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Jüdische Presse · 1935-11-01 · 42 (1.11.1935) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
42 (1.11.1935)
Date
1935-11-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ütfriftöv« vyplätne povolen«! «Mit post * tetoffftfov f Bratislava äs. HfllMIMO ׳ * י י Zeitungen mm Verleger Tifieartet V. bi Ui Journal expMfe pd*!,Mlteur -ifkniQCH ^91^9 up Fl בה Wi£N> BRATISLAVA י %NOV£MB£R 1P35 ה" חשון תרצ״ו 21. Jahrgang / Nummer 42 Redaktion und Administration: Wie ü, Hi, Mate» gasse 12 a, Telephon A-46-Ö-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch ]Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kö 80, Jugoslawien Dinar 150, das Übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen f. ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti.* Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr, 40.217, Zürich Nr.'VHl, 4117, Berlin Nr. 122.619. 0RGnn für Die irvreRessen Des 0RTH0D0Hen jüDemums Uttsete WUUetatßeU Die dritte Kenessio Gedaulo Der Pestmonat ist zu Ende. Unser junger Nachwuchs zieht i:a die Jeschiwos, um an diesen geweihten Stätten sich für seine künftige jüdische Aufgabe vorzubereiten. Rund hundert Jungen aus Wien sollen .diesmal die bedeutungsvolle Reise antreten. Es war immer der Maßstab für den gesunden Geist •einer jüdischen Gemeinde, wieviele ihrer Söhne sich dieser alleredelsten und wichtigsten jüdischen Aufgabe widmen. Zu dieser geistigen Bereitstellung ge3ellt sich die Notwendigkeit, seitens der Gemeinschaft die m a t eriellen Mittel für dieses heilige Studium beizustellen. Die Opferfreudigkeit ist heute in dieser schweren wirtschaftlichen Zeit doppelt zu schätzen und es bleibt die allererste Aufgabe, die unser harrt, unverdrossen und unermüdlich für die Aufbringung der Mittel zu sorgen, deren unsere Jeschiwobachurim ׳ * bedürfen. Dann kommen unsere Wiener Schulen und Thoralehrstätten, an denen unsere Jugend heranwächst. Die sind alle notleidend und tragen schwer unter der Last der traurigen Verhältnisse. Und doch, «man darf nicht locker lassen. Wollen wir :den Anspruch erheben, in Wien eine Gemeinschaft zu bilden, die im religiösen Mittelpunkt der Wiener Judenschaft. steht, so dürfen unsere Thoralehr- Stätten keine Not leiden. In der großen geistigen Auseinandersetzung, die nun einmal seit mehr als einem Jahre in dem Kampf um die Selbständigkeit der othodoxen Ge- ־meinde vor sich geht, bildet unser größtes Aktivum d i e Jugend, welche unsere Schulen hier und die berühmten; Thoralehrstätten im' Ausländ, besucht. Die. Sorge für sie bleibt die allererste und allernotwendigste. *.«•• *•:’ Wir dürfen aber auch der materiellen Not nicht vergessen, welche tief in die Schichten des Mittel- Standes eingedrungen ist . Mehr als sechs Jahre sind seit der zweiten, in Wien abgehaltenen, Kenessio Gedaulo verstrichen, da jetzt Meldungen über die bevorstehende Einberufung der dritten ״Großen Versammlung“ der glaubenstreuen Judenheit der ganzen Welt einlangen. Ueber kurz oder lang werden also wieder die repräsentativen Führer und Autoritäten des jüdischen Volkes zusammentreten, um Rückschau zu halten auf die Ergebnisse, die Arbeiten und Erfolge der verflossenen Jahre und um daraus die sich auf Grund festverankerten Glaubens an unserer Ueberlieferung ergebenden Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Diese Tatsache wird nicht verfehlt haben, ein freudiges Echo in allen agudistischen Kreisen und weit, weit