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Jüdische Presse · 1935-07-19 · 28 (19.7.1935) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
28 (19.7.1935)
Date
1935-07-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Dies sind die uralten Fragen, auf welche die führenden Geister der Menschheit je nach ihrer Welt־ anschauung verschieden geantwortet haben. Der gläubige Mensch lehnt das Leiden nicht ab. Er fügt sich, er sieht darin den Mahn־ und Weckruf G־ttes zur Besserung. Er erblickt in dem Schmerz eine Quelle des Mitleids, in dem Leid einen Ansporn zur Güte, in dem Elend einen Hinweis auf Hoff־ nung, in der Peineine Erhebung zu gütlicher Gnade. * Am 17. Tamus, das ist in diesem Jahre der 18. Juli, beginnen die drei Trauerwochen. Der 17. Tamus, der Tag der Zerstörung Jerusalems, der heiligen Stadt, wird von Jahr zu Jahr als Beginn dieser Trauerzeit mit Fasten und Buß־ gebeten begangen. Das nationale Leid, die ge־ meinsame Trauer ist aber auch eine Quelle des Trostes und der Hoffnung geworden. Jener Teil des jüdischen Volkes, der noch heute nach Jahrtausenden die Zerstörung Jerusalems als brennenden Schmerz empfindet, trägt heute noch aufrecht, ungebrochen das grausame Schicksal, welches das ״Jude־sein“ allenthalben in unseren Tagen bedeutet. Und so sind jene, die um Jerusalem trauern, die, die unentwegt Marillen- MarV^i^piad© bereiten Si< Opekta Rein aus Fruchten gewonnen Die rituelle Zuverlässigkeit von״Opekta" wurde von Rabbiner Dr. Carlebacb, Köln, in folgendem Schreiben attestiert: Nach eingehender Besichtigung der Herstellung des Einmachmittels ״Opekta“ (in flüssiger Form) vom Rohmaterial bis zur Abfüllung in die zum Verkauf gelangenden Flaschen habe ich mich davon über■׳ zeugt, daß ״Opekta“ ein rein pflanzliches Produkt ist, ohne Beimischung irgend welcher religionsgesetzlich nicht zulässiger Stoffe. Daher kann ״Opekta“ imbedenklich in jedem jüdischen Haushalt verwendet werden. Der Rabbiner der Synagogengemeinde ״Adas Jeschurpn“, Köln: (gez.) Dr, Garlehach (Rabbinatsstempel.) . auf seinen Aufbau hoffen und die Wieder־ errichtung Jerusalems erstreben. Aus der Trauer, aus dem Schmerz quillt die wunder־ bare Kraft jüdischen Höffens und Glaubens. # Am 25. Juli ist der erste Jahrestag nach dem Tode des großen österreichischen Volksbundes־ kanzlers Dr. Engelbert Dollfuß. Er steckt noch in unseren Gliedern, der lähmende Schreck, den wir empfanden, als zuerst das schleichende Gerücht und dann die schmerz־ liehe Gewißheit der Ermordung des Bundes־ kanzlers an uns herantraten. Aus der vater? ländischen Trauer, aus dem persönlichen Schmerz wuchs im Herzen aller Oesterreicher eine wunderbare Kraft — das S elbstgefühl des Oesterreicher s. Der Glaube des Bundeskanzlers Dollfuß an Oesterreich ist durch seinen Opfertod Gemeingut aller gutgesinnten Oesterreicher geworden. Das Werk hat den Meister überlebt und dies ist der schönste Gedenkstein für Dollfuß. Aus Trauer und Schmerz ist Glaube und Wille im neuen Oesterreich empdrgewachsen. ::: Frau Herma von Schuschnigg, die Gattin unseres Bundeskanzlers, ist Samstag, den 13. Juli einem tragischen Unglück zum Opfer gefallen. Aus dem düsteren Hintergrund dieses unfaßbaren Schicksalsschlages leuchtet die wunderb a'reRettung desBundes־ kanzlers wie ein Gnadenakt G־ttes für Oesterreich hervor. Die tiefe und ehrliche Trauer, die in ganz Oesterreich herrscht, wird es unserem Bundeskanzler erleichtern, den Schicksalsschlag aufrecht zu tragen, über das furchtbare Unglück hinwegzukommen. Aus dem aufrichtigen Mitgefühl aller Oesterreicher wird unserem Bundeskanzler die Kraft werden, uri־ gebrochen weiter für Oesterreich zu wirken. Aus dem Tod dieser großen Frau, die zu jeder Zeit eine Helferin ihres stets in aufopferungs־ voller, hingebungsvoller Arbeit für Oesterreich sorgenden und ringenden Gatten war, wird neues Leben blühen. Aus Trauer und Schmerz wird unser Bundeskanzler, der ein ebenso treuer Sohn des neuen Oesterreich wie der katholi־ sehen Kirche ist, Mut gewinnen, den Weg, den Dollfuß gezeichnet hat, unentwegt fortzusetzen. Wir Juden in Oesterreich erblicken in der glücklichen Zukunft Oesterreichs unser eigenes Glück. Wir trauern mit inniger Anteilnahme über die Schicksalsschläge, die das neue Oester־ reich und ihre großen Führer treffen