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Jüdische Presse · 1935-11-15 · 44 (15.11.1935) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
44 (15.11.1935)
Date
1935-11-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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״״. jtovinove ״Jena fiftdl* poit,»׳ *v* m 4181**®«« y l l V* Dt b! Zeitnftgefl v»«1 Veflegei* ve«eftdet Journal exp&lte fmr!,Mltettf BRATISLAVA * IS. NOVEMBER 1m ‘י״ט חשון תרצי׳ן 21. Jahrgang / Nummer 44 Redaktion and Administration: Wien, 11,, Malz* gasse 12 a, Telephon A-46-045; Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschiaß: Mittwoch Mittag Abonnementpreisei Ganzjährig! für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kö 86, Jugoslawien Dinar 150, das Übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer Ost. Gr. 40. Zahlungen f. ״Jüdische Presse‘*, Wien, auf folgende Post* Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brühn Nr. 126.058, Budapest Nr. 60.170, Warschau Nr. 190.409,, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, BCrlin Nr. 122.619. ORGsn für Die imeRessen Des 0RTH0D0Hen JUpenTums Unser Erziehungswerk Winterhilfe ln einer überaus herzlichen und innigen Weise hat die österreichische Bundesregie־ rung heuer den Auftakt zur Arbeit für die Winterhilfe gegeben. Es sollte überflüssig sein, über die Not- Wendigkeit der Unterstützung des Winterhilfswerkes überhaupt ein Wort zu sprechen. Was wäre denn selbstverständlicher, als daß die vom Schicksal Begünstigten ihre Pflicht denjenigen gegenüber tun, die als Stiefkinder des Lebens sorgenvoll der kalten Jahreszeit entgegensehen. Wieviel unschuldige Kinder, wieviel greise und verschämte Arme, die es noch nicht über sich gebracht haben, die Hand auszu־ strecken, werden im Winter auf die Wohltat des Winterhilfswerkes angewiesen sein. Soll es da wirklieh notwendig sein, Worte zu machen, wo die Sache so. eindringlich für sich selbst spricht? Nein! Es wäre wirklich nicht notwendig, darüber zu sprechen, weil die Menschen in Oesterreich und ganz besonders die jüdischen Menschen, ihre Pflicht und die Not der anderen kennen. Leider aber — und das veranlaßt uns, das Selbstverständliche zu unterstreichen — ist die Not der Zeit ־ weit bis in die Reihen des bürger* liehen Mittelstandes vorgedrungen und manch Gebefreudiger muß heute am eigenen Herd Schmalhans als Küchenmeister1 sehen. Deshalb und nur deshalb halten wir es für unsere Pflicht, alle unsere Glaubensbrüder aufzufordern, am großen, umfassenden Werk der Menschenliebe trotzdem mitzutun. Ob wenig' oder viel, jeder nach seinem Vermögen, ist verpflichtet, der öffentlichen Hand behilflich zu sein, den Winter der Aermsten zu erleichtern. Es ist dies nicht nur ein Gebot der Menschlichkeit und des sozialen Empfindens, es ist für uns in erster Reihe ein Gebot jüdischer Pflichterfüllung und der Vernunft, die Bedrückten und Leidenden vor der Verzweiflung zu bewahren. Es tue jeder seine Pflicht, als Mensch, als Bürger unseres Staates, als Jude und spende für die Winterhilfe! Vor lästigen Verfärbungen schützt ODO L-Zahnpasta Ihre Zähne. ODOL- Zahnpasta reinigt gründlich, ODOL- Zahnpasta macht Zähne wie Perlen I Kleine Tube S -.90 Große Tube S 1.40 Es ist eine Tatsache, die nicht hoch genug geschätzt wird, die heuer das religiöse Wien gesetzt hat. Rund hundert, genau neunundneunzig Wiener Jugendliche befinden sich seit