Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 10 (8.3.1935)
- Date
- 1935-03-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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NövtoövÄ ttfplatnö p0y0left6 fÜiffSfö? f BfatisläVe &*> 41572*1046 V. b. b« ־Mb ■fc 4U #R 4U D DBG EE rnv¥¥V Zetttmgett vtm Ve*fe£%f VemMet Journal expäte par WliN*M0iSLAVÄ & mäm ms ג/ואדר תרצ*ה 21. Jahrgang / Nummer 10 Redaktion und Administration: Wien» XL, gasse 12 a, Telephon A*46-Ö*15; Tschechoslowakei:ר Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden: Freitag / Redaktionsschlüß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kö 80, Jugoslawien Dinar 160, das Übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40״, Zahlungen f. ״Jüdische Fresse*4, Wien, auf folgende Poet« sparkässenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 60.170, Warschau Nr. '190.400, ZägfÄb NT. 40.217, Zürich Nr. Vm, 4117, Berlin Nr. 122.619. oRGnn für Die mTGRessen Des 0RTH0D0Hen juDenTums Bundeskanzler. Dr. Schuschnigg über die Judenfrage. Anläßlich seiner jüngsten Reise nach London hat Bundeskanzler Dr. Kurf von Schuschnigg eine Erklärung über die Judenfrage abgegeben, die im Wege der Jüdischen Telegraphenagentur verbreitet würde und mit der sich־ die gesamte jüdische Presse und wohl infolge ihrer besonderen Bedeutung auch die Tagespresse beschäftigt hat. Der Bundeskanzler spricht in seiner Er־־ klärung sehr eingehend über die m a t e־־ riellen un dg eistigenVerhä 11 n i s s e der Juden in Oesterreich und läßt seine Er־־ klärungen in der Zusicherung gipfeln, daß in Oesterreich weder die dort beheimateten noch die fremden Juden aus konfessionellen Gründen irgend welche Befürchtungen bezüglich ihrer Entfaltungsmöglichkeiten zu hegen haben. Sind diese Erklärungen des Bundeskanzlers schon an sich von höchstem Wert, da sie die von uns immer aufgestellte Behauptung, daß die Juden in Oesterreich als Konfession weitest־־ gehende Anerkennung genießen, von höchster Stelle aus bestätigt, so sind sie für uns o r t h o* d o x e Juden Oesterreichs von ganz besonderer •'3edeutung^ümAl^der-BttffdeskanZl־ef-ah׳'׳־zwei'r Stellen seiner Erklärung die orthodoxen Forderungen nach einem unabhängigen jüdischen Schulwerke als berechtigt hervorhebt. ' Daß unsere Forderung, die in der Linie des religiösen Staatsgedankens liegt, von der öster* reichischen Regierung anerkannt wird, ist uns, die wir im Kampfe um die religiösen Güter stets an der Seite der betont Religiösen stehen, immer eine Selbstverständlichkeit gewesen. Daß wir uns dafür die unversöhnliche Feindschaft und die schärfsten Angriffe unserer j.ii dis e h־־ n a tionalen Gegner zugezogen haben, ist ebenso selbstverständlich, aber wesentlich we* niger von Belang. Daß damals, als wir die For* derung nach sei bst ä n d i g e n j ü d is ch* r e 1 ig iö se n S chule n üm der Heiligung des Sabbathes willen forderten, nachdrtick 1 ich forderten, und die Parallelklassen als Vorstufe dazu begrüßten, der Vorstand und das Präsidium der Wiener Kultusgemeinde uns in der ge־־!lässigsten Weise befehdeten und den uns nahe־־ stehenden Organisationen in unverblümter Weise zu wissen gaben, daß die Kultusgemeinde ein Abrücken vom Standpunkt der ״Jüdischen Presse“ wünscht, sei diesen Herren hiemit in Erinnerung gebracht, um ihnen zu zeigen, wie ihr Blick durch parteimäßige Einstellung ge* blendet ist. Vielleicht sind sie durch die Aeuße* rungen des Bundeskanzlers rascher und ein* dringlicher, als es unsere wiederholte Stellung־־ nähme imstande war, belehrt worden, daß 1 das Judentum nur als Konfession und daß eine Konfession, nur wenn sie den religiösen . Anforderungen