Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 46 (29.11.1935)
- Date
- 1935-11-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitungen vom Verlege» versendet Journal e*p6di6 par F^ditenr Jtövlnove vyplatnO povoienO riadit post a «et^rrafov v tttatteiava 618. 4i5׳Jt-m*20 V. b. b, 3QDI9CH6" PR639E WIEN-BRATISLAVA t 29. NOVEMBER 1935 ג׳ כפלו תרצץ 21. Jahrgang / Nummer 46 Redaktion and Administrationi Wien, H., Malz• gasse 12 a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei.: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschlüß: Mittwoch Mittag Abonnementprelse: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kö 80, Jugoslawien Dinar 160, da« Übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr, 40. Zahlungen f. ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.068, Budapest Nr. 60.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, Berlin Nr. 122.619. ORGfln pur Die imeRessen Des 0rth00oh6n Ju 0emums Ein Schritt vorwärts Fast zur gleichen Zeit wie in der mächtigen Kultusgemeinde wird bei der nur ״eine verschwindende Minorität“ repräsentierenden Schiffschul eine wichtige Stelle besetzt. Während sich aber dort mit den Pflicht steuern der jüdischen Gesamtheit die ehrenhalber gewählten Mandatare versorgen, wird hier ein neuer D a j a n aufgenommen. Das!zentripetal sich um die Schiffschul gruppierende religiöse Leben Wiens hat eine Ueberlastung des Rabbinats hervorgerufen, die sowohl dessen engem als auch, weiterem Wirkungskreis — der erzieherischen Tätigkeit — auf die Dauer abträglich sein muß. Es ist nun mehr als erfreulich, daß die Adas Jisroel, die seit dem ersten Tag ihres Bestandes mit freiwilligen Beiträgen die vom jüdischen wie vom Staatsgesetz eigentlich der Kultusgemeinde zugewiesenen Aufgaben erfüllt, ihre Institutionen trotz der Not der Zeit weiter ausbaut und sich so auf die ersehnte Autonomie vorbereitet. Es ist aber auch an der Zeit, in diesem Zusammenhang wieder einmal an das von zionistischer Seite ins Treffen■ geführte Argument zu erinnern, die selbständige Orthodoxie werde an dem finanziel- 1 e n• M o m-e-n t scheitern; es ist noch mehr an der Zeit, auf die beiden Budgets — die der Kultus• gemeinde; und der Schiff schul — hinzuweisen; und es ist erst recht an der Zeit, wieder einmal zu fragen, wie lange noch der himmelschreiende Zustand an• dauern soll, daß diejenigen, die aus innerem Bedürfnis und darum freudig ihr Opfer in ihr Heiligtum in der Schiffgasse tragen,.; daneben noch, zwangsweise an eine ihr Vertrauen nicht genießend je Institution und dazu für von ihnen nicht gebilligte Zwecke Abgaben leisten müssen! Eine dringende, brennende Schaaloh, die vom neuen DajaEn nicht gelöst werden wird, wohl aber m. G. H. von den Männern, die ihn bestellen. Wenn Raucher der Verfärbung der Zähne vorbeugen wollen, dann hilft nur die regelmäßige, tägliehe Pflege mit O DO L- Zahnpasta. Kleine Tube S -.90 Große Tube S 1.40 [ Hochzeiten und Festlichkeiten arrangiert biil g und elegant NAGEL, Wien II, Praterstr. 33 I Zur dritten Kenessio Gedauloh .Wenn nicht alle Anzeichen trügen, so wird im Verlaufe des Jahres 5696 die fällige Kenessio Gedauloh stattfinden. Die umwälzenden politischen Ereignisse, die das Bild Europas seit dem letzten Weltkongreß der jüdischen Orthodoxie, vom Grund aufj verändert haben, stellen das jüdisch-glaubenstreue Weltparlament vor eine Unzahl neuer und gewaltiger Probleme, die zu diskutieren den einzelnen Gruppen Gelegenheit geboten sein muß und vermutlich auch sein wird.; Erez .Tisroel, das im Mittelpunkt des Interesses steht, wird und soll einen breiten Rahmen in der Diskussion einnehmen. Wir sind seit jeher gewohnt, abseits vom Getue der Welt, die Dinge auf ihren wahren Kern einzuschränken und stehen daher nicht auf den Standpunkt, daß Erez Jisroel und die mit dem Heiligen Lande zusammenhängenden Probleme, wenn sie auch eine bevorzugte Rolle spielen, das einzige und primärste Problem bilden. Die jüngsten Ereignisse in Afrika, die abessinischen Wirren und auch