Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 49 (20.12.1935)
- Date
- 1935-12-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Weit, weit über die Kreise der Agudas Jisroel hinaus findet der Gedanke der alitnähileffeii Schaffung einer Arbeitstribühe der wahrhaften Gedole Jlsreel, ihrerEl n schal tun g in däs öffentliche Gesamtheitsleben des jüdischen Volkes in &!letin Frageit der Diaspora wnd fifea Jisroels, Verständnis und sympathische Würdigung. Sö sollten Sich auch Männer finden, die im Rahmen des Kenessio-Gedaulo-Fohds diesem Sonderziel, an dessen Errelchnug wahrlich Wohl und Wehe des Klall Jisroe 1 hängt, ihr tatkräftiges Interesse widmen. Inzwischen sind leider eine ganze Reihe aus dem Kreise der Männer, die die Exekutive des Großen Rabbinischen Rates bildeten, in die Welt der Ewigkeit eingegangen. Bevor die **גג*•*! מרי Zusammentritt, muß die Ergänzungswahl vollzogen sein, die der Exekutive des Rates wiederum die Mitarbeit elf führender rabbinischer Persönlichkeiten sichert. Die Vorbereitungen dazu sind getrofffen. Eres .tisröe^Problpme Es ist selbstverständlich, daß sich Zweck .und Wirksamkeit der dritten Kenessio Gedaulo weder in ihrer Bedeutung als Proklamation des thoratreuen jüdischen Volkes an die jüdische und nichtjüdische Welt, noch in ihrer organisatorischen Triebkraft erschöpfen darf, sondern daß es gilt, durch eine gewaltige Konzentration aller Willensenergietf vor und i n der Kenessio Mechino, vor und i n der Kenessio Gedaulo einen Teil der praktischen Zeitaufgaben zu lösen, die der thoratreuen Gesamtheit in dieser schicksalsschweren Zeit auferlegt sind. Mfenn wir an die Spitze dieser praktischen Aufgaben EreZ Jisroel, mit anderen’Worten den Keren Hajischuw stellen, so bedeutet das keineswegs, daß Agudas Jisroel auch nur einen Augenblick der Tatsache vergessen dürfe, an der ihre ganze Existenz hängt: des unvergleichlichen Vorranges der Thora vor allen nationalen Gütern des jüdischen Volkes! Vielmehr ist es die Notwendigkeit, in diesem Augenblick unserer Geschichte die Kräfte der Gesamtheit auf Erez Jisroel zu konzentrieren, die, sobald es sich um praktische Schöpfungen im Bereiche des materiellen Daseins handelt, das" der Erez-Jisroel-Arbeit dienende Wirtschaftsinstrument, den Keren Hajischuw, von selbst in den Vordergrund drängt. Die Institutionen der Thora und des Chinuch überhaupt müssen mehr oder minder in jedem Lande gesondert verwaltet und erhalten werden und ihr täglicher Bedarf und Anruf drängt sich auch unüberhörbar jedem Vater und jeder Mutter, jedem Gemeinde- und Landesführer auf. Dem Keren Hathora kommt zentral nur eine regulierende und das einzelne Land unterstützende Tätigkeit zu. Anders steht es mit Erez Jisroel und dem Keren Hajischuw. Hier kann zunächst wirklich nur die gesammelte Kraft aller Länder der Diaspora, in denen thoratreue Juden wohnen, einheitlich vertreten und einheitlich wirkend auf dem heiligen Boden den Kampf aufnehmen um die R e 11 u n g dieses Bodens für seine heilige Bestimmung. Und es ist keine Zeit zu verlieren. Die Zeit, die seit der letzten Kenes3.io Gedaulo verstrichen ist, hat der Entwicklung des jüdischen Lebens in Erez Jisroel ein so atemberaubendes Tempo verliehen, daß vor dem menschlichen, auf schaffende Tat und Selbstverantwortlichkeit eingestellten Auge — ein Tag so schwer wie tausend Jahre wiegt, mögen wir auch tief im Herzen die Zuversicht hegen, daß letzten Endes das Schicksal all dieses neuen Lebens an dem unendliehen Zeitmaße des Weltenschöpfers gemessen werden!wird. Was der Keren Hajischuw in Erez Jisroel bisher vollbracht hat, mag es auch winzig sein, gemessen an der Absolutheit der Aufgabe