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Jüdische Presse · 1935-09-13 · 36 (13.9.1935) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
36 (13.9.1935)
Date
1935-09-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Wir wissen zu genau, wie solche Ziffern zustande kommen. Die N. Z. O. hat nicht einmal die Spiegelfechterei ihrer Mutterorganisation nachzuahmen versucht, welche glauben machen will, daß das Bekenntnis zu ihr auch einen materiellen, Ausdruck erfordert. Die N. Z. O. hat einfach durch ihre uniformierten Jungens und Mädels bei allen, die irgendwie zu erreichen waren — mit dem Hinweis darauf, daß es, wie der Wiener sagt, ״eine Hetz ist und nichts kostet“ — Unterschriften erbettelt und sie spricht nun unkontrolliert von einem ״Mandat der dreiviertel Millionen“. Selbst wenn die angegebenen Ziffern nicht fingiert,sein.sollten, wäre es widersinnig, von einer ״Vertretung des jüdischen Volkes“ zu sprechen. Stellen doch die 660.060, bezw. 750.000 Stimmen bloß knappe 4 Prozent, bezw. nicht ganze 5 Prozent des Weltjuilmtums dar. TJhd der Trugschluß, daß das zusammen 0 Prozent wären, widerlegt sich von selbst durch die Tatsache, daß ein überwiegender Teil der zionistisehen Wähler, in Unkenntnis der Unterschiede, für die ״alte“ und für die ״neue“ Z.;0. gestimmt haben. So weit das Zahlenmäßige, das wir nur festhalten: wollen,;, um d.en .Herren. auch4 in י ihrer Spräche zu sagen, daß sie in maßloser TJeherhebung Rechte für sich in An- Spruch nehmen, die Ihnen nie und nimmer zukommen. Wesentlicher aber ist uns, die wir gewiß nicht auf dem Standpunkt stehen׳, daß es auf die Quantität ankommt, der g e i 81 i g e G e h a 11, der in Luzern genau so wie in Wien ein Minus aufweist. In Luzern hat die Heerschau der alten Zionistisehen Organisation diesmal endgültig in allen ihren Schattierungen Farbe •bekannt. Wenn das jahrzehntelange Spiel nüt den religiösen Forderungen der pseudoreiigiösen Schleppträger heuer eine etwas neue Aufmachung erfuhr, so geschah dies vermutlich nur in uneinbekannter Angst vor dem Kongreß der N. Z. O., die ja in allen ihren parteioffiziellen Auslassungen den Mund übervoll nahm mit Religiosität. Was dabei in Luzern herausgekommen ist, ist ein Faustschlag ins Gesicht aller religiösen Menschen. Die Marionetten der ״religiösen Fraktion“ — wie sich der ״Misrachi“ noch immer zum Spott unserer heiligen Religion nennt —, die dort Obstruktion triehen, hahen schließlich eine ״Zusage“ von sehr problematischem Wert bekommen, daß das, worauf das ganze jüdische Volk vom Sinai her beschworen ist, auch in der Zionistischen Organisation Geltung haben wird. Sie haben sich allerdings zufriedengegeben, daß der empörende Zustand, daß eine jüdische Organisation das jüdische Religionsgesetz mit Füßen tritt, auf sechs Monate prolongiert wird. Wir fragen׳ nicht, wer diesen Vertretern einer religiösen Richtung, unter denen sich eine Anzahl Rabbiner befindet, das Recht gegeben hat, G-ttesrecht außer Kraft zu setzen. Das Urteil über diese Spötter, die das G-tteswört im Munde führen und es im Herzen verleugnen׳, hat der königliche Sänger in erhabener Prägnanz gesprochen: ולרשע אמר אלקים מה לן לספר חוקי ותשא בריתי עלי פיך So verlief denn Luzern als eine Versammlung g-ttvergessener Menschen, dio sich anmaßen, ein Judentum ohne Religion schaffen und erhalten zu können. Der Glanz der äußerem Aufmachung konnte und kann nicht über den inneren Verfall hinwegtäuschen, der sich in der innerfraktionellen Spaltung genau so wie in der äußeren Teilung in eine ״neue« und eine ״alte“ Z. O. ausdrucksvoll kundgibt. * In W i e n, beim Kongreß der N. Z. O., hat sich nun all das zusammengetan, was aus politischen, persönliehen, möglicherweise