Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 49 (20.12.1935)
- Date
- 1935-12-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage zur Chamika^Nuvnmer der »Jfidisdien Presse« nie Fülle des Materials und ntiser Streben, unseren Lesern allen Wissenswerte nnd Interessante stets rechtzeitig *11 bieten* veranlaßt uns, unsere heutige Aasgäbe durch dieses Beiblatt zu ergänzen. Der in unserer heutigen Ausgabe veröffentlichte pögraröinatlsche ArMket d^ Präsidenten der agudlstlsehen Weltorganb sätton, den wir ungeteilt und in entsprechender Form veröffentlichen» hat diese Zweiteilung des Inhaltes technisch bedingt und den um einen Tag verzögerten Versand zur Folge gehabt, REDAKTION ״düDISCHE FRESSE“* Klare Scheidung von Samuel Reiner, Presev Da wir es immer als unsere Aufgabe angeseh en haben, allen Strömungen und Ansichten! im Lager der jüdischen Orthodoxie die Plattform zu bieten, auf der sie ungehindert Ihre Meinungen vertreten und eine Diskussion wachrufen können, geben wir auch den nachfolgenden Ausführungen unseres sehr gesell. Mitarbeiters Baum, obwohl wir sie uns nicht gänzlich und, in aller Konsequenz zu eigen machen können. Insbesondere erscheinen uns die beiden Alternativen des Autors (durch Fettdruck hervorgehoben) viel zu scharf herausgearbeitet. Es gibt einen Mittelweg, besser gesagt: eine Verbindung der beiden ideologischen Grundlagen, allerdings stark nach der Seite des Herrn Keiner tendierend. Diesen Weg sehen wir die Agudas Jisroel, mit Zustimmung aller rabbinischen Größen und in tätiger Begleitung nahezu aller glaubenstreuen jehudim, gehen, ohne ״Unklarheiten zum Zwecke der wohltätigen Verschleierung von tiefgehenden Auffassungsdifferenzen innerhalb der Aguda selbst geflissentlich zu belassen“. (Zu den Ausführungen des Herrn Räbb. Dr. Hoff mann verweisen wir auf die im ״Israelit" veröffentlichte und inzwischen als Broschüre erschienene Entgegnung des Herrn Dr. Salomon Ehrmann und auf die dortselbst veröffentlichte Erklärung des Herrn Rabb. Dr. Hoffmann.) Redaktion. Eine vor kurzem im Wege der ״Jüdischen Telegraphen-Agentur" in die Oeffentlichkeit gelangte Rede des Frankfurter Rabbiners Dr. Jakob Hoffmann konnte nicht verfehlen, in agudistischen Kreisen unliebsames Aufsehen zu erregen. Der misrachitisch-zionistische Herr Rabbiner, dem die im Interesse des Keren Hajischuw entfaltete Tätigkeit der Agudas Jisroel auf die Nerven zu gehen scheint, versucht naturgemäß, dieselbe, soweit es in seiner Macht steht, zu unterbinden. Herr Dr. Hoffmann glaubt, dieses Ziel am besten zu erreichen, indem er die Erez- Jisroel-Tätigkeit der Agudas Jisroel als eine solche hinstellt, welche der Misrachi bereits seit 30 Jahren, natürlieh mit bestem Erfolg, ausübt und von Agudas Jisroel erst in jüngster Zeit — auch nur, um ihre ״separatistischorthodoxen" Gelüste zu fördern — plagiiert wurde. Die Worte, in welche Herr Dr. Hoffmann diese seine, ge- SORGSAM UND GEWISSENHAFT haben wir die Auslese getroffen, um unseren Freunden als Prämien das Beste zu bieten. Ueberzeugen Sie sich selbst durch rasche Wahl aus unserem Prämienangebot. ״JÜDISCHE PRESSE“ legentlich. der. Tagung der; Jaw'ish. Agencyund:״ des. Keren Hajessod erhobenen Anwürfe kleidet, sind nebensächlich," hauptsächlich und feststehend ist, daß dies die Quintessenz seiner von der ״J. T. A." verbreiteten Ausführungen ist. ' Nach meinem bescheidenen Dafürhalten hieße es Sisyphusarbeit verrichten, wollte man versuchen, Herrn Dr. Hoffmann über die Unrich-ti.gk.eit seines Standpunktes im Wege einer Polemik aufzuklären. Herr Dr. Hoffmann ist ein viel zu feiner Kopf und sein jüdisches und weltliches Wissen zu bedeutend, als daß er erst darüber belehrt werden müßte, daß das