Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 16 (17.4.1935)
- Date
- 1935-04-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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II und V. b. br. Novlnove vtfplatne povolefli^ti&iit pöst a teiegtafov? Bratlslave äs, 41S72-ÖI-2Ö aiß X ״• '. ,ä Zeltnfigen vorn Verleger versendet Journal exp6dl6 par l’Sdlteur •בן WIEN. BRATISLAVA m APRIL 193s י״ד ניסן תדצ״ה 21. Jahrgang f Nummer 16 Redaktion and Administration: Wien* n., Malzgasse 12 a, Telephon A-46-Ö-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Ereitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kß 80, Jugoslawien Dinar 160, das übrige Ausland Schw. Fr. 14« Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen f. ״Jüdische Presse‘*, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VÜI, 4117, Berlin Nr. 122.619. oRGnn für Die imeRessen Des 0RTH0D0Hen juDervrums Schwester, Tochter, Hutter . . . Haben die schweren Zeiten, die auf dem jüdischen Volk lasten, es auch sangesmüde gemacht, mußte ihm auch oft das Lied auf der Lippe verstummen, wenn Pessach kommt, dann ״sieht man die Blüten aufspringen und die Zeit des Singens ist genaht“! Am Pessach singt die jüdische Seele ihr Lied G־tt entgegen. Unsere Sederabende, was sind sie anders als solche Lieder des Dankes zu Ihm, ״der uns erlöst und unsere Väter erlöst“. Unser Festeshallel, was ist es anders als Rückblick auf die Zeiten, ״da Jisroel aus Aegypten zog, Jakobs Haus heraus aus dem Volk der fremden Sprache“. Unsere Pijutim, was sind sie anders, als ein dankerfüllter Hymnus, alles singt und jubiliert, noch bevor am siebenten Tag .das. klassische Lied, das Moses und die Kinder Jisroels sangen, ertönt; noch bevor an diesem gleichen Tag ״der liebliche Sänger Jisroels“, uns mitreißend und begeisternd, es in unseren Herzen widerklingen läßt: ״Er lebt, der Ewige, gesegnet sei mein Fels, erhoben G-tt, der Hort meines Glückes!“; noch bevor am Schäbbos-Chaulhamaued das gewaltigste aller Lieder, das ,״Lied der Lieder“ in unseren! ig-ttgeweihten Häusern, in unseren g-ttgeweihten Herzen jene Hoch- Stimmung auslöst: ״Ich gehöre meinem Freunde, mein Freund mir an“! Das ״Lied der Lieder“ — ״die Welt ist fast des Tages nicht würdig, da ihr dieses Lied geworden, denn alle־ ׳ Schriften sind heilig und dieses Lied der Lieder ist des Heiligen Heiligstes“! (Mischna Jodajini.) Und einer der Höhepunkte in diesem heiligsten Gesang ist wohl jenes Wort: ״Geht hinaus ihr Töchter Zijauns und schaut den König Schlaumau und die Krone, mit der ihn seine Mutter schmückte am Tage seiner Hochzeit, am Tage seiner Herzensfreude!“ (IH, 11). Die gewaltigsten Geschehnisse in unserer Geschichte grüßen uns hier, G־ttes: innigste Vermählung mit seinem Volk: G־tt und jisroel am Fuß des Sinai, G-tt und Jisroel am Tage der Mischkonweihe! G-tt im Bild des ״Königs der Vollendung“, die jüdische Gemeinschaft dargestellt und begriffen im Bild der Mutter! Das, was unser Sinn suchen möchte, der Midrasch spricht es aus! Rabbi Schimaun ben Jauchoi fragte Rabbi Elosor, ,Sohn des Jause: Hast du vielleicht von deinem Vater gehört, was dieses Wort bedeutet, ״die Krone, mit der ihn seine Mutter schmückte“? Und der antwortete: Ein König hatte eine einzige Tochter, die er gewaltig liebte. Er liebte sie immer mehr und schließlich nannte er sie Schwester und schließlich,, in immer höherer Liebe, Mutter! Wir sind G־ttes einzige Tochter, wie es in Psalmen heißt: ״Höre, meine Tochter, und sieh“‘ (45, 11); in seiner großen Liebe zu uns nannte G־tt uns seine Schwester: ״Oeffne mir, meine Schwester, meine holde“ (Schir Hasch. 