Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 23 (14.6.1935)
- Date
- 1935-06-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 23 jüdische presse Seite 3 VSik?•* .Äf M»1 2g *j Wo Clt € JSk. Der Präsident der Jewish Colonisation Association (JCA), Sir Osmond d’Avigdor Goldsmid, und der Generaldirektor dieser Organisation, Louis O u n g r e, haben sich nach New York begeben. Es verlautet, daß diese Reise mit neuen Kolonisationsplänen der Gesellschaft im Zusammenhang steht. Gegen die panikartigen Angstkäufe der letzten Tage an der Berliner Börse führt die nationatsosialistische Presse einen scharfen Kampf und versucht dabei durch versteckte Andeutungen, die Juden vera n tiv örtlich zu machen. ln der Vorstadt von Mukacevo, Ross y e g ovo, hielt die Polizei drei griechische Staatsbürger an, welche Juden die ille g ale Auswanderung nach Paläs tin a ohne englisches Visum und ordentlichen Paß für Bezahlung von tschech. K 3000.— versprachen. In der letzten Woche sind in den Vereinigte n Staaten 223 jüdische Einwanderer eingetroffen, von denen fast alle aus Polen und Deutschland stammen. Aus Deutschland kam eine geschlossene Gruppe von 80 Perso neu. Wie der J.-T.-A.-Vertreter in S aloni'ki erfährt, sind viele jüdische Familien in Mazedonien und Thrazien im Begriff, mit den Resten ihres in der schiceren Wirtschaftskrise zusammengeschmolzenen Vermögens auf dem Lande B o den zu erwerben, um sich der Landwirtschaft, insbesondere dem Tabakbau, zuzuwenden. Die mexikanische antisemitische Organisation der ״Goldhemden“ hat dem Präsidenten Cardenas eine 200.000 Unterschriften tragende P etition überreicht, in der die Regierung von Mexiko ersticht wird, den J u d en das B ü rger recht zu entziehen, jüdische Industrie-Unternehmungen zu beschlagnahmen und den Juden in Mexiko zu verbieten, an dem politischen Leben teilzunehmen. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfahrt, betrug die Palästina - Einwanderung im Monat Mai JfllO Personen. Unter ihnen befanden sich 350 Einwanderer der Kapitalistenklasse. Königin Wilhelmine von Holland hat dem Verein ״D er Jüdische Invalid e“, der größten jüdischen Vereinigung in Holland, eine große Geldspende zukommen lassen. Wie aus London gemeldet wird, hat die Royal Society of Medicine in ihrer letzten Sitzung den Professor Dr. Siegmund Freud in Wien einstimmig zum Ehre nmit glie d gewählt. Der vor kurzem in Istanbul verhaftete Direktor der Jewish Colonization Association in der Türkei, Sadiah T scherni a k, ist als Folge der Intervention des britischen Konsulats in Istanbul aus der Haft entlassen worden. In der Tel-Aviver Gartenvorstadt Ramath G an wurde anläßlich des Jubiläums des Königs Georg ein ״K in g George Park“ eingeweiht. Im Alter von 67 Jahren ist der bekannte jüdische Schriftsteller Shmarja Lewin am 9. Juni in Haifa plötzlieh gestorben. Der J.-T.-A.-Korrespondent in Danzig, Dr.' Theodor Löwy, Herausgeber des ״Danziger Echo“, wurde am 7. Juni nach erfolgter Haussuchung in deiner Wohnung verhaftet und seine Zeitung wurde konfisziert. Für die Verhaftung wurde kein Grund angegeben. Der albanische Wirtschaftsminister D. Beratti erklärte, daß die alb anis che Regierung alle von Juden gestellten Ersuchen, sich in Albanien niederzulassen und Kapital in wirtschaftlichen und industriellen Unternehmungen zu investieren, sorgfältigst und entgegenkommendst prüfen wird. Am Freitag, den 7. Juni, dem ersten Schwuoth- Tag, kam es in Gr o d n 0, Polen, zu schweren a n t isemitischen Ausschreitungen. Das Schweizer Parlament hat mit 82 gegen 57 Stimmen beschlossen, daß die Schweiz kein Team zu der Berliner Olympiade 1936 entsenden wird, da ihr eine Teilnahme an den Spielen im Hinblick auf den jetzt in Nazi-Deutschland herrschenden Geist unmöglich sei. Eine Delegation der P ale st ine Ar ab National Defence Party unter Führung von Ragheb Bey Nashashibi, früheren Bürgermeister von Jerusalem, hat dem High Commissioner ein Memorandum unterbreitet, in dem die Einstellung jü dis eher Ei n- Wanderung und Bodenverkäufe an Juden, sowie die Schaffung einer Selbstverwaltung in Palästina gefordert werden. Der Rabbiner von Saarbrücken, Dr. Lothar Roths child, dev von der Geheimen Staatspolizei festgenommen war, ist nach mehrwöchiger Haft wieder freigelassen worden. H. Grün, n.