Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 47 (6.12.1935)
- Date
- 1935-12-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 4t Herrn zuzuführen. Schwer über alle Maßen fiel mir das auf die Seele, denn mir Ward jener Entschluß kund. Ich gab auch meinem Herrn Hunde davon und verabredete ein Zeichen mit ihm, damit er 2u unterscheiden wisse zwischen mir und meiner Schwester und mein Vater sie ihm nicht an meiner Statt zuführefi könne. Danach aber packte mich Reue über mein Tun, ich beswang mein Begehren und hatte Mitleid mit meiner Schwester, daß sie nicht in Beschämung komme. Am Abend führten sie meinem Herrn die Schwester an meiner Statt 2u — da gab ich ihr all die Zeichen, die ich mit meinem Herrn verabredet hatte, auf daß er meine, sie sei Rachel. Nicht genug daran! Ich zwängte mich unter das Bett; er sprach 2u ihr, sie aber schwieg, und ich gab jedesmal Antwort, damit er nicht an der Stimme erkenne, daß es meine Schwester ist und nicht ich. So erwies ich ihr Liebe, war nicht eifersüchtig auf sie und ließ nicht zu, daß sie in Schände und Beschämung käme, ich, ein Geschöpf aus Fleisch und Blut, aus Staub und Asche, war auf meine Nebenbuhlerin nicht eiforsüchtig, ließ sie nicht in Schmach und Beschämung kommen, und Du, der König, der ewig bleibt und lebt in Barmherzigkeit, wie kannst Du auf Götzen eifersüchtig sein, an denen keine Wirklichkeit ist, meine Kinder in die Verbannung schicken, sie durchs Schwert erschlagen lassen, daß die Feinde ihre Lust an ihnen haben? — Da brach das Erbarmen des Heiligen, gelobt sei er, hoch auf, und er sprach: Um deinetwillen, Rachel, führe ich Israel wieder heim an seinen Ort.“ | LITERATUR Josef Pick: ״jüdisch-geschichtliche Stätten in Wien und den österreichischen Bundesländern.“ In einem kleinen Büchlein hat hier ein Kenner des jüdischen Lebens und der jüdischen Geschichte Oesterreichs alles zusammengetragen, Was irgendwo in unserem Vat.erJande dem Auge als Zeugnis des Wirkens der Juden vcm Mittelalter bis zur Gegenwart entgegentritt. An Hand solcher Kulturdenkmäler bietet er Uns nicht nur einen kurzen Abriß der Geschichte Wiens, der burgenländisehen und anderer Gemeinden, wo heute noch Juden leben, sondern führt uns auch nach Tirol, Vorarlberg, Steiermark, usw., und sein reiches, gut gewähltes Bildermaterial läßt, uns hier in einem Holzschuppen, dort in einem Magazin eine uralte, eigenartig gebaute Schul’ erkennen. Wer Interesse für die heimatliche jüdische Geschichte hegt, wird dieses Büchlein lesen. Ploni. Xm3BXSEXXQ9 Alte Fehler in neuem Gewände Noch nie zuvor wurde soviel über Jugend- Probleme gesprochen, debattiert und geschrieben. Und es gibt auch tatsächlich viele unter dem Zuhörer- und Leserpublikum, denen es oft zuwider wird, daß immerfort das Jugendproblem zur Sprache gebracht wird. Ob diese Leute recht haben oder nicht, darüber brauchen wir nicht urteüen, das Urteil bildet sich heute jeder rechtdenkende Mensch selber. Wir wollen bloß feststellen, daß ein Jugendproblem existiert, dessen Lösung eines jeden Menschen Pflicht ist, und daß es nur wenige — fast könnte man sagen einzelne — sind, denen die Lösung dieses Problems auch wirklich ans Herz gewachsen ist. Und darum muß man immer wieder dieses Problem aufrollen. Es gibt ein Jugendproblem, dessen Lösung schwierig ist, viel schwieriger aber ist die Lösung des Problems der