Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 23 (14.6.1935)
- Date
- 1935-06-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Novinovß v^plat«6 povolenö riadit post ft telegrafov v Bratlslave ßis. 41572-1H-20 V. b. b, Zeitungen vom Verleget versendet Journal expfidie par l’Miteur 3QDI6CHR pnesse BRATISLAVA 14. JUNI193S י״גסיוןתרצ״ה 21. Jahrgang / Nummer 23 Redaktion und Administration: Wien, IT., Mal2gasse 12 a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kd 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen f. ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, Berlin Nr. 122.619. ORGfln FÜR Die 1nT6R08S6n Des ORTHODOHen JUDeOTUmS Die Seele unseres Kampfes. Während die Wiener Orthodoxie einen saube■ r e n, mit nur geistigen Mitteln geführten Kampf um die Erhaltung ihrer religiösen Institutionen und deren Ausbau für alle Zukunft durch die Selbständigkeit ihrer Gemeinde kämpft, haben unsere Gegner in einem unbegreiflichen Eigendünkel eine sachliche Auseinandersetzung bisher vermieden. Nichts wie Verunglimpfung der Kämpfer, nichts wie Bagatellisierung und nichts wie Schlagworte haben wir von der Gegenseite bisher erfahren. Wie alles falsche mußten diese Schlagworte an der Wahrheit zerschellen und haben bis heute schon so sehr an Schlagkraft verloren, daß unsere Gegner wesentlich kleinlauter geworden sind. Und sie tun gut daran. Denn an den objektiven Stellen, die in diesem Kampf das entscheidende Wort sprechen werden, ist ja mit Schlagworten wenig auszurichten. Wir wollen diesmal den Kampf der Wiener Orthodoxie um ihre Selbständigkeit von einer Seite beleuchten, über die bisher noch zu wenig gesprochen wurde. Die seelischeSeite. Es wird wohl niemand bestreiten, daß wirklich pulsierendes jüdisches Leben nur bei der Orthodoxie vorhanden ist, während bei unseren Gegnern das, was sie Leben nennen, längst über die religiösen Grundsätze hinweggegangen ist, und sie nur mehr religiöse Formen üben, die längst erstarrt sind. Ihre Tempel sind steinerne Sarkophage für ihr mumifiziertes Leben, denen sie ab und zu ihre pietätvolle Aufwartung machen. Wie anders aber ist das religiöse Leben der Orthodoxie. Kein jüdischer Mensch aus unserem Kreis wird sein Tagewerk beginnen, ohne am Morgen das G-tteshaus aufgesucht zu haben und keiner wird es anders als durch seine Andacht im G-tteshaus beenden. Was dazwischen liegt, ist beherrscht von unserem religiösen Gefühl, das wissend unser ganzes Handeln reguliert. Darüber hinaus: das K i n d, das wir in den Bund unserer Väter einführen, bringen wir in unser G-tteshaus. Der junge Mann, der am Hochtage seines Lebens die Gattin freit, würde keinen anderen Raum der Welt in diesem Moment mit unserem G-tteshaus tauschen. Und wenn einmal des Lebens Ernst 1 e i d v o 11 an die Tür eines Gläubigen unseres Kreises pocht, so wird er den letzten Weg seines Lieben an dem G-tteshaus vorbeiführen lassen. So ist uns unser G-tteshaus — unsere Schiffschul zur geistigen Mutter geworden, die wir um alles in der Welt wie unsere leibliche Mutter jung und lebensfroh erhalten wollen, weil wir sie täglich, stündlich brauchen in Leid und Freud. Und weil wir das wollen, wollen wir nicht, daß sie in einer unwürdigen und unebenbürtigen Verbindüng gezwungenermaßen verbleibe mit Menschen, denen ,diese unsere heiligsten Gefühle gleichgültig, wenn nicht widerwärtig sind. Wir wissen, daß dies in keinem Falle für uns materielle Vorteile bringen wird, :aber