entspricht, sich die Achtung f und die Anerkennung der nichtjüdischen Umwelt erringen kann. , , Für uns sind die Erklärungen des Bundes* kanzlers aber noch aus anderen Qründen von iveitesttragender Bedeutung. Wir stehen heute im offenen Kämpf gegen eine , Zwangsregelung unserer konfessionellen Gemeindeverhältnisse, die in ihren Auswirkungen die religiösen Maxi* malisten des jüdischen Volkes, die einmal die Orthodoxen sind, jüdisch*nationalistischen und jüdisch*liberalistischen ]Reformern ausliefert. Und wenn nun Oesterreichs Bundeskanzler ,vor der Oeffentlichkeit die Kongruenz der religiösen Interessen an dem klassischesten Beispiel des Schulwesens sich zu eigen macht, so ist eine der wesentlichsten Voraussetzungen zur Erfüllung unserer Wünsche gegeben; Wenn wir dabei ,in der Erklärung des Bundeskanzlers mit dem jüdischnationalen ״Volksbünd“ in einem Atem* zug genannt werden, so ist das wohl der politi* sehen Spitzfindigkeit der Leiter 'des ״Volks* bundes“ zuzuschreiben, die ihre rein nätionalisti* sehen Tendenzen: im der^üngsten Zeity den po* litischen Strömungen entsprechend, in ״religiös* national“ umfälschen. Wir für unseren Teil freuen uns, daß die Erkenntnis unserer jüdischsreligiösen Eigenart über unseren eigenen Kreis hinaus in die nicht* jüdische O Öffentlichkeit und in ihr bis zu den höchsten Stellen gelangt ist, und sind überzeugt, daß dieser Erkenntnis auch die T a t folgen wird, die uns in die Lage versetzen soll, unser religiöses Eigenleben — unserer reli» giösen Ueberzeugung zu Nutz und nie־־ mandein zu Schaden — leben zu können. Die jüdischsreligiöse Schule, ist ein inte» grierender Bestandteil der jüdischsreligiösen G e m e i n d e, die wir fordern und die wir mit Gsttes, Hilfe bald verwirklicht sehen werden. Die Erklärungen des Bundeskanzlers♦ Wir bringen im folgenden auszugsweise die Erklärung des Bundeskanzlers unter Berücksichtigung einer uns von amtlicher Seite zugegangenen Richtigstellung einiger in der Presse unrichtig wiedergebener Stellen der Uebersetzung aus dem englischen Original: Eine^Judenfrage im allgemeinen Sinne dieses Wortes, wie in anderen Ländern, gibt es in Wirklichkeit in Oesterreich nicht. Die Bundes- Verfassung Oesterreichs basiert auf . der völligen Gleichheit aller Bürger ohne Unterschied der religiösen und nationalen Zugehörigkeit, Bisher ist kein Gesetz oder Dekret herausgegeben worden, das irgend welchen Nachteil für Mitglieder irgend einer religiösen Gemeinschaft im Gefolge gehabt hätte; dies gilt auch, soweit es sich um die Juden handelt; Zweifellos sind in der Periode des Wiederaufbaues des Staates eine Anzahl Maßnahmen ergriffen worden, von denen die eine oder die andere Kategorie von Bürgern betroffen wurde; diese Maßnahmen wurden aber ohne irgend welche Erwägungen religiöser Art, sondern einzig und allein aus p o litis e ben und wi r tschaftlichen Gründen getroffen. Infolge von Entwicklungen, deren Ursachen wob! bekannt sind, sind die österreichischen Juden in der Hauptsache in bestimmten Tätigkeitsgebieten beschäftigt, in denen sie früher sogar die g r 0 ß e M e h rheit ausmachten: in Handel, Bankwesen, Rechtsleben, Medizin, Journalismus, wie im allgemeinen in den freien Berufen. Dieser Stand der Dinge wurde noch weiter unterstrichen durch die Tatsache, daß die Karrieren in den. anderen Betätigungsgebieten der nichtjüdisehen Bevölkerung offenstanden. י Die Nachkriegszeit hat diese, Situation geändert. Die Möglichkeiten für Karrieren im öffentlichen Leben wurden sehr herabgemindert. Sowohl das Einkommen der Beamten als auch ihre Chancen auf Beförderung haben sich vermindert. Die militärische Laufbahn ist eine