Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 15 (12.4.1935)
- Date
- 1935-04-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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IfOVlHovB va mm**# * leite mm pm & m mmmm V. b, b, WI£N, BRATISLAVA # TjL APRIL IPX 9). Jahrgang / Nummer 'iS Redaktion und Administrationt Wien» H.».MaL2* gasäe 12 a, Telephon A-46-046; fsfehectotowdklf: . Bratislava, Postfach 381 / ErScheöit jeden Preltag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag; Abonnenientpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16» ' Tschechoslowakei K6 80, Jugoslawien Dinar 150, das ל Übrige Ausland Schiv. Pr« 14. Einzelnummer Ost. Gr. 40. Zahlungen f. ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post«■ ,spärkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 60.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Niy 40.217, Zürich Nr. Vitt, 4117, Berlin Nr. i22.6l9. ORGnn für Die imeRessen Des 0RTH0D0Hen juDemum §f. Die Pessach-Festn ummer erscheint am Mittwoch, den 19. April, 11ml gelangt im Postversand am ersten Pessach-Tage in die Hände unserer Leser» Redaktionsschluß: Montag. י. 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Wir werden, trotzdem unsere Noblesse diesmal auf eine harte Probe gestellt ist, nicht in den Boulevardpresseton dieser Herren verfallen, denn wir stehön auf dem Standpunkt, daß eine ehrliche Sache ohne Geifer vertreten - Werden kann und muß. Diesmal werden wir aber doch einiges Material, mit dem wir bisher, um das Ansehen der gesamten Judenheit nicht herabzusetzen, zurückgehalten haben, veröffentlichen, um diese maßlos gehässige Kampfart unserer Gegner in, die Schranken zu weisen, die uns eine jüdische Pflicht sind. Der Abfall vom Judentum soll — so doziert ״Die Stimme“ — auch noch andere Gründe haben, als die rein biologischen:; ״Die neuen Gedanken über Erziehung, religiösen und religiös-nationalem Zusammenhang, wie sie im Gefolge des Sozialismus aufgetreten und von ihm gefördert worden sind, haben im Judentum, das ja leider ein großstädtisches Element ist, wie Ekrasit gewirkt. Fast widerstandslos, mit aller Heftigkeit des Temperaments, hat sich ein Teil der jüdischen Jugend diesen Ideen ergeben., Sie hat einen seelaschen Abf a 11 vom Judentum vollzogen, der sich auch als Abfall vom •jüdischen Haus gezeigt hat. Die jüdischen Eltern standen ratlos und wehrlos vor dieser'Wendung, wenn sie sie nicht sogar selbst;mitmachten und sich der, Sozialdemokratie verschrieben. J en er Teil des orthodoxen Judentums, der die natürliehe Pflicht zur Aktion gehabt hätte' und sich jetzt so auf plustert, um sich in Szene zu setzen, ist uritätig geblieben.“ Ohne den Versuch eines gedanklichen Ueberganges beginnt dann die ״Stimme“, über die Orthodoxie h er Zufällen, die angeblich nichts anderes im Sinne haben soll, als die ״Sprengung des Wiener Judentums“ überhaupt. Wenn wir also recht verstehen, so will die ״Stimme“ — man höre und lache! — beweisen, daß wir dem Abfall tatenlos gegenüberstanden und ihn so gefördert haben. Wohlan, wir wollen den Herren einmal mit geschiehtliehen Tatsachen dienen. ״Die Stimme“ beklagt sich bitter darüber, daß die Ghristlichsoziale Partei ihrer Arbeit verständnislos gegenübergestanden sei, während wir sozusagen die Sozial- Demokratie untätig gewähren ließen. Gut so! Wir gehören nicht zu den Leichenschändern, um heute der am Boden liegenden Sozialdemokratie den Eselstritt versetzen zu wollen. Wir haben uns mit der Sozialdemokratie auseinandergesetzt, solange sie noch mächtig war, und haben es uns gefallen lassen müssen, daß die Jüdischnationalen versuchten, damals uns dem Hohn der Gasse preiszugeben, indem sie uns als ״Ghristlichsoziale“ verschrieen. Wir haben diesen versuchten Spott leichten Herzens getragen, weil wir als religiöse Menschen eher eine G e m e i ns c h a ft mit Re I i g t ft sen a nde r er Konfessi o n ertragen, die immer noch mehr Verständnis für das haben, wofür unsere Väter Scheiterhaufen bestiegen, als jene Fanatiker des neuen Nationalismus, der in der Religion nur den Kelch sieht, den die Blüte abstreift, wenn sie aufbricht. ■; So und ähnlich haben die Jüdischnätiohalen uns Verhöhnt und diesem Holm die