wer frägt schon danach, wenn es um das Teuerste geht. Die andern mögen fortfahren, zu zeigen, wie ״selbstlos“ und ״hingebungsvoll“ sie ihren Dienst versehen, wir haben ihren Vergleich nicht zu fürchten, weil die Wahrheit zur vollen Blüte aufsteigen wird und muß. Unser Kampf ist rein und auch seelisch begründet. Ihre Gegnerschaft aber ist materieller und politischer Natur. Darin liegt der gewaltige Unterschied, der seine Wirkung tun muß ... Zertifikate. Lange Jahre dauerte der Kampf, den die Agudas Jisroei um ihr selbstverständliches Recht führen mußte, Zertifikate für die Einwanderung nach Erez Jisroei für ihre Mitglieder, für religiöse Olim, zu erhalten. Die Zionistische Organisation, die sich ein Monopol auf die Erlangung der Zertifikate zu verschaffen wußte, hatte es sich zum Prinzip gemacht, grundsätzlich nur ihren eigenen Parteigängern die Alijah zu ermöglichen, während die hunderten und tause'nden Gesuche religiöser Elemente unberücksichtigt geblieben sind, obwohl die Jewish Agency, die sich gerne die ״offizielle Repräsentanz“ des jüdischen Volkes nennt, zu einer objektiven und unparteiischen Be- Wertung aller Gesuche um ein Einwanderungszertifikat verpflichtet ist. Von Tag zu Tag stieg die Erbitterung in unseren Kreisen und als die Zionistische Organisation erkennen mußte, daß die von ihr bis dahin geübte Praxis nicht länger haltbar sei, mußte sie sich im Jahre 1933 zu einem ersten Ueberein kommen mit der Agudas Jisroei bequemen, demzufolge die Prüfung agudistischer Zertifikatbewerber in Gegenwart eines Vertreters der Agudas Jisroei erfolgen sollte. Vorläufig war die Zahl der den agudistischen Bewerbern zu gewährenden Zertifikate noch nicht fixiert, so daß das Uebereinkommen bei der Mentalität der zionistischen Palästina-Aemter und ihrem tiefen Haß gegen alles Religiöse eine Farce bleiben mußte, weil die Beherrscher der einzelnen Palästina- Aemter nicht im entferntesten daran dachten, das in Jerusalem getroffene Uebereinkommen zu respektieren. Das erste Uebereinkommen war von den Zionisten als Augenauswischerei gedacht und ist es auch geblieben ... Viele Hunderte strenggläubiger Arbeiter .und Mittel- Ständler waren wieder um eine Hoffnung getäuscht worden. Die Erbitterung erreichte ihren Höhepunkt. In diesem Augenblick mußte die Palästina- Regierung eingreifen. Sie erklärte der Jewish Agency klipp und klar, daß sie es nicht weiter dulden werde, daß die Zertifikate nach parteiischen und nicht nach sachlichen Gesichtspunkten zur Verteilung gelangen, und sie trug der Jewish Agency auf, in Verhandlungen mit der Agudas Jisroei, die zweimal jährlich am Beginn der Zertifikatenschedule zu führen sind, stets eine genaue Zahl von Zertifikaten zu bestimmen, die unbedingt und unter allen Umständen agudistischen Bewerbern zu geben sind, insofern diese die vorgeschriebenen fachlichen Qualifikationen besitzen.!i־ Wir mußten diese allgemeinen Bemerkungen vorausschicken, um dem Wiener zionistischen Organ ״D i e Stimme“ auf ihren letzten, mit der Ueberschrift ,,Skandal im Palästina-Amt" veröffentlichten Artikel zu antworten. Die Herren regen sich darüber auf, daß die Agudas Jisroei in Oesterreich — sie nennen sie ״Trennungsorthodoxie“ — diesmal aus der Schedule April—Oktober 1935 sechzehn Zertifikate bekommen soll, verschweigen aber wohlweislieh, daß sie die Zertifikate, die der österreichischen Aguda aus der längst verflossenen Schedule Oktober 1934—April 1935 vereinbarungsgemäß