Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 1 (3.1.1936)
- Date
- 1936-01-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2629891-2630637-2630638--5169-2637460- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Zeitungen vom Verleget versendet Journal eipääiö psa l’edlteur 5r«vin0ve vypiataö pmims tiadii pm t ״ ‘?nmrnm m, 4161*41140 V. b. b. WIEN ‘ BRATISLAVA 3. janner »36 ח׳ טבת תרצי׳ו 22, Jahrgang / Nummer 1 nnfifiAfi rH6996 Redaktion und Administration: Wien, IL, Malzgasse 12 a, Telephon A-46-045; Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch. Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kß 80, Jugoslawien Dinar 160, das übrige Anstand Schw. Fr. 14. Einzelnummer Ost. Gr. 40. Zahlungen f. ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post- . Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, . Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, Berlin Nr. 122.619. QRGfln pOr me imeRessen des ORTHODOHen JUDemums Ein Appell an das Weltgewissen Der Kampf gegen Mädchen- und Rauschgifthandel, gegen Krankheiten und andere Plagen der Menschheit hat den Völkerbund so in Anspruch genommen, daß er dem kalten — und nicht immer kalten — Mass enmord jenseits der Grenzen des Landes, wo er seinen!Sitz hat, nicht genügendes Augenmerk zuwenden konnte. Und so war auch die Schaffung des Flüchtlings amt es für die deutschen Emigranten nur eine beschwich.־ tigende Geste; denn es war weder mit Macht-, noch mit Finanzmitteln ausgestattet und sein Hochkommissar, James MacDonald, mußte sein Gehalt aus den aus philanthropischen Quellen fließenden Zuwendungen beziehen. Der Konnex des Amtes mit seiner Mutterorgariisation, dem Völkerbund, war — hauptsächlich, um es sich ja nicht mit Deutschland zu verderben — der denkbar loseste, was auch schon in der Ernennung eines Amerikaners zum Leiter zum Ausdruck kam. Außerdem war mit dieser Bestellung eine Spekulation auf die Unterstützung durch die amerikanisch-jüdischen Institutionen verbunden. Es erwies sich, daß diese!Spekulation richtig und damit das Amt überflüssig war: die Kompetenzen. die es nicht besaß, hatten die jüdischen Organisationen auch und das Geld bekam es eben nur von ihnen. Länger als zwei Jahre hat es gedauert; bis dies im gipfelt, ״sich mit einem energischen Appell an die deutsche Regierung zu wenden und die Grundsätze der Menschlichkeit" geltend zu machen. Die Wirkung eines solchen ״Appells" auf eine Macht, die selbst übernommene Verpflichtungen nicht einhält, wofür die Saarjuden unglückliche Zeugen sind, scheint MacDonald richtig einzuschätzen. Denn ״sollte dieser Appell wider alle Erwartung des gesunden Menschenverstandes und des menschlichen• Fühlens nichts nützen", so sieht er die ultimo ratio in einem ״Eingreif e n“ des Völkerbundes, der auf Grund seiner Satzungen berufen sei, ״eine drohende menschliche Tragödie zu verhüten". Was •MacDonald sich unter einem Eingreifen vorstellt, ist nicht ganz klar. Soviel aber ist gewiß: dieses auf rüttelnde ״J’accuse“ eines von ihm eingesetzten hohen Organs kann und darf der Völkerbund nicht überhören; er wird dazu Stellung nehmen müssen, wenn er sich seine Stellung vor dem Weltgewissen und der Geschichte nicht nehmen lassen will. ' G. Schon Kinder sollen die Zähne mit O DO L-Zahn pasta pflegen. ODOL-Zahnpasta erhält die Zähne schön und gesund. Kleine Tube S —.90 Große Tube S 1.40 Der Legislative Council. High Commissioner Sir Artur Wauchopö hat am 21, Dezember die arabischen und am 23. Dezember die jüdischen Führer empfangen, um ihnen den Plan der Schaffung eines Legislative Council für ׳* Palästina vorzulegen. Palais der Nationen erkannt wurde; nun wurde das Hochkommissariat für die deutschen Flüchtlinge aufgelöst und sein Agendenkreis dem Nansen-Amt zugewiesen, dem hoffentlich mehr Erfolg beschieden sein wird. * Ueber sich selbst hinaus ist dieses Ereignis durch die damit verknüpfte letzte und größte Tat des scheidenden Hochkommissars von besonderem Interesse. Wir sagen ״Tat", obwohl sie in nichts anderem als in einem Brief an den Völkerbund besteht. Aber dieser Brief ist eine Tat! Denn diese ״erschütternden menschlichen Dokumente“, wie MacDonald sie nennt, sind, von unantastbar objektiver und sachkundiger Seite stammend, über jeden Verdacht einer ״Greuelpropaganda" erhaben; sie sind danach angetan, einer ״Vogel- Strauß-Politik" betreibenden Welt die maßlos traurige und beschämende Wahrheit vorzuhalten, daß s i e es geduldet und dazu geshwiegen hat, daß ״über eine halbe Million Menschen, denen nichts anderes vorgeworfen werden kann, als daß sie nicht ,nordisch‘ sind, zermalmt werden“. Nicht nur gegen die Barbaren׳ des Dritten Reiches, sondern auch gegen die übrigen Kulturnationen, die ihnen nicht gewehrt, wird flammende Anklage erhoben. Zum ersten Male wird es von offizieller Stelle aus verkündet, daß ״im Falle, wo die Innenpolitik eines Staates Hunderttausende mit Demoralisierung und Exil bedroht, Erwägungen diplomatischer Courtoisie zugunsten allgemein menschlicher Erwägungen zurückgestellt werden müssen“, MacDonald schildert in seinem Brief die politischen Verdienste der deutschen Juden um ihr Vaterland und dessen schnöden Undank. Es ist ein furchtbarer Tatsachen•^ bericht, der unter Anführung amt 1 i c h e r Urkunden die lange Kette der jüdischen Leiden im Reich, von der moralischen Diff amierung bis zur systematischen Aushungerung, därste'Ut und in der an den Völkerbund als solchen und an alle ihm angehörenden und nicht angehörenden!Staaten gerichteten Aufforderung Der High Commissioner erklärte, die Regierung sei, nachdem sie das Funktionieren der Munizipalverwaltungen überprüfen konnte, zu der Ansicht gelangt, daß die Zeit für die Einführung des Legislative Couheil reif sei. Deshalb lege die Regierung den Plan für die Schaffung eines solchen Councils vor. Er soll aus achtundzwanzig Mitgliedern bestehen, davon sieben Juden, fünf Vertreter der Regierung, drei Christliehen Arabern, elf Mohammadenern und zwei Vertretern der Wirtschaft. Der Präsident des Council soll ernannt werden; er wird vermutlich ein englischer Beamter aus London sein. Von den jüdischen Mitgliedern würden drei gewählt und vier ernannt werden. Von den elf Moslems würden drei nominiert und acht gewählt werden. Einer der beiden׳ Kaufleute dürfte unter den Juden ausgewählt werden. Einer der acht gewählten Moslemiten wird eiri Beduine sein. Jede Person, die das 25. Lebensjahr vollendet hat und seit zwei Jahren in Palästina ansässig ist, hat das Recht, zum Legislative Council zu wählen. Auch die jüdisehen Frauen haben Wahlrecht. Mitglied des Rates kann werden, wer das 30. Lebensjahr vollendet hat und die Palästina-Bürgerschaft besitzt. Die Mitglieder sollen auf fünf Jahre gewählt werden und ein Gehalt von 200 bis 300 Pfund jährlich beziehen. Der High Commissioner ist ermächtigt, Vertreter für jede Gemeinde zu ernennen, die die Beteiligung am Rat ablehnt. Der Rat soll während drei Monaten im Jahr oder zweimal jährlich je sechs Wochen tagen. Acht gewählte Mitglieder würden ein Quorum bilden. Wenn Stimmengleichheit über einen Antrag besteht, entscheidet das älteste Ratsmitglied. Der Rat soll nicht für alle politischen Fragen