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Jüdische Presse · 1935-10-11 · 40 (11.10.1935) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
40 (11.10.1935)
Date
1935-10-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Die leiehtgezimmerte Sukkoh ist nicht mehr Symbol, sondern Al 11 a g s w i r k 1 i c־h־־ k: e i t geworden. Das Schicksal der Juden in Deutsch־ 1 a n d ist nun besiegelt; sie sind endgültig aus dem politischen und geistigen Leben Deutsch־־ lands ausgestoßen worden. Aber auch ihre wirtschaftliche Position ist auf die grauenhaf־־ teste Weise erschüttert. Es wäre töricht, zu glauben, daß dieses Jucjenschicksal nur auf Deutschland beschränkt bleiben wird; die mächtig entfachten antisemitischen Instinkte werden auch in anderen europäischen Staaten befriedigt werden müssen; natürlich nicht so grauenhaft wie in Deutschland; aber doch werden von den Juden empfindliche Opfer ge־־ bracht werden müssen. Das jüdische Volk wird in manchen Ländern — was seine politische und wirtschaftliche Stellung betrifft — aus dem festgezimmerten Bau der Gleichberechtigung und Gleichstellung mit den anderen Staats־־ Völkern in die le ich tg ezimmer te s ch w a n ke n d e .. §.ukk Q.h,.,.siGh - begeben• müssen.; '׳/r׳ ' ‘ Wie wohl ist denen, welche die Sukkoh nie verschmäht, die von Jahr zu Jahr zur Herbst־־ zeit die Sukkoh, dieses Sinnbild der einstigen Wüstenwanderung, als ihre Wohnstätte ge־־ wählt haben. Sie wissen, daß die Hütte nicht nur das Wüstenzelt versinnbildlicht, sondern auch den wunderbaren Sc'hutz, den der Allmächtige seinem erwählten Volke in der Wüste angedeihen ließ. Der religiöse Jude weiß, daß dieser Schutz G־־t tes nie ersetzt werden kann, nie, durch kein Menschen־־ werk, mag es noch so fest und noch so prunk־־ voll ausschauen. Der religiöse Jude weiß, daß man dieses Schutzes nie entbehren kann, er weiß aber, daß dieser Schutz überall vor־־ handen ist, wo ein schwaches Menschenkind sich, unter G־־ttes Fittiche begibt. Diese Lebens־־ erkenntnis der religiösen Juden wird jetzt all־־ mählich in die Herzen jener Juden einziehen, die geglaubt haben, daß die Gesetzesartikel der modernen Staaten über Gleichberechtigung wert sind, daß man die fundamentalsten Artikel des G־־ttesgesetzes für sie opferte. Der religiösen Judenheit erwächst nun in dieser schicksalsschweren Zeit die Pflicht und Aufgabe, die Lehre der Sukkoh recht deutlich in die Herzen jener Brüder zu tragen, welche, tief erschüttert vom Judenschicksal, tinsicher und ratlos dastehen und den Weg zu der alten Judenwahrheit allein nicht finden können. Er־־ füllt die religiöse Judenheit diese historische Aufgabe, so wird sich bald das Zelt des Friedens über uns spannen, des Friedens der Brüder untereinander, des Friedens von Volk zu Volk und zuletzt auch des Friedens des Volkes mit seinem G־־tt, der uns aus der Wirrnis, der wir in dem letzten Jahrhundert in Europa verfallen waren, in das eigene Heim zurückführt. In, knappster Aufeinanderfolge feiert das jüdische Volk zwei Feste: Jom Kippur, den Tag der inneren Erlösung, der geistigen und Seelischen Rettung, und Sukkos, die bleibende Erinnerung an gewährten äußeren Schutz, an rein menschliche Erhaltung. Die Verschiedenheit der Anlässe bewirkt verschiedene Tendenz und diese wieder jeweils andere Ausdrucks- und Erfüllungsformen. Am Jom Kippur, wo Jisroel demütig und gedrückt seinem G-tt sich iiähert, Verzeihung ,und Vergebung seiner Vergehen und; Sünden