fast verschlossene. Infolgedessen hat sich die nicht jüdische Bevölkerung in wachsendem Maße dem Rechtsleben, der Medizin und den anderen freien Berufen zugewandt; und als sie die Mehrheit.der Positionen in diesen Berufen durch Juden besetzt / fand, sah sie hierin eine Ungerechtigkeit, sie wollte sich damit nicht abfinden, daß die Juden in diesen Berufen!zu 70 oder 80 Prozent vertreten sein sollten, wo die Christen 95 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmächen;’ Wer einen Lebensunterhalt sucht, hat keine Geduld zu historischen, Erwägungen. So geschah es, daß mehrere Berufskörperschaften die Forderung nach Inkrafttreten eines Numerus c laus es aufstellten. -Es muß aber gesagt werden, daß die Schwierigkeiten in den richterlichen und medizinischen Berufen in einem solchen Maße angewachsen sind, das es sogar ׳ im Interesse der jüdischen Angehörigen dieser Berufe selbst notwendig geworden ist, den weiteren Zur tritt zu diesen Berufen zu beschränken. Es wurden jedoch keine Maßnahmen ergriffen, die erworbene Rechte . *verletzt hätten. , ־ / ־ Auch im-Bankwesen hatten Juden die große Mehrheit der Positionen inne. Die Direktoren der “Großbanken waren •zum großen Teil Juden, die ihren Verwandten, Freunden und Bekannten Stellen verschafften; auf diese Weise haben Juden die Mehrzahl der höheren ’ ׳־• Posten bekleidet. Nach dem Zusammenbruch der Großbanken hat es die Regierung, die kein Risiko in der Verwältung der das ganze Land berührenden ,öffentlichen Finanzen eingehen konnte, für notwendig gehalten, an die Spitze der großen Finanzinstitutionen neue Männer zu setzen, die früher führende Positionen nicht bekleidet hatten. Diese Erwägung hatte Personal■; änderungen im Gefolge, nie aber war das System der v Auswahl von Erwägungen religiöser Natur inspiriert. Die Vereinfachung des Österreichischen Bank- Systems und die Reduzierung des Beamtenstabes,‘, die sie im Gefolge hatte, haben Juden und Christen in gleichem Ausmaße betroffen. Während der fünfzehn Jahre.des sozialdemok'ratischen R/egijmes im Wiener Rathaus war es ein Prinzip, daß jeder, der eine Position oder eine städtische Anstellung zu erlangen wünschte oder sonst in irgend einer Weise in eine Beziehung zur Stadtverwaltung zu treten wünschte, der .spzialr demokratischen Partei beitreten müsse. .. Älä dann die Macht der Sozialdemokratie gebrochen war, versuchte das neue Regime, die Stadtverwaltung von diesen politischen Einflüssen zu befreien; dies‘• der Grund, weshalb eine große Zahl von Beamten und .Angestellten entlassen wurde. Zweifellos sind auch jüdische Aerzte in einer gewissen Anzahl von dieser Maßnähme betroffen worden; aber das geschah nicht aus religiösen M.otiven, sondern hatte seine Ursache in der politisch en T ät igk e\ t der Entlassenen. ל Die' Tatsache, daß die Zahl j ü di sch er An*• gestellter in den öffentlichen Diensten sehr bä* sehr an k t ist, ist, wie bereits angedeutet, das Ergebnis? h i s t o risch e r Ent w i.c k 1 ung. Aber jenen. Juden, : die Anstellung in öffentlichen Diensten gefunden haben, ist die Möglichkeit gegeben, gemäß ihrer Begabung.und in Ansehung der von ihnen geleisteten Dienste hohe, ja höchste Positionen zu erreichen. . * , Die Möglichkeit einer Ausbürgerung der ‘ * leistungsfähigstes Möbelhaus M♦ Redlev/ Wien 1/ Sdiottenvuig 35 Telephon A-12-9-78. Zeitgemäße Preise. Gesamtausstattungen von der billigsten bis zur feinsten Ausführung, y ■׳■■■•■■■'■.■•■־■■■■ Beste Referenzen. Eigenes Zahlungssystem. ,, Schomra^-Mitglied. Die weltberühmte, in Qualität unübertroffene für die . orthodoxe Frau! Perückenkunstwerkstätte Wien 1, Kärntnerring ff ״fcjjgi Hotel BristPl ' I ייייי