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Jüdische Presse · 1935-03-15 · 11 (15.3.1935) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
11 (15.3.1935)
Date
1935-03-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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(Zu פרשת זכור) 1. ״Wo du ein Hagadah-Wort des Rabbi Elieser, Sohn des Rabbi Jausi Haglili, hörst, da öffne dein Ohr wie einen Trichter.“ . ״Nicht, weil ihr viele seid, hat G-tt euch lieb! G-tt spricht zu Israel: Ich liebe euch, denn zur Stunde, da Ich euch erhöhe, machet ihr euch vor Mir. klein! Ich gab Abraham Größe, da sprach er: ,Ich bin nur Staub und Asche‘, gab Größe Moses und Aharon — und sie sprachen: ,Wir, was sind wir?‘, gab Größe dem König David und er sprach: ,Ich bin nur ein Wurm und kein Mann!‘ -—Aber die Heiden, bei ihnen ist es anders•: Nimrod, Pharao, Sancherib, Nebuchadnezar und Chirom: in ihrer Machtfülle wurden sie frech und übermütig und schleuderten Lästerworte zum Himmel!“ (Chullin 89, 89 a.) Die ragenden Repräsentanten des jüdischen Volkes treten vor unser Auge, G-tt schmückt sie mit Größe, gibt ihnen Führerrang-und’fKönigtum, die ihnen verliehene Größe macht sie. nur., b e »*c h״eJL den;;u ,n A die gef ürchtetsten Namen aus der Weltgeschichte werden hier vor'unsere Erinnerung gebracht, die Macht, die ihnen gegeben worden war, auch sie stammte von G-tt, ihnen diente diese Macht aber nur, gegen diesen Spender der Macht in maßlos frechem Wort zu höhnen. Die Repräsentanten des jüdischen Volkes sind die Menschen des Rechtes und der Sittlichkeit! Sie wissen, daß sie die ihnen verliehene Größe wiederum in Recht und Sittlichkeit umsetzen sollen, dämm sind sie immer ängstlich, ob diese Aufgabe auch nicht ihre Kräfte und Fähigkeiten übersteige—- die Repräsentanten der ״Weltvölker“, ihnen ist die Macht Selbstzweck, Macht um der Macht willen, und da sie nur den Maßstab der Macht kennen und anerkennen wollen, fließt aus ihrem Machtgefühl nicht Selbsterkenntnis, sondern S elbstver gottung. 2. Wir sind auf den Gedanken desR echtes und der Sittlicjitk eit vereidigt, nie h t, weil wir selber schwach, von Natur schwach sind und daher des Mitleids bedürfen, das aus dem Recht fließt, der Jude-ist von Natur aus stark und möchte zur Macht hindrängen. So lautet die Ueberlieferung im Namen des Rabbi Meir: ״Warum wurde gerade Israel die Thora gegeben, weil sie עזים sind; im: Namen Rabbi Jischmoels wurde. gelehrt ,von Seiner Rechten ein Feuergesetz für sie‘ — diese sind so gestaltet, daß sie ein Gesetz brauchen, in dessen Feuer sie geschmolzen werden.“ (Bezo 25 b.) Und dies ist der Sinn unserer Aufgabe: zu sorgen, daß in uns der Rechtsgedanke über das Machtbewußtsein siege, daß in• der Welt überall das Recht die Macht verdränge. Dies ist unsere Gesamtheitsaufgabe: Rabbi Schiio erklärte: ״Dein, o G-tt, ist die Herrschaft“ — dies is;t der Kämpf gegen Amalek, denn so heißt es: ״Die Hand ist ausgestreckt nach dem Thron G-ttes!“ (Brochaus 58 a.) Dieser Gegensatz, er steht schon am Anfang unserer Familiengeschichte: Jakob — der Rechtsraensch, E sau — der Gewaltmensch! Dieser Gegensatz ist unüberbrückbar, solange wir nicht der g-ttliehen Alleinherrschaft. — das ist die Rechtsherrschaft — zum 'Siege verhelfen haben. Jerusalem oder Caesarea — da gibt es nur Gegensatz und keinen Ausgleich! (Megülo 6a.) Israel und A m a 1 e k! In diesen beiden Völkern stehen sich die beiden Systeme gegenüber — als ewige Aufgabe, als ewiges: Gedenke! Vergiß nicht: ruft uns G-tt den Kampf gegen Amalek in die Seele! 3. Aber wie? Unter welchen Voraussetzungen kann das schwache Israel .den Kampf gegen das machtstrotzende Amalek aufn^hmen? Unsere Frage fliegt nicht ungehört in den leeren Raum, die Thora selber sagt es uns mit eindeutiger Lehre! Welche Vorschriften gehen der Aufforderung, den Kampf gegen Amalek aufzunehmen, voraus? Am Ende des 25. Kapitels von Deworim steht der Kampfruf gegen Amalek! Was steht vother? ״Verbinde dem Ochsen beim Öreschen nicht das Maul“ — das ist Lie b e zu dl Ter Kreatur! [ T r e'u e rz ü r e i g e n e n : F a mi^iep^r^eigen&d Gemeinschaft! ״Wenn Männer miteinander streiten %1sw. . . Sittlichkeit um allen und jeden Preis, Sittlichkeit in ä ll 6 n Situationen des Lebens! ״Gutes und volles Maß“: Gerechtigkeit und absolute Redlichkeit in Handel und Wandel! Die Kraft zum Kampf, den wir Juden für das Recht, gegen die Macht zu führen haben, fließe aus unserem eigenen me nsch l 1 ch - si t.t 11 chen Ve rhalten! Der Schabbös, das Kaschrus, die Taharas- Hamischpocho, die Tefillin: sie sollen den Juden zeigen in seiner Aufgabe nach innen: ״Mir sind die Kinder Israel Diener!