Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 20 (24.5.1935)
- Date
- 1935-05-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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M m JÜDISOMPRt^Sß Am Erez Jisroel« (8ieh& afach ״Von Woche zu Wochef* j Die Verhandlungen *litt dem WaadLetimi. — ״Heldentaten“ des Raw Ostrowski. Orthodoxie schreitet mächtig vorwärts. —Beth-Jakob-Schulwerk. — Eine beispielgebende Opferbereitschaft. Von unserem kofrespondeHfetu Am Dienstag, den 4. Ijar, begannen die von der Palästina - Regierung angeregten Verhandlungen zwischender Agudas Jisroel und dem Waad Leumir betreffend die öffentlich-rechtliche Anerkennung der orthodoxen Gemeinden und Rabbinate. An den Sitzungen beteiligten sich drei hohe Beamte der Regierung unter der Führung des Chef Sekretärs Nurok, während die Agüdas Jisroel durch die Herren Rabbiner Jonathan Horo- Witz, Mosche Blau und Raphael Katzenellenbogen, der Waad Leumi durch die Herren Ben-Zwi, Raw Ostrowski und Abraham Almaliah vertreten waren. Nach Verlesung des Begrüßungsschreibens des High Commissioners, der sein persönliches Fernbleiben entschuldigte, dauerten die Beratungen etwa zwei Stünden, um dann auf den 10. Ijar vertagt zu werden. Sofort nach der Sitzung erschienen die Vei’treter der Aguda bei Oberrabbiner D u s c h i n s k y, um ihm über die Verhandlungen Bericht zu erstatten und Weisungen für deren Weiterführung entgegenzunehmen. Wenn es -auch noch orthodoxe Kreise gibt, die jede Zusammenarbeit mit dem Waad Leumi — auch in Fragen, die mit keinerlei religiösen Grundsätzen in Widerspruch geraten können — ablehnen, zeigt sich im ganzen Lande lebhaftes Interesse an den Verhandlungen, mit deren baldigem Ab- Schluß allgemein gerechnet Wird. Am 10. Ijar fand schließlich die Fortsetzung der Verhandlungen statt. Diesmal wurden von seiten der Agudas Jisroel Herr Dr. Buxbaum und von seiten des Waad Leumi Raw Usiel aus Tel-Awiw beigezogen. Auch in dieser Sitzung wurden vorläufig nur die allgemeinen Grundprinzipien besprochen, während es zu einem Eingehen in die Details noch nicht gekommen ist. Im Verlaufe der Besprechungen gab es auch einige schärfere Auseinandersetzungen zwischen den Parteien- Vertretern, die ein vermittelndes Eingreifen. der Regierungsabgeordneten erforderlich machten. Während die Verhandlungen mit dem Waad Leumi laufen, finden Tag für Tag stundenlange Konferenzen innerhalb der Leitung der Agudas Jisroel und des Waad Hoir Aschkenazy statt. In der richtigen Erkenntnis, daß hier nicht eine lokale palästinensische Angelegenheit zur Behandlung steht, sondern Prinzipien, die für das gesamte Judentum von ganz gewaltiger Bedeutung sind, hat sich jetzt die Aguda-Zentrale in Jerusalem auch mit allen rabbinischen Autoritäten der Golah in ^Verbindung gesetzt, um deren Stellungnahme zu erfragen. Natürlich ruht auch die Gegenseite nicht. Die :Zionisten samt ihren misrachistischen Nachläufern fühlen, daß es ihnen nicht länger möglich sein wird, das orthodoxe Judentum niederzuhalten und eine mächtige Ent- Wicklung der Agudas' Jisroel zu verhindern. Sowohl die englische Regierung als auch der Völkerbund haben ihr Verständnis für den Herzensruf der Tausende orthodoxen Juden des heiligen Landes bekundet und es besteht kein Zweifel darüber, daß der gerechten Forderung der Orthodoxie schließlich wird Rechnung getragen werden müssen. Wie Ihr Korrespondent noch erfährt, ist es haupt- :sächlich Raw. Ostrowski, ein Führer des Misrachi, der die Anerkennung orthodoxer Gemeinden mit allen Mitteln zu verhindern sucht und bei den Verhandlungen den