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Jüdische Presse · 1935-08-23 · 33 (23.8.1935) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
33 (23.8.1935)
Date
1935-08-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jtovinove vypfastnApovolene rfadit post *• t fiMtiiüf« äi. 4187*-0*-1מ Mi M* Leitungen vom Veflegd wttmfet joüttu11 exp&li6 pr!*Glitcuf WIBN.BRATISLAVA 23, AUGUST 193$ כ״ד צב תוצ״ה 27. Jahrgang f Nummer 33; Redaktion und Administration $ Wien! n., Malz* gasse 12 a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava» Postfach 381 / Erscheint jeden : Froitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig:: für Oesterreich S IS, Tschechoslowakei Kö 80, Jugoslawien Dinar ISO, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer Ost, Gr, 40. Zahlungen f. ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 120.068, Budapest Nr. 60.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. Vm, 4117, Berlin Nr. 122.619. 0RGnn für Die mteRessen 068 0RTH0D0Hen JUDemums Zionismen. Mit -gedämpftem Schall haben die Fanfarenden heurigen Zionistenkongreß in Luzern eröffnet. Wenn auch nichts in der Aufmachung und Regie gefehlt hat, so sind die Vorzeichen für den heurigen Kongreß so Ungünstig, daß alle — 0׳b es nun die 60prozentige linke Majorität oder die rechts׳* stehende Minderheit ist — mit sehr gemischten Gefühlen zu einem Kongreß gehen, der in seinem- Schatten schon einen zweiten zionistischen Kongreß, und zwar den -im September in Wien ׳stattfindenden der ״N e u e n Zionistischen Organisation“, hat. Es ist seit Herzl das erste Mal, daß ein wesentlicher Teil der zionistischen Organisation — abgesehen von der nachmaligen Freilandbeweg-ung — organisatorisch vollkommen getrennt auf den!Elan tritt. Der zionistische Kongreß in -Luzern hat denn auch heuer das entsprechende Gepräge. Während n'och beim vorigen Kongreß-die Linken als die stärkste Partei auf Packeleien mit den anderen Gruppen angewiesen waren, verfügen sie diesmal über eine kompakte Mehrheit von 60 Prozent und sie könnten -daher tun und lassen, was sie wollten. Wenn!wir auch nicht glauben, daß sie so ungeschickt sein ■werden, diese Macht auch nach außen* hin sichtbar schrankenlos auszunützen, so ist -diesmal das Ränkespiel doch viel durchsichtiger, •und^ wenn man sichschließlich auch auf eine gemischte Exekutive einigen wird, so kann ernstlich; an der Macht der Mehrheit nicht gezweifelt /werden. Die zionistische Organisationhat den Weg vom jüdischen N a t i 0 n a 1 i s m u s zum Internationalismus verhältnismäßig rasch zurückgelegt und ist endlich dort gelandet, besser: gestrandet, wo jede jüdische ׳Bewegung, die ohne oder gegen -die Religion steht, landen m u ß. Wie immer die Herren diesengeistigen -Schiffbruch benjjänteln werden, zur Geltung im bürgerlichen jüdischen Leben kann diese Organisation nie mehr kommen. * Inzwischen macht die ״Neue -Zionistische Organisation“ oder, wie siesich kurz nennt: -die NZO., fanatische Anstrengungen, um die Premiere, mit der sie sich heuer auf der jüdischen Weltbühne präsentieren wird* zu einem Erfoil-g zu gestalten. Die -unifor* mierten Mädeln -und- Burschen, die von Haus zu Haus Unterschriften sammeln׳, geben jedem, das -Seine, nur um das Ihre zu bekommen. Bei orthodoxen Juden wird erzählt, daß die NZO. religiös -bis zum- Extrem ist, bei den anderen wird versucht, durch Soldatenspiel den Eindruck