jüdischen Jugend und ganz besonders das der religiösen jüdischen Jugend. Und da muß einmal klar gesagt werden, daß die Agudabewegung einem Großteil der Jugend von heute eine Stütze in der Wirrnis der geistigen Not ist. Wenn wir bedenken, daß der jüdische junge Mann unvorbereitet, geistig und moralisch nicht genügend gestärkt, dem Treiben der breiten Außenwelt hilflos preisgegeben ist und daß er nicht das richtige System findet, welches ihm das Gleichgewicht zwischen Lehre und praktischem Leben herstellen soll, so müssen wir uns gestehen, daß etwas geschaffen werden muß, was zur Linderung dieser Not beitragen kann. Wir wenden unsere Blicke dem Teile der Jugend zu, der dank der rechtzeitigen Einsicht der Eltern im Kreise der Agudajugend erzogen wurde und wir können die erfreuliche Tatsache bestätigen* daß dieser Teil dazu berufen ist, die sinaitische Offenbarung in kommenden Geschlechtern fortzupflanzen. Wie dunkel wird es uns aber, wenn wir in der großen jüdischen Masse etwas genauer Umschau halten. Wir begegnen dort ehemaligen Schulkameraden, Freunden und leider allzuoft auch ehemaligen Jesehiwo-Bachunm. Wir sehen den krassen Unterschied und bleiben für einen Moment kopfschüttelnd stehen. Viele haben -nach dieser traurigen Feststellung und nach der Erkenntnis der Tragweite der Dinge den ,,Entschluß“ gefaßt, von nun ab die Agudabewegung zu ״tolerieren“. Sie glauben, damit ihrer Pflicht dem Klall gegenüber Genüge getan zu haben. Wir fragen, heißt tolerieren Pflicht erfüllen? Hat man sich seiner Gemeinpflicht damit entledigt, wenn man den ungeheuren inneren Kampf der Jugend tatenlos mitansieht? Ist es nicht die Pflicht aller, hier t ä t ig einzugreifen? Man stellt sich gerne abseits mit der bekannten Ausrede, auch Agudas Jisroel hat ihre Fehler. Gesetzt, es sind solche vorhanden — und es ist nicht anders möglich. Aber fühlt sich nicht jeder mitschuldig und mitverantwortlich, der es bisher nicht versucht hat, diese Mängel nicht nur zu bekritteln, sondern durch Mittätigkeit sie auch zu beheben? Einst wurde Agudas Jisroel ״grundsätzlich“ verneint. Die Zeiten haben sich geändert, die Agudas Jisroel hat ihre unbedingte Notwendigkeit bewiesen. Nun ist heute eine neue Aera eingetreten! Agudas Jisroel wird von den einstigen Verneinern heute ״geduldet“! Mit Duldung kann man das Jugend- Problem nicht lösen. Duldung ist der alte Fehler in neuem Gewände. Ein ernstes Wort: Der Delegiertentag der Agudas ־ Jisroel ־ Jugendorganis a t i o n ist nach Presov einberufen. Dieser Delegiertentag wird ein wichtiger Merktag für die gesamte orthodoxe Jugend unseres Landes sein. Arbeitswillige, kampfbereite junge Leute werden sich versammeln, um mit vereinten Kräften das begonnene Werk zu festigen, es aus- und aufzubauen. Wer es mit der Kritik ehrlich meint, der möge kommen und sich von der Tätigkeit und Gesamtleistung dieser Perle der Jugend überzeugen, ihre Probleme kennenlernen und, was die Hauptsache ist, mithelfen! In den Tagen, da wir der Heldentaten unserer Hasmonäer feierlich gedenken, komme jeder orthodoxe junge Mann, dem die Erhaltung der alten Heilig- I tümer wichtig erscheint, den kleinen Rest des in dem mit priesterlichem Siegel versehenen Krüglein befindliehen ״reinen Oeles“ zu verteidigen. Am 5. und 6. Tag Chanuko trifft sich die orthodoxe Jugend in Presov, um die alten Fehler vom neuen Gewände