darüber hinaus zu finden. Sie wird neue Hoffnungen wecken und neue Impulse der Organisation geben. Noch sind der Ort und die Zeit des Zusammentretens der Kenessio Gedaulo nicht bekanntgegeben. Auf der einen Seite wird viel davon gesprochen, daß die Tagung in Jerusalem stattfinden soll, von wo aus sie am besten die Verbundenheit des jüdischen Volkes mit der jüdischen Lehre und dem jüdischen ■Land dokumentieren könnte. Andererseits können die Vorteile nicht übersehen werden, die eine Tagung der Kenessio Gedaulo in Chuz-lo’orez für die Organisätion in diesen Ländern nach sich ziehen würde. Auch über das Programm der dritten Kenessio ist bisher nichts verlautbart und es ist daher noch nicht möglich, sich zu den Problemen dieser Kenessio zu äußern. Allenfalls wird und muß es schon heute die Aufgabe der einzelnen Orts-, Jugend- und Mädchengruppen, wie auch der einzelnen Landesorganisationen der Agudas Jisroel sein, die eigenen Reihen zu festigen und zu stärken, sich für das bedeutungsvolle Ereignis, als welches eine Kenessio Gedaulo der Agudas Jisroel anzusehen ist, würdig und zweckentsprechend zu rüsten. Die Kenessio Gedaulo soll vor den Augen der ganzen Menschheit den. Beweis dafür erbringen, daß das jüdische Volk, treu seinem angestammten Glauben, gewillt ist, unbehelligt und ohne die anderen zu. stören, für die Wiederaufrichtung eines g-ttlichen jüdischen Volkes zu wirken. Schon Kinder sollen die Zähne mit O DO L-Zahnpasta pflegen. ODOL-Zahnpasta erhält die Zähne schön und gesund. Kleine Tube S —.90 Große Tube S 1.40 mm und auch, :besonders die orthodoxe Judenschaft schwer; niederdrückt. Die große W i n t e r h.i 1 f s a k t i o n, welche die Regierung eingeleitet hat, findet auch in unseren Kreisen einen mächtigen Widerhall. Auch wir müssen die Werbetrommel rühren, um die Notleidenden in unseren Kreisen vor der bitteren Not;,- die besonders in der kalten Winterzeit bedrohlichen Charakter annimmt, zu schützen. Wahrlich, Aufgaben genug, denen man nur gewachsen ist, wenn es unseren Führern gelingt, alle zu einer gemeinsamen Arbeit zusammenzuschließen. •Die gemeinsame Aufgabe muß uns orthodoxen Juden zur Lösung dieser großen Probleme zusammenführen. Agudas Jisroel, die nun vor der Einberufung der dritten Kenessio Gedaulo steht, muß auch in Wien, an dieser Zentralstelle agudistischen Wirkens, beweisen, daß sie mit vollem Recht die Führung der religiösen J u d e n s c h a f t beansprucht.! ־ . ■ In der gehobenen Stimmung der Festtage hat uns Festesfreude• erfüllt, trotz der düsteren Wolken, welche . das Schicksal des jüdischen Volkes umgeben. Wir müssen aber lernen, in der grauen Alltagsarbeit Quellen der Zuversicht zu erschließen, damit wir diese traurigen Zeiten: nicht nur überdauern, sondern wertvolle Vorarbeit für eine glückliebere Zukunft leisten. OPTIKER MORITZ SCHXCHTER, II, Glockengasse 25 Sämtl. Rezepte werden genauestens ausgeführt, Mo-' dernste Fassungen stets lagernd, Reparaturen sofort. Lager in Zeiß-Punktalgläsern. Samstag geschlossen. Konfessionelle und Zivilehe Zu den verschiedenen Unklarheiten und Unebenheiten, die der gesetzlichen Regelung der Rechtsverhältnisse der Juden in Oesterreich anhaften, gehört in erster Reihe die Frage des jüdischen Eherechtes. Während in Altösterreich die konfessionelle Ehe Rechtswirksamkeit besitzt, besteht im Burgenland, im Sinne der alten ungarischen Gesetzgebung, noch die obligatorische Zivilehe zu Recht. Das bedeutet praktisch, daß eine Ehe, die vor dem