die Vorgänge in Aegypten, haben eine so ungeheure Wirkung in Erez Jisroel selbst ausgelöst, daß wir, wenn schon nichts anderes, so doch das ersehen können, daß sich die Rechnung in und um Erez Jisroel aus Stellen zusammensetzt, die außerhalb der jüdischen Einflußsphäre liegen, 30 daß es zumindest ein Wagnis wäre, alles auf eine Karte zu setzen, wenn es auch unsere ureigenste wäre. Dessenungeachtet ist es klar, daß! Erez Jisroel heute, nicht' nur vom Standpunkt der deutschen und polnischen Juden, sondern aus der Perspektive des GesamtJudentums gesehen, das zentrale Interesse erheischt Änd ganz besonders für uns orthodoxe Juden in den Brennpunkt des Interesses gerückt werden muß, da dort ein ungeheures Gebiet für die agudistische Tätigkeit vorhanden ist, das noch nicht erschlossen ist. Die Massen, die dort wohnen, sind für jede positiv jüdisch eingestellte Gemeinschaft ein Reservoir, das erschlossen und erkämpft werden muß und kann. Ganz besonders aber muß das glaubenstreue Judentum, das dort wohl unbestritten Heimatsrecht besitzt, aber durch die politische Arbeit der Gegner zeitweise riesige Einbußen erlitten hat, aufholen, was in den letzten Jahren verloren wurde. In diesem Zusammenhänge mag die Verlegung des Zentralbüros von Frankfurt nach London einen hoffnungsvollen Ausblick eröffnen. Jakob Rosenheim, unterstützt durch die agile Kraft Harry G o o dmans und der anderen Londoner Agudisten, wird viel leisten können und hat bereits in der kurzen Zeit seines Dortseins Gelegenheit gehabt, mit dem Kolonialministeriüm in Fühlung zu treten. Wenn einmal, wie zu hoffen steht, die agudistische Einwanderung jenen Umfang annimmt, der ihr zukommt, so wird die Erez-Jisroel-Arbeit selbst automatisch so wachsen, wie es die Sache erheischt und der Einfluß der Orthodoxie zu Nutzen des Gesamtbildes von Erez Jisroel wird sich entsprechend stärken. Denn was immer die anderen auch leisten, die Notwendigkeit des religiösen Aufbaues ist heilte nicht mehr zu leugnen und sein Mangel wird von allen, die nach Erez Jisroel kommen, erschüttert empfunden. Mit allergrößter Anstrengung müssen daher die agudistisehen Arbeiten in Erez Jisroel — die wirtschaftliche Arbeit und ganz besonders das Erziehungswerk — gefördert werden. Ein eigenes Problem bilden die Zusammenfassung der aus den verschiedensten Ländern neueingewanderten religiösen Juden, sowie die Schaffung der Voraussetzungen für eine harmonische, segensreiche Zusammenarbeit dieser verschiedenen Landsmannschaften. Die verhältnismäßig kurze Zeit der jungen orthodoxen Immigration hat wohl auch noch nicht genügt, die Synthese zwischen ihr und dem alten Jischuw zu schaffen, wiewohl die Person des ehrwürdigen Oberrabbiners, Raw D u s c h i n s k y n. j., selbst die Lösung verkörpert. Darüber hinaus bilden die alten und neuen Probleme der Golah Material, das allein den.Rahmen einer Kenessio Gedauloh. ausfüllen könnte. Die Lage der Juden in Deutschland beschäftigt heute das Weltjudentum in einem Maße, das die Stellungnahme dazu, so heikel sie ist, zu gebieterischer Notwendigkeit macht. Wenn die Ereignisse in Deutschland, geschichtlich betrachtet, auch anders aussehen, als deren Behandlung in der Oeffentlichkeit es scheinen läßt, so sind immerhin Tagesfragen zu lösen, die für die Jugend im allgemeinen und fiir den Einzelnen im speziellen, keinen Aufschub, mehr dulden. Hier Klarheit zu schaffen ist gebieterische Notwendigkeit. Darüber hinaus läßt die Wirtschaftskrise in Europa die berufliche und gesellschaftliche Umschichtung der Juden immer dringender erscheinen, so daß jedes einzelne Land seine Probleme hat, die zur Lösung drängen. Und wenn die Ueberzeugung richtig ist, daß auf alle diese Fragen das glaubenstreue Judentum nur die einzig richtige Antwort finden kann, so ist die Kenessio Gedauloh eine Notwendigkeit, die den Aufwand an Mitteln, die sie erfordert, nicht nur rechtfertigt, sondern zur Pflicht macht. Noch nie hat die jüdische Welt so sehr darauf gewartet, daß die Träger der Tradition ihr den Weg