׳ Taborstraße 8 b, Tel. R-42-3-66, Atelier für feine Herrengarderobe E Rasiere dich ohne Messer mit dem Rasierpulver Langerin Es ist ärztlich begutachtet und unschädlich. 1 Paket, zirka ein halbes Kilogramm, S 1.40. — Zu haben bei Philipp Langer, Friseur, 11, Franz-Hochedlinger-Gasse 25 Automobilgefahren-Verminderung, Die Unfälle durch Kraftfahrzeuge auf öffentlichen Straßen können verhütet werden. Der schlecht ausgebildete Kraftfahrzeugführer gefährdet die Sicherheit, weshalb es nicht gleichgültig ist, wo und wie der künftige Kraftfahrzeugführer ausgebildet wird. Eine gute und den gesetzlichen Anforderungen entsprechende Ausbildung ist nur in einer gutgeführten Fahrschule mit modernsten Lehrbehelfen und guten Lehrern möglich. Diese Eigenschaften und' überdies ein unterrichterleichterndes, mit Kraftstrom betriebenes, am Stand im Lehrsaal laufendes Lehrauto besitzen die renommierten und erfolgreich arbeitenden N e u d e,g ger Automo bi 1- und.Moto r.rad-Fahrschulen, Wien, VIII., Neudeggergasse 18 (Ecke Lerchenfelderstraße 18), Telephon B-46-5-72, und Inzersdorf (Niederösterreich). E Schnupfen im Sommer wirkt lächerlich und überdies ist er unangenehm! Dabei ist es aber sehr leicht׳, sich im Sommer zu.verkühlen: man ist unvorsichtig, trinkt etwas Kaltes — und schon ist das Malheur fertig! Allerdings: wenn Sie Ihren Körper durch regelmäßige Einreibungen mit dem Alpa-Franzbranntwein abhärten, sind Sie dieser Gefahr viel weniger leicht ausgesetzt; und dabei sind ״Alpa“-Einreibun־gen ungemein erfrischend, abkühlend'... Das sagt auch der Arzt! Kriiik und Betrachtung. Die verdiente Abfuhr. Wir haben in unserer Ausgabe vom 24. Mai d. J. auf den eigenartigen Beschluß einer amerikanischen ״Rabbiner“- Vereinigung hingewiesen, die nicht mehr und nicht weniger vor hatte, als die ״Lösung“ des Agunoth-Problems, welches seit Jahren und Jahrzehnten die schwerste Sorge aller rabbinischen Autoritäten der Welt bildet. Die Herren ״Rabbiner“ schlugen eine religionsgesetzlich absolut unzuläss i g e ״Lösung“ der schwerwiegenden Frage vor. Sie wollten einfach jeden Brautwerber vor der Eheschließung eine Erklärung unterfertigen lassen, nach welcher die künftige Gattin aus der augenblicklich noch gar nicht geschlossen Ehe von vornherein entlassen sein soll, wenn er, der Mann, drei Jahre lang nicht für ihren Unterhalt sorgen oder verschollen bleiben sollte. Wie jetzt die Jüdische Telegraphen-Agentur mitteilt, hat der orthodoxe Rabbinerverband Amerikas auf einer in New York abgehaltenen Kon. ferenz einen Beschluß gefaßt, durch den die kürzlich von der erwähnten ״Rabbinical Assembly“ angenommene Resolution betreffend die Wiederverheiratung verlassener Frauen (Agunoth) schärfst, ens abgelehnt wird. Der orthodoxe Rabbinerverband steht auf dem Standpunkt, daß nach dem geltenden jüdischen Gesetz eine Ehe nicht in Abwesenheit des Gatten geschieden werden kann, auch besteht nicht die Todesvermutung ausschließlich aus dem Grunde längerer Abwesenheit. Die Konferenz des Verbandes der orthodoxen Rabbiner hat beschlossen, daß auf Grund der von der ״Rabbinical Assembly“ eingeführten Neuerung durchgeführte Scheidungen als u n g ü 11 i g anzusehen sind und daß gegen Rabbiner, die bei der Wiederverheiratung von Agunoth auf Grund dieser Reform mitwirken, der Bann verhängt werden soll. Bescheidenheit ist eine Zier. . . Das Organ der