zu entfernen. s. m. s. Oberrabbiner M. Ch. Lau auf dem Wege der Genesung. Wie uns aus Krakau mitgeteilt wird, befindet sich der unlängst dortselbst schwer verunglückte Presover Raw, iSe. Ehrw. Herr Oberrabb. Mosche Chaim Lau, auf dem Wege der vollständigen Genesung. Sein Zustand hat sich dermaßen gebessert, daß Oberrabbiner Lau •bereits fähig ist, kleinere Spaziergänge zu unteinehmen und seine Korrespondenzen mit der linken Hand zu unterfertigen. Diese Nachricht •wird in allen Kreisen des Judentums mit großer Freude aufgenommen werden. Es wird angenommen, daß Oberrabbiner Lau in den nächsten Tagen so weit hergestellt sein wird, daß er nach Preäov zurückkehren kann.!Bekanntlich hat Presover Raw auf eine Entschädigung seitens der Bahndirektion Anspruch erhoben, welche ihm auch auf friedlichem Wege in entsprechender Höhe bewilligt wurde. BEKIZZUR... — Preäov: Dieser Tage wurde die 16. ordentliche Generalversammlung der hiesigen Agudas- Jisroel-Jugendgruppe unter starker Beteiligung der Mitglieder abgehalten. Wie aus den Tätigkeitsberichten der einzelnen!Sektionen zu entnehmen ist, hat die Preäover Jugendgruppe im 15. Jahre ihres Bestandes, gleich den Vorjahren, auf allen Gebieten der Aguda- Arbeit segensreich gewirkt. Besonders hervorzuheben ist die einmütig gefaßte Resolution, die Vorbereitungen zu dem in Preäov abzuhaltenden Delegiertentag der Jugend- Organisation zu treffen, Die erfolgte Neuwahl ergab folgendes Resultat: Präses: Wilhelm Goldfinger, Vize-Präses: Jakob Schwarz, Kassier: Armin Korn, Kontrollor: B61a Krausz,!Schriftführer: Leopold Reiner. Repräsentanz: Salomon Deutsch, Theodor Herz, Josef Klein׳, Jakob Kohn, Samuel Müller, Leopold Müncz, Mör Spiegel, Arnold Schwarz. Ersatz: ׳Bezalel Klögel, Eisig Wolf. — Mor-Ostrava: Bei den nach einer sechsjährigen Amtsperiode durchgeführten Wahlen in die Vertretung der isr. Kultusgemeinde haben sich, von den etwa 5900 Wahlberechtigten — wahlberechtigt sind alle Personen beiderlei Geschlechtes, die das 21. Lebensjahr überschritten haben — 75 Prozent beteiligt. Beinahe 1700 Wähler haben demnach von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch gemacht und zirka 1600 Wähler waren in drei Gruppen verteilt, in deren Programm die gleiche Mißbilligung des Politisierens und der Parteiherrschaft in religiösen Angelegenheiten enthalten •war. Die vereinigten zionistischen Parteien haben nicht ganze zwei Drittel der Mandate unter eifriger Assistenz des ״Misrachi“, welcher auf einer gebundenen Liste gemeinschaftlich mit den allgemeinen Zionisten, den jüdischen Sozialdemokraten und der Judenstaatspartei kandidierte, erreicht. Für die3e Liste wurde besonders in den Kreisen der religiösen Juden geworben. Die mit Hilfe der Sozialdemokraten gewählten jüdischen Abgeordneten, jüdische Vertreter im Bezirks- und ׳Stadtrat, Redner aus der!Slowakei beteiligten sica an der Wahlkampagne, um aus der Gemeinaewahl e:n Politikum zu machen. Unter solchen Umständen ist es als ein nicht zu unterschätzender Erfolg zu betrachten, daß die selbständig kandidierende, unpolitische, jüdische k o nservative Partei, welche am Wahlkampf in keinerlei Weise teilgenommen hatte und die durch das Ableben ihres Gründers, Herrn Dr. M. Beer s. A., sowie durch den Abgang anderer verdienstvoller Mitglieder große Verluste erlitten hat, dennoch soviel Stimmen auf sich vereinigen