aus den Wirren der Zeit weisen, wie heute. Diesmal ist die Kenessio Gedauloh keine Demonstration mehr, sondern ein verantwortliches Instrument, auf das gehört werden wird. Damit steigt die Bedeutung der dritten Kenessio Gedauloh zum weltpolitischen Ereignis, das angesichts der religiösen Entwicklung in der Welt auch über das Judentum hinaus Bedeutung und Gewicht hat. Damit' ist auch schon eine Frage zur Diskussion gestellt, die vorläufig wohl nur akademisch, doch wie uns scheint, mehr gefühlsmäßig, als den Notwendigkeiten entsprechend, behandelt wurde. Die verantwortlichen Stellen erwägen die Möglichkeit einer Kenessio Gedauloh in Er, ez Jisroel. Wenn auch immens viel gefühlsmäßige Momente dafür sprechen und wenn auch durch die Intervention der palästinensischen Landesorganisation die praktische Möglichkeit dadurch nähergerückt wurde, daß die Palästina-Regierung nebst anderem Entgegenkommen auch zugestimmt hat, daß Gästen und Delegierten die -Einreise ohne Erlag der Kaution erlaubt wird, so bliebe doch der orthodoxe Weltkongreß in Erez Jisroel den Massen der Orthodoxie, die auf diesen warten, unzugän glich. Eine Kenessio Gedauloh in Erez Jisroel birgt aber gegenwärtig auch noch die Gefahr in sich, daß die nichtpalästinensischen Probleme bei den Verhandlungen zugunsten der Palästina-Fragen allzu stark zurückgedrängt werden könnten, trotzdem der Schwerpunkt der Orthodoxie heute ja zweifellos noch in der Golah liegt. Eine dominierende Stellung der Erez-Jisroel-Fragen auf der Kenessio Gedauloh und die zu laute Betonung des Erez-Jisroel-Programms könnten überdies auch die klare, thorazentrische agudistische Ideologie gefährden. Den einzigen zentralen Schwerpunkt der agudistischen Ideologie bildet ja doch nicht Erez Jisroel, sondern die Thora. Diesen sachlichen Momenten zufolge müßte der Weltkongreß in einem der mitteleuropäischen Länder abgehalten werden. Die österreichische Landesorganisation der Agudas Jisroel, die den Befähigungsnachweis dafür bereits erbracht hat, wäre gewiß bereit, auch die dritte Kenessio Gedauloh in Wien vorzubereiten und durchzuführen. Beim religiösen Kurs, der heute in Oesterreich herrscht, steht es außer Zweifel, daß diesem Plan• nicht nur keine Schwierigkeiten im Wege stehen, sondern daß im Gegenteil, wie bisher immer, einem solchen Beginnen weitestgehend entgegengekommen werden würde. Die österreichische Orthodoxie hätte auch ein eminentes Interesse daran, diesen Strom von Fremden, wie schon zweimal, auch diesmal nach Oesterreich zu leiten. Was dagegen spräche, wäre allerdings die deutsche Ausreisebeschränkung. Dieses Hemmnis würde aber in der Tschechoslowakei, die ebenso zentral liegt, wegfallen. Von diesen Gesichtspunkten aus käme dann Bratislava an zweiter Stelle in Betracht, das als alte jüdische Metropole sowohl den entsprechenden äußeren Rahmen als auch die geeigneten Unterkunftsmöglichkeiten böte. Die tschechoslowakischen Staats- und die Bratislavaer Stadtbehörden würden die Abhaltung des Kongresses in ihrem Bereiche sicherlich begrüßen. Kur- oder andere Orte, die, gar keine oder nur geringe orthodoxe Bevölkerung haben, kommen für die Orthodoxie als Kongreßorte nicht in Betracht. Die Landes- Organisationen werden wohl Gelegenheit haben, zu diesen Fragen Stellung zu nehmen. Wir haben es als unsere Pflicht erachtet, vorweg den Standpunkt' der österreichischen und der tschechoslowakischen Orthodoxie, wie er u n s für richtig erscheint, zu präzisieren. Wo immer aber die Kenessio Gedauloh stattfinden wird, wird sie der Welt zeigen, daß das historische Judentum lebt, leben will und lebensfähig ist. Illllllllllllllillllllllilllllllllimillllllllllfe die gute, weltbekannte ' JHIIIIIIIIIIII1III.11111111111״ 25, j Othmar Schiff-Perücke J ,25 miiiiiiiiHiiliiiiiiiiiiiiiiiiiiiifF. Telephon lM3-CMä nur• Wien I. Kärntnerrlna 6 •'־ ־ ־־ Jli||||||||||lllllllllllllllllllllllllllillllllllii% JAHR E I s iiiHiiiiiiiiHiiiiiiiiniimiiiHimiiimiiinr Riff Wien I. Kärntnerrjng & m JA HR י X i 022323232323532353235323024823