Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 30 (2.8.1935)
- Date
- 1935-08-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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!toVinovfi v^piatnö povolene fiadlt post » tetegtÄfov v Bfatlslave 61*. V. b. b. 3ÖDIGCHG PRGGGG Zeitungen vom Verleget versendet Journal expädiö par i’ödlteur rra WIEN.BRATISLAVA * i, AUGUST ms ג׳ אב תרמז 57. Jahrgang / Nummer BÖ Redaktion und Administration: Wien, H., Mal2gasse 12 a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava» Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: (Ganzjährig: für Oesterreich S 16» Tschechoslowakei Kö 80» Jugoslawien Dinar 150» das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer Öst. Gr. 40. Zahlungen f. »»Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post* Sparkassenkonti: Wien Nr. D*93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.400, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, Berlin Nr. 122.619. ORGnn für Die irvreRessen Des 0RTH0D0Hen juüerrrums JZuhcLscUcuI Schule und Politik In Wien besteht seit mehr als achtzig Jahren ein mustergültiges jüdisches Schulwerk, das in tiefreligiösem Sinne geführt wird. Die Anerkennung, die dieses Schulwerk — die Talmud-Thora-Schule — in Fachkreisen und den zuständigen oberen Schulbehörden genießt, läßt dieses Schulwerk als ein Musterinstitut auf dem Gebiete der religiösen Jugenderziehung erscheinen. Daß diese Schule, die von einem selbständigen Verein erhalten wird, noch nicht in di. e jüdischnationale Rasse eingebogen ist, hat die zionistische Mehrheit der Wiener Kultusgemeinde veranlaßt, sich in einer Weise zu rächen, die einzig dasteht. Die zur Wahrung und zur Förderung der religiösen Bedürfnisse ihrer Mitglieder berufene Kultusgemeinde, die die Steuerschraube mit unerträglicher Schärfe handhabt und sich dabei auf die schwierige finanzielle Lage beruft, errichtet zu Beginn des kommenden Schuljahres eine jüdische Volksschule in unmittelbarster Nähe der bestehenden, nur um ein Erziehüngsinstitut zu haben, in dem der Parteidoktrin entsprochen wird. Daß kein Lokalbedarf vorhanden ist, ist der Mehrheit eindringlichst nahegelegt worden., Die Talmud-Thora-Schule ist nicht voll belegt, so daß-bei dem gleichen Apparat die 25 (sage: fünfundzwanzig) Schulkinder, die angeblich für die neue Schule angemeldet sein sollen, in der bestehenden jüdischen Schule ohne einen Groschen Mehrkosten Platz gefunden hätten. Wenn also trotzdem die Kultusgemeinde mit einem Aufwand, der in die tausende Schillinge geht, dieses Justament-Schulwerk ins Leben setzt, so hat diese Sache keinen anderen Grund, als den, י schon die Seele des Kindes von der Religion abzuwenden und dem Nationalismus näher zubringen. Daß die Herren die Stirne haben, ihr Schulwerk dem Zug der Zeit entsprechend als ״konfessionell“ zu bezeichnen, liegt in der Linie dieser Konjunktur-Ritter, denen es aber diesmal nicht gelingen wird, die Außenstehenden über ihre wirklichen Ziele hinwegzutäuschen. " Wir, die wir gesinnungsmäßig seit jeher begeisterte Vorkämpfer der konfessionellen Schule sind, empfinden den Zynismus, der in der Gründung dieser pseudo-religiösen Schule liegt, doppelt schwer. Wir müssen diese Schule ablehnen, weil ihre Gründung schon ein Affront gegen den Gedanken der wahrhaft religiösen Schule darstellt und weil wir der derzeitigen areligiösen Kultusgemelndeleitung das Recht und die Fähigkeit absprechen, ein wahrhaft religiöses Schulwerk zu schaffen oder zu leiten. Wir sehen in der religiösen Schule nicht nur ein Instrument zur verinnerlichten