nicht nur, sondern auch an der Leistung der anderen, es hat uns die Grundlagen eines fruchtbaren Weiterbaues und vor allem wertvolle Erfahrungen geliefert, die jetzt nutzbar zu machen sind. Wir wissen, daß die Kraft der orthodoxen Judenheit allein nicht ausreicht, um im großen Maßstab selbständig zu kolonisieren, wissen, daß wir im hochgesteigerten Drange zur Erez-Jisroel-Arbeit uns auf diesem Gebiete in vergangenen Jahren zu weit vorgewagt haben. Aber wir haben auch die Ueberzeugung gewonnen, daß wir in der Form der landwirtschaftlichen Kibbuzim, die Lohnaußenarbeit und ,Selbstbewirtschaftung zusammenfassen, das geeignete Instrument besitzen, um — bei genügender Kraftanstrengung — allmählich viele Tausende von echt jüdischen, zum agudistischen Pioniertum geeigneten jungen Mensehen .den Weg zu einem vorbildlichen Leben in Kraft und Heiligkeit zu eröffnen und mit ihrer H 1 י f e, wenn G-ttes Segen auf unserem Werke ruht, einen großen Teil der palästinensischen Jugend überhaupt für G-tt und seine Thora zurückzuerobern. Wir wissen, daß ein mit ausreichenden Mitteln ausgerüsteter Keren Hajischuw imstande sein wird, aus den 2000 Poale Agudas Jisroel im Laufe!weniger Jahre 10.000 zu machen und damit zwischen Marxismus und Chauvinismus eine vom Lichte der Thora durchglühte jüdische Arbeiterbewegung als lebensfähige Kraft hineinzustellen, deren historische Wirkungen von unabsehbarem Segen für das ganze jüdische Volk — innerhalb und außerhalb Erez Jisroels — sich erweisen können. Freilich auch das erfordert Geldmittel: es muß!Boden erworben und den Arbeitern die * Möglichkeit des selbständigen Fortkommens eröffnet, es müssen Darlehenskassen, Krankenkassen, soziale Institutionen aller Art geschaffen, es müssen fähige Kräfte eingestellt werden, um die geistige Erziehungsarbeit sowohl in kleinen Gruppen als im Zuge der prinzipienklaren Führung im Großen zu gewährleisten —!und es muß all das in voller geistiger und auch wirtschaftlicher Autonomie geschehen, weil — jahrzehntelange Arbeit hat es zur Genüge gezeigt — aus jedem Schimmer einer wirtschaftlichen Abhängigkeit von weltanschaulich fernstehenden Faktoren es tief hineinwirkt in das seelische Wesen werdender Menschen und die ungebrochene Absolutheit ihrer jüdischen Treue, ihre Fähigkeit zur begeisterten, opfermutigen Hingäbe an das Ideal mit tätlicher *Sicherheit zerstört. Für die kulturellen Aufgaben des Keren Hajischuw, deren Erfüllung ebenso hoffnungsreiche Anfänge zeigt, wie sein soziales und wirtschaftliches Programm, müßten die vorbereitenden Monate, die zur Kenessio Mechino führen, und diese letztere selbst nicht minder reiche Geldmittel beschaffen, denn nicht nur d:e Lehrer und Lehrerinnen der 2000 Kinder, die wir heute betreuen, haben Anspruch auf bessere und regelmäßigere Bezahlung, als sie heute genießen, sondern die Stimme tausender jüdischer Kinder in den Kolonien wie in den Staaten mahnt die Orthodoxie der Welt, der Not ihrer Seelen nicht zu vergessen, ihnen im Rahmen einer alt jüdischen Talmud-Thora- und Jeschiwo-Erziehung zugleich die Fähigkeit der Erkenntnis und der Beherrschung des Lebens zu verleihen, ohne daß sie sich an das Leben verlieren. Hier ruhen gewaltige geistige und religiöse Probleme — aber sie können nur auf der Basis materieller Leistungen der Orthodoxie selber gelöst werden, weil hier erst recht die Lösung, ganz und gar unabhängig von allem Europäismus und von modernen pädagogischen Schlagworten, aus dem originalen Thorag e i s t e heraus, erfolgen kann. So ruft denn der Keren Hajischuw zu einer 50.000-Pfund-Kampagne auf — sie soll in den Monaten, die vor uns liegen, in allen Ländern durchgeführt und