Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 34 (30.8.1935)
- Date
- 1935-08-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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UltfÜlaf-f »fl riadit (raut & ^מו^ע41 ...w;mir-r PR6SSG Leitungen f(ü Verleget yefse* _ Joamalexp6dl6patMi I* בה WIEN.BRATISLAVA ■i M aMüST 30. AUGUST ms .‘א׳י^^תמדזז.; J?t, Jahrgang / ‘Nummer 34 Redaktion and Admhüstfatiöii: W ie h; II., Mali* gasse 12 a? Telephon A-4&-Ö-15; TächeehösloWäkM */ Bta tisIaVa? Boäi&Gh 3£i 7: Erscheint Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kö 80, Jugoslawien Dinar ISO, da» Übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer äst. Gr. 46. Zahlungen I. ״Jüdische Fresse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 60.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr, Vni, 4117, Berlin Nr. 122.619. 0RGf>n für Die imeRessen oes 0RTH0D0Hen JUDemums E 1 1 11 1 Schon Kinder . sollen die Zähne mit O D'O L-Zah n pasta pflegen. ODOL-Zahnpasta erhält die Zähne schön und gesund. Kleine Tube S —.90 Große Tube S 1.40 Bekenntnis» אשמנו מכל עם___, בושנו מכל דור Es ist beschämend für uns, daß wir unsere ureigensten jüdischen Sittengrundsätze, die bei uns vernachlässigt sind, aus zweiter Hand bekommen und dort das Kleinod bestaunen müssen, das wir frivol verlorengehen ließen, als es unser eigen war. Dieses Gefühl muß sich jedem aufrechten Juden aufdrängen, wenn er in der letzten Sonntags-Nummer der ״Reichspost“ liest, wie die Andersgläubigen über die brennende Frage des Familienschutzes denken. Die österreichische Regierung bereitet ein Gesetz zur Schaffung von Ausgleichskassen zwischen kinderreichen und solchen Familien vor, in denen die Schande des Kein- und Einkindersystems Heimatsrecht genießt. Es erübrigt sich wohl, zu betonen, daß vom jüdischen Standpunkt diese ״modernen“ Ansichten über Familienstand und Eugenik klar und präzis abzulehnen sind. Das g-ttliche Gesetz läßt keinenZweifel nach dieser Richtung offen. Nach talmudischem Recht ist es Blutschuld, die derjenige auf sich lädt, der dem Naturgesetz durch manschliehe Eingriffe entgegenwirkt. Wenn trotzdem die: Zustände auf diesem Gebiete bis zu einem erschütternden Tiefstand gediehen sind, so ist das mit ein Teil unserer Schuld am Niedergang des gesamten jüdischen Volkslebens und vielleicht auch des Weltverderbens. Solange die jüdische Mutter und auch der jüdische Vater sich ihrer Pflicht gegenüber dem Volksganzen bewußt waren und solange die beiden den צער גידול בנים, die Last der Kindererziehung freudig auf sich genommen haben, war vielleicht das Leben etwas unbequemer, es hat aber Sinn und Ziel gehabt und hat Freuden geborgen, die dem neuen Geschlecht unwiederbringlich versagt bleiben. Es besteht heute ärztlicherseits kein Zweifel mehr darüber, daß die Geburtenbeschränkung, abgesehen davon, daß sie: vom bevölkerungspolitischen Standpunkt eine Katastrophe darstellt, auch biglogisch unermeßlichen Schaden angerichtet hat, da das naturwidrige Verhalten das Nervensystem der Mütter־, der Väter und schließlich auch des einen Kindes vollständig zerrüttet. Aber den unermeßlichsten Schaden hat diese verpönte Auffassung dem geistigen und sitt- | Einkehr! Der letzte jüdische Monat ist nach altem jüdischem Brauch der Besinnung, der Rechnunglegung, der Bilanzstellung gewid־־ met. Ein Jahr geht zu Ende; ein neues, besseres Jahr soll erkämpft, erfleht, mit Verdienst er־־ worben werden. Und so eine große Schlacht um eine bessere Zukunft muß gründlich vorbereitet werden. Geistig hochentwickelte Menschen mit seelischem Feingefühl pflegen öfters, manche täglich,י manche allwöchentlich, einige allmonatlich, solche innere seelische Ab־־ rechnungen mit sich zu Kalten. Einfachere, stark in den Alltagskämpfen ,verwickelte Menschen, sparen sich diese Abrechnung für den letzten Monat des jüdischen Jahres auf. Die ä u ß e־־ ren Anlässe zu dieser Bilanzstellung sind leider nur allzu grobschrötig gegeben. Wirt־־ schaftlicher Niedergang, politische Entrechtung treiben jeden Juden zum Nachdenken, zur Be־־ sinnung über seine Aufgabe als Mensch, über seine , Leistungen, als Jude, an. ׳ Wir werden aber in diesen schrecklichen Erscheinungen des poli* tischen Niederganges und der ökonomischen Krise, so traurig sie an־ und für sich sind, nicht nur das Schlechte sehen. Wir werden in ihnen einen mächtigen Antrieb erblicken, zur Läu־־ terung, zur religiösen Höherentwicklung. Insbesondere dürfen diese äußeren Um־־ stände