offiziellen Zionisten in Wien, die ״Stimm e“, schreibt in ihrer letzten Nummer in einem Artikel ״Skandal im Palästina-Amt“, daß ״die Allgemeinen Zionisten nötigenfalls auch vor drastischen Maßnahmen nicht zurückschrecken werden, um den Allgemeinen Zionisten jene Rechte zu sichern, die ihnen als der stärksten Organisation in Oesterreich und kraft ihrer eigennutzigen jahrzehntelangen Leistungen gebühren“. Das ist doch interessant. Wir lesen die ״Stimme“ ziemlich genau, haben sie aber noch nie!bei einer solchen Wahrheit ertappt. Wie soll das weitergehen, wenn die Herren uns in Zukunft auch auf diese Art den Wind aus den Segeln nehmen wollen? Oder soll das am Ende nur ein Druckfehler sein? Uebrigens: bescheiden sind die Herren. In der ״Stimme“ fordern die Allgem. Zionisten ihre Parteigänger auf, ihre Kongreßliste, die Liste der ״selbstlosen Kämpfer für den Zionismus“ zu wählen. Wir wissen nicht, ob Herr Moses Rath diese Aufforderung mitunterschrieben hat . . . Worte, die wir nicht vergessen wollen. Von besonderer Seite werden uns diese Zeilen zur Verfügung gestellt: Man wird von Zeit zu Zeit die Aeußerungen festhalten müssen, die sich die Führer des heutigen Regimes in der Kultusgemeinde leisten. Also einfach zitieren, nichts weiter! Denn diese Zitate sprechen klarer, leuchten tiefer als jede Anklage. Mit unanfechtbarer, dokumentarischer Beweiskraft enthüllen sie das Bild der wahren Triebkräfte, die bei uns unentwegt und unbelehrbar am Werke sind, um die heilige Sache der jüdischen Gemeinschaft zu zerstören. Da hilft den Herren kein Wenn und Aber, denn sie werden ja nicht angegriffen, sondern bloß beiihrem eigenen Wort genommen. In der letzten Vollsitzung der Gemeinde sagte Herr Präsident Friedmann: die neue Volksschule werde so g e f ü h r t werden, wie es der Mehrheit paßt. Man wird Herrn Dr. Friedmann an dieses Wort erinnern müssen, wenn er einmal behaupten sollte, er sehe in der Gemeinde eine Sache der jüdischen Allgemeinheit und nicht bloß ein Instrument seiner Partei. Und Herr Oberbaurat Stricker schrieb am 4. Juni in seiner ״Neuen Welt“: .überall gibt es zionistische Parteien, welche herrschsüchtig und haßerfüllt sind und kein Mittel zu schlecht halte.n, wenn es nur dem Konkurrenten weh tut.“ Das hat beileibe nicht ein böser Oppositioneller geschrieben, sondern ein Parteigenosse, der sich auskennt. Man sieht, die Herren ergänzen sich. Das Bild des Regimes wird vollkommen. Man muß es nur beim Worte nehmen. SPARKÄPlfÄfcUNb ALTERSRENTE ALLGEMEINE RENTEN ANSTALT!. GRÄBEN 20 *imanrennninranir Ferienheim d.־ Ag. Jisr. Jugend-gruppe. Die Eröffnungunseres Ferienheimes in Spital am Semmering findet am 23. Juni statt. Das Heim liegt in 800 Meter Seehöhe, mitten im Walde und ist in jeder Be- Ziehung erstklassig eingerichtet. Wir machen unsere Mitglieder darauf aufmerksam, daß Anmeldungen raschest erfolgen müssen. DIE LEITUNG. Mitteilungen der Erez-Jisroel-Kommission der Agudas- Jisroel-Jugendgruppe, Wien. Nachrichten aus Ercz-Jisroel. Die von unseren Olim einlangenden Nachrichten aus Erez Jisroel sind überaus erfreulich; sie zeigen, wie ausgezeichnet die Aguda-Büros dort arbeiten. Die Olim werden beim Schiff erwartet, und es wird ihnen von unserem Arbeitsbeschaffungsamt schon nach einigen Tagen ein Posten in ihrer Branche zugewiesen. So wurde unser Chawer Deutsch gleich am Tage nach seiner Ankunft bei A. B. C., einer der größten Unternehmungen in seiner Branche in Tel-Aviv, untergebracht, und unserem Chawer Ehrlich wurde sogar ein Staatsposten bei der Bahn verschafft. Rabbiner-Installation in der Kaschlgasse. Wie die ״Jüdische Presse“ bereits gemeldet hat, wurde Rabbiner Dr. David Ochs vom Vereinsvorstand zum Rabbiner der Synagoge ״Bne Bris" im XX. Bezirk, Kaschlgasse, ernannt. Am ersten Tag Schwuos fand durch eine umfassende Droschoh• des neuen