5, 2). Und in immer höherer Liebe nannte G־tt uns schließlich seine Mutter! (Jeschajoh 51, 4, nach der Lesart des Midrasch). Da sprang Rabbi Schimaun ben Jauchoi auf und küßte Rabbi Elosor aufs Haupt und sprach: ״Wäre ich nur gekommen, diese Deutung ,aus deinem Mund zu hören, das wäre genug gewesen!“ ... Unsere Midrascherklärer wollen in dieser Deutung lediglich die sich steigernde Vertraulichkeit unseres Volkes G־tt gegenüber erblicken: — ursprünglieh vor der Offenbarung am Sinai war Jisroel nur der empfangende Teil, durch den Bau des Heiligtums trat es in ein mehr geschwisterliches Verhältnis zu G-tt, um dann in gesteigerte Heiligkeit und durch seine Frommen gewissermaßen den g-ttliehen Willen beeinflussen und gestalten zu können, im Sinne des ״Der Heilige bestimmt und der Fromme bestätigt das Verhängnis oder hebt es auf“ ... so wie die Mutter das Schicksal ihrer Kinder gestalten kann! (M’harsu.) ' Vielleicht darf aber in dieser Darstellung auch eine Andeutung gefunden werden, die gegenwartsnaher ist und unmittelbarer zu uns und unserem Leben spricht. ... . Tochter, Schwester und Mutter: die drei Zeiten liegen hier vielleicht angedeutet. Z ukunft, Gegenwart und V e rgangenheit! Am Anfang unserer Geschichte, da gab G־tt uns Sein Gesetz zur Hut, im Vertrauen auf unsere Zukunft: erst nachdem die Träger dieser Zukunft, die Kinder, Ihm als Bürgen für die Erfüllung dieses Gesetzes bereitgestellt worden waren, da erst wußte Er dies Gesetz in treuer und sicherer Geborgenheit! Das waren die Zeiten, da G-ttes Liebe zur jüdischen Gemeinschaft der Liebe des königlichen Vaters zu seiner einzigen Tochter glich, in deren Jugend er den eigenen Glanz, und die eigene Schönheit wiederfindet und späteren Zeiten übermittelt weiß. In den Höhepunkten der jüdischen Geschichte —• den äußeren zu Zeiten י eines David, der die Welt mit seinen G־ttesliedern füllte, eines Salomo, dessen Weisheit letzter Schluß die G־ttesfurcht war, den inneren zu Zeiten eines Hillel, eines Rabbi Akiwo, ja, noch eines Raw und Schmuei, da lebte G-tt ganz in der Gegenwart' seines Volkes, diese Weisheit stellte sich schwesterlich neben G-tt, dessen Verherrlichung sie diente, allein dienen wollte. -Je gegenwartsnaher die Zeiten wurden — und gewiß in unserer Zeit —, da ist Jisroel seinem G-tt nur nahe und verbunden, wenn es Träger der V e rgangenheit ist, ein treuer und zuverlässiger, von keinem Martyrium eingeschüchterter, durch keine Drohung mutlos gewordener Hüter der großen Traditionen; Wenn es der. Mutter gleich in entsagender Liebe alles duldet, wenn es eigene Wünsche nicht kennt und nur ein e s erstrebt: das ihm Anvertraute mit aller Glut des Herzens zu hegen. Und im Sinne jenes erhabenen Wortes: בכל צרחה לו צר . ist diese Epoche in Jisroels Schicksalsgang vielleicht die größte — und darum steht die.jüdisehe Gemeinschaft G-tt in dieser ihrer Aufgabe — die Vergangenheit und das, was sie von uns fordert, mit aller Opferbereitschaft zu wahren — vielleicht am allernächsten:•1 