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Jüdische Presse · 1935-05-24 · 20 (24.5.1935) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
20 (24.5.1935)
Date
1935-05-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Wieder einmal findet es die ״Neue Welt“, das Presseorgan des sogenannten ״Jüdischen Volksbundes“, für gut, die Parallelklassenverordnung in den Mittelpunkt einer Diskussion zu rücken, die beileibe nicht mehr Aussicht hat, wieder so lebhaft zu werden wie die seinerzeitige. Der Anlaß ist nur etwas gekünstelt und wird in unklar ausgedrückten Vorbereitungen gesehen, die die Befürchtung nahelegen, daß die Diskriminierung der jüdischen Kinder zu einer dauernden Einrichtung werden könnte. Interessant an der ganzen Sache ist nur, daß sich Herr Stricker dabei auf eine Meldung der J. T. A. beruft, die — wie er sagt, er muß es ja wissen — ״in solchen Fällen ihre Informationen bei offiziellen jüdischen Stellen einzuholen pflegt“. Für uns ist die Sache an sich unwesentlich. Wir halten an unserem Standpunkt fest, daß die Parallelklassenverordnung als Vorstufe zur konkonfessionelle Schule ist imstande, die jüdische Jugend in einem Sinne zu formen, der den Bestand des jüdischen Volkes über die Jahrhunderte hinaus verbürgt. Das ist der tiefere Sinn unseres Kampfes um die autonome orthodoxe Gemeinde. Solange wir dieses Vollideal nicht erreicht haben, verzieht e n wir auf ein jüdisches Schulwerk, das, wie alles Plailbe, auch das wirklich jüdische Ideal verfälscht und uns zu den! ärgsten Befürch״tungen hinsichtlich des religiösen Baues unserer Zukunft Anlaß gibt. Unentwegt und unbeeinflußt von allen Versuchen, das jüdische Erziehungswesen in andere Bahnen zu lenken, wollen und werden wir mit G־ttes Hilfe die religiöse Gemeinde und mit ihr das religiöse Erziehungswerk erkämpfen. Wenn Raucher der Verfärbung der Zähne vorbeugen wollen, dann hilft nur die regelmäßige, tägliehe Pflege'mit O DO L- Zahn pasfa. MP Kleine Tube S —.90 Größe Tube S 1.40 Dr. L eo Deutschländer: Bet h J akob 193 4/3 5. Im Verlag der Beth-Jakob-Zentrale ist eine kleine Broschüre erschienen, die einen instruktiven Belicht ihres Direktors Dr. Leo Deutschländei' über die Leistungen und den Stand des Beth-Jakob- Schulwerkes in der ganzen Welt enthält. Nach einem Nachruf für die verblichene Gründerin und Führerin der Beth-Jakob-Bewegung, Frau Sara S chenir er s. A.} fährt der Bericht fort: fessioneilen Schule zu begrüßen ist. Wir sehen in der Absonderung auch keine Diskrimi־ nierung und wir würden es vom religiösen Erziehungs- Standpunkte aus sogar—begrüßen, wenn, es möglich wäre, unsere Kinder von jenen j ü d i s c h e n Kindern zu scheiden, deren Erziehung vom Elternhause areligiös ist Herr Stricker und seine jüdischnationalen Kombattanten, die zwischen jüdisch-national und jüdischreligiös eine verschwommene Synthese suchen, deren innere Unmöglichkeit in ihrem sichtbaren Widerspruch liegt, versuchen nun, das, was vom nationalen Standpunkt vielleicht richtig sein mag, mit religiösen Untertiteln zu umschreiben. Was dabei herauskommt, ist eigentlich nicht mehr, als ein lustiger Kampf gegen alle. Selbst dem Präsidenten der israelitisehen Kultusgemeinde in Wien,* Staatsrat Dr. F r i e dmann, wird dabei die Reverenz versagt und ihm vorgeworfen, fruchtlose Protestpolitik zu betreiben, statt die ״positive“ Taktik des Jüdischen Volksbundes zu unterstützen, um so ״die Verwüstung, welche das jetzige System unter der jüdischen Jugend anrichtet, unheilbar werden zu lassen“. Die Konklusion ist einfach, offen, aber, wie gewohnlich, falsch.!Sie enthält ein ungewolltes Be-• kenntnis, das festgehalten zu werden verdient. Herr Stricker fordert die Allgemeinen Zionisten auf, getreu ihrem Programm ״in die nationale Schulfront einzutreten“. Hier liegt das, was wir bekämpfen. Wir wollen keine jüdisch-nationalen Minderheitsschulen, weil der jüdische Nationalismus — wie auch jeder andere — Totalitätsansprüche stellt, die in diametralem Gegensatzzu den Grundsätzen religiöser Lebensauffassung stehen. Wir wollen keine jüdisch-nationalen Schulen, weil sie irreligiös das nationale Moment vor das geistige stellen, Wir wollen keine jüdisch-nationale Erziehung, weil sie am Religiösen vorbei ins Politische tendiert, und wir wollen schließlich keine jüdisch-nationalen Schulen, weil nicht jeder, der jüdisch-nationale Erziehung erteilt, auch jüdisch - religiöse versteht. Das Unglück, das die jüdisch-nationale Politik für