und.wir wünschen und hoffen aufrichtig, daß auch aus diesen schmerzlichen Wunden neuer Glaube und neuer Wille für Oesterreich emporblüht... Das Beileid dec indischen OdUod&de an den Bundeskawziee. Die beiden Körperschaften der orthodoxen Juden Oesterreichs, die Adas Jisroel (Schiffschul) und die Landesorganisation der Agudas Jisroel haben Bundeskanzler Dr. Kurt v. Schuschnigg anläßlich des tragischen Unglücksfalls telegraphisch ihr Beileid kundgegeben. Das Räbbinat und der Vorstand der Adas Jisroel (Schiffschul) hat telegraphiert: ״Tief bewegt und mächtig erschüttert, haben wir in unserer ehrwürdigen Synagoge in inbrünstigern Gebete Trost und Erhebung gesucht. Der allgütige Vater im Himmel, der in seiner unerforschliehen Weisheit Wunden schlägt und Wunden heilt, hat plötzlich die edle Gefährtin Euer Exzellenz entrissen. In seiner Gnade hat er Eure Exzellenz geschützt und unser geliebtes Vaterland vor Ungewißheit und Erschütterung gerettet. Möge die gütig© Fürsorge stets über unser liebes Oesterreich wachen imd Eure Exzellenz vor Ungemach bewahren.“ Der Vorstand der österreichischen Landesorganisation der Agudas Jisroel hat telegraphiert: ״Der Vorstand unserer Vereinigung gestattet sich, unserem verehrten Herrn Bundeskanzler anläßlich des tragischen Hinscheidens seiner Gattin das tiefgefühlte Beileid auszusprechen.“ Alfred Dreyfus gestorben. Am Freitag, den 12. Juli, abends, ist Artillerie- Oberst Alfred Dreyfus in seiner Pariser Wohnung, in der er seit dem Weltkriege in tiefster Zurückgezogenheit gelebt hat, im 76. Lebensjahr an den Folgen einer Urämie gestorben. Alfred Dreyfus - war der, mehr passive, Held des größten weltanschaulichen und moralischen Kampfes, den das moderne Frankreich durchgemacht hat und durch den es .mehr als ein Jahrzehnt lang in zwei Lager geteilt wurde. Die ״Affäre Dreyfus“ gehört aber auch der Geistesgeschichte der Menschheit als eines der wichtigsten Kapitel an. Die ״Affäre“ hatte den folgenden Verlauf: Im Oktober 1894 wurde der als Sohn eines reichen jüdischen Kaufmannes geborene französische Hauptmann Alfred Dreyfus plötzlich unter dem Verdacht der Spionage zugunsten Deutschlands verhaftet und im Dezember 1894 vom Militärgericht zu Degradation und lebenslänglicher Verbannung nach der Teufelsinsel verurteilt. Als Hauptbeweis für seine Schuld diente ein ״bordereau“ (Begleitschreiben), das ein Verzeichnis von an den deutschen Militärattache in Paris Schwarzkoppen gerichteten Dokumenten enthielt und dessen Handschrift nach der Meinung einiger Sachverständiger, im Gegensatz zu der anderer Sach'׳ verständiger, mit der Handschrift von Dreyfus identisch gewesen sein soll. Wie sich später ,herausstellte, wurden vom Kriegsministerium dem Gericht noch weitere Geheimdokumente zugestellt, die der Verteidigung nicht mitgeteilt wurden. Dreyfus’ Familie begann nun Material zu sammeln, um den Justizirrtum nachzuweisen. Sie wurde von Bernhard Lazare unterstützt, der sich in zwei Schriften für die Unschuld Dreyfus1 einsetzte. Der 1896 zum Leiter der Spionage-Abteilung des Generalstabs ernannte Oberst Picquart stieß beim Studium der Prozeß-Dokumente auf Beweise, die einen anderen Offizier, Major Esterhazy, schwer belasteten. Im November 1S97 bezeichnete Dreyfus’ Bruder Mathieu in einem Brief an den Kriegsminister den Major Esterhazy als den eigentlichen Verfasser des ״bordereau“. Esterhazy wurde vor ein geheimes Militärgericht gestellt, aber freigesprochen, Nunmehr trat der berühmte Romanschriftsteller Emile Zola auf den Plan. Zola wiederholte in einem offenen Brief, an den Präsidenten der Republik unter dem Titel ״J’accuse“ (Ich klage an) die Behauptung, daß der wahre Schuldige Esterhazy sei und daß Kriegsministerium und Generalstab aus reaktionär-antisemitisehen Gründen der ganzen Angelegenheit eine falsche Richtung gegeben haben, Die meisten französischen Militärs, fünf aufeinander folgende Kriegsminister, der Chef des Generalstabs sträubten sich gegen eine Re- Vision des Prozesses. Zola wurde w'egen Verleumdung zu einem Jahr Gefängnis und hoher Geldstrafe verurteilt, entzog sich aber der Strafe durch Flucht nach England; Picquart wurde wegen seiner Bemühungen, die Wahrheit Wien I, KMerrlns Nr. 6 Fernsprechnummer 6-43-016־

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