Seelsorger allein geschlossen wurde, rechtsunwirksam ist und die ein!31׳ solchen Ehe entsprossenen Kinder juristisch als uneheliche zu bezeichnen sind. Umgekehrt ist eine Ehe, die vor dem Standesamt allein geschlossen wurde, rechtswirksam, obwohl ihr die priesterliche Weihe gefehlt hat, so daß die Kinder wohl nicht juristisch, aber de facto imeheliche Kinder sind. Nun berichtet die ״Reichspost“ vom 29. Oktober, daß dieser Zustand für die Katholiken durch das Konkordat beendet wurde, währenddem für die j üdi sehe Konfession nach wie vor der oben geschilderte Mißatiand f ar t b enf teht. Dlie ״Reichspost“ schreibt darüber wörtlich; ״So groß und erfreulich die Fortschritte in der Angleichüng der Rechtsverhältnisse des Burgenlandes an jene Oesterreichs sind, ein schwaches Ueberbleibsel der Vergangenheit besteht noch:' die in der liberalen Wekerle-Banffy-Szilagyi-Aera eingeführte obligatorische Zivilehe für die Juden. Für die Katholiken wurde auf Grund des Konkordates mit Gesetz vom 4. Mai 1934 (BGBl. 88) verfügt, daß den vor einem Priester der katholischen Kirche gemäß dem kanonischen Recht geschlossenen Ehen Rechtswirkung zukommt und der staatliche Matrikelführer gehalten ist, die geschlossenen kirchlichen Ehen in die Ehematrikel einzutragen, sobald sie ihm vom Pfarrer mit den erforderlichen Aogaben mitgeteilt werden. Für die Ehen von Juden verblieb es bisher beim alten Zustand: vermutlich, weil man die Regelung dieser Frage der auf Grund der Verfassung vorzunehmenden allgemeinen Neuregelung der Rechtsverhältnisse der Israeliten überlassen will. Viele Juden tragen es schwer, daß unter Juden Ehen mit Rechtswirkung nur vor der poli- ־ tischen Behörde und nicht vor dem Seelsorger (Rabbiner) geschlossen werden können, wie bei den Christen. Nunmehr hat die burgenländische orthodox-israelitische Zentralkan zle i als legale Vertreterin der gesamten orthodox-jüdischen Einwohnerschaft des Burgenlandes im Wege der Landesregierung an die Bundesregierung־ das Ansuchen gerichtet, im Interesse der Religiosität analog der österreichischen Gesetzgebung auch im Burgenland den nach jüdischem Ritual vor dem befugten Rabbiner geschlossenen Ehen Rechts- Wirksamkeit zu gewähren. Die Petenten hoffen, daß, ohne die erwähnte allgemeine Neurege- JJung der Rechtsverhältnisse aibzuwariten, dem Ansuchen ebenso statt gegeben werde, wie der Forderung der orthodoxen Juden in Wien nach Ermöglichung der Errichtung einer selbst an digen Kultusgemeind e.“ Diese Stellungnahme der ״Reichspost“ ist um so begrüßenswerter, als sie auf einem, wenn auch nicht dem einzigen Gebiet, die Mangelhaftigkeit der Rechtsverhält־ nisse der Österreichischen Judenschaft aufzeigt. Es steht also zu hoffen, daß die Regierung diesen . Mangel unverzüglich beseitigen wird, um im Sinne der Staatsidee der religiösen jüdischen Ehe im liuigenlpnd vorbehaltslose Rechtswirksamkeit zu geben. Und ebenso wie diese Frage, unabhängig von der zu gewärtigenden Gesamtregelung der Rechtsverhältnisse der Juden, unverzüglich eine Bereinigung finden muß, wird und muß auch das Problem der Selbstverwaltung der orthodoxen Juden in Wien, im Sinne ihrer berechtigten Forderung, die auf der Linie des Staatsgedankens liegt, einer sehleunige 11 Lösung zugeführt werden. die gute, weltbekannte dlUlHIHHllllllllllllllllllHIIIIIIHIllllllli.llÜ, f JAHRiX I Telephon 116'0י43י nur Wien I, Kärntnerrjng 6 1, IAHREI 1 534853305348530023485348534853

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