beschämende. Tat hinzugefügt. Sie haben bewußt in blinder Zerstörungswut ihre gesamten J u gen d o r g a nisat io ne 11 arellgiös auf gezäumt und die ihnen zur Verfügung stehenden materiellen Mittel dazu benützt, um jedes religiöse Empfinden aus den Herzen unser er Ein d er zu reiß en, Oder werden Vielleicht die Herren Jüdischnationalen uns eine ihrer Jugendorganisationen nennen, in denen die Gebote der Sabbathheiligung, unsere Speisegesetze, die Grundsätze jüdischer Keuschheit in bezug auf die Trennung der Geschlechter —- eingehalteii׳ werden? , Die Orthodoxie hätte geschwiegen? Nein, die Orthodoxie hat mit ihrem Herzblut und unter unsäglichen Opfern ein weitverzweigtes Netz von religiösen Schulen errichtet, sie hat ihre Organisation, die Agudas Jisroel, und ganz besonders ijirp, Jugendorganisation, die Agud'aSr JisroelnJtimend-» und Mädchen gruppen, auf- und ausgebaut« ßieu hat ihr B e t h - J a k o b - S c h u I w׳ e r k errichtet' lind dort ein unerschütterliches Bollwerk gegen den׳ jüdisfch- ' nationalistischen und sozialistischen Abfall errichtet. .End1 während die Wiener jüdische Gemeinde Unsummen für a- und antireligiöse Jugendorganisationen verausgabte, mußte und muß um jede schäbige Unterstützung einer religiösen Institution gefeilscht, gebettelt und petitioniert werden. ' ־ Jawohl, das Judentum ist leider — wie die ״Stimme“ schreibt — ein ״Großstadteleinent“, auf das das areligiöse Element wie ״Ekrasit“ gewirkt hat. Und so wie bei Ekrasit nur der Anfang und nicht das Ende berechenbar ist, so hat die jüdische Jugend die Befreiung -aus den religiösen Bindungen durch den, Nationaüsmus damit beantwortet, daß sie den Weg in den noch weit freieren Internationalismus gefunden hat. Nur so ist die Tatsache zu erklären, daß noch in, jüngster Zeit i n j ü d i s c h n a t i o nalen E r z i e hu n g S ans tälten Zelle n int ernat i ona 1 er Organisationen ausgehoben werden mußten. ' Wenn heute die Jüdischnätionalen in. bewußter Fälschung von ״nationairreligiöser“ Erziehung sprechen,' so fragen wir: Worin besteht diese religiöse Erziehung? Vielleicht darin, daß Bibelschulen, umgewandelt werden in jüdischnationale Sprachschulen, daß Herren, die alle Bindungen der Religion; von sich abgeworfen haben, auf׳ die Seelen der jüdischen Kinder losgelassen werden,?. Vielleicht darin, daß Herren, deren Ignoranz in jüdisch-religiösem Wissen ebenso eklatant ist wie ihr areligiöser Lebenswandel, zu Inspektoren - bestellt. oder ebensolche Vertreter des Kultusvorstandes in wahrhaft religiöse Erziehungsanstalten entsandt werden? Wir könnten diese Reihe sachlicher Einwände bi» ins Unendliche fortsetzen. Unsere Selbstachtung verbietet es uns, das zu tun. Die Herren Jüdischnationalen mögen versuchen, uns wo sie wollen in Mißkredit zu bringen, und mögen sie uns ״Verleumdung“ iind ״Denunziation“ vorwerfen. Diese Vorwürfe müssen,auf sie zu rückf all en. Nie m a n d wird der Orthodoxie: auch nur einmal nachweisen können, daß sie in ihren Eingaben oder in ihren Polemiken etwas gesagt hätte, was die anderen herabsetzen könnte. Die Orthodoxie •hat immer und unumwunden das wenige Gute, das die anderen geschaffen haben, restlos anerkannt. Und wir haben deshalb, ehe wir den Fehdehandschuh auf genommen Haben, den Gewaltigen in der Kultusgemeinde einen billigen V e rs täh digungs v o r sc hl ä g gemacht, den aber diese Herren, in ihrer maßlosen Verblendung und in ihrem Machtdünkel abge 1 ehnt haben. Und wir scheuen uns nicht, heute festzustellen, daß wir noch mitten im Kampfe eine uns von der Gegenseite bekundete Verständigungsneigung aufgegriffen haben, bis sie, die Jüdischnationalen, auch diesen ihren eigenen Verständigungswillen begraben haben. Die jüdische Oeffentlichkeit wird sich selbst ein Urteil darüber bilden, vor welcher Seite ein ״Ekel“ angeht. Auch unsere Propheten und die Führer des jüdisehen Volkes zu allen Zeiten, die zur Besinnung und Einkehr, zur g-ttgefälligen Tat und religiösem־ Lebenswandel gerufen haben, haben den ״E k e 1“ der Abtrünnigen hervorgerufen. ,; . Othmar Schiff räumt! FERTIGE PERÜCKEN (Modelle), erstklassiges Material und Ausführung nur S Neubestellungen 25 Prozent Aufschlag! 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