Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 18 (10.5.1935)
- Date
- 1935-05-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2629891-2630587-2630605--4988-2637248- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
NorinöVÄ ttfplatnÄ povolene tiadlt post & toiei*&fitv v ßfätlaiave äs. 4167241140 v. b. b Zeitungen vom Verleger veilttiftifcV׳ Jotmial expMIä paM’edlteuf ב״ןן WIEN.BRATISLAVA * 10. MAI 193S n1״2»״f1 ,ן St Jahrgang / Nummer 1& Redaktion ttnd Administration: Wien, tt., Malzgasse 12 a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kö 80, Jugoslawien Binar ISO, das übrige Ausland Schw* Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen f. ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VDI, 4117, Berlin Nr. 122,619. QRGfin für Die inTCRCssen pes ORTHODonen jupemums Vor lästigen Verfärbungen schützt ODOL-Zahnpasta Ihre Zähne. ODOL- Zahnpasta reinigt gründlich, O D O L- Zahnpasta macht Zähne wie Perlen I tyujT1־-׳✓. Kleine Tube S 90.,-־ Große Tube S 1.40 SACHSELS’s Modehut 1985 S 9.80 und 12.— Prima Haarfilz, federleicht, S 16.— u. 20.— Biber S 26.— Borsalino Antica Casa S 32.— Wien II.Taborstr. 39 Oeff entliehe , Spät genug ist nun endlich doch auch die ״U n i o n ö s t e r r e i c!h i s c h e r J u d e n“ in die Diskussion über die S e-lb s t־ä ndi g׳k eit sbe st r ebungen der Wiener Orthodoxie eingetreten. In der ״Neuen Freien Presse“ vom 4. Mai beleuchtet der Obmann der Union, Regierungsrat Doktor Oppenheim, den Standpunkt seiner Organisation mit folgenden Ausführungen■: ״Die Union österreichischehr Juden nimmt in der Frage des Ausscheidens der orthodoxen Juden aus der Kultusgemeinde einen ablehnenden Standpunkt ein. Die Union stand und steht auf dem Stundpunkte, daß es die Aufgabe der Kul tu s g e meindd ist, für die B e friedig xin g der' religiösen Bedürfe nisse aller Richtungen Sorge zu tragen. Dieser Gedanke hat auch dem Gesetzgeber bei der Schaffung des Gesetzes vom Jahre 1890 über die Kultusgemeinden vorgeschwebt. Solange die Union die Mehrheit im Vorstande der Israelitischen Kultusgemeinde Wien besaß, das war von der Schaffung der Kultusgemeinde bis zum Jahre 1032, also durch mehr als JfO Jahre, hat sie es als ihre Aufgabe betrachtet, diesen Gedanken des Gesetzgebers zu verwirklichen, und es ist auch tatsächlich immer gelungen, einen Modus vivendi zu find e n, der auch die Orthodoxen befriedigte und in ihnen d&n Wunsch nach Tr ewm ung der Kultusgemeinde, trotz des^B eis piels Ungarns und anderer Lände r,l n i ch t laut wer den ließ. Ohne die Separationsbestrebungen der Orthodoxen zu billigen, kann man es verstehen, daß. sie ■ h &,ut e diese F o r de r um g'wi'e d er - auf'l e ben lassen; ich möchte aber .glauben, daß das, was der Union so lange möglich war, auch bei einigem gutem Willen der jüdischnationalen Zionisten durchführbar ,sein müßte und eine Trennung der Gemeinde aus religiösen Gründen ohne Schwierigkeit vermeidbar wäre. Anders stünde es mit der Einheit der Gemeinde, wenn die gegenwärtige jüdischnational-zionistische Mehrheit der Kultusgemeinde darangehen sollte, den Beschluß des zionistischen Landeskomitees zu verwirkliehen, wonach der Vorstand der Gemeinde in seiner gegenwärtigen Zusammens & t zun gc berufen ist, die L an de sp olitik der österreichischen Juden zu vertreten. Darunter verstehen die jüdisclmationalen Zionisten die Bestimmung oder Mitbestimmung der Stellung der ■ österreichischen Juden in Staat, Land und Gemeinde. Die Ausführung dieses Beschlusses des zionistischen Landeskomit&es würde — abgesehen von allem — die durch das Gesetz vom Jahre 1890 den Kultusgemeinden eingeräumte Kompetenz, die darin besteht, autonom für die religiösen Bedürfnisse der Juden vorzusorgen, überschreiten und den Rahmen der Kultusgemeinde sprengen. Es würde dazu, führen, 1 vas gewisse jüdischnationalzionistische'Kreise schon längst angestrebt haben, aus derKultusgemein de eine Volksgemeinde zu machen. Ein solches gesetz- und statutenwidriges Verhalten würde auf unseren schärfsten Widerstand stoßen und der Einheit der Kultusgemeinde aus politischen Gründen den Todesstoß versetze n.