Scharfmacher spielt. Raw Usiel, der hinter seinem Kollegen nicht zurückstehen will, soll sogar gedroht haben, daß alle Rabbiner ihre Stellen zurücklegen würden, wenn die Anerkennung der orthodoxen Gemeinden bewilligt werden sollte. Alle Unterdrückungsversuche jedoch werden nichts nützen. Langsam, aber sicher, macht sich die Entwicklung der orthodoxen Gemeinden bemerkbar, *die durch den Zustrom neuer Olim gestärkt und gefestigt werden. Dieser Tage fand in der orthodoxen Gemeinde von Jerusalem eine Versammlung der neueingewanderteia ׳■Olim statt, deren Vorsitz die Herren Saly Geis und S. Alexander führten. Mit besonderer Freude muß auf die Entwicklung •des Be th-Jakob-Mädchen schul Werkes im;ganzen heiligen Lande hingewiesen werden. Im letzten .Jahre und speziell in den letzten Monaten wird eine sehr regsame Tätigkeit auf diesem Gebiete entfaltet, so daß Erez Jisroel bereits mit einem dichtmaschigen Netz von •orthodoxen Mädchenschulen überzogen ist. Das Werk soll nun seine Krönung in dem Neubau einer großen Beth -Jakob-Schule in Jerusalem finden, für den die Jugendorganisation der Agudas Jisroel in der Slowakei den Boden erworben hat, während die für den Bau selbst und die Einrichtung erforderlichen Mittel von der auch hierzulande sehr bekannten ,und angesehenen Familie Kästner in Bratislava zur Verfügung gestellt wurden. Das Komitee, das die Einrichtung dieser Beth-Jakob-Schule in die Hände genommen und Oberrabbiner Duschinsky zu seinem Vorsitzenden gewählt hat, hat beschlossen, am Lag-be’Omer den Grundstein für den Bau feierlich zu legen. Die Munifizenz der Familie Kästner verdient die Anerkennung und ganz besondere Hochachtung der ganzen orthodox-jüdischen Welt. Möge die Tat reichliche Nachahmung finden und die Mizwoh selbst den edlen Spendern der schönste Lohn sein. Menachem Glikman-Porusch, Jerusalem. EINE [WERTVOLLE MARKE! JLVERü VANILLINZUCKER Kritik und Betrachtung. Echt amerikanisch , . . Auch die Rabbiner der ״American Rabbi nieai Assembly“ beschäftigt das Weltproblem der Agunoth, der verlassenen Gattinnen, die sich infolge der Unmöglichkeit, einen Scheidebrief zu empfangen, nicht wieder verheiraten können. Viel Kopfzerbrechen scheint die Sache den Herren nicht ,gemacht zu haben. Denn sie haben eine ״Lösung“ gefunden, die zwar die bereits vorhandenen Agunoth nicht befreit, aber dafür in Zukunft prophylaktisch den Zuzug neuer Agunoth verhindern soll. Die Lösung ist wohl religi'onsgesetzlich eine Unmöglichkeit, aber das scheint diese Herren ״Rabbiner“ nicht sehr gestört zu haben. Sie schlagen einfach vor, von jedem Brautwerber Vor der Eheschließung eine Erklärung unterfertigen zu lassen, derzufolge die künftige Gattin aus der augenblicklich noch gar nicht geschlossenen Ehe entlassen ist, wenn er drei Jahre lang nicht für ihren Unterhalt sorgen oder verschollen bleiben sollte. Seine Exzellenz, der Herr Finanzminister Jeder Tag bringt wohl etwas Neues, das Neueste aber wohl immer ״Der Wiener Tag“. Die Ankunft des Finanzreferenten der Zionistischen Exekutive in Palästina, Elieser Kaplan, wird von dieser Tageszeitung unter der Ueberschrift ״Der Finanzminister Palästinas kommt nach Wien" avisiert. Da muß doch einem Jabotinsky das Herz im Leibe lachen, wenn er auf diesem Umweg seine kühnsten Träume so einfach und plötzlich verwirklicht sieht. Wenn ihm nur die Freude daran nicht dadurch vergällt wird, daß der Herr ״Finanzminister“ nicht gerade der äußersten Rechten angehört. Herr B a r a t z, der in Begleitung des Herrn ״Finanzministers" nach Wien kommt, wird zwar nicht als ״Staatssekretär“ angekündigt, trotzdem macht die Sache aber einen etwas linken Eindruck. Lockpreise für Autofahrschüler. Die Anlockung von Schülern ״zu ,besonders billigen“ Preisen ist irreführend und kann mangels genügender Fahrausbildung die öffentliehe Sicherheit und das eigene Leben gefährden. Der Prüfungswerber muß daher in der Wahl des Fahrschulkurses vorsichtig sein und nicht den billigsten, sondern den besten Fahrschulkurs wählen. In den gesetzlichen Richtlinien erfolgt die gewissenhafte Ausbildung durch die renommierten N e u d e g g e r Auto m o b i 1- und Motorrad-Fahrschulen, VIII., Neudeggergasse 18 (Ecke Lerchenfelderstraße 18), Telephon: B-46-5-7 2 und Inzersdorf (Niederösterreich). E HEBHinEiaiaaK Der Vorstand der Adas Jisroel (Schiffschul) hat beschlossen, sämtliche am ש״ק פ׳ במדבר הבע״ל der צדקה zugedachten Spenden und den Erlös für die עליות der Hilfsaktion des Vereines ״Tiferes Bachurim“ zuzuweisen. Loschon-Hakodesch-Kurs. Die Erez-Jisroel-Zentrale der Agudas Jisroel hat auch für den Sommer einen Loschon-Hakodesch-Kurs errichtet. Der Kurs steht unter der bewährten Leitung des bekannten Pädagogen Herrn Aberbach. Kursbeitrag S 1.50 monatlich. Anmeldungen nimmt das Büro der Erez-Jisroel-Zentrale, Wien, II., Leopoldsgasse 16, entgegen. Agudas Jisroel-Mädchengruppe Wien. Den dieswöchigen Schabbos-Vortrag hält Frau Dozentin Eva Landsberg um halb 11 Uhr vormittags in der Wienea. Das Wochenfest zieht bald ein — Oetker muß früher im Hause sein, denn für die Herstellung des Feiertagsgebäcks sind die verläßlich koscheren Erzeugnisse Dr. Oetkers Backpulver und Dr. Oetkers Vanillinzucker mit dem Rabbinatsattest ׳unbedingt nötig.. Die Hellkopffriarke bürgt gleichzeitig für vorzügliche und bewährte Qualität. Arbeifsanleihe — Arbeitssdiladit. Die österreichische Bundesregierung hat eine Arbeitsanleihe aufgelegt, deren Zeichnungsfrist am 14. Mai begonnen hat. Das Erträgnis der Anleihe ist für die Finanzierung der Arbeitsschlacht bestimmt. Es ist ein Zeichen des besonderen Vertrauens, das unsere Regierung genießt, und ein Zeichen für die Sicherheit unserer Währung, daß die Regierung jetzt mit dieser Transaktion auf den Markt kommt, nachdem in den vergangenen Jahren die Trefferanleihe und die Konversionsanleihe einen durchschlagenden Erfolg״et2ielten.׳ Es’ istrsicher,״daß insbesondere ״auch־ die-jüdischen Bürger d es Staates sich an der Zeichnung rege bet eiligen werden und daß mit dem glücklichen Abschluß der Arbeitsanleihe eine fühlbare Belebung der Wirtschaft eintreten wird. 4״Zeichnungen werden auch von der Lebens Versicherungsgesellschaft ״Phönix“, der V ertragsgesell- Schaft der Agudas Jisroel, entgegengenommen. Aufträge werden auch vom Sekretariat der Agudas Jisroel, Wien, II., Leopoldsgasse 16, Tel. A-46-0-15, zur Weiterleitung übernommen. Nach den Parlamentswahlen. Der vergangene, in der Tschechoslowakei so mit Sehnsucht erwartete Sonntag, 1brachte — wie dies unser Außenminister Dr. Benes bereits vorausgesagt hat — k e i n e p o 1 i t i s c h e Ueberraschung. Die Wahlen in der ganzen Republik, namentlich aber in der Slowakei, haben klar gezeigt, daß die vorsichtige Arbeit der regierenden Parteien den Anklang uinter den breiten Massen der Vernünftigen Bürger gefünden hat. Es wird allmählich klar und deutlich, daß die Republik in ihrer nationalen Zusammensetzung; eben nur durch eine feste Demokratie zu einem weite-׳ ren Aufschwung kommen kann. Und das Wahlergebnis weist auch tatsächlich einen, bedeutenden Stimmen־. Zuwachs für die Regierungsparteien in der Slowakei auf. Mit diesem Stimmenzuwachs stärkt sich die