Rabbiners dessen Einführung in sein neues Amt statt. Die Synagoge war bis a.uf den letzten Platz mit den Bethausbesuchern und mit Gästen gefüllt, als Rabbiner Dr. Ochs die Kanzel bestieg, um seine Programmrede zu halten. In einer einstündigen Droschoh wies der Redner auf die Pflichten eines Rabbiners hin und gelobte, seiner Gemeinde ein wahrer geistiger Führer sein zu wollen.!Rabbiner Dr. Ochs bekannte sich feierlich zu dem unabänderlichen und unwandelbaren G-ttesgesetz und erklärte, in diesem Geiste die Jugend seiner Gemeinde erziehen zu wollen. In seiner überaus gelungenen Rede wies der Rabbiner auch auf die eminente Bedeutung des religiösen Aufbaues des Heiligen Landes hin. Chinuch Sefer Thora in Neunkirchen. Am Rosch-Chodesch Siwan fand in Neunkir'chen die seltene Feierlichkeit der Einweihung eines Sefer-Thora statt, welches der Kultusbeamte Herr Abraham Schimmel trotz seiner bescheidenen Stellung spendete. Die gesamte jüdische Bevölkerung und viele Gäste eilten herbei, um einen Buchstaben selbst schreiben zu können. Nach der Vollendung wurde die Thorarolle von einem festlichen Zug in den Tempel gebracht und von den übrigen Throrollen eingeholt. Nach den Hakofos bestieg Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner Professor Dr. Hillel Weiß die Kanzel und würdigte in einer glanzvollen und von Vaterlandsliebe durchdrungenen Festpredigt die Bedeutung des Tages. Die Predigt rief unter den andächtigen Zuhörern größte Begeisterung hervor, zumal Vertreter der Behörden und u. a. der •Sicherheitsdirektor Gendarmerieoberst Kreindl anwesend waren. Bei dem anschließenden Festbankett sprachen die Herren: Moses Rosenberger, Samuel Mandl, Religionsprofessor Heinrich Löwy (Wiener Neustadt) und A. Schimmel. TSCHECHOSLOWAKEI. Beth-Jakob-Vorträge In Svalava und Poljana. Ueber Einladung des Frauenkomitees in Svalava hielt am vergangenen Sonntag vor einem großen Damenpublikum die Sevluäer Beth-Jakob-Lehrerin, Frl. I. Rosn e r, einen großangelegten und formvollendeten Vortrag, über ״Beth-Jakob und jüdische Tochter-Erziehung“. Die Vortragende entledigte sich ihrer Aufgabe in glänzender Weise und erntete nicht enden wollende Beifallskundgeoungen. Auch eine Schülerin der Sevluäer Schule, die kleine Perl Adler, sprach sehr schön über ■die ״Bedeutung der jüdischen Zeitrechnung und Rosch Chodesch“. Die junge ״Rednerin“ wirkte sehr gut auf die Zuhörer und erhielt ebenfalls reichlichen Applaus. Frau Mayer, die Leiterin des Frauenkomitees, dankte der Vortragenden in herzlicher Weise. Die Gäste wurden sodann von einigen Damen des benachbarten Bad-Poljana abgeholt, wo sie im Rabbinerhause aufs gastfreundlichste empfangen und bewirtet wurden. Inzwischen versammelten sich viele Frauen und Mädchen des Ortes und ersuchten Fräulein I. Rosner, auch ihnen etwas zu sagen. In einem kurzen Vortrag schilderte sie nochmals, die Bedeutung der Beth-Jakob-Bewegung. Agudistisches Kreistreifeii in Slatinske Doly. -- ‘ Die hiesige ׳Bnos-Agudas■ Jisroel - Gruppe; veranstaltete am Sonntag, Isru Chag Schwuos, anläßlich! der Abschiedsfeier ihres Mitgliedes Fräulein H. Ickoviö. ein Kreis tref f en. Es beteiligten sich alle Mädchen״] gruppen der nächsten Umgebung und viele aus entfernteren! Ortschaften an diesem Treffen, das sich zu einer großen■! Manifestation für die Beth-Jakob-Bewegung und Ver-) breitung des Aguda-Gedankens unter der weiblichen! Jugend gestaltete. Frau Dr. Karus hielt in gewohnt] meisterhafter Weise ein großzügige^ Referat über! ״Agudas Jisroel für Bnos Jisroel“ und hob die immense^ Wichtigkeit des Ausbaues der Beth-Jakob-Bewegung in P. K. R. hervor. Hernach verabschiedete sich Fräulein‘ Ickoviö, die mit einem Aguda-Zertifikat nach Erez Jisroel1 rejst, indem sie mit bewegten Worten gelobte,״ in Erez Jisroel weiter im Sinne der Agudas Jisroel zu.leben.und zu wirken.