auch organisatorischen Gründen׳ in und um Luzern Sich nicht mehr wohl fühlte. Es ist das eherne Gesetz jüdischer geschichtlicher Entwicklung, daß alles, was nicht ganz auf religiösem Boden fußt, sich im Laufe der Zeit wandelt und schließlich abfällt. In richtiger Erkenntnis dieser Tatsache hat Jabotinsky, der Führer der N, Z. O״ ins Parteiprogramm nebulöse Phrasen von Religion und religiösem Aufbau eingefiochten. Da aber geschichtliche Zwangsläufigkeiten selbst von der Phraseologie eines Jabotinsky, die möglicherweise für modernes FUhrertum genügt, sich nicht biegen lassen, -Jeruscholajim hat die Welt — der Religion Herzenssache und nicht leerer Schall, Religiosität Grundlage der sittlichen Ent- Wicklung und nicht Parteiköder ist — zu rasch erfahren, wie es um die Religiosität der Revisionisten bestellt ist. Der Führer dieser mächtig aufgeblasenen ״neuen“ Organisation, der unseres Erachtens viel zu viel Beachtung geschenkt wird, hat in seiner Eröffnungsrede seine ganze Ignoranz und Demagogie offenbart, indem er das* friedliehe Beieinandersein von Atheisten und religiösen Mensehen nicht nur wünschenswert, sondern auch für möglieh bezeichnet hat. Dagegen zu polemisieren wäre lächerlih. Wer auch nur einen Hauch vom Wesen der Religion hat, muß wissen, daß sie, die g-ttliehe Willensäußerung, herrschend sein muß in der Gesellschaft, in der sie zum Ausdruck kommen soll. Zwischen g-ttlichen und menschlichen Maßen gibt es keine Synthese. Wem es um die Religion ernst ist, der muß sie souverän anerkennen und wer das nicht tut, ist ihr Feind. So deklariert sich der ״neue“ Zionismus in jüdisch-geistiger Be- Ziehung als ein noch bekämpfenswerterer Feind, als der ״alte“, der in seinen Theoretikern sich offen gegen die g-ttliche und messianische Idee stellt. Und so zeigen׳ sich die dort Anwesenden sogenannten ״Religiösen“ als die hoch verwerflicheren Feinde der wahren jüdischen׳ Lebensauffassung. Und wenn sie, wie ihre Vorgänger in der alten Z. O., Palästina in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen, so können wir, die wir . unentwegt festhalten an dem Jeruscholajim schel Maaloh', nur sagen: Mag sein, daß ihre Arbeit gut'ist für die Bedrückten, denen Palästina heute ein Zufluchtsort ist;. Mag sein,, daß ihre Arbeit den Boden entsteint,־ äüf^TlöW^äöfQinst noue,s: jüdisches Leben emporblühen wird. Mag sein, daß ■ sie die niedrigen irdisehen Voraussetzungen für unser hohes geistiges Ideal schaffen. Aber der geistige Aufbau Jeruscholajims wird und kann nicht von ihnen ausgehen. Sie legen möglicherweise wie der. Handwerker Stein auf Stein nach einem Plan, der nicht von ihnen, sondern von einem allmächtigen Meister geschaffen ist, dessen Werk aber dem Alltagsmenschen unsichtbar ist. Aber es ist falsch, wenn Jabotinsky in seiner Eröffnungsrede in einer bis zur Erschöpfung der , Zuhörer währenden Rede die jüdische Entwicklung in drei Teile teilt, deren erster die Normalisierung des jüdischen Volkes in Palästina, deren zweiter die Liquidation des Golus und deren dritter der kulturelle Aufbau, der die Welt! überstrahlen soll״ ist׳. Umgekehrt ist die wahre Ent- Wicklung. Erst wird das jüdische Geistesleben aufgerichtet durch das junge aufstrebende jüdisch-religiöse Geschlecht unter Führung nicht eines Führers, sondern des jüdischen Geistes, wie er sich in unseren unabhängigen religiösen Autoritäten verkörpert. Und damit wird das jüdische Volk normalisiert und dann das drückende Golus beendet.ירושלים הרים סביב לה ודד סבי-: לעמן• Jeruscholajim ist umringt von Bergen und G-tt ist um sein Voll«. . Dr.Oetkers Backpulver Wien l, KürntnerrlnS Hr. 6 Fernspredinummer 110-16 •43־ 27835017

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