religiösen Erziehung unserer Kinder, sondern auch ein solches, das zum konfessionellen Frieden zwischen den verschiedenen Bekenntnissen führen muß. Kinder, die religiös erzogen sind, haben nicht nur Respekt vor der eigenen Religion, sondern auch vor der anderen. Kinder aber, die im nationalistischen Sinne, und mag sich dieser Nationalismus auch ״jüdisch“ nennen, erzogen sind, sind von Haus aus auf Kampf und politischen Erfolg gedrillt und daher ungeeignet, Brücken zu schlagen von Eltern zu Kindern und von Menschen zu Menschen, was unserer Richtung höchstes Ziel ist. Und deshalb lehnen' wir das neue Schulwerk entschiedenst ab, zumal die nach dem heutigen Statut möglichen Parteikonstellationen in der Wiener Kultusgemeinde keine Gewähr für die Kontinuität der religiösen Richtung eines Schulwerkes bieten. Die wahrhaft religiöse jüdische Elternschaft in Wien ist sich ihrer Einstellung gegenüber diesem Sohulwerk bewußt. Die anderen werden da«, was ihnen an Einsicht mangelt, durch die Erfahrung erkennen. Religion und Revisionismus Neuerdings hat sich zu allem Hebel, das in der Zionistischen Organisation Heimatrecht hat, eine große Spalt u n g ergeben, die für uns nur insofern von Interesse ist, als dort Gruppen, die lebensauffassungsmäßig gar nicht unterschieden sind, das Tischtuch zwischen sich auseinandergeschnitten haben und erklären, aus rein p o 1 i t isehen Differenzen die jahrelange Weggemeinschaft aufgeben zu müssen. Die Revisionisten haben den Austritt aus der bestehenden Zionistischen Organisation in einer von uns schon des öfteren anerkennend hervorgehobenen Klarheit und Konsequenz vollzogen und bauen sich in der ״Neuen Zionistischen Organisation“ ihr Haus nach ihren eigenen Grundsätzen. \ Der Unterschied zwischen der Zionistischen Organisation und der ״N. Z. O.“, wie die Abbreviatur für die neue revisionistische Organisation lautet, ist letzten Endes kein anderer als der zwischen Nationalisten anderer Völker und deren linksgerichteten Oppositionellen. Es wird nun wohl niemandem einfallen, zu behaupten, daß etwa die Revisionisten unserer religiösen Lebensauffassung näher stünden als irgend eine andere zionistische Richtung oder aber — was doch das erste, wäre, wenn der .Revisionismus seine Salonfähigkeit bei der Orthodoxie beweisen wollte — daß etwa die Führer der Revisionisten für ihre Lebensauffassung und ihren Lebenswandel irgend eine Konsequenz aus den Verpflichtungen, die das Religionsgesetz seinen Bekennen! auferlegt, ziehen würden. Wir wüßten, um es rund heraus- Zusagen, nicht, wer vom religiösen Standpunkt für die Führung im Judentum weniger qualifiziert ist, Jabotinsky oder Weizmann. Denn es ist eine vollständige Verkennung des wahren Judentums, wenn man glaubt, mit ein paar Floskeln gegen links schon religiös gut beleumundet zu sein. Deshalb werden alle Liebeswerbungen der Revisionisten um die religiösen Juden vergeblich und erf 0 1 glos bleiben. Und deshalb wird jeder orthodoxe Jude wissen, daß eine Zugehörigkeit zur N. Z. O. religionsgesetzlieh genau so verboten ist wie eine Mitgliedschaft bei der ״alten“ Zionistischen Organisation. ״Das Werlh d*&s VöÜkerbundkommissdriats für Flüchtlings fürsorge ist zu zwei Dritteln getan. S6.800 Menschen wurden von uns in Palästina und in überseeischen Ländern untergebracht,.. Den noch nicht Verwurzelten, noch nicht seßhaft Gemachten freilich geht es schlecht. Da wir eine selbständige Körperschaft neben dem Völkerbund sind, wird es für uns, das Flüchtlingskommissanat, immer schwieriger, ihnen zu heifen. Daß wir dieser Auf gäbe gerecht