dem heurigen Winter- Semester in den österreichischen, ungarischen und tschechoslowakischen Jeschi wos zum Thora- Studium. Was das heißt, das wissen nur diejenigen einzuschätzen, die einmal in einer Jeschiwo gelebt haben. Hier, wo die jungen Menschen in den Jahren ihrer körperlichen und geistigen Reife, abseits vom tollen Getriebe der Großstadt und allen seinen Gefahren und Beschwerden ihre sittliche Reife erlangen, hier werden Menschen großgezogen, die erst im Leben draußen beweisen, was es heißt, als jüdischer Mensch durch das Leben zu gehen. Wenn die Welt heute nur ein Zerrbild des jüdischen Volkes kennt, so liegt das Uebel nur in der Tatsache, daß die Mensehen als Juden geboren, als solche durchs Leben gehen, ohne sich selbst ihres Judentums bewußt geworden zu sein. Nur so war es möglich, daß der Versuch, jüdisch - religiöse Kultur durch n a, t i onale zu ersetzen, in weiten Kreisen der jüdischen Jugend wirksam werden konnte. Diese jungen Mensehen, die keine Ahnung vom wahren Judentum .haben, sie konnten sich an nationalen Liedern und blau-weißen Fahnen י begeistern. Hätten' 'sie' gelernt, wie wahres Judentum gelebt wird, so hätten sie gewußt, daß dem Judentum nichts wesensfremder ist, als tönende und auffallende Betätigung, daß vielmehr reines und wahres Judentum verinnerlicht, bescheiden und zurückgezogen erlebt wird. Und deshalb sei mit Stolz festgehalten, daß-Wien wohl durch die hingebungsvolle Arbeit des Vereines ״T i f e r e s Bachurim“ heute eine Kompagnie von hundert idealen jungen Menschen mobilisiert hat, die sich aus | Doch Legislative Council? Die Jüdische Telegraphen-Agentur meldet: Führende jüdische Kreise in Palästina haben die Information erhalten, daß der High Commissioner Sir Arthur Wauohope, der in dieser Woche wieder in Jerusalem eintrifft, am Freitag, den 15. November, die Schaffung des Legislative Council für Palästina proklamieren wird. Der Council soll aus sechs Mohammedanern, zwei Christen und zehn Engländern bestehen. Für die Juden sollen vier Sitze reserviert werden, die jedoch im Hinblick auf die Ablehnung des Council durch die Juden unbesetzt bleiben dürften. Der High Commissioner wird als Vorsitzender uneingeschränktes Vetorecht gegenüber den Beschlüssen des Council haben. Demgegenüber führt die hebräische Tageszeitung ״D o a r Hajo m“ aus, sie habe aus sicherer Quelle erfahren, daß das Colonial Office in London und der High Commissioner Sir Arthur Wauchope gemeinsam beschlossen haben, die Bildung des Legislative Council auf einen geeigneteren Moment zu vertagen. Somit sei die Frage des Legislative Council gegenwärtig nicht aktuell. Laut ״Doar Hajom“ wurde gleichzeitig vom Colonial Office beschlossen, einen großzügigen rPlan der Entwicklung von Landwirtschaft und Industrie in Palästina auszuarbeiten. Sprengstoffanschlag auf eine Synagoge in Lemberg. Unbekannte Täter haben in der alten Synagoge in der Szajnachygasse in Lemberg eine Bombe zur Explosion gebracht. Die Synagoge wurde vollständig demoliert. Da sich zufälligerweise niemand in der Synagoge befand, sind die Folgen des Anschlages glücklicherweise auf den Sachschaden beschränkt geblieben. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eingeleitet. Tn den Ruinen ist eine zweite Bombe gefunden worden. Sie wurde unschädlich gemacht, bevor sie explodieren konnte. dem Getriebe der Großstadt zurückgezogen haben, um, wenn auch nur wenige Jahre, im durch die Tradition geheiligten Rahmen der Jeschiwos das Rüstzeug zu sammeln, um dereinst den Kämpfern um die religiöse Reinheit des Judentums voranzuschreiten. Wenn dieser Erfolg heute sichtbar wird, so muß. dabei dankbar und anerkennend die Vorarbeit verzeichnet werden, die in Wien selbst geleistet wird. Ein Netz von Thoralehranstalten, an dessen Spitze die prachtvolle ״Jessod Hat hör a“ der Adas Jisroel steht, führt das Kind schon in jungen Jahren in das unerschöpfliche Gebiet jüdischen Wissens ein. Bekannte und unbekannte Männer mühen sich in täglicher Kleinarbeit um den Bestand und den Aufbau dieser mustergültigen Institution. Ebenso wichtig und glänzend organisiert ist das Schulwerk der ״Talmud Thor aa, das den jüdischen Kindern das notwendige profane Wissen durch religiöse Lehrer und Schulmänner vermittelt. So und nur so konnte in Wien eine religiöse Gemeinschaft erstehen, die in ihrer Art einzig dasteht, einzig in ihrem Umfang, einzig in ihrer Organisation und einzig in der aufopferungsvollen Hingabe der Männer, die diesen Institutionen vor* stehen. .. . \ Und wenn dies alles heute schon möglich ist, wo Wiens־ religiöse• Judenheit noch einer Gemeinde tributpflichtig ist, die sich die kargen Unterstützungen dieser Institutionen nur abringen läßt, so bleibt die Hoffnung, daß, nachdem die Orthodoxie ihre Selbständigkeit erkämpft haben wird, die Leistungen vervielfacht werden zum Besten einer aufstrebenden, bewußten, muster- und beispielgebenden religiös durchdrungenen Jugend., Antijüdische Ausschreitungen in Danzig —״ Synagoge zerstört In den Straßen von Danzig kam es in den letzten Tagen zu antijüdiachen Ausschreitungen, die alle bis* herigen Exzesse dieser Art in den Schatten stellten. In allen Teilen der Stadt wurden Juden auf der Straße beschimpft und tätlich attackiert. Mehrere jüdische Passanten wurden mit Steinen und Messern erheblich verletzt. Die Polizei verhielt sich die ganze Zeit passiv, kein einziger der Exzedenten wurde verhaftet. Diese neue Welle antisemitischer Exzesse nahm ihren Ausgang von einer jüdenhetzerischen Rede des Gau* leiters Förster auf der Danziger Tagung der' ostpreußisehen Hitler-Jugend. Die Intervention der Danziger Jüdisehen Gemeinde beim Senat gegen diese Ausschreitungen blieb ganz ohne Erfolg. Die antijüdischen Ausschreitungen nahmen am 8. November einen direkt pogromartigen Charakter an. Die Unruhen begannen damit, daß im Zentrum der Stadt fünf Juden, unter ihnen ein polnischer Staatsangehöriger, von jungen Hakenkreuzlern überfallen und blutig geschlagen wurden. Den Angreifern schlossen sich zahlreiche uniformierte und nichtuniformierte Danziger National;- Sozialisten an. Die Menge zog in die Joppengasse und in die Pfefferstadt, wo zwei von Juden besuchte Restaurants demoliert und die Besucher mißhandelt wurden. Sodann drang dis Menge in die in diesem Stadtteil liegende Synagoge ein. Die Huligans hausten in der Synagoge wie Barbaren und zerstörten völlig die Einrichtung. Sie vergriffen sich auch an den Ritualgeräten. Die Danziger jüdische Bevölkerung ist in tiefer Sorge, da sie nicht weiß, wie weit die Menge, der die Behörden keinen Widerr stand entgegensetzen, in ihrem Wüten gehen wird. di© gut©, w©ltb©kännt© J Ä ■ IR . E. I T©l©Rhqn nur Wien I; Kärntnerring 6 ■'“י־ '־־ 534853305348530023485348534853 99999999999994148

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