zu erflehen —Vergehen und Sünden G-tt gegenüber, denn nur diese finden Sühne —, wo das j ü dfi s c h e V o 1 k seine j ü d isehe Schuld tilgen will, •da versammelt es sich an geweihten Stätten, wie Heerscharen gegen einen Feind, gegen den ewig verneinenden ״Kathegor“, aber aüch wie Kindter, um ein huldvolles Geschenk von ihrem ׳ endlos gütigen, liebenden Vater zu empfangen. Da kommen sie alle und ein jeglicher bringt seine guten und bösen Taten mit; und noch, immer hat das Zünglein nach rechts ausgeschlagen, denn das Gute hat überwogen. Nicht einzelnen, sondern der Gesamtheit erschien־ der g-ttliche Gesetzgeber am Sinai und so hat die Gesamtheit: vor ihm als dem Richter zu eilscheilnen. Den Fahnenflüchtigen trifft das Los der Ausrottung aus der ״Mitte seines Volkes“ (Wajikro 28), das er im Stiche gelassen, denn als Ganzes wird Jisroel vom Herrn der Welt geprüft und gewogen. Anders am ׳S u k k o s, wenn wir der wunderbaren Erhaltung unserer Existenz gedenken, trotz aller Fährnisse der Zeiten, trotz des blindwütigen Hasses zahlloser Feinde! Wir sind vi&l zu klein und schwach, um ihnen.als g e s c hj o;s.s e n e:JMb hebt;entgegentreteh;zu können; nur in der- Zerstreuung liegt die Rettung, in der Schutzlosigkeit der Schutz, in der Hilflosigkeit die Hilfe, in der Schwäche die )1Stärke! Darum suchet vereinzelte Hütten auf!' Die •entgehen leicht* dem Feind; und schlägt er einmal zu, so gibt es eben andere, die anversehet bleiben. Hütten mü£i3eh es sein, bescheiden und unauffällig, wie das Leben Jisröels unter den Völkern. Innen kannst,־ sollst du deine Sukkoh;traulich schmücken; für ihr Aeußeres aber ist Einfachheit geboten, mit schlichtem Laub bedeckt, darf siel nicht höher als zwanzig Ellen ׳sein. Besonders dem ״E s r o c h“, dem Einheimischen und Bürger, der sich!sicher und geborgen fühlt, legt die Thora ausdrücklich ans Heirz, die דירת ארעי zu beziehen (Wajikro 23),׳ nicht auf ״ersessene“ Rechte zu bauen und zu wähnen, Ansehein und Würden hätten ihn gegen Unrecht und Unbill gefeit. Auch er schlage seine Hütte auf, abseits des rasenden Getriebes und wilden Lärms der großen Welt, und keine Burg ist so fest, daß sie mehr Schutz böte. Am Jom Kippuir, wo der jüdische Mensch die Nähe G-ttes sucht und danach strebt, sich über sein eigenes Selbst emporzuheben, soll alles Fleischliphte schweigen; durch Fasten und Weinen, Buße und Gebet soll das הלך אלקי in uns Oberhand erlangen und über den dumpfen חומר triumphieren. Doch nicht oft vermag der Sterbliche sich über das Gewöhnliche emporzusehwingen und Höhen zu erklimmen, da er den Hauch der Ewigkeit und Unendlichkeit verspürt. Darum wurde einem Tag im Jahr — und nur ei nem — die höchste Heiligkeit und.Weihe gegeben: — ...׳ אך בעשור לחדש השביעי. Er ist einzig pnd allein und ohnegleichen unter den jüdisehen Festen, Nicht so S u k k o s, dasin seiner Versinnbildlichung von Jisröels Daseinsform uiid seinen Beziehungen zur Umwelt sieben Tage zählt. Eine volle Woche! Jeder ihrer Tage. ist vertreten, auf daß du weißt, daß dieses Festes Brauch und Regel für deinen Alltag gilt, für dein ganzes Leben, das du danach einzurichten und zu gestalten hast...! למען ידעו דורוחיבכ Und so ist es nur folgerichtige, beharrliche Konsequenz, wenn die Thora Sukkos für die Erntezeit ansetzt, באספכם אח חבועת הארץ, wo ringsum Erfolg und Segen blüht, Fülle herrscht, jeder Einsatz Gewinn bringt. Gerade, wenn der Augenblick am günstigsten ist und es verlockend