Position dieser Parteien und ist ihr Standard auf eine gewisse Zeit hinaus gesichert. So zum Beispiel hat die Benes־P artei achttausend neue Stirnmen bekomme n (in Bratislava allein nahezu 3000); auch die Agrarpartei hat in der Slowakei einen ähnlichen Stimmenzuwachs erfahren, die Sozialdemo־ kraten •haben sich sogar noch bedeutend mehr Stimmen erobert.! Aber auch die Opposition dürfen wir nicht unterschätzen. Die klerikalen Autoiiomisten haben ebenfalls eiinen bedeutenden Zuwachs an Stimmen erhalten. Da muß aber in Betracht gezogen werden, daß sich dienmal drei Parteien vereinigten, wogegen ׳bisnun diese Partei bloß aus Hlinka-Anhähgern bestand. Keinehfalls kann aber gesagt werden, daß diese Partei sich nicht gestärkt Hätte. Sehr viel'haben die Kommunisten gewonnen, sie werden aber in! Sinne des neuen rus&i•״ sehen Paktes nicht staatsfeindlich׳ wirken, . Auch, die Faschisten haben in manchen Wahlbezirken eine nicht י unbedeutende Position errungen. Ueberraschend kam *der ra$de dej Hehl ein-׳Partei, Und das soll für alle .Minoritäten eine er n• s t e! Mab n u n g sein! Unsere Republik ist־der einige ׳Staat, in dem!wh: die demdkrätiseben Hechte voll und ganz genießen,׳sie : ist im Europa e^ie I n s e i d dßfi e m 0״ kra t i e! .iWecjdies Kurse der Diktatoren — egäl,;0b;e:s Gajda, ׳Henlein oder Krarnar ist — unterstützt, der ruft eine sehr ernste Lage für das dmokratische ,Volk hervor. Noch einmal werden am kommenden Sonntag die Wähler zur Urne schreiten. Und wenn auch in p Ql i 11־ scher Hinsicht das Hauptgewicht im Parlament und im' Senat liegt, so darf doch nicht vergessen werden, daß der Landtag und seine Gesetzgebung häufig fürdeneinz einen Juden von noch viel weit tragender er Bedeutung sind, als die Abstimmungen, die im Parlament stattfinden. Die Partei unseres Außepmini sters Doktor BeneS, der sieh unvergängliche Verdienste um die Begründung und den Bestand unserer demokratischen Republik erworben hat, und der — wie wir auszuführen bereits; Gelegenheit hatten — oft und immer wieder sich für dje , speziellen Interessen der Juden vor dem intematinaieri 4 Forum in Genf und im eigenen Lande eingesetzt hat und einsetzt, sie ist diejenige und die einzige Partei, der wir Juden ohne alle Bedenken unsere Stimmen freudig geben sollen und geben müssen. Die Partei des Dr. BeneS, die für die Gleichberechtigung aller Bürger dieses Staates ohne Ausnahme eintritt, die mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln — und ihr steneii sehr bedeutende moralische und Machtmittel zur Ve!rfügung — den Antisemitismus niedergehalten hat und niederhalten wird, sie wird auch im Landtag unsere Interessen, die Interessen der jüdischen Bevölkerung, vertreten. , Die Heevsdiau der Thora. Sehnsüchtig; voller Erwartung zählt Jisroel die Tage, die ihn dem Feste der Thora entgegenführert. Ara sechsten Siwan hat Jisroel für, alle ,Zeiten die heilige Verpflichtung übernommen, ein Lichtbringer der Thora; ein Beschützer und Beschirmer ihrer. Pflegestätten :zu sein, Stolz, mit, grenzenloser Hingebung, hat Jisroel * immer diese vornehmste, seiner Pflichten erfüllt. Unzäh* : lige, ruhmreiche Taten, :der Vergangenheit und Gegenwart י sind Zeugen der, Liebe und Qpferbereitschaft, mit. denen ־; Jisroel die Thora',umgibt upd ihr dient. : Wir wollen,: die etwas» schwächer klingende Stimme der Vergangenheit jetzt nicht ertönen lassen, .wir wollen« : vielmehr, die mit kräftigen Lauten sprechende Gegenwart vernehmen. Der Verein - ׳ ... 'vjx, V״ . .׳Machsike *Jajescbiwotb“ tfäidar lebendige, Ausdruck der Thoraüehe. die verkörperte