einer Kampf׳־ Organisation zu machen1, /während das Partei- Programm vorsichtig -und mit Schlagworten zwischen allen Richtungen im Judentum laviert, von ״re’ligiösem Neuaufbau“ spricht und für denzu erkämpfenden Staat ״akkreditierte Vertreter bei den Weltregierungen“ verlangt -und verspricht. Unsere Stellung zu der religiösen ׳P h r ase010-gie ist bekannt. Wir weisen׳ es in diesem und in jedem anderen Falle scharf und eindeutig zurück, das orthodoxe Judentumvon irgend wem, gleichgültig, ob er politisch rechts oder links steht* präsentieren oder vertreten zu lassen, der nicht selbst auf d e m u n e r s c h ü 11 e r 1 i c he h Boden von Thora und Ueb erlief erung steht. Das religiöse Judentum steht auf dem Boden der gütlichen Lehre, die alle Fragen, die das Judentum berühren, unzweideutig beantwortet. Hier gibt es kein Rechts und 1kein Links, hier gibt es nur einen religiösen Grundsatz, der gleichermaßen für den Arbeitgeber wie für den Arbeitnehmer bindend ist. Hier gibt.es keine sozialen ,»Probleme“, weil das jüdische Reli־<; gionsgesetz bindend und verpflichtend alle Fragen des jüdischen Gemeinschaftslebens regelt. Es ist also nichts selbstverständlicher, als daß die agudistische Exekutive in Warschau einen Be- Schluß veröffentlicht (den wir an anderer Stelle wiedergeben), der klar und unzweideutig ausspricht, daß jeder Manin׳, ■der der NZO. b e i t r i 11, sich selbst aus der religiösen Welt- Organisation der Agudas Jisroel auis* schließt. Die NZO. ist eine rein zionistische Sache, deren politische Tendenz nach rechts geht und die daher vom politischen!Standpunkt dem einen oder dem anderen sympathischer sein mag als eine linke zionistische Organisation. ׳Für uns gilt das Prinzip des auf Basis des G'ttesgesetzes geeinigten jüdischen Volkes. * In einer nicht geradezu beneidenswerten Lage befindet sich der sich ״religiös“ gebärdende Ableger der zionistischen Organisation, d!er sich ״M i s r a c h i“ nennt. Bei uns in! Wien haben--sich die angeblich hoch immer existierenden drei unentwegten Misrachisten — ob* armer Dritter — gespalten und während der eine Teil zu der NZO. übergegangen׳ ist und von dort, aus den ׳Misrachi befehdet, hält der andere Teil un- . entwegt an! -diesem fest. Welcher Misrachi -gemeint wird, ist allerdings noch ungeklärt. Denn auf der jüngst in Krakau stattgehabten Weltkonferenz des Misrachi hat auch diese Organisation ihr unvermeidliches Harakiri begangen und hat ihre bewährten Führer, Raw -Meier Berlin׳, Raw Fischmann und viele andere, davon-gejagt. Also welche Rolle d!er Misrachi jetzt auf dem; Kongreß spielen wird1,; ist unmöglich vorauszusehen, da eine׳ Rechnung mit unbekannten Größen mehr eine arithmetische denn eine politische Auf* -gäbe ist. Auf alle Fälle hat der Misrachi diesmal eine Geste gemacht, die, wenn man sie ernstnehmen könnte, immerhin einige Bedeutung hätte.!Sie hat I. Immer, wenn die Tagespresse sich mit der Judenfrage beschäftigt, haben wir das würgende Gefühl, daß man von Juden spricht und das Geschäft entweder mit ihnen oder gegen sie meint; ob dieses Geschäft nun rein kommerziell oder politisch gefärbt sei. Dies güt für die liberale, bei unseren Gegnern oft genug zu Unrecht als jüdisch-liberal bezeichnet® Presse genau so wie für die nichtjüdische oder gar antisemitische. Es gibt wohl im Leben nichts Unerträglicheres, als Immer verkannt und mißverstanden zu werden und immer