uns Juden im Innern und für' unser Verhältnis zur Umwelt bedeutet, kann nur bekämpft werden durch eine jüdisch-konfessionelle Schule, in der 'die religiösen Grundsätze. unserer Uaberlieferung hoqhgehalten werden. Nur die jüdischieHkaUnsütut HcaUau: Die Anstalt wurde von 107 Schülerinnen besucht (64 im Seminar, 38 in dar Vorbereitungsklässe). Im Programm des Seminars ist keine wesentliche Aenderung eingetreten. Nach wie vor stehen die hebräischen Gegenstände im Mittelpunkt des Unterrichts, Pädagogik und Psychologie, polnische Sprache. Literatur, Geographie und Geschichte, Weltliteratur, Turnen und Gesundheitslehre. Einmal wöchentlich gemeinsamer Spaziergang mit den Lehrerinnen, um eine gegenseitige persönliche Fühlungnahme zu ermöglichen, und ebenfalls einmal in der Woche ein gemeinsamer Diskussionsabend, am Samstag Referate der Schülerinnen über die Wochensidra. Besonderer Wert wird auf die sogenannte Mussar-Erziehung gelegt, die Losung ist: ״Erkenne den Menschen, besonders dich selbst.“ Um die Charakterbildung in diesem Sinne wirksam zu beeinflussen, werden allgemeine Gespräche (sogenannte Sichaus) geführt. Ernst, Aufrichtigkeit, Erzeugung einer seelischen Grund- Stimmung sind populäre Losungen im Seminar. Es herrscht ein Vertrauensverhältnis zwischen Lehrerinnen und Schülerinnen. Die Autorität der Dozenten ist gewahrt und für die innere Freiheit der Schülerinnen selbst wird nachdrücklichst mit Erfolg Sorge getragen. Insgesamt erhielten 42 Schülerinnen das Lehrerinnendiplom, und sämtliche Absolventinnen konnten unmittelbar darauf einen Posten in der polnischen Provinz antreten. Das Dozentenkollegium ist durchwegs aus der Krakauer Anstalt hervorgegangen, nachdem die jungen Damen die Sonderkurse des Herrn Dr. Deutschländer und der Frau Dr. Rosenbaum-Grünfeld besucht und auch staatliche pädagogische Anstalten mit SACHSELS’s Modehut 1935 S 9.80 und 12.— Prima Haarfilz, federleicht, S 16.— u. 20.— Biber S 26,— Borsalino Antica Casa S 32.— Wien II, Taborstr. 39 Auszeichnung absolviert hatten. Das frühere Urteil, daß die Dozentinnen durchwegs, unter der vortrefflichen Leitung des Direktors Orlean, ihrer Aufgabe gewachsen sind, kann hier nur wiederholt werden. Ein Vorbereitungskurs wurde auch in diesem Jahr eröffnet, der von 38 Schülerinnen besucht wird: 30 aus Krakau und 8 aus der Provinz. SentUtac Wien: Das Beth-Jakob-Lehrerinnenseminar in Wien kann mit Beendigung des Sommersemesters auf ein f ü n fjähriges Bestehen zurückblicken. Während die Krakauer Anstalt fast ausschließlich von polnischen Schülerinnen besucht wird, erhält das Wiener Institut einen besonderen Charakter dadurch, daß die Schülerinnen aus den verschiedensten Ländern kommen (Oesterreich,!Slowakei, Ungarn, Rumänien, Finnland, Dänemark, Italien, Holland, Deutschland, Schweiz). Der größere Teil der Schülerinnen erstrebt auch hier das Ziel, sich als B.-J.-Lehrerin ausbilden zu lassen, immer mehr aber zeigt sich auch die Notwendigkeit, Fortbildungskurse für schulentwachsene Mädchen einzurichten, die zur Vervollkommnung ihres jüdischen und profanen Wissens das Wiener Institut besuchen. Das Lehrprogramm entspricht im großen ganzen dem des Krakauer Seminars mit entsprechender Anpa3sung in den weltlichen Fächern an die westlichen Verhältnisse. Die meisten Schülerinnen wohnen im Internat des Dr.-Krüger-Heims und bilden dort eine besondere Gemeinschaft, die sie zu bewußt jüdischen Menschen erziehen soll. Die Wiener Anstalt zählte einschließlich der jetzt Studierenden zirka 100 Schülerinnen, Von diesen bekleiden zirka 40 Absolventinnen B.-J.-Posten in den neugegründeten ,1Schulen in C. S. R.,. Ungarn, Rumänien usw. Obwohl durch das Ausländer-Arbeitsverbot eine gewisse Schwierigkeit mit der Besetzung der Posten verbünden ist, war es bisher, fast immer möglich,,. c}en Lehrerinnen Stellen zu verschaffen. Neben den Posten ׳ als B.-J.-Lehrerinnen, bzw. Kindergärtnerinnen (im Lehr- Programm ist eine Spezialausbildung dafür vorgesehen) werden oft unsere B.-J.-Lehrerinnen׳ als Erzieherinnen und Privatlehrerinnen angefordert, so daß wir immer eine Anzahl offener Stellen zu besetzen haben. und : Von Krakau wurden im Berichtsjahr 34 Schulen1: gegründet, Herr Direktor Orlean, Hery Senatsrat M- Deutscher wie auch Herr Dr. Deutschländer haben eine Reihe von Anstalten in Polen, Rumänien und der Slowakei• besucht und die Gelegenheit benützt, auch in öffentlichen «*•׳46*;;

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