen z. B. die Säfte der Pflanze, sich immer veredelnd, von. der Wurzel bis in die feinsten Spitzen׳ der Zweige und gipfeln in der Blüte. Dort wird der Kreislauf zwischen Staubgefäß und Stempel unterbrochen und verläuft mit dem Blütenstaub eine Strecke in dem Raume außerhalb der Pflanze. Aber gerade im Blütenstaub legt die Pflanze ihr Innerstes vor der Sonne offen. Sie läßt es vom Licht bestrahlen und überläßt es vertrauensvoll äußeren Kräften׳, Wind und Insekten, die dann die Befruchtung besorgen nach eigenen, der Pflanze nicht gemäßen Gesetzen. In diesem Vorgang erfährt die Pflanze das Hereinbrechen .des Lebens außerhalb ihres eigenen׳ Organismus, sie berührt sich mit einer für sie jenseitigen Welt und erfährt diese Unterbrechung als eigene Wiedergebürt in einem neuen Samen. In der Befruchtung kommt das Individuum in Berührung mit dem Jenseits. Und indem das Einzelwesen aus der Eingeschlossenheit im Kreislauf seiner Säfte herauskommt und sich der allgemeinen Welt erschließt, empfängt es Licht und Leben von der Sonne. Am Baume der Menschheit ist das jüdische Volk der Blütenstaub, der der Sonne des Geistes G-ttes ausgesetzt ist. Im jüdischen Volke wird der Kreislauf des natürUchen Lebens der Völker unterbrochen und mit dem ewigen Licht in Berührung gebracht. Das jüdische Volk steht als Träger des jenseitigen Lebens außerhalb dejs allgemeinen Geschichtsprozesses. Selbst ein Stück Natur, wird es weniger als sonst ein Volk von ihr beschützt und ist zur Erhaltung des Lebens jenseitigen Gesetzen und dem Wunder anheimgegeben. Und so schwebt es ständig zwischen Untergang uncl Gnade. Vom jenseitigen Leben erfüllt, befruchtet es die Völker und bewirkt ihre Entwicklung. So ist es begreiflich, warum das jüdische Volk keinen weltlichen Staat hat und haben kann, warum sein einstiges Reich nur zur Hälfte weltlicher Staat sein konnte und gleichzeitig Reich G-ttes sein mußte, warum seine Herrscher bis zum Zerfall des Reiches Propheten-Könige waren und nach dem Zerfall ständiger Kampf zwischen den Königen und den Propheten herrschte. Dem Ursprung und Charakter des jüdischen Volkes muß sein Reich entsprechen. Das Volk kann, nachdem es seine national-biologische und staatspolitische Entwicklung endgültig abgeschlossen hat, nur noch als geistige Gemeinschaft erstehen, sein Reich kann nur ein Reich G-ttes sein und sein Nationalismus nur in einer geistigen Bewegung—zum Ausdruck-kommen. Der jüdische Nationalismus kann nach außen hin kein anderes Bestreben haben, als die Voraussetzungen zu schaffen für die Errichtung der äußeren Form der jüdisehen Gemeinschaft. Wie sehr die Erfüllung־ dieser seiner äußeren Aufgabe von den politischen Verhältnissen auch abhängen mag, sein Wesen läßt sich durch diese Verhältnisse nicht erklären und ist einzig im geistigen Ur- Sprung des Volkes begründet und nur aus ihm zu verstehen. Der Moschiachglaube ist der innerste Kern des jüdischen Nationalismus. Er ist ihm Norm und Richtschnur. Jeder Jude und das ganze Volk ist von diesem Glauben bewußt oder unbewußt bestimmt. Die Idee des jüdischen Nationalismus ist so ein inneres Licht, das im Moschiach seine äußere Erscheinung haben v'.rd, König Georg V. Der Tod des ersten Gentlemans von England wird nicht verfehlen, auch in der Judenschaft'—־ und nicht nur in der englischen, sondern in der der ganzen Welt — weitgehende Tei 1 nah me auszulösen. War doch König Georg V. ein wohlwollender Monarch, der als gerechter Landesvater keinen Unterschied zwischen seinen so verschiedenen Kindern kannte. Die Juden haben unter ihm die höchsten Stellen im Imperium erreichen können, wie der meteorhafte Aufstieg des ihm im Tode kurz vorangegangenen Lord Reading beweist. In die Regierungszeit des Dahingeschiedenen fällt auch das historische Ereignis der Balf our-Deklarat i o n, die ungeahnte Bedeutung für das Judentum erlangen sollte. Aus Anlaß seines im Vorjahr gefeierten 70. Geburtstages war denn auch der König Gegenstand von Ehren- und Liebesbeweisen seitens der Juden, wie sie sonst kaum einem Herrscher zuteil geworden sind. Sein Nachfolger ist der Prinz von Wales, nunmehr Eduard VIII., den die begründete Hoffnung der jüdischen Welt begrüßt, daßihmdas Verhalten seines Vaters zu Juden und Judentum als nachahmenswertes Beispieldienenwird. Jllllllllllllllllllllllllillllilllllllllllllllllllllik 25 I JAHREI 1 ■liillllllllllillllllllllllllllllllllll'llllllllllill^ die gute, weltbekannte Othmar Schiff-Perücke Telephon U 43-0 6 י Vllir Wien 1. 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