als das behandelt zu werden, was man am wenigsten ist. Und daß dies auf die Judenfrage zutrifft, ist längst Gemeingut der wenigen Gutgesinnten, die es allenthalben gibt, geworden. So imdemokratisch unsere Zeit auch sein mag, es entscheidet im gesellschaftlichen Leben wenn auch nicht die Mehrheit der Stimmen, so doch die Mehrheit der Kehlen. Und so kommt es, daß über das sogenannte Judenproblem —- obwohl es nicht einmal mehr zu einer Diskussion ansreichen würde, wenn das Thema einmal zu Ende gesprochen worden wäre — noch immer und überall *) Dieser Artikel war schon: für die vorige Nummer gesetzt und konnte bloß aus Raummangel erst heute veröffentlicht werden. Vor lästigen Verfärbungen schützt ODOL-Zahnpasta Ihre Zähne. ODOL- Zahnpasta reinigt gründlich, ODOL- Zahn pasta macht Zähne wie Perlen l Kleine Tube S -*.90 Große Tube S 1.40 ihre Mitglieder von׳ der Scheke.1 pf 1 i cht. e n t ho b e n, so daß jetzt nur mehr die Frage offen ist, wer auf dem Kongreß umfallen wird: der Misrachi mit diesem!Beschluß oder die zionistische Organisation mit ihrer Parteidisziplinklausel. Die ver-: sdne-denen- Aeußerungender diversen Führer ,geben darüber keine Klarheit. Interessant ist die durch; die J. T. A. verbreitete Meldung aus Antwerpen, daß Ra w Ami e 1 erklärt , hat, daß der Misrachi auf der Wache stehen wird1, ״daß der Schulchan Aruch-, -der in Krakau geschaffen wurde“, in Luzern nicht zerstört werde. Raw Amiel ist zweifellos die größte raibbinische Kapazität des . Misrachi und es wäre -daher wissenswert, wie dieser neue misrachistische Sdhulchan Aruch aussieht* der ׳ ״in׳ Krakau“ geschaffen wurde. Unser Interesse ist rein akademisch, da uns unser alter Schulchan Aruch, der nicht in- ■Krakau geschaffen wurde und; auch •nicht in Luzern zerstört werden kann, für die : nächste- Zeit bis zur Erlösung dies jüdischen Volkes von allen Mühen und Drangsalen, zu denen nicht zu-; letzt die unterschiedlichen Zionismen gehören-, unver* brüchlich heilig bleibt. gesprochen und debattiert wird, vorbei am wahren Wesen des Judentums selbst. An dieser Ent- Wicklung haben aber auch die jüdischen Menschen selbst ein vollgerütteltes Maß von Schuld, die ihre Partei-suppe an dem lodernden Feuer, das, von außen angefacht, um uns brennt, kochen wollen. Und wenn es uns schon als eine unwillkommene Würdigung erscheint, daß : die Außenwelt sich zu viel mit uns befaßt, so steigert; sich der Mißmut zur Verzweiflung, wenn wir sehen, wie gewissenlos die sich jüdisch nennende Journalistik unsere eigenen Dinge in Verdrehung der Tatsachen! breittritt. n. Die ״Reichspost“, das Organ der Österreich!- sehen Regierung und des christlichen Volkes Oesterreichs, beschäftigte sich in einer ihrer letzten Nummern mit der Frage des deutschen Antisemitismus in einer Weise, die zu einer ganz unzeitgemäßen Diskussion in der jüdischen Presse Oesterreichs geführt hat. Wir׳ haben unsl mit diesem Artikel aus doppelten Gründen nicht beschäftigt, Denn, wenn wir auch nicht in dem Verdacht stehen, mit den Konklusionen der ״Reichspost“, die in eine rein kirchliche Tendenz ausklingen, einverstanden zu sein, 80 erkennen wir trotzdem das Recht der ״Reichspost“ an, ihren Lesern Ihre Meinung so zu übermittein, daß daraus ihre Schlußfolgerung bündig gezogen werden kann. Zweitens sind wir der Meinung, daß : Unser Mythos*). WienI, Kärntnerring

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