“ , Recht und Gerechtigkeit gegen alles und jeden: in ihrer Erfüllung zeige sich der Jude in seiner Aufgäbe nach außen: ״Siehe, als Zeuge für die Völker habe ich dich gegeben, als einen Fürsten und Bezwinger der Nationen!“ 4. Macht und •R e c h t —; oder in die Sprache unserer Tage übertragen: P o 111 i k und. M o ra׳l — denn heute hat nur der Stärkere recht, heute־ ist־ der Machtlose rechtlos! Die große Aufgabe: das R e c h t als die Macht, die Moral als die Politik! Israels Aufgabe lautet nicht:!עמלי (Sochor) מסהה את זכר sondern: ע מלק (Secher) אוו ונר der Kampf gilt nicht den Menschen, sondern den Systemen! ׳ Wollen wir im Namen des Rechtes gegen';die Macht und ihren Mißbrauch kämpfen, dann gilt es, im eigenen Kreis dem Machtmißbrauch, .den Kampf, den schärfsten Kampf anzusagen. Keine Vergewaltigung der Schwächet!, keine verbrecherische Ausnützung der eigenen Machtfülle, Schutz den A r men, de n Wi tw e n, Wais e n und Kr ank e n, Li eb e de n Fremden! J . An ihr er Rechtlosigkeit haben wir unser Rechtsbewußtsein zu erweisen. J’iicLijsche Mensehen, die sich zu A״mai ek s Methoden bekennen, sie sind die schlimmste Gefährdung für die Weckung und *Förderung^ deä Rechtsgedankens ׳im״ Menschenkreis, darum auch ihnen der Kampf angesagt — b i;s zum ’Durchbruch und Sieg des. Rechtes! G-tt wußte, daß Haman seine Schekel —: die Schekel der Macht und .Gewalt — des Achaschwerosch Schatzkammer reichlich־ zuwiegen würde,״darum ließ Er Israels Schekel — den Schekel des Rechtes und der Zedokoh׳—• vorangehen! (Megillo. i3.b.) ׳ ״Gedenke, :was Ämafekidir getan hat!“ Amaleks Tat trifft j e d e n Menschen, in dessen Brust ein Funke Rechtebewußtsein glimmt. :Ent-‘ fachen wir diesen Funken, daß er zur Flamme werde, in deren Glut alle Schlacken sich ׳ lösen, daß nur das Recht bleibe,.das Recht als Thron, den G-t$ sich auf!Erden errichtet wissen will! Rabb. Wolf S. Jacobson־־Kopenhagen. Um die H ei mal Von Bezirksrabbiner Simon Schwab, Ichenhausen*) I. Die Gegenwart hat uns alle aus dem, Sattel geworfen. Gplus hat uns wiederr sichtlich in seinem Bann. Und damit vollzieht sich an uns ein Akt welthistorischer Gestaltung. Schon seit, zwei Jahrtausenden, fast sind wir zum Golus geboren, zum Wandern bestellt. In uns das Bewußtsein zeitlosen Nomadentums, -ד• nirgends seßhaft, nirgends verwurzelt. Das Zeitalter der Emanzipation wollte Wandel schaffen, - eine Golusmüdigkeit hatte um sich gegriffen, das unbändige Verlangen nach Bodenständigkeit, nach dem Sich-verwachsen-Fühlen mit der eigenen Scholle und der Wille, dem schier endlosen Fluch des ,Nomadendaseins zu entrinnen. Golusmüdigkeit war tiefste ,Wurzel der Assimi 1 ation in jeder Form. . Golusmüdigkeit allein ist auch das psychologische Fundament der zionistischen Ideenwelt, die eine organi- *) Mit freundlicher Genehmigung des Verlages und Verfassers bringen wir in gekürzter Form ein Kapitel aus dem glänzenden •Werk von;Rabbiner Simon Schwab ״He imkehr i ns J u d e nt um“, das jüngst im Herm0n- Ver 1 a g, Frankfatt ä. M?,:erschienen ist. sierte Heimkehr ins Stammland der Väter als Patentlösung aller Golusprobleme erklärt. In all dem liegt herbe geschichtliche Tragik unseres alten durch die Geschichte ‘ gehetzten Volkes. Die Gegenwart hat der Assimilation übel mitgespielt. Sie ist ein politischer Scherbenhaufen zerschellter Hoffnungen1, vereitelter Sehnsüchte. Golusi, seit Jahrtausenden vertrautes Vätergolus, rüttelt unsanft gegen unsere geschiehtliche Müdigkeit, zwingt uns wiederum zum hellhörigen Wachsein des Wändervolkes. Nomadentragik. Und doch —, , es. will uns nicht recht gelingen, nach solch einem Jahrhundert des Geborgenseins und der;Stabilität des Lebens, uns die Müdigkeit aus den Augen zu reiben. Und so hängen unsere verträumten Augen mit golusmüdem Blick an unserer alten, geliebten Heimat, Unsere brennende Sehnsucht schaut aus nacb J e r u s c h o 1 a j i m, der Stadt unserer ältesten Hoffnung, Heilige Stadt, wir flhden wieder zu dir, Frohe Küpde dringt zu uns aus dem Lande der✓ Sehnsucht״ über die Möglichkeiten, Hunderttausenden Brot und Besitz zu gewähren. Der Strom der MassenemigrSttjon soll ein letztes Mal.— so träumt die todmüde Hoffnung — eingebettet werden ins־ eigene Erdreich, als endlicher und >be|־iückender Abschluß der jüdischen Tragödie. ms 0 t th0dc^xG ' ■ wmm *mm Die weltberühmte, in Qualität unübertroffene gegenüber Hotel Bristol Telephon U«4316»0׳־

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