Axiom ״wenn zwei das gleiche tun, es noch immer nicht dasselbe ist", auch in bezug auf die nur scheinbar gleichen Zielen dienenden Fonds Keren Hajischuw und Keren Kajemeth seine vollste Berechtigung hat. Eine solche Aufklärungsarbeit soll aber die g r o ß e n j ü d i s c h e n Massen über die — wenn auch dem Scheine nach nicht .genügend breite — Kluft orientieren, welche zwischen dem agudistischen Fonds und dem zionistiscli-misrachistischen anderseit gähnt. Zu diesem Zwecke müßten in erster Linie alle Unklarheiten beseitigt werden, welche das eigentliehe und letzte Ziel des Keren Hajischuw verdunkeln. Daß solche Unklarheiten bestehen, wird am besten durch die schon so oft konstatierte und־ beklagte Tatsache bewiesen, daß leider die Zahl derjenigen Glaubenstreuen noch immer Legion ist, welche der Agudas. Jisroel ihrer Erez-Jisroel-Tätigkeit halber vollkommen fernstehen, und daß selbst viele begeisterte Agudisten nur hilflos dem Rufe des Keren Hajischuw Folge leisten, wiewohl die Existenz desselben allenthalben als unabweisbare Notwendigkeit anerkannt wird. Ob diese Unklarheiten, welche unsere polnischen Gesinnungsgenossen so zutreffend mit dem Sammelnamen טשטוש הגבולין bezeichnen, ihre Existenz bloß Zufällen zu verdanken haben, oder ob sie zum Zweck der wohltätigen Verschleierung von tiefgehenden Auffassungsdifferenzen innerhalb der Aguda selbst geflissentlich belassen wurden und werden — ich möchte darüber keineswegs zu entscheiden wagen. Ueber jeden Zweifel erhaben ist allenfalls die Tatsache, daß Agudas Jisroel von heute Klarheit darüber vermissen läßt, welches Ziel-sie letzten Endes mit ihrer Erez-Jisroel-Tätigkeit anstrebt: Ob den vom Zionismus verkündeten ״Judenstaat״ — allerdings mit dem Unterschied, daß Agudas Jisroel für den neuen Judenstaat die Souveränität der G-tteglehre als conditio sine qua non aufstellt — oder aber bloß die Schaffung von Siedlungen im Lande der Väter, wo die aus ihrer Ruhe aufgescheuchten europäischen Exilierten ein neues, womöglich erträgliches Golusleben fortzusetzen die Möglichkeit haben sollen. Wir, die wir uns noch an die Zeit erinnern, da Dr. Herz! mit seinem politischen Zionismus auf dem Plan erschien, werden bezeugen müssen, daß die Gedole Jisroel von damals den Zionismus nicht bloß aus dem Grunde schlankweg ablehnten, weil der Vater der Idee kein religiöses Leben führte, oder weil die Religion im Herzischen Judenstaat zur Privatsache erniedrigt werden sollte י— Gründe, die schon an und für sich zur Kampfesstellung gegen den Zionismus nötigen —ל sondern ausgesprochen auch dewegen, weil sie die Anstrebung und Gründung eines Judenstaates in Erez Jisroel vor י--ביאת גואל צדק--־ als Auflehnung gegen den. göttlichen Willen, der dem jüdischen Volk die Golusbestimmung zugewiesen, ansahen, und es gewiß nicht für möglich gehalten hätten, daß eine religiös orientierte Weltorganisation je davon träumen könnte, an den Völkerbund mit ihren ״natiönalen Forderungen״ heranzutreten. Ihnen war das Wort unserer Weisen: צדקה עשה הקב, ה לישראל — שפזרן בין האומות das Produkt g-ttlicher Erleuchtung, welches nicht bloß die Bestimmung hatte, Homiletikern als wohlklingendes Zitat zu dienen, sondern vielmehr in allen Phasen der langen Goluszeit, die spanische und deutsche nicht ausgenommen, Jisroels unverrückbarer Leitstern zu sein und Redewendungen, wie: ״Vorläufig muß noch für die Gola gesorgt werden", ab ovo unmöglich zu machen hatte. Was ist nun natürlicher-und selbstverständlicher,. als daß Nachfahren und Schüler jener עמודי'העולם זי-ע eine Gänsehaut überläuft, wenn sie von nach ״Judenstaat": riechendem Aufbau oder gar Wiederaufbau Palästinas reden hören, wo sie für kolonisatorische Besiedlungstätigkeit — adäquat dem Jischuw-Erez-Jisroel-Be-. griffe von einst und als gradlinige Fortsetzung desselben — mit Freude und der ganzen Glut ihres jüdisehen Herzens ihr Bestes geben möchten? Was natürlicher, als das alle Dr. Hoffmanns ver-; stummen müßten, wenn Agudas Jisroel, d. h. ihre maßgebenden Instanzen, es für richtig befänden, endlich ein- ‘ mal die eindeutige Erklärung abzugeben, daß der .