scheinen mag, aus dem Schatten der Lebens-Sukkoh ins grelle Lieht solchen Glücks zu treten, nach den gleißenden ״Gütern der Erde“ zu langen und mitzutun an dem großen Jahrmarkt, weil Gelegenheit sich bietet, gerade d a ist es des Jehudi Pflicht und Wohl, sich zurückzuziehen in eine ״Hütte dies Friedens“. Und von dem iiberquellenden Reichtum der Natur nehme er — dies ist die andere Mizwoh des Festes — vier מינים, die ״gering sind in der Menschen Augen“ (Midrasch Kaba), darunter bloß ein e Frucht,deren ״Geschmackdem ihres Baumstammes gleicht“ (ebenda). Wenn einmal draußen, jenseits der Grenzen, die G-tteswille und G-ttesgesetz um uns gezogenrwenn da einmal ״Ernte“ ist — Wir haben im Hintergrund zu bleiben! Es ist sinnles, mit den anderen um den Besitz von Werten, zu ,wetteifern, die, wenn wir sie noch so sehr nach den Regeln des geltenden Rechts erworben, mit Ge\va11 uns abgenommen werden. Kaum können wir ihre שבחה in Ruhe auf lesen und genießen! Ewiges, unabänderliches Los des geliebtesten׳ Kindes unter den mißgünstigen Geschwistern! Um den Segen, den der erhabene Vater mit vollen Händen wahllos verstreut, renne und dränge sich Jisroel mit den andern nicht! Bescheide dich mit den geringsten נדנים, wenn du zufrieden biät, wird es dir zu Frieden sein!!... Und so veranschaulicht der Midrasch den Sinn der ד׳ מינים durch das Bild eines Gerichtes: der weise Richter erkennt den besseren; edleren gerec,hteren Teil der Streitparteien in demjenigen, der nach den unscheinbarsten der Früchte greift, mit denen sie bewirtet werden. So legen auch, sägt Rah Avvin, Esrog und Lulow Zeugnis ab für Jisroel und darum ist ihm geboten ...ולקהתם-לכם•^ Die beiden Mizwös, םוכה und ד׳ מינים, sind also Riehtschnür für unser Verhalten in einer Welt, die sich in nichts zu einigen vermag als in einem: in שנאה ליעקב. Doch wenn ihre Zeit um und sie an sich selbst zerschellt ist unddem stillen Dulder herrlicher Sieg zuteil wird im Reiche Grttes, dann—so lautet die Verheißung—והי׳ כל הנותר מכל הגוים הבאים ירושלים. ועלו מדי שנה בשנה להשתהות למלך ה׳ צבאות, ולחוג את הג הסכות ״wird der Rest der Völker, die‘wider Jeruscholajim zogen, jährlich herauf kommen, um sich vor dem König, dem Herrn der Heerscharen, zu bücken und Sukkos zu begehen“ (זכרי׳ י,!־). Sie werden kommen, um G-tt zu huidigen und in der Feier des Sukkosfestles sein Volk zu preisen, dessen bescheidene H ü 11 e ihre Burgen י und Festungen überdauert hat... Emanuel Geld wert h. Der dritten Kenessio Gedauip entgegen Es verlautet, daß die Zentralinstanzen der Agudas- Jisroel-iWeltorganisation ihre Expositur in Jerusalem beauf tragt haben, zu prüfen, ob die Abhaltung der dritten Kenessio Gedaulo in Jerusalem technisch durchführbar sei. Auf alle Fälle — so scheint es — soll die Kenessio Gedaulo im Laufe des Jahres 5696 stattfinden. Die Meldung der J. T, A., daß die Kenessio Gedaulo nach Jerusalem bereits einberufen wurde, entspricht jedenfalls vorerst nicht den Tatsachen׳. •u I Illen Lesern, Freunden und Inserenten der ״Jüdischen Presse״ herzlichst שמחת יום טוב! Die nächste Ausgabe erscheint Freitag, den 25.0ktober d. J. - Die Hauptgeschäftsstelle. Jlllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllllllllilllk . J H || H g | lllillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllin^ die gute* weltbekannte Telephon U01*43״ § nur Wien I, Käfhtherrihg § 1 :v :;«;15 VrUm . ■' D+:..:/+:^+:.D

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