nicht unsere Jugenderziehung beeinträchtigen. Im Monat Ellul öffnen in Wien die Schulen ihre Pforten und während die ern־־ sten Tage dieses Monats uns zur Einkehr und Einsicht führen sollten, bringen jüdische Vater und jüdische Mütter ihre Kinder in Schulen, liehen Gepräge unseres Geschlechtes beigebracht. Es ist unmöglich, daß solche Menschen in ihrem Innersten von der ■göttlichen Allmacht überzeugt sein sollen, die ja über die Sorgen des Momentes auch anders hinweghelfen kann, als durch diese kleingeistige Nachhilfe, und es ist daher ein חסוד בטחון, ein Fehlen an* Glauben an die g-ttliche Vergeltung und Hilfemöglichkeit. Und das Produkt aus solcher geistiger Einstellung muß und geht notwendigerweise weiter und wirft alles, was uns heilig ist, um den Genuß des Augenblickes willen über Bord. Nur so ist es zu erklären, daß sich der Kreis der ehrlich überzeugten und inbrünstig Glaubenden immer mehr und mehr verkleinert und daß Eltern, die sonst in ihrem Lebenswandel nichts vernachlässigen, wozu sie. das G־ttesgesetz verpflichtet, Kinder großziehen, die dann schmählich die Fahne ihrer Eltern verlassen. Es rächt sich in 90 von 100 Fällen die im Verborgenen begangene Sünde öffentlich; verzweifelt erkennen dann die Eltern, daß die Grundpfeiler des jüdischen Familienlebens geborsten sind in einer Zeit, in der sie selbst nicht mehr imstande sind, den Schaden, den sie mitangerichtet haben, gutzumachen. Und wenn nun Andersgläubige . darangehen, durch materielle Hilfe den Geist des Volkes wieder aufzurichten, so muß und sollte bei uns die Waffe | der Aufklärung genügen, um den jüdiwelche der jüdischen Entwicklung unserer Kin־־ der abträglich sind, die mannigfache Gefahren in sich bergen. An der öffentlichen Schule kann im besten Falle die negative Wahrung, des Sabbaths erreicht werden. Man muß nicht schreiben und Werkarbeit in der Schule ver־־ richten. Wie es aber auf die Seele eines jüdi־־ sehen• Kindes wirkt, überhaupt an dem heiligen Tag in die Schule zu gehen, den besten Teil des Sabbath in einer unfreundlichen Umgebung zu verbringen, wo man verspottet und beschimpft wird, wenn man diese oder jene Verrichtung ablehnt? Trotz aller Mahnungen ernster jüdischer Führer, trotz des liebevollen Rufes jüdischer Schulmänner, bedarf es noch immer erst der Aufklärung und der Ueberzeugung,- daß ein jüdisches Kind heute erst recht in die jüdische Schule gehört. In die religiöse Schule! Und nicht nur Knaben allein. Das jüdi־־ sehe M ä a ch en bedarf nicht weniger der jüdi־־ sehen Schule. Die jüdische Gemeinschaft kann heute weniger denn je auf die aktive religiöse Mitarbeit der jüdischen Frau! verzichten. Im Monat Ellul wollen wir durch Einkehr, durch־ Besinnung nicht nur die Fehler der Ver־־ gangenheit überdenken, sondern durch die Wahl eines besseren Weges, einer besseren Lebensweise, durch Bereitung eines jüdi־־ sehen Weges für unsere Kinder arbeiten, daß die Zukunft sich jüdischer und dadurch freund־־ licher und glücklicher gestalte. sehen Eltern zu sagen, wo sie gefehlt haben! und sie zurückführeij auf den Weg der freudigen Pflichterfüllung vor G-tt, Volk u n d sich selb st. ’ Milderung des Judenboykotts in Deutschland. Den ausländischen. Presseagenturen, die in Berlin vertreten sind, wurde die folgende Meldung zugeleitet: ״Wie von gut unterrichteter Seite verlautet, soll in der nächsten Zeit der wirtschaftliche Boykott gegen die Juden in Deutschland gemildert werden. In eingehenden Beratungen zwischen dem Reichswirtschaftsministerium und den übrigen beteiligten Ministern ist man zu dem Beschluß gekommen, dem Boykott gegen die jüdischen Geschäfte seine Schärfe zu nehmen. Die Rede des Reichsbankpräsidenten Schacht wirkt unzweifelhaft im Innenministerium nach, da es immer mehr zutage tritt, welche schwere Schädigung das ganze Wirtschaftsleben durch die antisemitischen Unruhen erlitten hat. Von der Geheimen Staatspolizei sollen demgemäß auch schon Weisungen in das ganze Reich hinausgegangen sein, allen Einzelaktionen energisch entgegenzutreten.“ Leider liegt der Verdacht. nahe, daß es sich bei dieser für das Ausland bestimmten Meldung um nichts anderes handelt, als um eine Geste zur Unterstützung der Bemühungen Dr. Schachts, der sich jetzt nach England begibt, um dort Verhandlungen über eine deutsche Anleihe einzuleiten. In Deutschland selbst ist kein Symptom zu merken, welches auf eine Milderung des Judenboykotts hindeuten sollte, Ulen l, Körntnerrlns Nr, 6 Fernsprechnummer 110-16־43־