״Juden Staat" im agudistischen Lager keinen Boden besitzt und besitzen kann, daß alle dem zionistisch-nationalen Wörterbuch ,entlehnten^ mit , dem alttraditionellen" Moschiachgrauben aber kaum in : Einklang zu bringenden Termini technici aus dem Bereich , der Aguda zu verbannen seien, daß hingegen aber die Besiedlungstätigkeit des Heiligen: Lan- Wenn unsere Leser böse sind., . . Was ein! Redakteur so ein Jahr lang mitmacht, würde manche Purim-Ausgabe einer Zeitung füllen. Besch werden, Ratschläge, Vorwürfe und Kritiken wechseln in bunter Folge ab. Der eine macht das freundschaftlich, der andere etwas böse, beide aber sehr eindringlich, weil von der Berücksichtigung ihres Verlangens zweifellos der Bestand der Zeitung abhängt.; > Was uns aber diesmal widerfahren ist, ist. so entsetzlich, daß uns der Schreck in die Glieder gefahren ist und wir Zuflucht in die Oeffentlichkeit nehmen, die für uns doch vielleicht eine ׳Hilfe wissen wird. Hat da anläßlich einer Veranstaltung ein jünger und hoffnungsvoller Sproß einer — wirklich hochachtbaren und bekannten — Familie brilliert; worüber uns ein langer Bericht zugesandt wurde. Wir haben diesen Bericht auf das notwendige Maß — bedingt durch Raum und allgemeines Interesse — gekürzt und veröffentlicht. Diese .Tat unserer sonst erprobten Schere soll uns nun übel bekommen. Der. Vater dieses jun- DAS BESTE WAR UNS GERADE GUT GENUG, um es unseren Lesern anzubieten. Am 31. Dezember endet die Frist, bis zu welcher wir herrliche Bücher an unsere Leser verschenken. ״JÜDISCHE PRESSE“ v gen Mannes, ein sonst überaus ehrenwerter und geächteter Mann, schreibt uns kurzerhand, er bestelle mit Anfang 1936 die Zeitung ab und ״gründe sich eine eigene Zeitung". Wenn uns nicht die Achtung vor dem Manne selbst, und vor seiner Stellung einige Beschränkung auferlegen würde, so hätten wir doch einmal öffentlich gefragt, ob man eine Zeitung führen kann, wenn jeder, dem einmal nicht voll entsprochen wurde, uns den Strohsack vor die Türe setzt. Der Anlaß ist diesmal zu unwichtig, um das ganze, Problem der orthodoxen Leser und ihrer Presse entsprechend zu ■behandeln. Wir beschränken uns daher zur Antwort auf die oben erwähnte Zuschrift auf folgende nicht verbürgte, aber sehr originelle Geschichte; Ein! jüdischer Vater, dessen Sohn zu dreijähriger Militärdiengtzeit einberufen war und im zweiten Dienstjahr auf kurzen Urlaub zu Hause weilte, ■ringt verzweifelt die > Hände und fragt: ״Chaim, was wird das Ende sein? Verbringst schon zwei Jahre dort, ohne sichtbaren Zweck!“ Worauf der : Sohn gelassen antwortete; »Nur noch ein Jahr, Vater, und ich bin fertig.“ »Und was ist dann, w«m du fertig bist?“, fragt der Vater. ״D a n n k a u f e i c h mir e i n e e i g e n e Kanone und mache mich selbständig‘‘, er» widert schlagfertig der Sohn* des, welche unsere Vorfahren als Mizwas JiSChuW Erez Jisroel zu pflegen nie unterlassen, eine der wichtigsten Aufgaben der Agudas Jisroel bilde. Würden nicht alle gesinnungsmäßig zur Aguda Gehörigen — die ihr aus dem Grunde fernbieiben, weil sie, wenn auch irrtümlich, behaupten, es eines riesigen Aufwandes an Geist bedarf, um einen Unterschied zwischen Agudismus und Misrachismus herausärbeiten zu können —nach einer solchen klar und eindeutig gehaltenen Erklärung sich in hellen Farben um die agudistische