konnte, um drei Mandate zu erhalten. — Nove Zämky: Am 12. Kislev fihdet hier die fünfte ordentliche Generalversammlung dei ״Chewra Machsike Jeschiwoth’• statt. Auf der Tagesordnung stehen die Begrüßungsrede des Präses Herrn J. Herzog, Nove Zämky, das Referat des ehrw. Herrn Oberrabbiners M. L. Eckstein, Bered, der Bericht des Kassiers, Herrn J. Reichfeld, Nove Zämky, die Erteilung des Absolutoriumg, allgemeine Debatte, die Neuwähl der Vereinsorgane, die Verhandlung über eingebrachte Anträge und schließlich das Schlußwort des Präses, Ueber die Tätigkeit dieses Vereines ist eine reichhaltige Broschüre erschienen, die einen klaren Einblick in das Kassen- und Organisationswesen ermöglicht. Abgängigkeitsanzeige Natan Frei oder Klugmann, geboren inUstrzyki im Jahre 1895, hat seine jetzt in größter Not befindliche Frau verlassen und es fehlt von ihm jedwede Spur. Zuletzt hat er aus Zlin geschrieben und gab als Adresse ״Poste restante Bratislava“ an, von wo ein an ihn gerichtetes Schreiben jedoch retourgekommen ist. Wer seinen Aufenthaltsort ausfindig machen kann, melde dies unverüzglich der Agudas-Jisroel-Jugendorganisation, Bratislava, Postfach 140. Käte Böhm Topolßany Ludwig Gansl Mitchef der Fa. Simon Gansl Verlobte Juwelen Uhren, Gold- und Silberwaren, insbesondere כלי קודש, Sederschüssel, Menoras, Leuchter und Bestecke in großer Auswahl, auch Gelegenheitskäufe, stets vorrätig HoritzMany II» Taborstraße 14 I PENSION HIRSCH Ij&HHWtUtQ' FQRSTENHOF I Täglich Spezialitäten Selchfleisch mit Ritschet, Scholet, Pfefferkarpfen, Würste mit Gulyassaft usw.—•Menü von S 2.— aufwärts HAGEL, Wien II, Praterstr. 33 Unter Aufsicht des Rabbinats der Adas-Jisroel-Schiffschul I Na״״־ SCHWEIZ wird ein frommes, seriöses und arbeitsames MÄDCHEN zur Führung eines streng religiösen kleinen Haushaltes GESUCHT. Offerte unter ״N. St.“ an die Bratisl. Adm. FRÄULEIN aus besserem Hause, selbständig im Kochen und Haushalt, sucht Posten in nur streng orthodoxem Hause. Anträge unter ״Ganz verläßlich“ an die Bratislavaer Adm. des Blattes. trHAnrHFN arn°ld weks Iw 11 n 11 % II11■ Bratislava, Streleckä 17 JUNGERMANN in fixer Stellung, sucht junges, intelligentes und hübsches Mädchen בת ת*ה mit entsprechender Mitgift Zuschriften unter ״Fromm“ an die Wiener Redaktion! Ein intelligentes Mädclien oder Witwe ohne Anhang בת ודה streng religiös, mit etwas Geld, wird für einen sehr gebildeten תיה mit Kindern ZWECKS HEIRAT GESUCHT. Anträge unter ״Höchster Idealismus“ an die Bratisl. Adm. Tag Kislew | Dezemb. | דף יומי משנה יומית Kalendarium בבא בחרא עדיות משנה פרק Freitag 10 6 קמג ב ו Samstag 1L 7 קמד ג " פ׳ ויצא Sonntag 12 8 קמה א ז Montag 18 9 קמו ב » Dienstag 14 10 ק:זז ג " Mittwoch 15 11 קמה ■ ד " Donnerst. 16 12 קמט ה " Freitag 17 13 קנ ו " Samstag 18 14 קנא ז " פ׳ וישלח (סוף זמן קדוש לבנה (חשק •* Montag, den 9. Dezember Gebetzeiten פ׳ ויצא W 1 E N BRATISLAVA Uhr Min. Uhr Min. 6 35 6 25 8 53 8 50 סוף זמן קריאה שמע של שחרית .... 4 00 3 55 בשבת: קבלה שבח קודש (מנחה כעש׳ק) . 7 10 7 30 9 30 9 30 3 30 3 30 4 50 4 40 6 40 6 45 4 CO 4 15 מנחה ומעריב.. Eigentümer, Herausgeber und Verleger; David Türk! (für eine Arbeitsgemeinschaft), Wien, 3X, Malzgasse 12 a. —Verantwortlicher Redakteur: Karl Richter, Wien, II., Franz- Hocbediin1g־er-Gasse 2• — Druck: Druckerei- und Verlags-A.-G. •lg. Steinmann, Wien, IX., Universitätsstraße 6—8.