Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 13 (29.3.1935)
- Date
- 1935-03-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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_rivülett6tiädltp01t.a V ßfätidiäw 6u. Vifchi); --V *3ך mN'BRATISLAVA •׳ $1* Jahrgang / Nummer ■ Redaktiött üftd Adtoifttetfätioiti Wien,!!., Mals* ' gasse 12 a, Telephon A-46*0*15; ,Tschechoslowakei:; Bratislava, Postfach 381/ Erscheint jeden ’ Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag . Abohnementpr eiset Ganzjährig: für.Oesterreich S 10, Tschechoslowakei K6 80, Jugoslawien Dinar 150, da« Übrige Ausland Schw. Fr, 14. Einzelnummer öst, Gr, 40, Zahlungen f. ״Jüdische Fresse4*, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr, D*Ö3.614, Brüflü Nf; 126.Ö58, ׳ Budapest Nr. 50.170,' Warschau Nr; 19Ö.4O0, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VlU, 4117; Berlin Nr. 122.010. ORGfln pür Die 1nT6Ressen oes ORTHOoonen juDemums Die Golah für Erez Jisroel. ״ ׳Als... die Thora in Israel vergessen : v \yUrde״ — zog hinauf Esr a a-us Babylön und stellte sie wieder, her. Sie wurde abermals vergessen — da kam H i l e 1 aus Babylon _ , . , . . und begründete sie von neuem.“ Von zwei .1gewaltigen historischen’ Ereignissen, welche die Geschichte des jüdischen Volkes entscheidend beeinflußten, berichtet der Talmud in so knappen Worten! Nie hätten wir den inneren Sinn und die ungeheure Tragweite jener Ereignisse erfassen können,' wären nicht auch Wir Zeugen einer Entwicklung im heiligen Lande, welche eine Situation zeitigt, die der eingangs zitierten. unheimlieh ähnelt.; Die Alijah. unter Serubabel wurde seinerzeit durch‘ die historische ״Cyrus-Deklaration" ausgelöst. Tausende Emigranten zogen in freudiger' Begeisterung ins Land. ״Aufbau“ war die Losung des Tages, Aufbau des Heiligtums und Aufbau der G-ttesnation. Doch mußte zunächst die materielle Grundläge geschaffen werden. Es wurden Häuser gebaut, Gärten gepflanzt, Brunnen gegraben, trostlose Trümmerhäufen weggeräumt — in einigen Jahrzehnten aufopferungsvoller Arbeit ward Wüste in ,blühende Landschaft verwandelt... Aber eines hat man im Drange• der unmenschlichen Anstrengungen;vergessen : die T hör a! Man vergaß die ״R'o 11 e“, welche der Thora in einem jüdisehen Palästina zukommt: die Beherrschung des gesamten jüdischen Gemeinwesens. Es scheint in der Natur der Sache zu liegen, daß übersteigerte materielle Arbeit, wie sie der Aufbau eines zerstörten Landes zwangsläufig erfordert, wenig Raum für geistige Großtaten übrig läßt. ״Als die Thora in Israel vergessen war“, mußte Esra aus Babylon hinaufziehen, um ihr wieder die gebührende Geltung zu verschaffen. Und die Lage im heutigen Erez Jisroel? Eine Aehnlichkeit, die gleich hoffnungsvoll und erschreckend auf uns einwirkt! Den ersten Anstoß der neuen Alijah gab gleichfalls die ״B a 1 f o u r - D e k 1 a r a t i o n“. Durch wirtschaftliche Not und Verfolgungen in den Ländern der Golah wurde sie zu einem unaufhaltsamen Strom gesteigert. Es wird gebaut und gepflanzt. Das Land scheint aus seinem nahezu zweitausendjährigen Dornröschenschlaf erwacht zu sein. Tausende Juden kommen monatlieh ins Land. Auch die Th bratreu eh ziehen mit Begeisterung hinauf, Sie leisten Unglaubliches — der Kampf ums Dasein ist hart, aber hoffnungsvoll, gerne unterziehen sie sich der Mühsal — aber die materielle Arbeit absorbiert alle ihre Kräfte! Auch sie vermögen nichts für die Geltung der Thora zu tun, für ihre Stellu n g im jüdischen Leben. ״Die Thora wird abermals vergessen.“ Es wird wohl fleißig gelernt, nicht nur in. Jeruscholajim und in den Stätten des alten Jischuw — auch im modernen Tel-Aviv gibt es viele Schiurim. Man vergißt aber im Drange des materiellen Aufbaues, was man der Thora schuldig ist, und bringt zumindest allein nicht die Kraft auf,äihre Herrschaft aufs neue zu begründen. Darf da s thoratreue J udentum der Golah länger untätig Zusehen? Die Geschichte lehrt uns, daß Männer des materiellen Aufbaues — auch wenn sie noch so fest und von glühendstem Glauben erfüllt sind —r dieser Aufgabe nicht gewachsen sein können! Ihre besten Vornahmen gehen im Lärm der Hammer- Schläge unter. ו Da muß die Golah ein greifen. Unsere besten Männer, unsere hervorragendsten Kämpfer müssen hinaufziehen, auf Monate oder Jahre, um die Herrschaft der | Thora zu organisieren! i Die Reisen des Gerer׳ Rebben, die jüngste Reise des Nitraer Raw, des Rabbiners J. M. Lewin und des Rabbiners J. M. Biedermann waren vielleicht ein Auftakt. Nun muß die systematische Fortsetzung folgen bis zum vollen Erfolg! Die Thora ist vergessen — unsere Größten müssen hinauf, um sie wieder aufzurichten! By. Die anfangs März stattgefundene Tagung der