zustanden, widerrechtlich vorenthalten haben. Sie verschweigen selbstverstündlich auch, daß sogar jene zwei Zertifikate, deren Eintreffen das Palästina-Amt selbst 1bekanntgegeben hat, ׳bis heute nicht ausgefolgt, sondern anderweitig vergeben wurden. Wir können uns auf die Rechenkunststückchen der ״Stimme" nicht einlassen, die uns an den bekannten Moritzl-Witz erinnern, der auf die ,Frage des Lehrers, wieviel Arbeitstage das Jahr habe, zu dem Resultat kam: das Jahr habe einen Arbeitstag und das sei der 1. Mai. Das Rechenkunststück der ״Stimme“ ist um so weniger interessant für uns, als es uns schließlich gleichgültig bleiben kann, wie die unzähligen Gruppen und Grüppchen innerhalb der Zionistischen Organisation die Zertifikate unter sich verteilen. Eines aber muß heute mit allem Nachdruck erklärt werden: Das Maß ist voll. Die Agudas Jisroei in Oesterreich — und wenn die Dinge in den anderen Ländern ähnlich liegen, dann gilt dies auch für dort — kann undwirdesunterkeinenTJmständenlänger dulden, daß Zertifikate, die ihr rechtmäßig und laut Vereinbarung gebühren, von den Beherrschern des Palästina-Amtes vorenthalten werden. Wir werden es verstehen, mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln gegen eine gewaltsame Entrechtung anzukämpfen, und uns scheint, daß der Tag, wo die Agudas Jisroei die Zerfikate für ihre Mitglieder von der Palästina-Regierung direkt bekommen wird, nicht mehr ferne liegen kann. Die Herren mögen versuchen, es so wie bisher weiterzutreiben; sie schütten damit nur Wasser auf unsere Mühlen. Und noch eines: Im Wiener Palästina-Amt wurde dem Aguda-Vertreter jedesmal versichert, daß man zu einer loyalen Einhaltung des Uebereinkommens und zu einem Entgegenkommen bereit sei. Beweise für diese schönen Worte haben wir aber bis heute vermißt. An uns soll die friedliche Zusammenarbeit in bezug auf die Verteilung der Zertifikate nicht scheitern. Wir werden auch jetzt noch den Versuch zu einer friedlichen Zusammenarbeit machen. Es wäre allerdings der letzte, wenn er erfolglos bleiben 3011te ... Die Herren vom Wiener Palästina-Amt sollten sich vor Augen halten, daß es nicht vom Wohlwollen der Jewish Agency in Jerusalem oder vom Wohlwollen des Palästina- Amtes selbst abhängig ist, ob und wieviel Zertifikate die Aguda bekommt, sondern daß die Gewährung der Zertifikate an agudistische Bewerber einem direkten Auftrag der Palästina- Regierung entspricht. Wenn Raucher der Verfärbung der Zähne vorbeugen wollen, dann hilft nur die regelmäßige, tägfiche Pflege mit O DO L- Zahnpasta, Jyp| Kleine Tube S —.90 Große Tube S 1.40 Bundeskanzler Schuschnigg gegen konfessionelle Verhetzung. In einer Ansprache, die Bundeskanzler Doktor Schuschnigg in Eisenstadt gehalten hat, erklärte er ü. a.: Man klage nicht über die Verfolgung .dieses oder jenes Bekenntnisses in Oesterreich. Gerade weil wir in unserem Lande überzeugte Katholiken sind, gerade darum wissen wir, daß wir den Bruder zu achten haben, auch wenn er anderen Glaubens ist. Aber der den Glauben nur vorschützt, der nur zündeln will, möge wissen, daß wir keinen Spaß verstehen. 2222 Hotel Bellevue 2222 Pörtsdiadi am Wörthersee Vornehmes Haus unter streng ritueller Leitung. Herrl. Lage, direkt am See. Schöne, sonnige Zimmer mit Fließwasser. Vorzügliche internationale Küche, Volle Pension: Vor״ und Nachsaison . . . S 9, - Hauptsaison.S 12.— Seebad und Garage frei. 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