zuständig sein, sondern sich mit Fragen des Budgets und der Gesetzgebung befassen. Während die Frage der Arbeiter-Schedulen nicht in die Kompetenz des Rates fällt, sollen die gewählten Mitglieder das Recht haben, Fragen zu stellen und Resolutionen anzunehmen. Die jüdische Delegation, der als Vertreter der Jewish Agency Dr, Weizmann, Ben Guriön und Shertok, als Vertreter der Aguda Rabbi Blau, ferner der Vorsitzende des Waad Leumi J. Ben Zwi und ein Vertreter der sephardischen Juden angehörten, weilte eine Stunde und zehn Minuten beim High Commissioner. Sir Artur Wauchope verlas die Regierungserklärung, die den Be- Schluß auf Errichtung des Legislative Council mitteilt, und fragte, ob die Delegation dazu etwas zu bemerken habe. Daraufhin verlas Dr. Weizmann die vom Zionistenkongreß angenommene Resolution, die gegen die Errichtung des Legislative Council opponiert. Ben Zwi und Almeiah gaben ähnliche Erklärungen ab. Rabbi Blau als Vertreter der Agud as J i s r o e 1 fragte, ob der Legislative Council-Vorschlag die Anwendung der Einzelheiten• des Mandats darstelle; die Antwort des Chef Sekretärs der Palästina-Regierung, John Hathorn Hall, in diesem Punkte war unklar. Rabbi Blau verlas sodann die Erklärung der Agudas Jisroel, wonach diese nicht gegen die Autonomie für die Bevölkerung Palästinas opponiert, a.ber die Zeit für eine ,solche noch nicht für reif erachtet. Er begründete diese Haltung mit der durch die jüngsten Unruhen in Haifa bezeugten wachsenden arabischen Erregung und der Tatsache, daß Palästina die einzige Hoffnung für verzweifelte Juden, besonders in Deutschland, ist. Die Erörterung eines Legis-;lative Council würde ihre letzte Hoffnung vernichten — daß Großbritannien in der Durchführung der ihm von der Vorsehung auf erlegten Aufgabe, das jüdische Volk nach Palästina zurückzuführen, nicht ermüden wird. Die Vertreter der Araber erklärten, sie könnten jetzt zu den Vorschlägen noch nicht endgültig Stellung nehmen. Ihre Antwort werde am 7. Jänner erfolgen, nachdem eine zu diesem Zweck einberufene Konferenz der arabischen Parteien sich mit der Frage befaßt haben wird. Der Großmufti von Jerusalem ist gegen die Einführung des Legislative Council. >* Eine Reihe Zeitungen hat die Meldung über den Vorschlag des High Commissioner an die arabischen und jüdischen Führer, betreffend Proklamierung des Legislative Council in Palästina, in einer Form gegeben, die die Meinung erwecken konnte, der Legislative Council sei bereits proklamiert worden. Demgegenüber ist festzustellen, daß 'das Regierungskommunique, betreffend die Besprechungen des High Commissioner mit den Führern, von nichts anderem als von ״Vorschlägen" spricht. Gemäß den, in Palästina geltenden Bestimmungen, müssen alle geplanten Gesetze vor ihrer Verkündung vorerst noch als Projekt in der ״Official Gazette" mindestens einen Monat, bevor das Gesetz in Kraft tritt, publiziert werden. 4350 Zertifikate. Die Palästina-Regierung hat als Arbeiter- Einwanderungsschedule für das laufende Halbjahr 4350 Zertifikate bewilligt. Davon gehen die bereits vorschußweise ausgegebenen 1000 Zertifikate, sowie 1200 Zertifikate ab, die als Reserve für die Legalisierung des Aufenthaltes . illegaler Einwanderer zurückbehalten werden. 1900 Zertifikate sind für Angehörige in Palästina ansässiger Juden bestimmt. . i_. ......... . _i 25 1 Othm JAHRE! 7־ Telephon IM3*CM6 die gute, weltbekannt© die gute, weltbekannt© 1mim IHM' Wien I, Kärntnemng @ 1 JAHRE! i 534853485353484853532323534823 485353485323534853535348532348 00232348532323484823482323532323 532323485323234802484853022348