womöglich mit der Kenessio mechino abgeschlossen werden. Auf praktische Leistung gestützt, würde das Wort der agudistisehen Führung auch bei dem Ringen um die jüdisch-politischen und organisatorischen Fragen in Erez Jisroel ein ganz anderes Gewicht gewinnen, als ihm — man darf das dankbar anerkennen — heute schon innewohnt. Der große Gedanke der Thora- Souveränität, der im Heiligen Lande heute leider im Gegensatz zu der die Autorität dieser Thora nicht anerkennenden ״Kenesses Israel" vertreten und durchgesetzt werden muß, würde auch heute noch die große Mehrheit der Juden Erez Jisroels für sich zu gewinnen die Kraft haben, wenn die wirtschaftliche Kraft der ihn verkündenden Organisation ihrer ideellen Stärke auch nur halbwegs entspräche. Wie aber auch immer — die Kenessio Gedaulo in Jerusalem wird die Aufgabe haben, diesem Grundgedanken der Agudo im Lande neues Verständnis und neue Liebe zu werben, — לקרב אח הרחויוים .וללמד תועים בינה Der arabischen Welt aber gilt es, durch die Kenessio Gedaulo zu zeigen, daß der Wunsch der gläubigen jüdischen Massen, die ihr Herz und ihre Seele nach Erez Jisroel treibt, nicht auf Vorherrschaft und politische Macht gerichtet ist, sondem daß ein ihnen heiliges G-ttes gebot in der מצות ישיב ארץ ישראל zur Erfüllung kommt, und daß die Nachkommen Jischmoels und, Jizchoks zum gegenseitigen Glück in der Entwicklung der Wohlfahrt ihres Landes wirken könnten. Thorapflege voran Es wird für alle feiten die dem Range nach oberste Aufgabe der Agudas Jisroel bleiben, den Stand der Thora pflege in allen jüdischen Landesgemein• schäften, die Beziehung des g a n z en jüdischen Volkes zu seiner Thora als Wisse n* schaft des Lebens und endlich die Erziehungsinstitutionen, die das junge Geschlecht der Thora zuführen sollen, aufmerksam zu überwachen und' überall tat• kräftig eizugreifen, wo es die Lage erfordert. E i n Problem sollte dabei im Mittelpunkt der nächsten KenessioGedaulo stehen und ih den Monaten def Vorbereitung von allen Berufenen erwogen und diskn tieft wefdefi, ein Problem, von dem geradest! das Leben def Jüdischen VölksgemSifischaft abhängt: das Problem• des Nachwuchses der Gedole Jisroel. Furchtbare Musterung hat in den sieben Jahren, die hinter uns liegen, der Tod in den Reihen der vom ganzen jüdischen Volke anerkannten Gedole Hathora gehalten. Weh bedrückt nicht die Frage: Wer gibt uns Ersatz? Wo sind die Taimide Chachomim ersten Ranges, die in mindestens gleicher!Zahl die Mn» •Hatte Entgegen- ־ genen ablösen und mit jugendlicher Kraft in die Bresche springen könnten? Es ist im Grunde das Problem der Erhaltung׳ und des Ausbaues der Jeschi- , wos, die ja allein‘ÄMnzstätten höchster Thorawissenschaft sein können, das damit in den Vordergrund der Diskussion gerückt wird. DaJß die Jesehtwos die ewige Lebensquelle des jüdischen Volkes sind, daß von ihrer Blüte die Erneuerung des Thorageistes in jeder Generation und damit auch die Produktion führender, schöpferischer Gedole Jisroel als Führer der Gesamtheit abhängt — das sollte die KeneSsio Gedaulo so laut und eindringlich wie möglich von dem Zentrum der Nation, von Zion aus, in die ganze Welt hinausrufen. Es kann noch unendlich viel geschehen, um das Bewußtsein der nationalen Bedeutung der Jeschiwos der י öffentlichen Meinung der Welt einzuhämmern. Endlich einmal müßte es, nach dem idealen Plan, der bei der Gründung des . ״Keren Hathora" vorschwebte, gelingen, einen die ganze Judenheit erfassenden wirtschaftlichen Unterbau der großen Zentral-Jeschiwos zu schaffen, der dem furchtbaren Hungerelend hunderter oder tausender Lernbeflissener ein Ende macht und die Jeschiwo-Leiter der Notwendigkeit