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Jüdische Presse · 1935-05-31 · 21 (31.5.1935) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
21 (31.5.1935)
Date
1935-05-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ffoVtftotfi *£pi&tn6 povolenö riadit pdst » Itfegr&fof f fifötiüave 6ti. 41512*111*20 V. b. b. Zeltnngen vom Verleger versendet jamat exfrädlä put l^feditetti‘ f|״|J WIIN*BRATISLAVA \ * miMA!‘M$ 8ףןן א^ר תרצ«ון 21 Jahrgang / Nummer $1 Redaktion nnd Administration: Wien, n., Malz* gasse 12 a, Telephon A*46^)15־; Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kö 80, Jugoslawien Dinar 160, das übrige Ausland Schw. Fr. 14, Einzelnummer äst. Gr. 40« Zahlungen f. ״Jüdische Fresse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VBI, 4117, Berlin Nr. 122.619. 0RGnn für 016 imeRessen Des 0RTH0D0Hen juDemums Feriensorgen. Mit dem Eintritt der warmen Jahreszeit treten an den Großstadtmenschen, je nach Stellung und Vermögen, die Sommersorgen heran. Die sichs leisten können, haben die Qual der Wahl. Die mit Glücksgütern weniger Gesegneten jedoch hatten bis vor kurzem wirklich nur die Sorgen, aber nicht die M ö g- 1 i c h Ik e i t, ihren Kindern, die zwischen den Stein-; wänden der Großstadt aufwachsen, ein wenig Licht und Luft zu ,vermitteln, um ihnen ein Kräftereservoir für die rauhe Jahreszeit zu schaffen. Erst in den letzten Jahren hat der soziale Zug der Zeit auch darin einigermaßen Wandel geschaffen. Alle Organisationen, die den Wert der J u g e n dbewegung richtig einzuschätizen gelernt haben, müßten ihren jugendlichen auch etwas bieten. So entstanden parteiisch orientierte Jugendferienhilfswerke . in allen Farben und Nuancen. So löblich auch dieses Beginnen vom fein sozialen Standpunkt ist, so sehr birgt doch ■diese rein kollektivistische Art auch einige Gef ahren in Sich. Aus dem häuslichen Milieu entrissen, lernen Kinder aus den Verschiedensten Kreisen die Gedanken und Gefühle, .die Gebräuche :und Sitten ■״der and eren״ kennen und kommen so'׳' oft genug in Widersprüch e, die auszugleichen sie selbst noch nicht in der Lage sind. Die Vorteile wurden daher häufig von den Nachteilen überwogen, die darin lagen, daß die jeweilige Führung der Ferienaktionen bemüht war, die Erschütterung des ,kindlichen Gleichgewichtes Parteizwecken zunutze zu machen. Die glaub e ns treue Judenschaft Wiens ■hat auf diesem Gebiete, wie überall, wo es galt, religiöse Bedenken vorwegzunehmen, Vorbildliches geleistet. Die Jugendheime der Agudas Jisroel-JUgendgruppen sind nicht nur von allen jenen, die sie je einmal zu besuchen oder zu benützen׳ Gelegenheit hatten, als mustergültig anerkannt, sondern auch von objektiven ,Stellen, die mit ZEICHNUNG DER ARBEITS ANLEIHE SICHERT ZINSNUTZEN 7O/ VON RUND / / O UND GOLDWERT DES KAPITALS SOWIE DES ZINSENEINKOM- MENS. DEVISEN- UND STEUERAMNESTIE der Prüfung dieser Aktion betraut waren, Vorbehaltlos gelobt worden. Diese Anerkennung fand auch in der tatkräftigen Unterstützung aller berufenen öffentliehen Stellen ihren• fühlbaren Ausdruck. Wenn diese Aktionen qualitativ auch vollkommen entsprochen haben, so kann man das leider dem Umfange nach nicht behaupten. Noch ungleich mehr Kinder mußten die Wohltat eines religiös geführten Ferien- Werkes entbehren, als die Zahl derjenigen, die ihrer' teilhaftig werden konnten. Wenn nun Staat, Stadt und Gemeinde darangehen, in ihrem eigenen;!Wirkungskreis für alle Kategorien von Kindern lind Jugendlichen Feriengelegenheiten ,zu schaffen, ist leider die Befürchtung naheliegend, daß diese Gelegenheiten für die relij giösen Jugendlichen unsere/a Bekenntnisses nicht benützbar sein werden. Und:;wenn, wie aus Zeitungsmeldungen hervorgeht, ein Gesetz in Vorbereitung ist, das allen Hochschülern;die Teilnahme an Ferienlagern zur vaterländischen Pflicht macht, so erfüllt . uns die Sorge, wie dabei auf die r e 1 i g i ö s e ,E i g e n- . art unserer Jugendlichen Bedacht genommen werden könnte. Wir sind überzeugt davon, daß es bei der heutigen Stäatsführung in Oesterreich, keine Schwierigkeit gebeniwird,. wenn״ das religiöse Judentum die ,Forderung; aufstellt, daß auf die jüdische Jugend ihrer religiösen Eigenart nach Rücksicht genommen wird. Wir fordern daher schon heute im Interesse des Staates und der Religiosität im allgemeinen, Ein Schulwerk zum Trotz. Die jüdischnational-zionistische Mehrheit des Vor- Standes der Wiener Kultusgemeinde setzt ihr Werk, die Kultusgemeinde und die von der jüdischen Bevölkerung herausgepreßten Steuergelder für zionistische Partei- und Personenzwecke auszuschroten, flott fort. Der allerneueste Streich ist der Beschluß, in