Fahne, auf der eine solche Palästina-Arbeit geschrieben steht, scharen? Eine Erez-Jisroel-Arbeit, die nichts anderes ist, als die in erhöhtem Maße fortgesetzte, von den Großen und Heiligen Jisroels der Vorzeit begonnene Jischuw-Erez- J i s r o e 1-Tätigkeit? Braucht noch gesagt zu werden, daß sich eine solche Erklärung auch in der Richtung der Verbesserung des Verhältnisses zwischen Juden und Arabern besonders günstig auswirken müßte? Eine bessere Gelegenheit zur Abgabe einer solchen Erklärung läßt sich kaum denken, als die nahe bevorstehende III. Kenessio Gedaulo, die hiezu zu veranlassen Aufgabe der noch in diesem Monat stattfindenden Delegiertentagung der tschechoslowakischen Aguda-Jugend bilden sollte. Die Aguda-Jugend hierzulande würde nur im Sinne des Schewet Sofer s. Z. 1. und seiner großen Mitunterzeichner des seinerzeit veröffentlichten Issurs gegen den Zionismus handeln, wenn sie sich in einer Resolution gegen• auffällige Versuche, die Agudas Jisroel ins nationalistische Fahrwasser zu steuern, wenden und nachdrücklichst eine allen nationalistischen Ein- Schlages bare kolonisatorische, Tätigkeit in Erez Jisroel fordern würde. GV\e< Der neue ,Brockhaus' in braunem Hemd Den Beziehern des ehedem sachlich redigierten Brockhaus-Lexikons winkt eine peinliche Ueberraschung. Soeben ist der Ergänzungsband zum ״Großen Brockhaus" erschienen. Das Buch ist angefüllt mit Namen von Obskuranten, die irgend ein Amt im neuen Deutschland versehen, während weltberühmte Persönlichkeiten der Politik, Wissenschaft, Literatur und Kunst ausgemerzt wurden. Nachstehend ein Auszug: . ,Mi nst ein, Alber t, wurde 1983 als Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik abgesetzt, ausgebürgert und lebt seitdem■ im Ausland.“ ״F euc h twanger, Lion, Schriftsteller jüdischer Herkunft, ausgebürgert, lebt in London, schrieb noch den pamphletartigen Zeitroman ,Erfolg‘.“ ״Lieb e rm ann, Max, Maler jüdischer Herkunft, legte sein Amt als Präsident der Akademie der Künstler nieder.“ Im Kapitel ״j u d e n“ ist zu lesen: ״ . . . Sollte die Bereitschaft der nationalsozialistischen Bewegung zur Herstellung eines natürlichen Verhältnisses zwisehen dem deutschen Volk und der jüdischen Minderheit mißachtet und die Hetze des internationalen Judentums weiterhin fortgetrieben werden, so hat Hitler angekündigt, daß er weitere Maßnahmen erwägen werde“ Jüdische Subskribenten werden wissen, was sie zu tun haben. Ist der Sdiabbos ein jüdischer ,Feiertag'? Den Zenalten der Wiener Israelitischen Kul,tus׳ge(mein!die, die ihre Steuerpflicht nicht pünktlieh erfüllen!, droht dar jüdische Fiskus, genau so wie dar staaltlichie, ständig mit der Fahmise'xekution. Wie aber dien Bööewichfcen ln der Hölle, so soll auch dlurch eine weise Verfügung des Vorstandes der Kultusgemeinde den säumigen!Steuerzahlern diie Ruhe dies Feiertages nicht gesfört!werden, und der Magistrat ist ersucht worden, an jüdischen ■F׳e i er tagen kleine K ul tjusst euerexekutioneu durchzuführen. Eine Ausnahme von dieser kurzfristigen ׳Steuerproiongation bildet der Schabbo s, der in der ׳Liste der ״Feiertage“ der Wiener Kultusgemeinde, an ‘׳denen Exekutionen nicht vongenoanmen ■werden Sollen, fehlt. Auf :eine konkrete ׳Beschwerde im Steueramt der Israelitischen Kultusgemeinde fragte der leitende ,Beamte ■erstaunt, was denn für Feiertag am Samstag geiwesdh sei׳.; * Vie!ü:eicht' fwäre es doch möglich, diesem etwas Über« naiven Herrn beiizubringen, daß der Schabboa in Wien, trotz der Bemühungen ■gewisser jüdischer Kreise, als jüdischer Feiertag noch immer nicht äbgeschafft ist. und seinen Pl'aJtz neben Laulbhütten-, Pessadh- und Wochenfeat und de« hohen Feiertagen noch immer behauptet. JK3DÖG K UN ACHTUNG