überhebt, ihren Geist und ihre Tatkraft dem Geldsammeln zu widmen, statt sie ganz und gar in den unmittelbaren Dienst der Thauro und der Thauro-Erziehung zu steilen. * Für den mittleren Chinnuch haben in einer Reihe von Ländern die agudistischen Landesorganisationen, zum Teil durch den Keren Hathora, in Chorebschulen, Thora-w'Derech-Erez-Schulen u. a., für die Mädchen in dem Beth-Jakow- Schulsystem, gute Grundlagen zu schaffen vermocht — und in tiefster Dankbarkeit wird die Kenessio Gedaulo dabei zweier Persönlichkeiten zu gedenken haben, die die Vorsehung dem jüdischen Volke als Retter in geistiger Not gesandt hat und die uns כעהיר allzu früh genommen worden sind: Sara Schenierer s. A., und Dr. Leo Deutschiänder s. Z. 1. Die Kenessio Gedaulo wird — nach ausreichender Vorbereitung in allen Ländern — die würdige Gelegenheit bieten, auf den Namen dieser beiden Heroen religiöser und pädagogischer Aufbauarbeit Gedächtnisstiftungen zu errichten, die, getragen von der Sympathie und Opfer.bereitschaft . aller Länder, ihr unvollendetes Werk weiter ausbauen und dem Nachfolger Dr. Deutschländers, Rabbiner Wolf Jacobson, unter g-ttlichem Beistand die Kraft verleihen!werden, durch Heranziehung der besten organisatorischen und pädagogischen Kräfte die immer schwerer werdenden Zeitprobleme des Chinnuch in Ost und West ihrer bestmöglichen Lösung entgegenzuführen. Vielleicht gelingt es, eine Zentralstelle für Thauro-Pädagogik zu schaffen, die einen Austausch der Erfahrungen und Methoden ermöglicht, und so die Errungenschaften, die manchmal einzelnen begnadeten Persönlichkeiten zu danken sind, der Gesamtheit zugute kommen zu lassen. Wirtschaftliche und politische Sorgen Agudas Jisroel hat es von vornherein verschmäht, sich etwa als eine religiöse Sonderorganisation für kulturelle und rituelle Spezialzwecke innerhalb einer religiös ״parteilosen", d. h. areligiösen jüdischen Volksgemeinschaft zu etablieren. Das jüdische Volk ist selber eine religiöse Institution, und Politik und Wirtschaft dieses Volkes sind nicht minder religiöse Anliegen, wie der G-ttesdienst in den Synagogen, der Unterricht in den Schulen und Lehrhäusern und die Pflege der Kaschruth- und Taharo-Gesetze in Küche und Familie. Daß es auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete von Fall zu Fall weite Möglichkeiten einer praktischen Zusammenarbeit mit religiös neutralen oder sogar gegnerischen Körperschaften gibt, weil häufig Identität der äußeren Interessen ohne die Notwendigkeit religiöser Konflikte vorliegt, ändert nichts an der prinzipiellen Förderung der bewußten Herausarbeitung einer vom Geist der Thora diktierten selbständigen agudistischen Politik, ändert auch nichts an der Notwendigkeit w.irtschaftlicher Betätigung, um diesem Thauro-Geist den ihm unentbehrliehen lebensfähigen, gesunden Volkskörper zu erhalten. So rücken — auch außerhalb Erez Jisroels — die politischen und ökonomischen Fragen, .bei denen es־ um Sein oder Nichtsein großer jüdischer Diasporagemeinschaf,ten, insbesondere des Ostens, geht, in den Gesichtskreis der Kenessio Gedaulo, und es wird Aufgabe dieser Landesgemeinschaften sein, schon jetzt in ernster Beratung diejenigen Fragenkomplexe auszusuchen•, die ihrer Natur nach nicht von einem Lande allein und innerhalb dieses Landes beantwortet werden können, sondern der Mitwirkung jler Gesamtheit bedürfen. An der furchtbaren wirtschaftlichen Not, an den Fragen der Aus- Wanderung und Ansiedlung, der inneren Kolonisation, der Berufsumschicht un g, zumal sie alle aufs tiefste eingreif en auch in das geistige und kulturelle Zukunftsschicksal von Millionen thoratreuer Juden, darf die Kenessio Gedaulo