österreichischen J ü dis chnatio na 1 e n beschäftigte sich mit , einem Anträge, die L a ndespolitik in das Tätigkeitsgebiet des ״Zionistischen Landesverbandes“ aufzunehmen. Der Antrag wurde abgelehnt und beschlossen, die Führung der jüdischnationalen Politik dem Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde zu überlassen, der allein in seiner ״derzeitigen Zusammensetzung“ namens der österreichischen Judenschaft veranti wörtliche Erklärungen abzugeben haben soll. An dieser Enunziation einer jüdischen Partei könnten wir achtlos vorübergehen, wäre der oberwähnte Beschluß nicht über Betreiben des Präs i d e n t e n der Kultus ׳gern ei, n de gefaßt worden. Es steht — versteht man ,richtig den erwähnten Beschluß — fest, daß die immense Gefahr vorhanden ist, daß Dr. Friedmann und seine Gesinnungsgenossen die Majorität, die sie zufällig ״derzeit“ im Kultusgemeindevorstand haben, dazu benützen werden, um den Weisungen der jüdischnationalen Landes' Organisation entsprechend, in der Kultusgemeinde eine jüdischhati0na 1 e politische Zentrale zu etablieren. jei Äfe°v'״'e״en Die orthodoxen Juden haben aus der Tat- : ׳ Sache, daß die Kultusgemeinde ihnen für die Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse nicht entspricht und in ihrer areligiösen Zusammensetzung nicht entsprechen kann, die letzte Konseq-uenz g e z o g e n und bei den zuständigen Behörden Schritte zur Gründung einer se 1 bs\ändigen orthodoxen Religio ns ge me in d e unternommen. Wir fühlen uns schon heute nicht als zu dieser Kultusgemeinde gehörig. Solange wir aber!auf Grund der Gesetze zwangsläufig Mitglieder dieser Gemeinde sind, müssen wir uns dagegen verwahren und auf das entschiedenste Protest einlegen, daß die Kultusgemeinde über den ihr vom Gesetz vorgeschriebenen Wirkungskreis hinaus jüdischnationale Landespolitik machen soll. Die heutigen zionistischen Beherrscher, der Wiener Kultusgemeinde haben nicht das Recht,, namens der Wiener Judenheit zu sprechen, die zum Großteil antizaonistisch orientiert ist. Die j׳ii disch national e L andespolitik betrachten wir als schwere Gefahr für die Juden des Landes, weshalb wir sie־ von ׳vorneherein a blehnen. ß Auf ruf [für den Keren Hajischuw! Die Appelle, die die Erez -Ji s r o e 1 - Zentrale der Agudas Jisroel an das traditionstreue Judentum gerichtet hat, haben die Aufforderung enthalten, für die Erfüllung der Mizwas Jisdhruvy Erez Jisroel und zum Bau des Heiligen Landes sein Scherf lein beizutragen. Die starke Einwanderungsbewegung der letzten Jahre haben diesen Ruf überflüssig werden'lassen, das Heilige Land befindet sich mit G. H. im Stadium :'״;־■ des Aufbaues, die wirtschaftlichen Verhältnisse bewegen sich in aufsteigender Linie, Tausende strömen in das Land. Wenn wir, uns daher heute, iu dieser schwerbewegten Zeit an die orthodoxe Oeffenttichkeit wenden, dann geschieht dies aus der Erkenntnis der .Ungeheuren. Verantwortung, die auf dem traditionsitreuen Judenpim lastet. Denn fl! das Heilige Land, das in höchster wirtschaftlicher Blüte ste ht, ist ein Geist getragen worden, der — G-tt behüte — den .vollstflndgen religiösen Verfall zur Folge haben müßte. Und hier erwächst dem Keren Ha j i sch uw die gewaltig große Aufgabe, seine Tätigkeit hundertfach zu vervielfältigen und so die Sicherheit zu schaffen, daß nicht nur ein wirtschaftlich blühendes Land, sondern auch — und in erster Linie —- ein Vom Geiste der Thora durchflutetes Land entstehe und jeder einzelne Bewohner unseres Heiligen Landes von der Wahrheit des g-ttlichen Glaubens durchdrungen sei. ' Auch die Landeszentrale in Oesterreich hat in den letzten Jahren eine intensive Tätigkeit für' den Keren Hajischuw entfaltet. In unseren M a c h h e Olim wurden Mitglieder unserer Organisationen für die schwere Arbeit, die ihrer in Erez Jisroel harrt, geschult und diese jungen Leute, gestählt an den Stätten der Thoraquellen, sie sind uns die sicherste Gewähr, daß sie — wenn es auch wenige sind — den Kampf für die Emunoh auf nehmen und gegen jede Uebermacht zum sicheren Siege führen werden. ,;y Für Mizwas Jischuw Erez Jisroel tätig zu sein und sein Möglichstes beizutragen, ist die Pflicht jedes religiösen Juden und dazu ruft Sie der Keren Hajischuw in dieser ernsten Stunde auf! Wenn jeder einzelne seine Pf 1 icht tut, dann.sind wir gewiß, daß es uns gelingen wird, unser Land im Geiste der'Thora zu bauen und noch in unseren Tagen die wahre Erlösung zu sehen. . Oberrabbiner J. Fürst \ Großrabbiner Abraham Jakob Friedmann Adas Jisroel (Schiffschul). Vorsitzender der Erez-Jisroel-Zentrale für Oesterreich. ץ . i . ■ - ' ' . . ־' Politik in der Kultusstubei Qthmar Schiff räumt! 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