ולא זז מחקקה עד שקרא אוהד. •אמי Wenn wir es wollen, wenn wir es anstreben mit aller Kraft des Herzens und der Seele, dann kann gerade aus solchen Zeiten, wo G-ttes Gesetz in hochster Gefahr, wo G-ttes Wort im eigenen Kreis übertreten, im fremden Kreis mißverstanden und gehöhnt wird, eine neue religiöse Blüte und Erhebung kommen, in der der Bund mit G-tt wie in Esthers Tagen — neu geschlossen, das Heilig- , tum G-ttes — wie in Esras Tagen — neu errichtet wird! Wenn wir es wollen — und in keiner Not uns auf geben, sondern zielbewußt festhalten und uns verankern in der Vergangenheit, dann krönen wir den königlichen Schlaumau in unseren Tagen; mit einer Krone, deren schönster Schmuck unsere‘ Treüe, unsere Opferbereitschaft, unser Dienst an der Wahrheit sind! Und wenn der Midrasch im Bilde der M u 11 e r das Höchste und Letzte sieht, dann wollen wir auch daraus lernen. Lernen, daß Judentum und Judenheit nicht am treuesten und wahrsten repräsentiert werden durch äußerliche Schönheit und ästhetische; Form, wie die Königstochter sie därstellt, auch• nicht in Machtfülle und Kraft, wie die auf der Lebenshöhe stehende Schwester — die Gegenwart — sie vermittelt, ... am echtesten und tiefsten wird es aber dargestellt in der Mutter, deren Gesicht schon die Runen der Sorge und die Spuren des Kampfes tragen kann, deren ewig junges Herz aber in einer Hingebung und Opferbereitschaft schlägt, die alles, alles freudig und willig trägt — weil sie weiß, daß dies ihr Los ist — und darum ihr Glück! Soll die jüdische Gemeinschaft sich mit dem־ stolzesten Titel ״M u 11 e r“ schmücken dürfen, soll die ״Adas Jisroel“ — so heißt ja die jüdische Gemeinschaft seit je — ihren König Salomo mit seiner Krone schmücken, den innigen, unlösbaren:' Bund mit ihm neu schließen und das Mischkon neu ihm weihen können, die Liebe der. Mutter, die T r e u e der Mutter, die O p f e r b e r e, i tsc h af t der Mutter braucht sie 7— und sie ist des Weges zum Ziel und des Zieles selber, sicher! ruiDD. wo« 0. jacoDso«, Kopenhagen. mÄ Othmar Schiff räumt! FERTIGE PERÜCKEN (Modelle), erstklassiges Material und Ausführung Neubestellungen 25 Prozent Aufschlag! Reparaturen und Auf * frischungen prompt und nur Pessach. Mit?0 Seelen zog unser Stammvater jakauw nach Mizrajim. Unter ärgstem Druck der Ziegelarbeiten wurden es 600.000 Männer. Die Gnade G-lles führte sie auf 1wunderbare Weise aus diesem Exil herausund G-tt offenbarte ihnen in seiner Thora die höchste Ethik, deren Ausmaß bis heule von keinem Volke erreichtwurde. Seit 2000 Jahren sind wir verfolgt und gedrückt und immer hat uns die Allgüte, .G4les^lL0lfen. Das nahezu unfaßbare Ereignis, daß S p anien, das vor mehr als 500 Jahren die schwersten Judenverfolgungen der Geschichte vollzog, heute durch seine Staatslenker in solenner Weise den hervorragenden Wert des Judentums feiert, gibt uns die;Hoffnung, daß alle jene Volk er, die uns ■an f ein de n, z u r Erk ennt n i s ko m m e n we r d etn, me l c h großen W er t Juden t u m u nd J udensch af t als G-t tesdiener f ii r die ga n ze W eit haben. Gebe G-tt, daß diese Erkenntnis auch in unseren Reihen sich verbreite und mir würdig werden der endgültigen E rl ö su n g du r ch den Moschiach, der auch die Erlösung der ganzen Menschheit bringen wird. לשנה הבא בירושלים! Wolf׳ Pdty{1eHUei(n•