der Castellezgasse, beginnend mit dem Schuljahr 1935/36, eine jüdischnationale Volksschule auf Kosten der Gemeinde zu errichten, trotzdem oder weil damit das Schulwerk der Talmud Thora gefährdet wird. Welche Gefahren für die Erziehung der jüdischen Jugend ein jüdischnationales Schulwerk beiiüialtet, müssen wir unseren Lesern nicht erst plausibel machen, da es zu allgemein bekannt ist, daß das zionistische Schul- und Erziehungswerk überall und auch sogar in Palästina die Brutstätte der Irreligiosität und des Marxismus ist. Kein Wunder, da die derzeitige Führung der Zionistischen Organisation links orientiert ist. Bedauerlich ist es, daß auch die Wiener Kultusgemeinde, der zufälligeinezionistischeMehrheit.im Vorstande beschert wurde, daran wird glauben müssen, und doppelt bedauerlich ist es, daß diese zionistischen Feinde jeden ■ religiösen Lebens die Brunnenvergiftung schon bei sechsjährigen Kindern beginnen wollen. 1 :; Wie zur Erreichung des Parteizweckes alles Bestehende zertreten und auch mit dem Gelde der Steuerzahler nicht gespart wird, beweist der nastehende Bericht über den Verlauf der öffentlichen Vorstandssitzung der Wiener Kultusgemeinde: In der Plenarsitzung vom 19. April 1935 war mit den Stimmen der zionistischen Majorität gegen die Stimmen der Unionisten beschlossen worden, eine ״jüdische“ Volksschule im Prater oder 20. Bezirk zu errichten. In einer neuerlichen, mit der Tagesordnung ״S t a n d o r t der zu errichtenden Volksschule“ einberufenen Plenarsitzung am 27, Mai berichtete nun Präsident Dr, Friedmann, daß das Vertreterkollegium beschlossen habe, dem Vorstande die Errichtung der Volksschule in der Castellezgasse vorzuschlagen. Kultus- Vorsteher Klinger (Union) sprach sich entschieden gegen die Castellezgasse aus. Er führte aus, daß die seit 80 Jahren bestehende Schule des Talmu4 Thora-Schulvereines in ihrem Bestände nicht gefährdet werden dürfe. Die Talmud-Thora- Vor lästigen Verfärbungen schätzt ODOL-Zahnpasta Ihre Zähne. ODOL- Zahnpasta reinigt gründlich, ODO L- Zahnpasta macht Zähne wie Perlen 1 Kleine Tube S —.90 Große Tube S 1.40 1. daß die jüdische Jugend wie bisher bei allen Ferienaktionen nicht benachteiligt wird; 2. daß die Errichtung von Lägern, Heimen und Ferienkolonien derart gesondert erfolge, daß die Juden sich ihrer religiösen Ueberzeugüng und Erziehung entsprechend ausleben können und damit dem religiösen Frieden gleichermaßen wie dem Staatswohl in vollendeter Form gedient sei. Schule habe die besten Lehrerf olge und sei nur fünf Minuten Gehweg von der Castellezgasse entfernt. Dabei habe die Talmud-Thora — eine komplette Volks- ■und Hauptschule für Knaben und Mädchen — mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die materielle Situation wird durch die Nähe der!Schule der Kultusgemeinde noch verschärft werden. Es existiere kein lokaler Bedarf für diese Schule in der, Castellezgasse, da die Talmud-Thora-Schule nicht voll belegt ist. Ein Antrag, zu bestimmen, daß die Schule streng religiös geführt werden müsse, wurde unter ■Zustim- .mung der Zionisten vom Präsidenten mit der vielsagenden Erklärung abgetan: ״Die Schule wird so geführt werden, wie die Majorität des Kultus vor- Standes es haben wil 1.“ Daß nicht einmal der Versuch unternommen wurde, die Argumente, die gegen die Errichtung der Schule in der Castellzgasse sprechen, zu widerlegen, und daß nicht jüdisches Empfinden und nicht Logik, sondern die Abstimmungsmaschine letzten Endes zugunsten des Projekts Castellezgasse entschieden, ist ja selbstverständlich. Einen Mann gab es in der Sitzung, der doch den Mut hatte, Farbe zu bekennen. ■Es war dies Kultus- Vorsteher Dr. Plaschkes, der rundweg erklärte: ״Die Errichtung der Schulen, wie ״wir“ sie wollen (jüdischnational! Anm. d. Red.), ist eine zionistische Existenzfrage und die in der Nähe befindliche religiöse Schule interessiert uns absolut nicht, weil wir sehr weit weltanschaulich getrennt sind und für unsere Kinder nicht den Geist dieser Schule haben wollen, ebenso wie jenen Eltern unsere Schulen nicht passen.“ Diese Erklärungen über die weltanschaulichen Unterschiede, die Herr Dr. Plaschkes in seiner Rede einigemal wiederholte, haben wir uns sehr gut gemerkt; es wäre nur zu wünschen, daß die Herren Zionisten diese Erklärung auch dort abgeben, wo sie ein Interesse haben, die bestehenden Gegensätze zu verleugnen. Die nächste Ausgabe der ״Jüdischen Presse“ erscheint als Sdiwuos-Fesfnuitimer am Donnerstag, den 6. Juni, und gelangt am 1. Tag Jomtow in die Hände unserer Leser. Inserate können bis Mittwoch mittag angenommen werden.

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