“ Daß die von religiösen׳ Motiven diktierten Selbständigkeitsbestrebungen der Orthodoxie bei der ״Union österreichischer Juden“, keine Unterstützung finden werden, war bei der ״liberalen“ Auffassung dieser Kreise vorauszusehen. Wir billigen ihnen auch den!guten!Glauben ohne weiteres •zu, daß bei einem weiteren Verbleiben der 1״Union“ an der Spitze der Kultusgemeinde diese Bestrebungen nie in so eruptiver Gewalt hervorgebrochen wären׳, wie es jetzt der Fall ist, weil die ״Union“ wirklich, trotz ihres Indifferentis* mus in religiöser Beziehung, den Forderungen der Orthodoxie mit Achtung entgegengekommen ist, was bei der derzeitigen Kultusgemeindeleitung sicher! Diskussion. ' nicht der Fall ist. Unrichtig jedoch ist es, daß die Orthodoxie den Kampf um ihre Selbständigkeit jetzt erst aufgenommen hat, weil die ״Union“ nun־ nicht mehr an der Spitze der Kultusgemeinde steht. Der Grund hiefür liegt vielmehr darin, daß diese auf viele Jahrzehnte zurückliegenden. Bestrebungen im neuen Oesterreich mit ungleich besseren Aussichten auf einen Erfolg in die Wege geleitet werden konnten. Im 'letzten Teil der Erklärung des Präsidenten der Union finden wir eine, wenn auch ungewollte, über־ aus wertvolle Zustimmung zu unseren Bestrebungen, die ihren Wert -für uns erhöht. Es wird aber wohl keinen vernünftigen Menschen geben, der bestreiten wollte, daß uns der religiöse Druck mindestens so viel Recht zu einer .Separation gibt, wie der politische den Anhängern und Freunden der ״Union“. * Was wir bisher vermieden haben, uns mit dem Rabbinat der Kultusgemeinde hi beschäftigeri, ist uns nunmehr durch eine Stellungnahme, die an Eindeutigkeit nichts übrig , läßt, zur ungewollten Pflicht geworden׳. Vor nicht allzu langer Zeit׳ erklärte ein Rabbiner der Kultusgemeinde von der Kanzel herab, daß er ״nicht nach. Wien' gekommen sei, um rabbinische Funktionen auszuüben, Sondern um seinem ,Volke‘ in■ seinem•;Sinne, ׳zu, dienen“. Und• neuerdings veröfifenthcbt--־-;'d^riÄe^bl5fnerivder••׳ Kultusgemeindo in der ״Sonn•: und Montags-Zeitung“ eine Erklärung, an deren Schluß er ohne irgend welche logische Folgerung tendenziös die These auf stellt, die Einheit der Judenschaft sei notwendig, da durch sie die Mitwirkung an. der ge־* d eih 1 ich e n For t entw i c k 1 ung des Staates am erfolgreichsten wird. Wir überlassen׳ es der Logik aller objektiven Menschen, •die Richtigkeit dieser Meinungsäußerung zu beurteilen. Die Erfahrung anderer Länder wird wohl das Gegenteil beweisen. Für die jüdische Orthodoxie der ganzen Welt ist die Selbständigkeit ein Unter־ pfand für die Erhaltung der religiösen Güter des Judentums, deren Wert für die Gesamtmensch־ heit heute feststeht. Wie also sollen die Selbständig־׳ keit des konservativen Judentums und der Entzug der Gewalt der Nationalisten über dieses konservative Judentum der gedeihlichen Entwicklung des Staates unzuträglich sein? , Wir fühlen das Würgen, das den aufrechten Mann angeht, wenn, er diese Erklärung veröffentlicht, die eine reine Verneigung vor den derzeitigen• Machthabern der Kultusgemeinde darstellt, welche mit einem Fanatismus, der einer weit besseren׳ Sache würdig wäre, nichts von׳ ihrem Machtbereich verloren sehen׳ wollen, Das entscheidende Wort in׳ dieser Frage werden objektive Menschen׳ sprechen׳. Die heutigen Ausführungen wollen nur aufzeigen, daß die derzeitigen Zustände in• der Wiener Israelitischen Kuitusgemeinde jede ehrliche Gesinnung töten und daß der Geist von der Parteipolitik vergewaltigt wird. Wir, de n e m R e 1 i gi 0 n! n0׳ c h׳ etwas H e i 1 i g e s i s t, f ü r d i e w i r t ä g 1 i c h n o c h d i e schwersten Opfer zu bringen bereit sind — können, wo 1 len,und werden da nicht mittun. Das ist selbstverständlich.. . Mm 9 mm Othmar Schiff räumt! FERTIGE PERÜCKEN (Modelle), erstklassiges Material und Ausführung nur S 80. Neubestellungen 25 Prozent Aufschlag! Reparaturen und Auf~ frischungen prompt und billigst Othmar Schiff, Wien 1, kdrntnerrlnq 6 Tel. 1116־0־43־