nicht Vorbeigehen, und sie wird dabei sicher sein können, als Sprachrohr der großen, traditionstreuen Massen des jüdischen Volkes das Ohr der Völker und Staatslenker zu finden; darf ja in deren Herzen, soweit es nicht durch blindes Vorurteil auch dem schrillsten jüdischen Notschrei verschlossen ist, das alte Volk der Bibel noch immer am ehesten auf eine :Saite sympathischen Verstandnisses und geschichtlich begründeter Ehrfurcht rechnen. Besondere Sachverständigenkommissionen, die von der Agudo- Leitung schon jetzt einzusetzen sind, werden zu prüfen haben, ob und inwieweit die wirtschaftlichen Positionen der Agudas Jisroel in den einzelnen Ländern, wie z. B. die Koöperativgenossenschaften und Darlehenskassen, Stellenvermittlungen und Berufsberatungen, der Kriegswaisenfands, der Prodüktivicrungsfonds der Poale Agudas Jisroel usw., des Ausbaues, der Reorganisierung oder der Zusammenfassung bedürfen; inwieweit es möglich sein wird, neue, vor allem zentraler Natur, ins Leben zu rufen, ohne daß man Fehlschlage befürchten muß. Dort, wo das!Schicksal der jüdischen Gemeinschaft nicht von allgemeinen wirtschaftlichen Gegensätzen, sondern durch festgegründete politische Prinzipien bestimmt und zur Tragödie gestaltet wird, wie durch den Religionshaß in Sowjetrußland oder das Rassenprinzip in Deutschland; darf die Kenessio Gedaulo nicht auf irgendwelche Wirkungen ihres Wortes, mag es aus noch so sehr glühendem Herzen kommen, rechnen. Hier kann es nur gelten, im Verem mit allen anderen jüdischen Organisationen zu helfen und׳ zu lindern und i m Rate dieser Organisationen dafür zu sorgen, daß der vor Chauvinismus und materialistischer Geschichtsbetrachtung schützende Einfluß der religiösen Tradition zur Geltung kommt, daß ferner über alle Sorge um die äußere Not die Rettung des geistig-.religiösen Lebens der bedrohten oder auswandernden Brüder nicht zu kurz kömmt. Wie sich jetzt, nach der. Auflösung der: ״Torgsin"-Handelsgesellschaft, die Möglichkeiten der Lebensmittelversorgung in Rußland gestalten werden, weiß im Augenblick niemand. Aber es wird zu den heiligsten Pflichten der Kenessio Gedaulo gehören, der jüdischen Gesamtheit — es war in den letzten Jahren mehrmals vonnöten — das Schicksal der Deklassierten, der Rabbinen und religiösen Funktionäre in Rußland, immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, auoh dann, wenn neue Tagesnot die alte in Vergessenheit zu bringen droht, und das Werk der Rettung' vom Hungertod, sei es durch Sendungen von außen, sei es durch Ermöglichung der Auswanderung, fortzuführen und auszugestalten. ' Chisuk Hadas Im Rahmen der großen Gesamtheitsaufgaben des jüdischen Volkes, deren .besonderen zeitlichen Charakter die!Kenessio Gedaulo in den Gesichtskreis der gemeinsamen Betrachtung rücken soll, spielen die Veranstaltungen zur!Sicherung der Mi zwo s -Erfüllung — das, was man gewöhnlich mit Chisuk Hadäss bezeichnet — keine geringe Rolle, Fast möchte man sagen, daß jede Zeit irgend einer der Mizwos, mit denen G-tt das Leben seines Volkes geschmückt hat, ihre besonderen Schwierigkeiten bereitet, als Prüfstein gleichsam für die opfervolle Treue Israels ‘zu seiner Thora, ' Scbabbos und Schechita sind heute die beiden Institutionen, gegen die sich eipe Welt verschworen hat und deren Bewahrung die ganze, durch Jahrtausende bewährte Hartnäckigkeit des jüdischen Volkes in der Aufrechterhai-׳ tung seiner Traditionen voraussetzt. Die Kenessio Gedaulo wird die Stätte sein, an der die besonderen Institutionen, die sich die Orthodoxie zum Schutze dieser beiden kostbaren nationalen Güter geschaffen hat, der Gesamtheit Rechenschaft abzulegen haben werden für das, .was