werden, halte ich für unmöglich. Das kann nur eine Instanz, die vom Völkerbund selbst, als Teil des Genfer Gesamtapparats, geschaffen wird. Ihr sollte die Fortführung unserer Arbeit anvertraut werden So sprach der vom Völkerbund eingesetzte Oberkommissär׳ für Flüchtlingsfürsorge, der Amerikaner Professor James MacDonald, auf der in London durchgeführten Tagung des ihm beigeordneten Verwaltungsrates, der aus den Vertretern von fünfzehn Staatsregierungen besteht. Zwei Drittel seiner Arbeit — so also erklärte er — habe das Flüchtlingskommissariat erfolgreich durchgeführt; damit habe es einen erheblichen Teil der ihm gesetzten Aufgaben erfüllt. Stimmt diese Erklärung des Oberkommissärs mit den Tatsachen überein? Vor lästigen Verfärbungen schützt ODOL-Zahnpasta Ihre Zähne. ODOL- Zahnpasta reinigt gründlich, ODOL- Zahnpasta macht Zähne wie Perlen 1 ««ißS Kleine Tube S -90.-־ Große Tube S 1.40 Das religiöse Mäntelchen, das sich die Revisionisten äugenblicklich umhängen, wird keinen von uns täuschen. Wir stehen sicher nicht im Geruch freundlicher Gesinnung gegenüber den linken Parteien; aber wenn die Revisionisten sich schon für bemüssigt halten — wie es da« neue Organ dieser Gruppe in Wien in seiner Juli-Nummer tut — seine Visitkarte bei der Orthodoxie abzugeben, so wäre schon einige Zurückhaltung zu empfehlen gewesen. Wenn man bei einem Nachbarn, mit dem man gut leben will, seinen Antrittsbesuch macht, so kommt man tunlichst ohne Gepolter und läßt es sich ja nicht einfallen, dem Nachbar gleich zu sagen, was einem ״nicht gefällt“. . Die Herren von der ״N. Z. 0.“> haben ihre Bewährungsfrist noch nicht hinter sich, um sich das Recht anzumaßen, der Orthodoxie Vorstellungen zu machen darüber, wie man Erez Jisroel liebt und wie man es auf religiöser Basis baut. Ein paar Zitate aus Talmud und Midrasch können die Sache noch nicht beschönigen. Und wenn die alten Luchos zerbrochen sind, so faiuß erst eine Mosche Rabbenu kommen, um neue zu schaffen, die den g-ttlichen gleichwertig sind. Als der Rat des Völkerbundes, in der Herbstsitzung des Jahres 1938, das Flüchtlings-Kommissariat schuf, gelang es ihm nicht, die satzungsgemäß notwendige Einstimmigkeit dafür herbeizuführen, daß es als eine unmittelbar ihm unterstellte Institution für die Betreuung von Emigranten ״aufgezogen“ werde. In diesem Dilemma beschloß man damals, das Kommissariat nicht als Instanz des Völkerbundes ins Leben treten zu lassen, sondern als eine direkt, sozusagen auf eigene Faust von den interessierten Staaten gebildete Körperschaft, deren Leiter nur ihnen, diesen Staaten, nicht aber irgendeiner Genfer Behörde verantwortlich sein sollte. Prof. MacDonald, der an die Spitze der neuen Behörde berufen wurde, hat in den zwei Jahren seiner Tätigkeit infolgedessen nicht als Bieamter des Völkerbundes, sondern ausschließlich als Beauftragter der fünfzehn Regierungen gewirkt, deren Vertreter den Verwaltungsrat bildeten und sich jetzt, offenbar zu ihrer letzten Tagung, in London versammelten. Der Völkerbund war unter diesen Umständen auch weder verpflichtet noch gewillt, dem Koromissariat für seine Arbeit Gelder zur Verfügung zu stellen; lediglich einen vorübergehenden Kredit bewilligte er, damit die neue Behörde, im Winter des Jahres 1983, ihre Arbeit aufnehmen konnte. Daran muß man sich erinnern, um zu verstehen, weshalb die Anstrengungen Prof. MacDonalds ira wes,entliehen fruchtlos bleiben mußten, Der Verwaltungsrat, der Ihm die Richtlinien für seine Arbeit zu geben hat, Völkerbund und Flüchtlingshilfe Wien I, Körntnerrins Nr. 6 Fernsprecbnummer U-4316־0־